Und wieder High-Concept-Kino: CIA-Agent Kevin Costner ist todkrank und möchte seiner Tochter wenigstens zuletzt ein guter Vater sein, muss im Austausch mit einem Wundermedikament aber leider auch noch brandgefährliche Terroristen in Paris ausschalten. Die bierdeckelgerechte Prämisse will es, dass sich dies nur schwerlich miteinander vereinbaren lässt, erst recht unter Zeitdruck: „3 Days to Kill“ heißt der neueste Europacorp-Knüller aus der Luc-Besson-Schmiede.

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Costner macht den Neeson

Die Ähnlichkeit der Filme aus ebendieser Institution ist erstaunlich, aber natürlich auch ein Tool des Erfolges. Sehr oft erzählen zumindest ihre Actionthriller von britischen oder amerikanischen Geheimagenten und Elitesoldaten, die in Frankreich für oder manchmal auch gegen ihren (Ex-)Arbeitgeber unterwegs sind. Und fast immer vermengen sie dabei entsprechende Plots mit viel ballerndem Krach und interkulturellem Humor. Heimvideomarkt-Beststeller, allesamt.

3 Days to Kill - Costner macht den Neeson

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22 Jahre nach „Bodyguard“ kann Kevin Costner immer noch bestens mit Knarren umgehen.
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Unter den vielen, in der Regel vergleichsweise kostengünstig produzierten EuropaCorp-Filmen wie etwa „The Transporter“, „From Paris with Love“ oder „Colombiana“ erwiesen sich der Selbstjustiz-Actioner „96 Hours“ sowie dessen Sequel vor allem in den USA als bislang größte Hits. Dies mag erklären, warum der Bösewichte ausmerzende Familienpapa Kevin Costner in „3 Days to Kill“ im Neeson-Fahrwasser schwimmen muss, aber noch nicht, warum der Film dabei selbst so fürchterlich baden geht.

Denn Costner, der hier das erste Mal seit fünf Jahren wieder eine Hauptrolle übernimmt, zeigt sich einmal mehr in erstaunlich guter Form. Mit leicht welkem Gesicht, angenehmer Gelassenheit im Spiel und nichtsdestotrotz bemerkenswerter Agilität setzt er sein jüngstes Leinwand-Comeback auch als bejahrter Action-Leading-Man fort. Nur zur Erinnerung: Vor wenigen Jahren noch eröffnete „Stargast“ Costner Onlineshops auf Sylt oder tourte mit seiner Band durch Einkaufszentren.

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Amber Heard ist eigentlich über jeden Zweifel erhaben. Eine bessere Rolle als die der gezwungen-lasziven CIA-Vorgesetzten hätte sie trotzdem verdient gehabt.
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Umso bedauerlicher, wenn er und ebenso die Oscar-nominierte Hailee Steinfeld („True Grit“) als rebellierendes Töchterchen sich hier durch einen grenzdebilen, unausgegorenen Klamauk manövrieren müssen. Der krude, allzu willkürlich mit EuropaCorp-Zutaten angerührte Eintopf aus Actionthriller, Familiendrama und enthemmten touristischen Blödeleien strapaziert Nerven wie Sitzfleisch. Nichts mag zusammenpassen in „3 Days to Kill“, der jede Szene einen anderen Ton anschlägt.

So werden die Pariser Ermittlungen des an einem Hirntumor erkrankten CIA-Agenten unentwegt mit „ulkigen“ Einschüben sabotiert, die dem Film jeden Drive nehmen. Wenn Costner Handlanger des gesuchten deutschen Atombombendealers (Richard Sammel), ausfindig macht, befragt er diese zum Beispiel ausdauernd nach Erziehungstipps. Das führt spätestens in jener Szene zu ungeahnter Fremdscham, in der ein Bösewicht der Costner-Tochter sein Rezept für Tomatensoße per Telefon durchgeben soll.

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Einer der vielen Running „Gags“ des Films: das lilafarbene Fahrrad.
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Running „Gags“

Produzent und Koautor Luc Besson setzt dabei vor allem auf Running „Gags“. In jedem unpassenden Moment etwa ertönt Costners Handyklingelton (mit „I love it“ von Icona Pop) und immer wieder muss sein lilafarbenes Fahrrad für einen Joke herhalten. Wie zuletzt schon in Bessons „Malavita – The Family“ dürfen auch Seitenhiebe gegen Frankreich nicht fehlen, hier in Form einer Mietnomadenfamilie (!), die Costners Pariser Wohnung in Beschlag nimmt, ohne dass dies irgendeinen Sinn für die Handlung hätte.

Damit ist der Höhepunkt solcherlei Blödsinns, wie er sich kontinuierlich über den gesamten Film erstreckt, aber noch nicht erreicht. Zwischenzeitlich vernachlässigt der CIA-Agent seinen brisanten Auftrag (der ihm immerhin ein potentiell lebenserhaltendes Medikament sichert!) großzügig zugunsten beherzter Quality Time mit seiner Teenager-Tochter. Wenn sie nicht gerade gemeinsam Kettenkarussell fahren, rettet er sie unter anderem vor bösen Toilettengrabschern in einer Diskothek.

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Quality Time mit Töchterchen Hailee Steinfeld. Es folgt: eine Fahrt mit dem Kettenkarussell.
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Unter den vielen rätselhaften Dingen, die sich Besson und sein Regisseur McG (der zuvor schon Meisterwerke wie „3 Engel für Charlie“ oder „Das gibt Ärger“ inszenierte) hier ausgesponnen haben, ist die Besetzung von Amber Heard aber vielleicht die rätselhafteste: Als CIA-Spezialistin absolviert sie jeden Auftritt mit einer anderen Perücke, verfügt offensichtlich über alle nur erdenklichen Mittel und ist trotzdem nicht in der Lage, den gesuchten Terroristen ohne den todkranken Costner ausfindig zu machen.

Kevin Costner gefällt als Liam Neeson, der Rest allerdings ist eine Verkettung von Peinlichkeiten, die 120 Minuten lang einfach nicht aufhören wollen.Fazit lesen

Dass bei so viel Infantilität kaum noch Zeit für ein bisschen zünftigen Krawall oder - schön wär’s - wenigstens Thrill bleibt, überrascht natürlich nicht. Das relativ wuchtige Opening bildet im Verlauf von „3 Days to Kill“ die größte nennenswerte Actionszene, eine spätere Verfolgungsjagd sowie die (fürs PG-13-Rating nicht allzu) ruppige Supermarktprügelei bleiben überschaubar. Unterm Strich ist das eine weder bewegende noch amüsante Familientragikomödie, in die sich eben zufällig auch etwas laue Action verirrt hat.