Wer kennt ihn nicht, die hässliche Schmelz-Visage mit Hut, Streifenpulli und Klauenhand? Freddy Krueger, jene Altptraumgestalt, welche die jugendlichen Bewohner der Elm Street in ihren Alpträumen heimsucht und sie der Reihe nach in den Wahnsinn und ziemlich blutige Tode treibt.

Wes Cravens Original von 1984 war ein überwältigender Überraschungserfolg, der die vielleicht bekannteste und beliebteste Horror-Serie aller Zeiten begründete. In sieben Filmen (plus dem Crossover Freddy vs. Jason 2003) metzelte Freddy zur Freude seiner Fans immer wieder die Teenies ab, bis die Story 1994 endgültig auserzählt war und seitdem keine neuen Teile mehr gedreht wurden. Doch nun ist die Messerhand back in Action – allerdings nicht in einer Fortsetzung, sondern – wie man das momentan eben so macht – in einem Neustart der Serie.

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Traumhaft oder traumatisch?

Ein Neustart sollte natürlich einerseits den zahllosen Fans der Originale genug Futter liefern, damit sie wieder Appetit auf Freddy bekommen; andererseits müssen natürlich auch die Zuschauer angefüttert werden, die bislang noch nicht auf den Geschmack der Serie gekommen sind. Die Story-Gratwanderung ist prinzipiell gelungen, da auf Altbewährtes gesetzt wird: Ein paar Kids haben alle die gleichen, wiederkehrenden Träume, in denen sie von einem angeschmorten Typen mit einer Scherenhand bedroht werden. Doch die Träume erweisen sich als erschreckend real, und was ihnen dort geschieht, wirkt sich auch auf die Realität aus – viele blutige Todesfälle sind die Folge.

A Nightmare on Elm Street - So halbgar wie seine Hauptfigur

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Freddy ist wieder da - nur hatten wir ihn irgendwie gruseliger in Erinnerung.
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Die Devise lautet also „Nicht Einschlafen!“, während die drastisch reduzierte Zahl potentieller Opfer herauszufinden versucht, wer dieser Irre ist, der ihnen nach dem Leben trachtet, warum er dies tut – und wie er aufzuhalten ist. Es geht sofort mit der Action los und der Zuschauer und die Helden werden am Anfang mitten ins blutige Geschehen geworfen. Danach schaltet der Film einen Gang zurück und lässt etwas Zeit zur Recherche. Wenn die jugendlichen Helden Freddy auf die Spur kommen, wird dies gekonnt über Rückblenden und Traumsequenzen erzählt. Dabei schafft der Film seine eigene Mythologie um Freddy, die leicht von der Vorlage abweicht; in der Neuinterpretation ist Freddy etwa Kinderschänder statt Kindermörder.

Die kleine Änderungen machen aber eigentlich kaum einen Unterschied, und die alten Fans bekommen vieles von dem, was sie so schätzen und lieben gelernt haben – aber das ist auch genau das Problem. Denn der neue "Nightmare on Elm Street" wagt nichts wirklich Neues. Zu bekannt ist die eigentliche Story, zu wenig überraschend sind die Auflösungen der Handlung, zu vorhersehbar sind (mit ganz wenigen Ausnahmen) die Handlungselemente und sogar die einzelnen Szenen.

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Klar, ohne blutjunge Teenies geht es einfach nicht.
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Das geht soweit, dass die meisten von Freddys Angriffen fast 1:1 übernommen wurden: Die Hand in der Badewanne, das Opfer, das durchs Schlafzimmer gewirbelt wird, der Alptraum in der Schule, Freddy hinter der Tapete, das Einsinken in den Boden bei einer Flucht und so weiter und so fort. An dieser Stelle wäre Mut zur Veränderung wichtig gewesen – stattdessen gibt es Altbewährtes mit neuer Technik, wobei trotzdem die Qualität des Originals nie erreicht wird.

Freddy vs. Freddy

Stattdessen ändert sich Freddy – und das ist das zweite große Problem des Films. Freddy Krueger wurde seit eh und je von Robert Englund dargestellt, der diese Rolle geformt und gestaltet hat. Es ist fast unmöglich, sich jemand anderen unter der Narbenmaske vorzustellen. In der neuen Version schlüpft Jackie Earle Haley (bekannt unter anderem als Rorschach aus Watchmen) in diese übergroßen Schuhstapfen – und kann dabei nur versagen. Sein Freddy ist schmächtiger, zeigt keine gestaltwandlerischen Fähigkeiten und hat weniger vom sadistischen, schwarzen Humor des Vorgängers. Durch diese Änderungen wirkt er menschlicher, verletzlicher und in letzter Konsequenz weniger bedrohlich.

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Zahlreiche Schockmomente stammen 1:1 aus dem Original.
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Das liegt auch an dem für die Rolle so entscheidenden Make-Up. Freddy ist vom Feuer entstellt. Wir sind die Maske des alten Freddy gewöhnt, mit dem geschmolzenen Fleisch und der großen Nase. Blickt man seinem Nachfolger hingegen in die hässliche Fratze, so fallen die kleinen, weit auseinanderliegenden Augen auf, die irgendwie traurig, aber wenig furchteinflößend wirken. Am prägnantesten ist ein großes CGI-Loch in der Wange, das die Blicke auf sich zieht und so vom Rest der Narben-Fratze ablenkt. Der Schauer wie beim Englund-Freddy stellt sich nicht ein – die optische Frischzellenkur hat dem Alptraumschlitzer leider überhaupt nicht gut getan.

Nicht blutarm, aber seelenlos: Das Freddy-Remake zeigt zu keiner Sekunde frische Ansätze und darf damit unter "Braucht man nicht" abgeheftet werden.Fazit lesen

In gewissem Maße mag dieses harte Urteil ungerecht sein. Wir sehen den Film mit dem verklärter Blick auf unsere (Kindheits-)erinnerungen. Der neue Film kann es einfach nicht schaffen, die gleichen Emotionen hervorzurufen, den gleichen Grusel zu erzeugen, wie das wegweisende Original 1984 es vollbrachte. Doch es ist nicht nur dies: Wo das Original clever war, neuartig, überraschend und mit viel Gefühl umgesetzt wurde, ist das neue nur eine schwache Kopie.

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"Oh Gott, ich hab meine Hausaufgaben vergessen..."
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Cravens Version war auch unheimlich – es wurde viel mit Licht und Schatten gearbeitet, Freddys Fratze blieb die meiste Zeit über im Schatten verborgen, und die Musik wurde eingesetzt, um dem Zuschauer Angst zu machen. Das Remake setzt stattdessen auf ein paar (vorhersehbare) Schockeffekte, kippt durchs gesteigerte Tempo quasi jeden Aufbau einer unheimlichen Spannung über Bord und zeigt stattdessen nur Angst und Panik bei den Figuren. Was theoretisch auch noch klappen könnte, wenn die Darsteller die Zuschauer mit überzeugenden Leistungen zum Mitfiebern bewegen würden.

Aber der Funke springt nicht über, der Zuschauer entwickelt keine Sympathie für die Charaktere. Vielleicht liegt es genau daran, dass sich der Film eigentlich keine Zeit nimmt, seine Personen einzuführen und ihre Bedrohung langsam aufzubauen, vielleicht liegt es an den blass bleibenden Jungschauspielern oder an der generellen Einfallslosigkeit des Skripts. Wirklich schade, das Remake von A Nightmare on Elm Street hätte problemlos ein guter Film werden können. Aber das Ergebnis ist schal, und selbst den Zuschauern, die komplett neu zur Serie stoßen, sei unbedingt das Low-Budget-Original von 1984 ans Herz gelegt – auch nach 26 Jahren ist es immer noch der bessere und überzeugendere Film.