Alle Jahre wieder... durchbrechen böse Horrorfilme die traute Seligkeit der Weihnachtszeit. Das heimelige Fest der Liebe bietet einen starken Kontrast zu abgeschlagenen Köpfen, der Aggressionspegel des Ho-Ho-Ho-Terrors schreit geradezu nach einer Katharsis und viele klassische Weihnachtsgeschichten sind ja sowieso verkappte Horrorgeschichten. Kein Wunder also, dass die Anzahl der Anti-Weihnachtsfilme von Jahr zu Jahr ansteigt. „A Christmas Horror Story“ tritt offene Türen ein und dürfte mit seiner angenehmen Bösartigkeit so manchen braven Familienvater von der Pumpgun fernhalten.

A Christmas Horror Story - Official Trailer #1

Hass auf Harmonie

Denn Weihnachten kann schon wirklich Horror sein, erst recht in Filmen, wo „Black Christmas“, „Stille Nacht – Horror Nacht“ oder „Christmas Evil“ bereits fleißig Blut auf dem weißen Schnee verteilt haben. Genau in diese Ecke zielt auch „A Christmas Horror Story“, der seinem Titel entsprechend den schwarzen Humor eher auf kleiner Flamme kocht und dafür lieber handfeste Schocks in den Vordergrund schiebt. Das geschieht in Gestalt von vier Geschichten, die verbunden sind durch einen trinkfesten Radiomoderator (William Shatner), der am Weihnachtsabend Schicht schieben muss.

A Christmas Horror Story - Mutti, aus dem Geschenk tropft Blut!

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Shatner hat gut lachen. Er hat ja auch Eierlikör.
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Dabei erzählt er, dass seine Stadt, Bailey Downs, vor einem Jahr von dem Doppelmord an zwei Jugendlichen erschüttert wurde. Passiert ist die Tat im Keller der örtlichen Highschool, wo nun natürlich eine Gruppe Jugendlicher nachsehen möchte, was da wirklich vor sich ging. Oh, wenn sie nur wüssten – genauso wie ein schwarzes Paar, das mit ihrem Sohn in den Wald fährt, um heimlich einen Weihnachtsbaum zu schlagen. Und dabei den Sohn verliert. Der sich in einem Baum einen mörderischen Geist einfängt. Was aber nicht wirklich schlimmer ist als die Begegnung einer Familie mit Krampus, dem dunklen Schatten des Weihnachtsmannes.

Angriff der Elfen

Die böseste Geschichte jedoch, die auch ganz sicher die spektakulärste Geschichte von „A Christmas Horror Story“ ist, handelt von dämonischen Elfen, die dem Weihnachtsmann kurz vor der jährlichen Geschenketour ans Leder wollen. Hier und bei der Krampus-Episode gibt es einen direkten Weihnachtsbezug, der das Vergnügen nochmal enorm steigert, wohingegen bei den anderen beiden Teilen höchstens mal kurz die Glöcklein im Hintergrund bimmeln. Das reicht schon, um als Anti-Weihnachtsfilm durchzugehen, aber besser wäre es auf jeden Fall gewesen, die festliche Symbolik noch tiefer durch den Blutmorast zu ziehen.

A Christmas Horror Story - Mutti, aus dem Geschenk tropft Blut!

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Don't fuck with the Krampus.
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Was auf jeden Fall bei „A Christmas Horror Story“ auffällt, ist die Grimmigkeit des Geschehens. Wo „Tales of Halloween“ seinen festiven Anlass für pulpigen Unsinn nutzt, zurren die drei Regisseure hier, die alle übrigens aus dem „Ginger Snaps“-Dunstkreis stammen, den Gürtel um den Hals erfreulich eng. Auch bei den Werwölfen wurde ja das Trashige auf intelligente Weise ernst angestrichen, und hier ist es zum Glück nicht anders. Diese verdammten Elfen meinen es wirklich ernst, Krampus darf Gliedmaßen abtrennen und in dem Schulkeller wird auch nicht gerade gelacht. Das darf einzig William Shatner übernehmen, gerne mittels amüsanter Gegenschnitte zum sonstigen grausigen Geschehen.

Überhaupt: „A Christmas Horror Story“ ist interessant aufgebaut, weil die Geschichten nämlich nicht nacheinander , sondern parallel erzählt werden. Die drei Regisseure haben zunächst mindestens einen abgeschlossenen Kurzfilm gedreht und dann hat Brett Sullivan zusammen mit D. Gillian Truster das Ganze durcheinandergeschüttelt. Ein bisschen geht so zwar die konzentrierte Spannungsschraube flöten, doch andererseits sind so großartige Übergänge möglich, und der parallele Aufbau ist tatsächlich überraschend stimmig, bis dann am Ende alle vier Showdowns vor dem durchaus angespannten Zuschauer zünden dürfen.