Immer, wenn man denkt, man hätte schon alles gesehen, hält das zeitgenössische Kino doch noch eine Überraschung parat. Diese heißt „A Girl Walks Home Alone At Night“ und ist ein iranischer Vampirfilm in Schwarzweiß. Ganz richtig ist das nicht, auch wenn er als solcher auf Festivals gefeiert wurde. Man muss ein wenig differenzieren. Der Film spielt in einer märchen- oder albtraumhaften Version des Irans, er ist mit iranischstämmigen Schauspielern besetzt, wurde in Farsi gedreht, ist aber eine amerikanische Produktion, die in dem kalifornischen Städtchen Taft gedreht wurde. Aber auch das trägt zur faszinierenden Wirkung des Films bei.

A Girl Walks Home Alone At Night - Deutscher Trailer #1Ein weiteres Video

Bad City ist eine Stadt, die aus der Zeit gefallen scheint. Die 1950er Jahre sind einfach stehen geblieben, Teile der Moderne haben jedoch Einzug gehalten. Es ist ein düsterer, depressiver Ort, der nach Einsamkeit und Tod stinkt. In ihm geht eine Frau um, ein Vampir, der niemanden an sich heranlässt, der jedoch die Bewohner dieser Stadt jagt, ohne dass die es merken.

Wonach die Frau sucht, jenseits von Blut als Nahrung? Das ist schwer zu sagen. Vielleicht ist es Liebe. Ein Seelenverwandter. Jemand, mit dem man die Ewigkeit teilen kann. Vielleicht jemand wie Arash.

A Girl Walks Home Alone At Night - Iranische Vampire auf Beutefang

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Der Film wird auf dem Fantasy Film Fest in den höchsten Tönen gelobt.
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Arash ist ein junger Mann, der mit einem Junkie als Vater geplagt ist, der das Mädchen auf der Straße nach einer Party kennen lernt und nicht ihr Opfer wird. Weil sie in ihm etwas sieht? Vielleicht. Auf jeden Fall sieht er etwas in ihr. Die Chance auf einen Neuanfang.

Eine unwirkliche Welt

Man merkt schon in den ersten Minuten, dass „A Girl Walks Home Alone At Night“ ein ungewöhnlicher, aber auch kein leichter Film ist. Er ist Arthaus-Horror, den man als konsequente Fortführung von George A. Romeros 1970er-Jahre-Film „Martin“ sehen könnte – allerdings weit stylischer.

Ana Lily Amirpour, die auch das Drehbuch verfasst hat, fängt ihre Geschichte in expressionistischem Schwarzweiß ein. Die Bilder, die sie erschafft, brennen sich ins Gehirn ein. Es ist eine geradezu wilde Mixtur aus Americana und persischem Flair. Die Stadt riecht mit ihren beschaulichen Straßen und den kleinen Häusern nach typischem amerikanischen Kleinstadtmief, der Umstand, dass es jedoch eine fiktive Stadt im Iran sein soll, sorgt für eine kuriose Stimmung. Es ist unwirklich, beinahe monströs, so wie Amirpour hier eine Welt erschafft, in der das farbige Leben nicht einfach nur schwarzweiß abgelichtet ist, sondern ganz und gar in Grautönen stattfindet.

A Girl Walks Home Alone At Night - Iranische Vampire auf Beutefang

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"A Girl Walks Home Alone At Night" kommt bei uns am 23.04.2015 auf den Markt.
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Bad City, das ist eine Stadt, in der es keine Farbe, kein Licht, keine Freude gibt. Fast erscheint Bad City wie die Vorhölle.

Unterdrückung und Beherrschung

„A Girl Walks Home Alone At Night“ ist ein Film, der Stil über Substanz setzt. Oberflächlich betrachtet. Er hat aber durchaus mehr zu bieten als nur schöne Bilder. Dass die Vampir-Frau einen Tschador trägt, um sich zu verbergen, ist ein cleverer Weg, Rollenbilder umzudrehen.

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Diese Kleidung wird als ein Werkzeug der Unterdrückung genutzt, von dem Vampir aber zur Tarnung eingesetzt, was seine Jagd erleichtert. Generell funktioniert der Film am besten, wenn er mit Erwartungshaltungen spielt. So hat man eine Szene mit einem alten, bösen Mann, der von dem Vampirmädchen auf der Straße verfolgt wird. Das ist eine Umkehrung des Rollenverständnisses, wie es vor allem das formelhafte Horror-Genre immer wieder bietet.