Eins, zwei: Freddy kommt vorbei – so beginnt er, der berühmteste Kinderreim der Filmgeschichte. Jeder kennt Freddy Krueger, den vernarbten Traummörder aus der Elm Street mit seinem Ringelpulli und dem berüchtigten Klingenhandschuh. Freddy, das ist einer der wenigen wirklichen Stars des zeitgenössischen Horrorkinos, eine feste Größe in der Popkultur und der mit Abstand erfolgreichste Serienmörder, den der Slasherfilm in seiner Blütezeit hervorgebracht hat.

Bis heute hat die Figur in acht Kinofilmen, einer Fernsehserie, unzähligen Comics, Videospielen und sogar einer Hörspielreihe nichts von ihrer Faszination verloren. Anlässlich des jüngsten sinnfreien Franchise-Neustarts werfen wir einen Blick zurück auf das „Nightmare On Elm Street“-Phänomen und die letzte große Ikone des Genres.

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Mörderische Träume!

Als Wes Craven, der viele seiner Filmideen und Inspirationen stets aus seinen (Alp)Träumen ableitete, zu Beginn der 80er Jahre bei zahllosen Studios nach einer Finanzierung für sein kommendes Projekt suchte, stieß er auf flächendeckende Ablehnung. Sein Drehbuch über einen von aufgebrachten Eltern gelynchten Kindermörder, der sich nach seinem Tod in einen Traumdämon verwandelt und unschuldige Teenager im Schlaf heimsucht, mochte sich dem allgemeinen Trend der Zeit nicht fügen. Das Zielpublikum, so fürchteten die Studios, wolle reine Slasherfilme sehen, ohne übernatürliche Elemente und vermutlich auch ohne einen derart komplexen Unterbau – schließlich war Cravens Geschichte auch eine böse Abrechnung mit Suburbia und den Schrecken inmitten der amerikanischen Mittelschicht.

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Freddy und Serienveteranin Heather Langenkamp im Clinch.
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Erst Robert Shayes Independent-Schmiede New Line Cinema, die sich später zu einem der größten unabhängigen Studios entwickeln sollte, gab dem Regisseur nach dreijähriger Suche grünes Licht und stellte ihm ein Budget von 1,8 Millionen US-Dollar zur Verfügung, um „A Nightmare On Elm Street“ in nur 30 Tagen drehen zu können. Der Film spielte bei seiner Kinoauswertung allein in Amerika das 15fache der Kosten ein und begründete die erfolgreichste Horrorserie der 80er Jahre. Craven konnte nicht ahnen, dass ein so kleiner Genrefilm ein solches Kultpotential entwickeln würde, und sicher noch weniger, dass der ursprünglich Furcht einflößende Freddy Krueger zum neuen Star am Horrorhimmel und damit zu einer Art sympathischem Stand-Up-Killer avancieren sollte.

Fluch der Eltern

„Nightmare – Mörderische Träume“, so der deutsche Titel, ist noch immer einer der faszinierendsten Horrorfilme überhaupt. Er hat mit den Konventionen des damals so populären Teen-Horrors gebrochen, weil er seine Geschichte ausschließlich auf Augenhöhe der jugendlichen Helden erzählte, sie ernst nahm und nicht gemäß den Regeln des Slasherfilms für ihre Sünden bestrafte. Vielmehr noch hat Craven die Teenager des Films zu unschuldigen Opfern erklärt, die für die rechtswidrigen Vergehen ihrer Eltern bestraft werden.

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Richtig gesehen: Johnny Depp hatte in "Nightmares" seinen ersten Leinwandauftritt.
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Sein Entwurf verstand sich als Abkehr vom Bild des dümmlichen promisken Jugendlichen, seine Teenager sind kluge und selbstbewusste Kämpfer, die sich gegen die Erwachsenen geradezu auflehnen müssen, weil auf ihnen der Fluch einer vererbten Schuld lastet. Die Gestalt Freddy Krueger hatte im ersten „Nightmare“-Film demnach eher noch symbolischen Charakter, in ihm bündelten sich verdrängte Schuld und die Schattenseiten des gutbürgerlichen Vorortlebens – als grauenvoller Kindermörder ist er die Personifizierung all des Schreckens, der sich hinter den Fassaden der braven Mitteklassewelt verbirgt.

Nicht zuletzt wurden mit seiner Ermordung die verborgenen negativen Kräfte des Bürgertums zumindest für einen Moment freigesetzt, und die Folgen der elterlichen Selbstjustiz mussten nun die Kinder tragen. Damit hat sich Craven von den eher einfältig gestrickten Teenager-Genrefilmen seiner Zeit weit entfernt. Und so unterschiedlich die zahlreichen Fortsetzungen auch ausfielen, blieben sie dieser Idee stets treu. Zum effektivsten Wesensmerkmal des Films und der Serie im Allgemeinen gehört die Verlagerung der Bedrohung und ihres Schreckens in einen zutiefst empfindsamen Bereich des Menschen – seiner Träume.

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Verstörend: Der erste Mord in "Nightmares 1" flöst heute noch Angst ein.
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Dass Freddy als Reinkarnation des Boogey Man wider der Tradition des Slasherkinos seine Opfer im Schlaf heimsucht, sich in ihre Träume einschleicht und dort zu Gefangenen seiner fantasievollen Perversitäten erklärt, macht ihn zu einer wesentlich konkreteren Gefahrenquelle als seine Genrekollegen: Wir alle müssen schlafen und wir allen haben Träume, die wir nicht kontrollieren können. Da genügen keine einfachen Verteidigungsmuster: Um Freddy entkommen zu wollen, muss man kreativ und willensstark sein.

New Kids on the Elm Street

Deshalb unterschieden sich auch die Teenager der „Nightmare“-Filme stets von denen anderer populärer Slasher- und Teenhorrorfilme ihrer Zeit. Mit Nancy (Heather Langencamp), Alice (Lisa Wilcox) und Maggie (Lisa Zane) hat die Serie gleich drei starke Final Girls hervorgebracht, die sich mitunter mehrfach gegen Freddy zur Wehr setzen mussten. Im ersten Film beispielsweise überwindet Nancy die Bedrohung durch ihren Glaubensverlust an das Böse und führt damit die Irrationalität der Handlung ad absurdum, während Alice in „Nightmare On Elm Street 4“ die Stärken ihrer ermoderten Freunde zu den ihrigen erklärt und Freddy somit besiegen kann. Natürlich nur vorerst.

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Legendär schlecht: Die Poster der Elm Street-Reihe waren seit jeher zum Schreien.
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Nachdem Wes Craven erfolgreich die Geburtsstunde eines neuen Horrorhelden einläutete, gab New Line umgehend eine Fortsetzung in Auftrag. „Nightmare 2 – Die Rache“ (A Nightmare On Elm Street Part 2: Freddy’s Revenge) lief bereits ein Jahr nach dem Start des Vorgängers in den Kinos und entstand ohne jegliche Beteiligung Cravens, der das hanebüchene Drehbuch ablehnte und auch die allmähliche Entwicklung Freddy Kruegers hin zum Showstar eher kritisch beäugelte. Robert Englund schlüpfte ein weiteres Mal in den Ringelpulli und sollte der Figur damit endgültig ihr bekanntes charismatisches Profil verleihen – der Fluch des Type-Castings war ihm nunmehr jedoch sicher.

Das Sequel verwirft die Regeln des ersten Films und erzählt die Geschichte eines schüchternen High-School-Jungen, der von Freddy für seine Taten missbraucht wird. Der Junge soll sich für den Traumkiller munter durch die Gegend morden und dessen Macht somit auch auf die Realität übertragen – Freddy möchte töten, wann und wo es ihm gefällt. Unabhängig von den teils inkonsequenten Übergängen der Traumebenen krankt der Film an der grundsätzlichen Frage, wieso Freddy seinen praktisch grenzenlosen Machtbereich der Träume verlassen und in die Wirklichkeit verlagern möchte, was seine Fähigkeiten einschränken und ihn außerdem verletzlicher machen würde.

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Teil zwei hatte unter dem ausgesprochen schlichten Drehbuch zu leiden.
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Zudem evoziert der Film durch seine Geschichte, in der Freddy schließlich auch physisch Besitz vom Körper des Teenagers Besitz ergreift (und dieser wiederum dagegen anzukämpfen versucht), einen zum Teil höchst amüsanten schwulen Subtext, der jede Ernsthaftigkeit ausschließt. Angeblich zeigte sich Regisseur Jack Sholder („The Hidden“) später selbst überrascht von den starken homosexuellen Untertönen seines Films, die man allerdings auch zuhauf im (brillanten) ästhetischen Konzept ausmachen kann. Interessant ist „Nightmare 2“ letztlich vor allem durch seine Liebesgeschichte, bei der es dem Jungen und seiner etwas dämlichen Freundin gelingt, Freddy mittels ihrer Liebe zueinander zu besiegen. Etwas, dass es auch im weiteren Sinne innerhalb des Slasherfilms so nie wieder zu sehen gab.

Ringelpulli in Serie

Bei Produktionskosten von nur 3 Millionen US-Dollar übertraf der zweite Freddy-Auftritt den Erfolg des ersten noch deutlich und setzte umgehend die Vorbereitungen für eine weitere Fortsetzung in Gang. Trotz des zwiespältigen Verhältnisses zwischen Wes Craven und Produzent Robert Shaye kehrte der Freddy-Schöpfer für „Nightmare 3 – Freddy Krueger lebt“ (A Nightmare on Elm Street 3: Dream Warriors) als Produzent und Autor zur Serie zurück. Sein ursprünglicher Drehbuchentwurf blieb im fertigen Film jedoch bestenfalls zu erahnen, da Regisseur Chuck Russell („Der Blob“) und Co-Autor Frank Darabont („The Green Mile“) das Script kräftig umschrieben.

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Teil drei wagt bereits in Ausfallschritt in Richtung Comic-Happening.
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Letztlich musste Craven erkennen, dass er keinerlei künstlerischen Einfluss besaß und nur seinen Namen für die Vermarktung herhalten durfte. Ein weiteres Mal wurde die Geschichte aus einer neuen Perspektive erzählt und deutlich ergänzt. Freddy Krueger terrorisiert im dritten Film weiterhin die hilflosen Kids der Elm Street (u.a. eine blutjunge Patricia Arquette), die er reihenweise in eine psychiatrische Anstalt treibt. Dort verbünden sich die Teenager unter Mithilfe von Nancy, jener Heldin des ersten Films, zu Traumkriegern und stellen sich Freddy via Hypnose mit individuellen Fähigkeiten in den Weg.

Der spannende und fantasievolle Film setzt noch deutlicher auf comicartige Splatter- und Traummomente und entwickelt Freddy endgültig zum Sprüche klopfenden Moderator, der sich den Sympathien des Publikums sicher sein kann. Der Film verändert außerdem die Geschichte des Traumkillers und verpasst ihm einen deutlich ausformulierten und mystifizierenden Hintergrund: Freddy wird hier zum Sohn einer vergewaltigten Nonne erklärt, gezeugt von Tausenden Insassen einer Nervenheilanstalt.

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Noch eine der einprägsameren Szenen: Freddy verschlingt Patricia Arquette.
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Damit bewegt sich die Serie auf ihren neuen Pfaden eher in den Bereich des Camps vor und überhöht den konkreten Horror, der vom vorstädtischen Kindermörder einst ausging, zum mystischen Popanz, der revueartig einem Zirkushappening gleichkommt. Die Auflösung der Geschichte mittels religiöser Beschwörungstaktiken widerspricht dem Tonfall des Originals dann geradezu vehement und lässt diesen dritten Freddy-Teil eher als etwas angestaubten Trash erscheinen.

Wandlung zum Sprücheklopfer

An den Kassen wirkte sich das keineswegs negativ aus, der Film spielte 1987 allein in den USA rund 45 Millionen US-Dollar ein und entwickelte sich wie alle „Nightmare“-Episoden auch auf dem Videomarkt zum Hit. Außer Frage also, dass bereits ein Jahr später schon das vierte Elm-Street-Abenteuer an den Start ging. Wie die meisten Regisseure der Serie begann auch der Finne Renny Harlin („Stirb Langsam 2“) seine Hollywoodkarriere mit einem Beitrag zum Freddy-Franchise: „Nightmare on Elm Street 4“ (The Dream Master) entwickelte sich zum erfolgreichsten Teil der Filmreihe und eroberte seinerzeit sogar die Spitze der amerikanischen Kinocharts.

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"Nightmare 4" vollzieht endgültig den Wandel vom atmosphärischen Horror zur spaßigen Splatter-Show.
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Freddy Krueger hatte sich nunmehr als Werbestar erwiesen, der unzählige Merchandise-Artikel schmückte und sich zum absoluten Publikumsliebling unter den vielen populären Horrorserien der 80er mauserte. Folgerichtig präsentiert sich der vierte und konventionellste „Nightmare“ als reine Freddy-Show, bei der sich die stark am herkömmlichen Slasher-Prinzip abarbeitende Geschichte nur noch einfallsreichen Traum- und Mordsequenzen unterordnet, die durch zynische One-Liner zusammengehalten werden. Inhaltlich knüpft der Film an den Vorgänger an und führt mit der Alice-Figur eine würdige Nachfolgerin für die im dritten Teil verstorbene Nancy ein.

„Nightmare on Elm Street 4“ ist liebevoll getrickster Teen-Horror, bei dem die sanften Metaebenen der Vorgänger endgültig gewichen sind. Die Inszenierung visueller Ideen steht überdeutlich im Vordergrund einer Handlung, die alles Reale zunehmend ins Traumhafte übersetzt. Lediglich die allzu glatten Jungdarsteller und der gewiss nicht treffsichere Einsatz dröger Rocksongs auf der Tonspur weisen den Film als Kind seiner Zeit aus. Die Kommerzialisierung der Titelfigur ging dabei Hand in Hand mit einer kompletten Akzentverschiebung – weg von reinem Horror, hin zum amüsanten Gruselspaß.

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Die TV_Serie floppte brachial - brachte es aber dennoch auf zwei Staffeln.
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Im selben Jahr, als der vierte Freddy-Film die Kinos eroberte, versuchte New Line seine Goldkuh auch im Fernsehen zu melken. Die TV-Serie „Freddy’s Nightmares“ versammelte einige mehr oder weniger bekannte Genreregisseure, unter ihnen sogar Tobe Hooper („The Texas Chainsaw Massacre“), der den Pilotfilm inszenieren durfte. Nur wenige der zwei Staffeln umfassenden Serie hatten inhaltlich tatsächlich etwas mit dem Zugpferd Freddy Krueger zu tun, im Wesentlichen ging es lediglich um verschiedene austauschbare Horrorgeschichten, die der hierzulande gern als „Pizzagesicht“ betitelte Traummörder in bester Crypt-Keeper-Manier moderierte.

Die Quoten waren durchgängig alles andere als zufrieden stellend, was wohl an der billigen Produktion, dem potthässlichen Videolook und den idiotischen Geschichten der Serie gelegen haben mag. Lediglich die Pilotepisode dürfte für Fans interessant sein, da sie die (leicht abgeänderte) Vorgeschichte Fred Kruegers samt Gerichtsprozess und Verbrennung erzählt. Mit der Qualität der Kinofilme konnte sich letztlich keine Episode der zumeist im Eiltempo herunter gekurbelten Fernsehserie messen – und heute erinnert sich zu Recht fast kein Mensch überhaupt mehr an sie.

Back to Basics

Da das Publikum der kommerziellen Ausbeute Kruegers offenbar überdrüssig wurde, haben die Produzenten für den fünften Film, „Nightmare on Elm Street 5 - Das Trauma“ (Das Trauma), im darauf folgenden Jahr eine Kurskorrektur vorgenommen. Newcomer Stephen Hopkins, der später mit Filmen wie „Predator 2“ oder „Der Geist und die Dunkelheit“ in Hollywood Erfolge feierte, entfernte sich vom nahezu parodistischen Tonfall, der die „Nightmare“-Serie mittlerweile bestimmte. Trotz seines verspielten und ausschließlich visuellen Ansatzes betonte der fünfte Freddy-Film wieder die düsteren und morbiden Seiten des Traumkillers.

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Promo-Foto für Teil fünf: Dieses Mal wird Freddy Papa.
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Zwar spinnt auch Hopkins die inhaltlichen Absurditäten der Vorgänger weiter, wenn Freddy seine Wiedergeburt einleiten und sich deshalb in das ungeborene Kind der schwangeren Alice einnisten möchte, verfremdet den dünnen Plot jedoch wie kein zweiter seiner Kollegen durch eine surreale Atmosphäre. Die Traumsequenzen gerinnen in „Nightmare 5“ zu wahren Kunstwerken, die in ihren comicartigen Framings ästhetisches Neuland betreten. In keinem Film der Serie wurde das funktionale Prinzip des Slasherkinos stärker gebrochen, dieser fünfte Freddy-Teil ist ein bildlicher Alptraum und zweifellos das künstlerisch stärkste Sequel.

Es verwundert deshalb wohl kaum, dass Hopkins’ neue radikale Stoßrichtung beim Publikum wenig Anklang fand. „Nightmare 5“ erzielte zwar immer noch Gewinne, blieb an den Kassen aber der bis dato erfolgloseste Film der gesamten Reihe. New Line ließ sich deshalb mit einem weiteren Freddy-Teil zwei Jahre Zeit, verabschiedete sich von der ohnehin nur mäßig erfolgreichen Fernsehserie und bereitete sorgfältig den sechsten und als letzten Film der Serie angekündigten „Freddy's Finale - Nightmare on Elm Street 6“ (Freddy's Dead: The Final Nightmare) vor. Für die Regie wurde Rachel Talalay („Tank Girl“), langjährige Produzentin der Filmserie, verpflichtet.

Freddys Kinotod

Freddy endgültig sterben lassen zu wollen war angesichts seiner sinkenden Popularität eine verständliche Entscheidung. Überraschenderweise hielt sich New Line im Gegensatz zu vielen anderen Franchise-Vertrieben auch an dieses Versprechen, man denke nur an Jason Vorhees, dessen „Final Chapter“ schon mit dem vierten Film der 10teiligen „Freitag, der 13.“-Serie verkündet wurde. Um den Kreis zu schließen, ging man deshalb noch einmal ganz auf Anfang: Fred Kruegers Vergangenheit wird angerissen, seine schrecklichen Taten, die alle Kids in Springwood nunmehr fast ausgelöscht haben, und schlussendlich gar die Enthüllung, dass er Vater einer Tochter ist – was Robert Englund einmal Gelegenheit gab, ohne Narbenmaske aufzutreten.

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Wer Wer hätt's gewusst: Freddy's Vater wird von Rock-Legende Alice Cooper dargestellt.
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Talalays ambitionierte Interpretation blickt noch tiefer in die Ängste von Teenagern, die alle auf ihre Weise mit traumatischen Erfahrungen zu kämpfen haben. Der Schrecken, den ihre Eltern ihnen zumeist beschert haben, ist um einiges schlimmer als die Bedrohung durch Freddy Krueger, der hier einzig seine Tochter Maggie aufspüren und zu seiner Nachfolgerin küren möchte. Der Film stellt dem fatalistischen Erbkomplex des ersten Teils von Wes Craven ein quasi-hoffnungsvolles Bild gegenüber, wenn Freddys Tochter sich von ihrem mörderischen Vater emanzipiert. Leider gelingt dem Abschluss der Serie trotz seines starken Konzepts nicht der Verzicht auf alberne Einlagen und in diesem Falle deplatzierte Effekthascherei – von den in 3D gedrehten und verschenkten letzten Minuten des Films gar nicht zu sprechen.

Das Einspielergebnis von „Freddys Finale“ bewegte sich deutlich über dem des Vorgängers, doch New Line löste das Versprechen ein: Dies sollte bis heute der letzte reine „Nightmare On Elm Street“-Film bleiben. Mehr oder weniger zumindest. Denn so wirklich sterben lassen wollte man den erfolgreichsten Serienkiller des Genres offenbar auch nicht, absolvierte Freddy doch zwei Jahre später einen Miniauftritt im hauseigenen „Friday the 13th“-Franchise: Am Ende von „Jason goes to Hell“ taucht er auf, der berühmte Klingenhandschuh, und deutete schon viele Jahre vor dem eigentlichen Crossover der Horrorikonen in „Freddy Vs. Jason“ eine Rückkehr des Traummonsters an.

Freddys „echter“ Tod

Und die folgte bereits 1994, zum 10jährigen Jubiläum des Originals. Doch der letzte Film der Serie, „Freddy’s New Nightmare“ (Wes Craven’s New Nightmare), beschritt gänzlich neue Wege. Er schließt die Serie, die zuvor bereits beendet schien, auch in der (Film)Realität ab. Freddy-Schöpfer Wes Craven nahm New Lines Angebot an und seine Erfindung noch einmal selbst in die Hand – im siebten Film hat sich der Mythos Freddy Krueger soweit verselbständigt, dass er – als personifizierter Dämon – schließlich die Crew der „Nightmare“-Filme attackiert. Dafür kehrten zahlreiche Darsteller und Mitarbeiter des Originals, u.a. Heather Langencamp (Nancy), zur Serie zurück, um sich in einer der ungewöhnlichsten Fortsetzungen der Filmgeschichte praktisch selbst zu spielen.

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Achtung Wortwitz: Freddy's Finale fuhr das Franchise vor die Wand.
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Die Idee hinter „Freddy’s New Nightmare“ ist eine vergnügliche und im bescheidenen Rahmen selbstreflexive, und sie führt die zur reinen Comedy verkommenen Serie wieder in den Bereich der Ernsthaftigkeit zurück – dorthin, wo Craven einst begann. Wie bereits in seiner postmoderne Widersprüche und referentielle Genrebrüche verhandelnden „Scream“-Trilogie arbeitet sich der Regisseur mit großer Freude durch einen Irrgarten aus Verweisen, Serienmythos und dem eigenen Schaffen. Wenn die „echte“ Heather Langencamp die fiktiven Szenen ihres „Nightmare“-Films durchleben und quasi noch einmal wirklich zu Nancy werden muss, dann darf man das bei Craven auch als Fachsimpeln über den Diskurs Realität vs. Fiktion verstehen.

Dass Craven mit dem ungewöhnlichen Konzept seines Abschlusses auch die für sein Empfinden abstrus verlaufene Entwicklung der „Nightmare“-Filme kommentiert, indem er sie alle – inklusive des Originals – zur schlichten Fiktion erklärt, beweist feinsinnige Ironie, auch im Umgang mit dem eigenen Œuvre. Das Design seiner Freddy-Kreation hat er dazu entsprechend abgeändert, der einstige Sprücheklopfer erscheint nun als das ultimativ Böse, das durch kreative Vorstellungskraft zu Leben erwacht ist. Im Prinzip ist „New Nightmare“ ein Film über die Macht der Fantasie, des Kinos und Geschichtenerzählens, angereichert mit Cravens liebsten Märchenmotiven.

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Teil sieben wurde durch Wes Cravens Rückkehr veredelt - enttäuschte jedoch ebenfalls an der Kinokasse.
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Das kühne Vorhaben des Films konnte an der Kinokasse nur enttäuschen. Mit einem Einspiel von 18 Millionen US-Dollar in Amerika erwies sich das ultimative Sequel als umsatzschwächster Teil der Serie und sollte Freddy Krueger für viele Jahre in die verdiente Ruhepause schicken. Dass „New Nightmare“ damit so etwas wie ein Franchise-Killer war, müsste getreu seines Konzepts nur als konsequent gedeutet werden: Freddy erlebte seinen Tod im Film und in der „Realität“, also durfte New Line es auch guten Gewissens dabei belassen. Wenn, ja wenn da nicht noch das lang erwartete und angekündigte Gipfeltreffen mit Kollege Jason Vorhees angestanden hätte.

Das kommerzielle Nachspiel

Nach einer beachtlichen Vorbereitungsphase und Vielzahl an Drehbuchentwürfen inszenierte „Chucky und seine Braut“-Regisseur Ronny Yu schließlich das reichlich nerdige Fan-Event namens „Freddy Vs. Jason“, wohl gemerkt fast zehn Jahre nach dem letzten „Nightmare“-Film. Es ist ein eigenständiger Exkurs beider Horrorhelden, der viele Haken in deren unterschiedliche Filmserien schlägt, im Großen und Ganzen aber auf Publikumsmagnet Freddy zugeschnitten wurde. Der Spaßfaktor des Films ist beachtlich, sein Drehbuch logisch konstruiert und natürlich sprudelt auch das (nunmehr computergenerierte) Blut reichlich. Über ein reines Fun-Happening geht dieses Aufeinandertreffen aber freilich nie hinaus.

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Ein Fanhappening erster Güte: Freddy vs Jason belebte zwei Ikonen des Horrors noch einmal neu.
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Dem Studio bescherte der Film, der ohne Cravens Wiederbelebung des Genres mit „Scream“ sicher nicht zustande gekommen wäre, ein Einspiel von fast 120 Millionen US-Dollar und ließ die Kassen damit kräftig klingeln. Undenkbar also, dass New Line seine hausinternen Horrorikonen nicht erneut in Serie schicken würde. Nachdem Leatherface in „The Texas Chainsaw Massacre“ Jessica Biel nachsteigen und auch Jason Vorhees im „Freitag, der 13.“-Remake noch einmal zur Machete greifen musste, war nun auch der populärste Slasher-Hero nicht mehr vor einer Neuverfilmung sicher.

Dass die Nachstellung eines so originären und individuellen Horrorstars wie Freddy Krueger, der zudem nicht von seinem Darsteller Robert Englund abzugrenzen ist, mehr als schwierig zu bewerkstelligen war, beweist „Nightmare on Elm Street“ im Jahre 2010 nur allzu deutlich: Es ist der traurige Tiefpunkt eines seelen- und einfallslosen Imitationskinos, das aber gewiss nicht die fantasievollen Entwürfe einer langlebigen und einzigartigen Horrorfilmserie berühren kann, die sich immer wieder neu zu erfinden wusste. Bleibt nur zu sagen: Rest in Peace, Freddy.