Tatort Klassenzimmer: Fünf Staffeln lang ermittelten blutjunge Undercover-Cops in der „21 Jump Street“, einer der erfolgreichsten Fernsehserien der 80er. Fast genau 20 Jahre nach Ausstrahlung der letzten Episode hat man den Stoff jetzt fürs Kino neu adaptiert, als Reboot, das die Serie modernisiert und in der nächsten Generation fortsetzt.

21 Jump Street - Exklusiver Clip: "Kein Sex!"3 weitere Videos

Aus einer irgendwie sympathischen, aber auch grundnaiven Teenie-Show haben die Macher des Kinofilms eine Actionkomödie geschält, mit deren cleverem Witz kaum jemand gerechnet haben dürfte.

Back to School

Weil die beiden frischen Absolventen der Polizeiakademie Schmidt (Jonah Hill) und Jenko (Channing Tatum) sich bei ihren ersten Einsätzen als Park-Cops nicht nur wie Teenager benehmen, sondern auch äußerlich noch als solche durchgehen könnten, werden sie von ihrem Chef einer geheimen Einheit zugeteilt. Als verdeckte Ermittler sollen sie in einer nahe gelegenen High School den Selbstmord eines Jugendlichen untersuchen, der offenbar Opfer einer neuen Designerdroge wurde.

Die Rückkehr ins Klassenzimmer weckt bei den beiden einstigen Rivalen Erinnerungen an deren eigene Schulzeit. Der übergewichtige Schmidt allerdings findet plötzlich jene Anerkennung, die ihm während seiner tatsächlichen High-School-Jahre verwehrt blieb, Sunnyboy Jenko hingegen fühlt sich zum ersten Mal in seinem Leben wie ein Außenseiter. Neben ihren persönlichen Problemen müssen die beiden impulsiven Jungpolizisten aber auch noch einen Fall lösen, der um einiges komplexer ist, als sie zunächst angenommen hatten.

21 Jump Street - Johnny und der Depp: zurück auf der High School

alle Bilderstrecken
Das Leben an so einer High School kann ganz schön gefährlich sein...
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/3Bild 21/231/23

Einen guten Film erkenne man bereits nach wenigen Sekunden, sagte einmal die US-amerikanische Filmkritikerin Pauline Kael. Der rasant montierte Einstieg von „21 Jump Street“ ruft diesen Ausspruch in Erinnerung: Wie hier in den ersten Momenten sowohl die beiden Protagonisten als auch deren Beziehung zueinander, das Setting ebenso wie der feinsinnige Humor des Films vorgestellt werden, lässt tatsächlich zwei großartige Kinostunden erwarten.

Packshot zu 21 Jump Street21 Jump Street kaufen: ab 4,99€

Als die herrlich unbeholfenen Cops dann noch vom Polizeichef erklärt bekommen, dass die neue Mission innerhalb eines eigentlich längst geschlossenen Geheimprogramms stattfinde, weil man ja immer „den ganzen alten Scheiß aufwärmen“ müsse, folgt diesem Eindruck rasch Gewissheit: Der Film weiß um seiner selbst, er verhehlt nicht, eine angestaubte Teenager-Serie aufzukochen, und er bringt die nötige Selbstironie mit, um sich für dieses Vorhaben entsprechend zu emanzipieren.

The Next Generation

„21 Jump Street“ nämlich ist alles, aber kein Kinoabklatsch der Fernsehshow. Mit den moralischen Geschichten der Serie, die um kriminelle Kleindelikte, aber auch alltägliche Erfahrungen von Jugendlichen wie Missbrauch und Abhängigkeit kreisten, hat der Film kaum mehr etwas gemein. Stattdessen interpretieren die beiden Regisseure Phil Lord und Chris Miller, die auch als Produzenten von „How I Met Your Mother“ fungierten, den Stoff mit smarter Komik und beinharter Action, ohne jedoch dessen Ernsthaftigkeit aufzugeben.

Davon war im Vorfeld nicht auszugehen: 21 Jump Street ist mindestens die beste Actionkomödie seit Hot Fuzz.Fazit lesen

Dies ist ein vollkommen unberechenbarer Film, der entgegen üblicher Verlaufskurven in Mainstream-Komödien mit zunehmender Laufzeit sogar immer noch besser wird. Sein Humor ist wunderbar diffizil, die Gags meist so feinsinnig, dass sie mehr ein Schmunzeln als wirkliche Lachanfälle hervorrufen – und das ist wirklich, wirklich angenehm. Dem alles andere als vordergründigen Witz, der teils auch regelrecht absurde Haken schlägt, schließen sich clevere Verweise auf die eigene Genrestruktur an.

21 Jump Street - Johnny und der Depp: zurück auf der High School

alle Bilderstrecken
Trotz des ansonsten feinsinnigen Humors dürfen völlig überdrehte Szenen natürlich nicht fehlen.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/3Bild 21/231/23

Bei einer irrsinnigen Freeway-Verfolgungsjagd werden beispielsweise diverse Actionfilmklischees aufs Korn genommen, und das eben überhaupt nicht jugendliche Aussehen von Channing Tatum entwickelt sich zum augenzwinkernden Running Gag innerhalb der Handlung. Von der Chemie zwischen ihm und dem zuletzt oscarnominierten Jonah Hill, dessen begnadetes Comedy-Talent einen längst nicht mehr wundernimmt, lebt „21 Jump Street“ dabei genauso wie von seinem eigensinnigen Buddy-Charme, der so lebhaft und aufgeschlossen wirkt wie zuletzt vielleicht nur bei den Pegg/Frost-Komödien von Edgar Wright („Hot Fuzz“).

Die Sache endgültig rund macht ein Cameo der beiden Originalhauptdarsteller der Serie, Peter DeLuise und – natürlich – Johnny Depp. Beide tauchen hier als in die Jahre gekommene verdeckte Ermittler auf und leiten das herrlich verrückte Finale des Films ein. Depp, der mit „21 Jump Street“ zum Teenie-Idol wurde, schließt in seinem Kurzauftritt auf sichtbar erleichterte Weise mit jener Rolle ab, die für ihn Fluch und Segen bedeutete. Vermutlich wird auch er mit einem Lächeln zur Kenntnis nehmen, dass seine im Kern recht flache Hitserie von einst nun einem verdammt schönen Kinofilm gewichen ist.