Mittlerweile gibt es Comic-Verfilmungen, die nimmt man als solche gar nicht mehr wahr. Bei Superhelden ist es augenscheinlich, bei Actionfilmen hingegen nicht. Nach „Shootout“ gibt es nun also „2 Guns“, der auf einer hierzulande unveröffentlichten Graphic Novel von Steven Grant und Mateus Santoluoco basiert. Letzterer wird übrigens im Vorspann nicht genannt, er dürfte das Opfer eines ziemlich miesen Deals des Verlegers geworden sein.

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Was im Comic frisch und neu ist – das Action-Genre des Buddy-Movies – geht im Kino auf eine lange Tradition zurück. Es erweist sich also als deutlich schwerer, beim Publikum zu punkten, weil dieses Filme jener Couleur schon dutzendfach gesehen hat. Einen neuen „Lethal Weapon“ sollte man nicht erwarten. Aber immerhin: „2 Guns“ ist schwer unterhaltsamer Action-Quatsch mit wunderbar (dis)harmonierendem Duo.

Bobby Trench (Denzel Washington) ist ein DEA-Agent, der seit Jahren undercover arbeitet und versucht, den mexikanischen Drogenboss Papi Greco (Edward James Olmos) zu überführen. Seinen Partner Michael „Stig“ Stigman (Mark Wahlberg) hält er für einen kleinen Ganoven, aber tatsächlich arbeitet der für den militärischen Geheimdienst. Er ficht die Idee an, die Tres-Cruces-Bank zu überfallen, da Papi dort drei Millionen gebunkert hat. Trench steigt darauf ein, da er hofft, mit dem Geld zumindest einen Fall von Steuerbetrug gegen Papi aufbauen zu können.

Als beide die Schließfächer ausräumen, erwartet sie eine Überraschung. Anstatt von drei Millionen sind hier mehr als 43 Millionen enthalten. Die Zwei hauen mit dem Geld ab und geraten dann ins Kreuzfeuer. Denn sie wurden von ihren eigenen Vorgesetzten hintergangen und müssen nun zusammenarbeiten, um das ihnen entwendete Geld wiederzubeschaffen, die Bösen zu bestrafen und ihre Reputation zu retten.

Eine alte Formel, die funktioniert

Klischees, so heißt es, sind wahrlich nichts Schlechtes. Sie sind der Ausdruck dessen, dass etwas funktioniert. Klischierte Figuren und Erzählmuster haben sich als funktionierend erwiesen. Ein bisschen Originalität ist inmitten der gewohnten Muster aber sicherlich auch nicht verkehrt. Zugegeben, danach sucht man bei „2 Guns“ vergeblich, aber manchmal reicht es auch vollkommen, innerhalb vorgegebener Parameter zu bleiben und flott inszenierten Actionspaß zu bieten.

2 Guns - Ein Schwarzer und ein Spinner sind immer die Gewinner

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Denzel Washington und Mark Wahlberg: zwei ungleiche Buddys, wie einst in den 80ern.
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Ein paar unerwartete Momente gibt es dann aber schon, auch wenn sie nur kurz sind. Stigs Spitzname für Papi Greco ist jedoch großartig und passt wie die Faust aufs Auge und was Pisshände angeht, so hat man sowas auf jeden Fall noch nicht gesehen.

Der Film lebt, wie alle Buddy-Movies, vor allem von der Chemie seiner beiden Hauptdarsteller. Wahlberg und Washington harmonieren in ihrer Antipathie perfekt miteinander, wobei ersterer für die coolen Sprüche gut ist.

Der Film profitiert davon, dass er einen Mimen wie Washington an Bord hat. Er erhöht das Material, das im Grunde nicht mehr als eine Wiederholung von Mustern ist, die schon in den 80er Jahren ausgiebig erprobt worden sind. Darüber hinaus darf sich Washington auch mal witziger zeigen. In der Regel spielt er ernsthafte Typen. So auch hier, aber sein Bobby Trench kann eben auch anders. Er ist aber in der Konstellation der beiden Mimen ganz klar der straight man, für die humorigen Sprüche ist Wahlberg zuständig.

Packshot zu 2 Guns2 Guns

Zum zweiten Mal mit Marky Mark

Regisseur Baltasar Kormákur war nicht die erste Wahl, ist aber genau die Art Routinier, die man für einen Film wie „2 Guns“ braucht. Dass der Isländer handwerklich gefällig ist, zeigte er mit „Contraband“, in dem Mark Wahlberg ebenfalls die Hauptrolle spielte. Wo er dort jedoch auf ein lahmes Skript zurückgreifen musste, ist das Drehbuch von Blake Masters für „2 Guns“ genau das, was der Arzt verschreibt, wenn man als Zuschauer an Mangelerscheinungen in Sachen Actionkomödie leidet.

Buddy-Movie-Funktionen bemühender Film, der Dank gut aufgelegter Darsteller, schön choreographierter Action und ein paar coolen Sprüchen auf ganzer Linie punkten kann.Fazit lesen

Der Film ist dabei schön besetzt. Vor allem Bill Paxton als zwielichtiger Schurke, der seine 43 Millionen Dollar zurückhaben will und bei unwilligen Informanten gerne mal auf Russisches Roulette zurückgreift, weiß zu gefallen, aber auch Olmos weicht weit von seinem Adama-Image ab. Etwas farblos erscheint indes James Marsden („X-Men“), der aber zeigt, dass er in Actionfilmen gut aufgehoben ist. Das mag auch an der Ausdruckslosigkeit im Gesicht liegen. Man sollte ihm mal eine Rolle auf den Leib schreiben, mit der er einen Film tragen könnte.

2 Guns - Ein Schwarzer und ein Spinner sind immer die Gewinner

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2 Guns: Bewährtes Rezept statt Originalität.
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Zwei Profis

Ein Schwarzer und ein Spinner sind immer die Gewinner – so kennt man es aus „Lethal Weapon“, und wenn die zwei stahlharten Profis von „2 Guns“ auch nicht mit Riggs und Murtaugh mithalten können, so erinnern sie zumindest an die zwei Großmeister des Buddy-Movies. Immerhin ähneln die Figuren einander. Washington ist wie Danny Glover der alte Hase, Wahlberg wie Mel Gibson ein erfahrener Soldat und Scharfschütze. Nur gar so verrückt ist er nicht, auch wenn er ein nervöses Augenzucken hat.

Washington und Wahlberg sind es, die den Standardplot vergessen und den Film zum Vergnügen machen. Und das so sehr, dass man sich auch durchaus ein Sequel gefallen lassen würde. Das Ende des Films legt eines nahe, das US-Einspiel nicht unbedingt. Es wird darauf ankommen, wie gut der Film im Rest der Welt läuft.