Ein ums andere Mal wurde „47 Ronin“ verschoben. Weil Nachdrehs vonnöten waren. Offiziell natürlich, um dem Film den letzten Schliff zu geben. In Wahrheit aber, um aus der Katastrophe zumindest ein anschaubares Wrack zu machen. Das ist mehr schlecht als recht gelungen. Mit ein paar Actioneinlagen kann „47 Ronin“ schon gefallen, ansonsten herrscht aber reichlich Gelassenheit. Oder anders ausgedrückt: Der Film hat Längen.

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Kai (Keanu Reeves) ist ein Halbblut, ein Mann, der nirgendwo dazu gehört, aber sich damit arrangiert hat, auch wenn es heißt, dass er die Frau, die er liebt, niemals haben kann. Denn Mika ist die Tochter des Fürsten Asano, der sowohl den Shogun als auch Fürst Kira empfängt. Ein Wettkampf soll ausgetragen werden, bei dem Kai einspringen muss, da der Samurai, der eigentlich kämpfen soll, von einer Hexe verzaubert wurde. Das ist eine Schmach für das Haus Asano, aber es kommt noch schlimmer. Die Hexe verzaubert den Fürsten, der daraufhin einen Mordanschlag auf Kira verübt.

47 Ronin - 47 Langweiler

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Die Geschichte der 47 Ronin gilt in Japan eigentlich als vorbildliches Beispiel für die bedingungslose Treue der Samurai.
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Die Strafe darauf ist der Tod, aber der Shogun gewährt dem Fürsten einen ehrenvollen Abgang: durch Seppuku. Sein Land ist ohne Herrscher, weswegen Kira mit Mira verheiratet werden soll, nachdem ihr Jahr der Trauer vorüber ist. Asanos Samurai werden Ronin, herrenlose Samurai, denen der Shogun verbietet, sich zu rächen. Aber Oishi (Hiroyuki Sanada) widersetzt sich diesem Befehl, befreit Kai aus der Sklaverei, in den ihn Kira verkauft hat, und bereitet sich mit seinen Kameraden darauf vor, Mira zu befreien und Kira zu töten.

Übernatürlicher Nonsens

Die Geschichte der 47 Ronin ist Teil japanischer Folklore und wurde schon häufig verfilmt, am beeindruckendsten 1962 von Hiroshi Inagaki. Wohl auch der Häufigkeit der Verfilmungen wegen wollte man bei dieser amerikanisierten Version der Geschichte Mehrwert bieten. Der stellt sich hier so dar, dass Kira Hilfe von einer Hexe erhält und ein paar übernatürliche Monster mit von der Partie sind. Sie haben aber keine Daseinsberechtigung. Der Plot wird durch sie nicht komplexer, der Film wirkt im Gegensatz zu billig. So, als hätten die Asylum-Macher sich entschieden, eine folkloristische Geschichte zu erzählen, die mit Effekt-Bombast aufgebessert werden müsste.

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Keanu Reeves kann in diesem Film auch nichts mehr reißen.
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Nicht anders verhält es sich hier. Würde man die Monster und Dämonen aus dem Film schneiden, er wäre kaum anders. Tatsächlich würde er auch ohne diese Einlagen funktionieren, sich dann aber zumindest realistischer anfühlen.

Keanu als Sidekick

Eigentlich sollte ja Keanu Reeves die Hauptrolle des Films spielen. Nominell tut er es auch, aber seine Figur Kai ist kein Haupthandlungsträger. Er ist ein Vasall der eigentlichen Heldenfigur, des Samurais Oishi. Der ist es, der hier proaktiv ist, der sich daran macht, seine Männer zu motivieren, der mit den anderen auf diesen Rachefeldzug geht, der Kai überhaupt erst befreit. Gäbe es Oishi nicht, gäbe es keine Geschichte.

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Monster, Drachen und Dämonen. Nicht sehr passend für diese Geschichte.
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Wie sehr Kai zur Nebenfigur wird, zeigt sich auch schön am Finale. Kai ist es, der gegen die Hexe kämpfen muss. Schön und gut, hier gibt es mehr Effekte zu bestaunen, aber es ist Oishi, der sich dem Hauptschurken Kira stellt. Ihr Kampf ist es, der in diesem Film entscheidend ist.

So muss man letztendlich attestieren, dass Reeves ebenso wie die übernatürlichen Sperenzchen hier keine Daseinsberechtigung hat. Alles, was „47 Ronin“ herunterzieht, sind die „neuen“ Ideen aus Hollywood. Der Kern der Geschichte ist gut, sogar sehr gut, aber in der bastardisierten Form vermag sie ihre Kraft nicht zu entfalten.

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Regie führte bei "47 Ronin" Carl Erik Rinsch.
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Das ist mal ein Happy End

Wer auch nur halbwegs mit der Geschichte der 47 Ronin vertraut ist, der weiß natürlich, welches Schicksal ihnen blüht. Das dies aber natürlich als Spoiler gelten kann, sollten Unkundige direkt zum Fazit weitergehen.

Wer nicht viel erwartet, kann auch nicht enttäuscht werden? Oh doch, das geht!Fazit lesen

Der Film wagt es nicht, die Historie derart zu verändern, dass es ein echtes Happyend gibt. Das ist erstaunlich, da er sich ansonsten auch reichlich Freiheiten erlaubt, was den übernatürlichen Aspekt, aber auch das Halbblut betrifft. Wo das Ende Japanern noch als passend erscheinen mag, dürfte es dem westlichen Publikum schon eher aufstoßen. Denn was hier als glückliches Ende verkauft wird, ist die Wahl zwischen Pest und Cholera. Am Ende ist das Schicksal der Ronin genau das gleiche, nur die Frage nach der Ehre bringt den Unterschied, wenn es darum geht, wie gestorben wird.