Nicht nur „Housebound“ bietet dieses Jahr herrlich skurrilen Genrehumor neuseeländischer Prägung, sondern auch „5 Zimmer Küche Sarg“ - eine drollige Mockumentary über den Alltag einer Vampir-WG, inszeniert von den beiden Masterminds hinter der vielgelobten Serie „Flight of the Conchords“, Jemaine Clement und Taika Waititi.

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Dokumentieren ohne Bisswunden

Der Ausgangspunkt des Films, quasi die zugrundeliegende „high concept“-Idee, ist der Besuch eines Kamerateams bei einer aus vier Vampiren bestehenden Wohngemeinschaft in Wellington. Viago (Taika Waititi), ein schicker Dandy, ist 379 Jahre alt, der rustikale Stecher Vladislav (Jemaine Clement) 862 Jahre, Deacon (Jonathan Brugh), der „bad boy“ der Truppe, 183 Jahre und Petyr (Ben Fransham) stattliche 8.000 Jahre – weswegen er auch vorwiegend in einem Steinsarg im Keller liegt. Und -seine Worte- F.W. Murnau als Vorlage für „Nosferatu“ diente.

5 Zimmer Küche Sarg - Vampire spülen kein Geschirr!

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„Wenn man ein Vampir ist, wirkt man sehr sexy.“
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Warum die Vampire überhaupt das Kamerateam ins Haus lassen, wird nicht ganz klar, genauswenig wie die Beweggründe des Kamerateams. Zwar versprechen ihnen die Blutsauger, kein Blut zu saugen, doch so richtig trauen sollte man diesen wundersamen Gestalten lieber nicht. Die vier Herren sind gezeichnet von Macken, die eigentlich zur sofortigen Flucht ermuntern, und repräsentieren einen statistisch einwandfreien Querschnitt durch die Vampirgeschichte, von Vlad bis zu Edward.

Was dann nach dem Setup folgt, ist die Dokumentation des Alltags der Vampire, der seinen Humor vor allem aus Gegensätzen zieht. Der Pomp vieler Vampirfilme wird heruntergeschraubt auf Handkamera und triste Wände, die doch eigentlich übermächtigen Vampire kämpfen mit ganz normalen Sorgen und das dramatische Grauen verwandelt sich in schrullige Gags, die Genrekonventionen, wie zum Beispiel dem fehlenden Spiegelbild, betont bodenständige Sichtweisen abgewinnen.

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Total schöne WG. Und so nette Mitbewohner.
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Die perfekte Frisur für den Sonnenaufgang

Wenn man sich mal richtig fesch machen möchte, für eine heiße Partynacht, weiß man gar nicht, ob die Frisur sitzt. Seit fünf Jahren stapelt sich blutrot verschmutztes Geschirr in der Küche. Die örtliche Werwolf-Gang macht mehr Stress, als den Herrschaften lieb sein kann, und das mit den Jungfrauen ist auch nicht mehr so einfach wie früher. Kamen bei „Watchmen“ Superhelden in der „normalen“ Welt an, so sind es hier eben Vampire. Eine klassische „fish out of water“-Situation, gemolken bis in den hintersten Gag-Winkel.

Vampire, die Bus fahren. Vampire, die sich auch mal die Zähne putzen. Vampire, die zum Staubsaugen durch die Luft schweben. Vampire vor Computern. Vampire, die sich dank YouTube endlich mal einen Sonnenaufgang ansehen können. Vampire...undsoweiter. Also halt alles,was man aus einem grundlegenden Gag so rauspressen kann - auch auf die Gefahr hin, dabei ein paar Längen zu produzieren. Oder kaum eine richtige Geschichte zu erzählen, sondern vielmehr episodenhafte Momentaufnahmen.

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Die Tücken des Alltags, selbst bei Vampiren.
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Zwischen Partykracher und jugendlichem Schwank

„5 Zimmer Küche Sarg“ basiert tatsächlich auf einem Kurzfilm aus dem Jahr 2005, für den dieses Konzept wesentlich tragfähiger erscheint. Ebenfalls denkbar wäre hier vielleicht eine Fernsehserie, aber als Kinofilm vermisst man irgendwann doch den Spannungsbogen. Was auf dem Fantasy Filmfest, wo der Film als Centerpiece lief, vollmundig als „Partykracher“ angekündigt wurde, ist vor allem nette Unterhaltung, die nicht nur durch ihren Polka-Score mehr Richtung jugendlichem Schwank als ätzender Satire tendiert.

Auf der einen Seite kann man heilfroh sein, hier keinen „gross out“-Quatsch à la „Scary Movie“ serviert zu bekommen, doch auf der anderen Seite hätte etwas mehr Biss (sorry, muss mindestens einmal erlaubt sein...) auch nicht geschadet. Eine ganz ähnliche Idee hatte vor ein paar Jahren „Vampire – Verstecken war gestern“ von Vincent Lannoo, der einen beglischen Vampirclan im Rahmen einer Reality-Soap begleitet, und dieser Film trieb das hier zweifellos vorhandene Potential wesentlich weiter auf die Spitze.

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Aber nun gut, wer „Flight of the Conchords“ kennt, weiß ja eigentlich, dass große Gesten nicht so sehr das Faible der beiden Regisseure sind. Im Vordergrund stehen hier kleine „menschliche“ Schwächen, serviert mit liebevoller Ironie, die immer so weit im Rahmen bleibt, dass es irgendwann nicht mehr verwundert, dass der Film seine Deutschlandpremiere auf der Berlinale in der „Generation 14plus“-Reihe hatte. Ein leichtes Spiel mit dem Vampirgenre, sympathisch aufbereitet und durch die Bank famos gespielt, aber letztendlich ohne den letzten Zug zum Klassiker und/oder Kultfilm.