Die Kinoversion von „21 Jump Street“ hatte mit den leicht soapig verhandelten Jugendproblemen der gleichnamigen 80er-Jahre-Fernsehserie kaum mehr etwas gemein. Deren Prämisse – verdeckte Ermittlungen junger Polizisten im Schulmilieu – schrieben die beiden HIMYM-Produzenten Phil Lord und Chris Miller zu einer liebenswürdigen Actionkomödie um, die nach ihrem Überraschungserfolg wohl unweigerlich fortgesetzt werden musste.

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Erschütterte Bromance-Liebe

„22 Jump Street“ – das von einer alten Kirche aus organisierte Sonderprogramm der Undercover-Cops hat nun die Straßenseite (und damit eben auch Hausnummer) gewechselt – verfrachtet die beiden ungleichen Ermittler Jenko (Channing Tatum) und Schmidt (Jonah Hill) von der Highschool aufs College. Dort sollen sie einmal mehr Drogenhändler überführen, deren neuestes Produkt WhyPhy bereits eine Studentin das Leben kostete.

22 Jump Street - Dick und Doof 2.0

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Die Undercover-Ermittlung auf dem College führt Schmidt (Jonah Hill) und Jenko (Channing Tatum) natürlich auch zum Spring Break. Motherfuckers.
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Ihr detektivischer Spürsinn ist Jenko und Schmidt zunächst vor allem Anlass genug, hiesige Kontakte knüpfen und ausgiebig Frat-Partys feiern zu können. Gegenüber dem Vorgänger, der seinen Witz aus einer Umkehrung hartnäckiger Highschool-Klischees gewann, sind die Undercover-Rollen hier nun wieder klar zugewiesen: Muskelklotz Jenko findet sich im Football-Team zurecht, der übergewichtige Schmidt sucht hingegen vergeblich Anschluss und muss sich mit partyscheuen Kunststudenten vergnügen.

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Das daraus folgende Ungleichgewicht stellt das Verhältnis der beiden Polizisten erneut auf eine Probe. Schmidt fühlt sich vernachlässigt und bedrängt seinen Kollegen, der lieber Zeit mit Sportass Zook (Wyatt Russell, Sohn von Kurt Russell und Goldie Hawn) verbringt. Als Jenko schließlich eine Beziehungspause (sic) fordert, scheint die Mission endgültig von Liebeskummer überschattet. Nur eine Partnertherapie beim College-Seelenklempner kann die im Vorgänger hart erkämpfte Liebe noch retten.

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Eine neue Bromance: Football-König Zook (Wyatt Russell) gilt zwar als einer der Hauptverdächtigen, für Jenko spielt das aber eher eine untergeordnete Rolle.
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Hielt „21 Jump Street“ entsprechenden Humor soweit unter Verschluss, dass er im mehrdeutigen Anbandeln seiner Helden erst queer gelesen werden musste, rückt „22 Jump Street“ den vormaligen Subtext nun überdeutlich in den Mittelpunkt. Das Konzept Bromance, mit dem der erste Film die homosoziale Intimität von Buddy Movies nicht nur charmant aufs Korn nahm, sondern auch frank und frei akzeptierte, weicht in der Fortsetzung unmissverständlichen Witzeleien.

Das ist zwar konsequent, so die beiden völlig neben der Spur ermittelnden Cops immer schon vorrangig mit sich selbst beschäftigt waren (es also mehr um ihre Freundschaft als um den zu lösenden Fall ging). Doch die entsprechenden Jokes (im Finale greift Tatum seinem Hill sogar in die Hose) bemüht der zweite Film dann doch etwas arg über Gebühr – fast so, als müssten die unaufdringlichen Stärken des Vorgängers nach Leibeskräften ausgeschöpft werden, damit es nun auch wirklich jeder versteht.

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„It’s the same case, so do the same thing!“, rät Captain Dickson (Ice Cube) seinen beiden ungleichen Cops. Leider scheint genau das auch ein Motto des Films zu sein.
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More of the same

Dieses (möglicherweise verspätete?) Bewusstsein für alles, was „21 Jump Street“ zu einem überraschend cleveren, von anderen US-Komödien angenehm distanzierten, Film machte, scheint der Fortsetzung auf seltsame Art im Weg zu stehen. Phil Lord und Chris Miller, die seit ihrem wahnwitzig erfolgreichen „The LEGO Movie“ im siebten Regiehimmel schweben dürften, bedienen sich durchweg der (wunderbaren) Ideen ihres Vorgängers, stellen diese aber nun leicht selbstverliebt aus.

So erweist sich etwa die Handlung als recht einfallsfreie Wiederholung des ersten Films, mit allerdings ungleich langweiligerem Bösewicht (wie oft möchte Peter Stormare solche Rollen eigentlich noch spielen?). Fehlt der eigensinnigen, nun aber allzu vertrauten Ermittlungsarbeit der beiden Helden das entsprechend unberechenbare Element. Und werden die selbstreferenziellen Gags ebenso wie besagter Bromance-Humor im Sequel nicht erneuert, sondern doch eher überstrapaziert.

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Die beste und witzigste Actionszene gleich zu Beginn: Ungelenk heften sich Schmidt und Jenko an einen Drogen-Truck und landen schließlich alles andere als sanft.
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Kein Mensch brauche eine Neuauflage des Jump-Street-Programms, predigte Chief Hardy (Nick Offerman) seinen beiden Schützlingen im ersten Film. Und nahm damit natürlich ironisch Bezug auf das Reboot selbst, um das 2012 ja eigentlich auch niemand gebeten hatte. Solcherlei Anspielungen treibt „22 Jump Street“ auf die Spitze, wenn hier unentwegt über unnütze Fortsetzungen (der Mission) oder viel zu hohe Erwartungen (an Polizeiarbeit) debattiert wird.

Eine zu strikte Wiederholung des liebevollen Vorgängers, die mit erhöhter Gagdichte nicht zwangsläufig auch an Charme gewinnt. Trotzdem noch sehenswert.Fazit lesen

Captain Dickson (Ice Cube), dessen hysterische Rolle nun deutlich mehr Raum einnimmt (nicht gerade zum Vorteil des Films), hält den Cops gar einen Vortrag über das bereits zu Beginn verprasselte (Polizei-)Budget und bezieht sich damit (auch) auf den Einstieg, der die größte Actionszene tatsächlich schon vorwegnimmt: Wie Jenko und Schmidt sich da ungelenk an einen Truck des Drogenkartells heften, ist nicht weniger fulminant als die Freeway-Verfolgungsjagd des ersten Teils.

Zweifellos gelingen auch „22 Jump Street“ noch immer ausreichend treffsichere Gags, nicht zuletzt, weil Channing Tatum und Jonah Hill nach wie vor das wohl liebenswerteste Polizeigespann der jüngeren Filmgeschichte bilden. Doch für die im (grandiosen und Cameo-reichen) Abspann durchgespielten Fortsetzungsoptionen dürfen Phil Lord und Chris Miller dann gern wieder jene Bescheidenheit walten lassen, die „21 Jump Street“ zu einem so unerwartet herzlichen Vergnügen machte.