Dieser Artikel wird präsentiert mit freundlicher Genehmigung von Chip Online

Selten war die Verunsicherung vor Einführung eines neuen Betriebssystems so groß: Noch immer ist nicht klar, wann das neue Windows Vista wirklich in die Läden kommt - und kaum jemand weiß, ob dann die eben noch aktuellen PCs nicht plötzlich veraltet sind. Denn konkrete Aussagen über den Hardware-Hunger von Windows Vista gibt es nicht. Bis jetzt. Wir sagen euch erstmals, was Microsoft bisher verschweigt: wie viele Ressourcen das neue Windows wirklich frisst.

Entsprechend aufwendig verlief der Test im Chip-Labor: Um möglichst viele Konfigurationsmöglichkeiten abzudecken, installierten wir die neueste Vista-Vorabversion RC1 auf 41 PC-Systemen.

So fanden wir heraus, welche aktuellen Rechner mit Vista zurechtkommen werden - und welche nicht.

Wir sagen euch auch, ob es sich lohnt, jetzt schon einen PC mit Vista-Upgrade-Gutschein zu kaufen. Auch wenn noch eine Zeit vergehen wird, bis ihr diesen einlösen könnt: Obwohl Microsoft nach wie vor Ende Januar 2007 anpeilt, rechnen die Marktforscher von Gartner nicht vor April mit der breiten Markteinführung der Endkundenversion von Vista.

Hardware: Microsofts Nebelkerzen
Die Microsoft-Sprecher haben sich seit der ersten Ankündigung von Vista verhalten, wie Ärzte, die zunächst die schlimmstmögliche Diagnose stellen: Die Hardware-Anforderungen für das neue Betriebssystem seien gewaltig.

Windows Vista - Was Microsoft verschweigt: So viel Hardware-Hunger hat das neue Windows.

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/4Bild 76/791/79
1 aus 41: Beim Vista-Hardware-Check ließen wir keine mögliche Konfiguration der letzten Jahre aus. Auf 41 unterschiedlichen PC-Systemen haben wir den RC1 getestet.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

In den endgültigen Kriterienlisten ist jetzt plötzlich alles halb so wild. Als Untergrenze für das Vista-Basic-Logo für Neu-PCs werden nun 800 MHz Taktfrequenz für die CPU gefordert, 15 Gigabyte freier Festplattenplatz und 512 MB Arbeitsspeicher.

Glaubt man diesen Daten, ist jeder fünf Jahre alte PC spätestens mit einer Speicheraufrüstung Vista-tauglich. Nur wer Aero, den neuen Oberflächen-Look mit frei skalierbaren Fenstern und Inhalten nutzen will, braucht zusätzlich eine DirectX-9-Grafikkarte.

Selber testen
Microsoft selbst stellt ein Programm für Windows XP zur Verfügung, das anhand dieser Minimalanforderungen Rechner auf ihre Vista-Tauglichkeit hin testet. Doch der Vista Upgrade Advisor (zu finden unter www.microsoft.com/windowsvista) gibt dem Anwender nicht mehr als ein paar Ja-Nein-Aussagen zu bestimmten Aufgaben und sehr rudimentäre Vorschläge zum Aufrüsten. Die Aussage, wie flüssig ein System unter Vista laufen wird, bleibt der Upgrade Advisor schuldig.

Leistung: Tacheles im Testlabor
Glaubt man Microsofts Minimalanforderungen, läuft Vista sogar auf einem PC, mit dem schon Windows XP keinen wirklichen Spaß mehr macht. Eine Portion Skepsis ist da angebracht - und ein ausführlicher Test auf unseren 41 Rechnern.

Dank der Vista-Vorabversion RC1 können wir nun Tacheles reden, ist eine Einschätzung der Leistung tatsächlich möglich. Ältere Beta-Versionen erlaubten keine ernsthaften Tests: Sie trugen noch über ein Gigabyte an Debug-Informationen mit sich herum, die Speicher belegen und bremsen. Die voreilig und zum Teil fahrlässig verbreiteten Werte der Betas überbietet die RC1 zum Teil um 30 Prozent.

In der Systemsteuerung von Vista ist sogar ein Benchmark-Tool integriert. Es bewertet Prozessor, Hauptspeicher, Grafik und Festplatte (1 = schlecht, 6 = sehr gut) und stuft den ganzen Rechner nach dem niedrigsten Teilwert ein. Leider sagt aber auch das nichts über die gefühlte Arbeitsgeschwindigkeit eines Vista-PCs. Deshalb lag unser Hauptaugenmerk auf dem subjektiven Eindruck: Wie lässt sich der PC bedienen, wie flüssig läuft die Vista-Oberfläche auf unseren Systemen.

Wichtigstes Ergebnis: Microsofts Minimalanforderungen sind zu niedrig! Um die Grundfunktionen von Vista zu nutzen, braucht man mindestens einen Pentium-III- oder Athlon-Prozessor mit 1 Gigahertz und 512 MByte RAM. Deshalb definierten wir nun eigene Minimal-, Normal- und Optimal-Systeme für Desktop und Notebook.

Unser Optimal-System bietet nicht nur Unterstützung für HD-Videos, sondern auch Leistungsreserven für die nächsten Jahre. Ihr könnt heute also bedenkenlos ein System mit einem Vista-Upgrade-Gutschein kaufen. Nur Spielefans brauchen noch leistungsstärkere Grafikkarten.

Grafik: Aero braucht 3D-Power
Aufwendige optische Effekte wie Vistas Aero-Oberfläche brauchen Grafikpower. Und zwar viel mehr als in Microsofts Mindestvoraussetzung, wo ohne weitere Beschränkungen ein SVGA-fähiges Modell empfohlen wird. Ohne 3D-Beschleunigung zeigt Vista aber nur einen renovierten Standard-Windows-Desktop.

Windows Vista - Was Microsoft verschweigt: So viel Hardware-Hunger hat das neue Windows.

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/4Bild 76/791/79
Aero-Gala: Mit Highend-Grafik und Dual-Core-CPU läuft "Alexander" in HD auch dann noch flüssig, wenn ein halbtransparentes Fenster darüberliegt.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Soweit die Theorie. In der Praxis erhielten wir bei unseren Tests auf Systemen mit und ohne DirectX 9 sehr interessante Ergebnisse, die einiges mehr aussagen. Test ohne DirectX 9: Wir installierten Vista auf einem Samsung Q10 Subnotebook mit Pentium III M, Intel-830-Chipsatzgrafik und einem maximalen RAM-Speicher von 640 MByte sowie auf einem Asus Spresso Mini-Barebone-System mit Intel 865G-Chipsatzgrafik, Intel Pentium 4 3,0 GHz und zwei Gigabyte DDR400-Speicher.

Verlässt man sich auf das Vista-Analyse-Tool, schneidet die Grafikleistung beider Kandidaten gleich schlecht mit 1,0 ab. In der Praxis verhalten sich die Systeme aber komplett anders.

Am deutlichsten ist der Unterschied bei der Indexerstellung für die Desktopsuche zu spüren: Das Notebook reagiert dabei sehr zäh auf Eingaben. Das Starten des Internet Explorers dauert über 15 Sekunden. Ganz anders das Mini-Barebone-System. Dank üppigem Hauptspeicher, deutlich schnellerer Festplatte und der Hyperthreading-CPU reagiert es immer noch flüssig.

Fazit: Besitzer einer dem Q10 vergleichbaren Hardware sollten sich das Update auf Vista schenken. Wer ein Gerät wie das Asus besitzt, kann umsteigen. Vista läuft akzeptabel - und mit einer nachgerüsteten DirectX-9-Karte (etwa GeForce 6200 für rund 70 Euro) wird ein ordentlicher Vista-PC aus dem Barebone.

Test mit DirectX 9
Bei Systemen mit DirectX-9-Grafik macht das Analyse-Tool wirklich Sinn. Denn die unterschiedlichen Werte, die das Tool ausspuckt, entsprechen hier auch dem subjektiven Testeindruck. Extrembeispiele sind Systeme mit ATIs Radeon Xpress 200 (ältester integrierter DirectX-9-Grafikchipsatz auf dem Markt), 512 MB Speicher und Sempron 3100+ sowie ein System mit dem Core 2 Duo E6700, zwei Gigabyte Speicher und einer GeForce 7900 GTX.

Dabei stellte das Sempron-System (Vista-Benchmark 2,8) bereits alle Aero-Effekte dar. Doch sobald wir den Trailer von "Alexander" als HD-Video in der 3D-Fenster-Voransicht laufen ließen, geriet der Rechner arg ins Stocken. Das Highend-System mit dem Vista-Benchmark 5,2 beeindruckte im direkten Vergleich: Das schräg gestellte Video läuft hier selbst dann noch annähernd ruckelfrei, wenn Teile durch den halbtransparenten Rahmen eines anderen Fensters verdeckt werden. Auch das Durchschalten der Fenster erfolgt vollkommen verzögerungsfrei.

Festplatte: Vista liebt NCQ
Beim dem Thema Massenspeicher darf man Microsofts Analyse-Tool gar nicht mehr trauen. Anstatt zu helfen, führt es in die Irre.

So erhielt eine zwei Jahre alte Standard-IDE-Platte mehr als 4 von 6 Punkten, höhere Werte erreichen auch die neuesten S-ATA-Platten kaum. Auch Native Command Queuing (NCQ) macht keinerlei Unterschied. Dabei minimiert diese Technik Zugriffszeiten, indem sie Schreib- und Lesekommandos puffert und optimiert angeordnet ausführt.

Nur RAID-0-Systeme erreichen im Microsoft-Tool Werte über 5, doch schnell zeigt sich, auch dieser Wert trügt: Eine Vista-Installation auf einem RAID-0-Verbund aus zwei Samsung-S-ATA-Platten bootet zwar einige Sekunden schneller als von einer einzelnen Platte, im Betrieb nimmt man aber keinen Leistungsvorteil wahr. Schon die Indexerstellung der Suchfunktion in Vista, die gleich nach der Installation anläuft, bremst derart, dass das System nur noch verzögert auf Eingaben reagiert. Ist das vom Analyse-Tool kaum beachtete NCQ aktiviert, wird es besser. Vor allem im Zusammenspiel mit einer Hyperthreading- oder gar Dual-CPU.

Prozessor: Mehr Spaß mit Dual Core
Unser Test zeigt: Ernsthaftes Arbeiten erlaubt Vista erst mit Prozessoren der Zwei-Gigahertz-Klasse. Selbst dann sind regelmäßig kleine Zwangspausen drin. Und auch beim Hauptspeicher sollten Sie nicht geizig sein.

Windows Vista - Was Microsoft verschweigt: So viel Hardware-Hunger hat das neue Windows.

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/4Bild 76/791/79
Live-Check: Der integrierte System-Benchmark in Vista gibt Empfehlungen zur geeigneten Software.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Die Computer aus der Prä-Gigahertz-Ära wie beispielsweise das Samsung Q10 quälen sich regelrecht mit Vista - die Minimalanforderung von 800 MHz bildet also die absolute Schmerzgrenze nach unten.

Schließlich finden sich in solchen Systemen auch langsame SDR-Speicher und Festplatten. Natürlich kann man Performance-hungrige Komponenten wie Aero, Desktopsuche und Sicherheitsfunktionen deaktivieren, doch dann braucht man auch kein Vista mehr.

Wie geschaffen für die vielen Leistungsfresser im neuen Betriebssystem sind dagegen Hyperthreading- und erst recht Dual-Core-CPUs. Mit einer Core 2 Duo E6700, der der Vista-Benchmark die Note 5,7 zugesteht, stören gleichzeitig anfallende Aufgaben kaum noch: Das System wirkt sogar flüssiger als XP.

Hauptspeicher: Viel hilft viel
512 MByte Speicher sollen ja ausreichend sein. Doch das gilt nur für Vista selbst. Nutzt man etwa Office 2007, so wird das System deutlich ausgebremst. Deshalb gilt bei Vista die Regel: Je mehr Speicher, desto besser. Ein Gigabyte ist die gefühlte Minimal-Ausstattung für ein Bürosystem.

Wer mit Bild- oder Videobearbeitung sein Geld verdient und schon unter XP ein Gigabyte Speicher nutzen, dann sollten es bei Vista zwei Gigabyte sein. Die Geschwindigkeit des Speichers spielt keine große Rolle - es sei denn, statt einer Grafikkarte arbeitet eine Chipsatzgrafik.

Für die 64-Bit-Varianten von Vista sind bei ressourcenhungrigen Anwendungen vier Gigabyte Speicher empfehlenswert. Für die 32-Bit-Version gilt das hingegen nur eingeschränkt: Wegen des kleineren Adressraums in der 32-Bit-Welt liegen dann mindestens 512 MByte brach.

Peripherie: Knackpunkt Treiber
Bei allen weiteren Komponenten kommt es auf die Treiberunterstützung an. Hier wissen nur die Hersteller, was für Vista zur Verfügung stehen wird - exotische Hardware birgt generell ein gewisses Risiko. Bei der Einführung von XP blieben etliche Scanner auf der Strecke, weil die Hersteller den Treibersupport eingestellt hatten. Mit Vista wird sich dies sicher wiederholen.

Drei Konfigurationen für Vista
Auf Grundlage der 41 getesteten Systeme habe wir je eine minimale, normale und optimale Konfiguration für PC und Notebook zusammengestellt.

Minimale Konfiguration
Grundfunktionen von Vista laufen, Spaß findet woanders statt.
Performance-Test: Vista-Benchmark: 1,0 / 3DMark05: startet nicht.

Desktop

  • Pentium III / Athlon 1 GHz
  • 512 MByte RAM
  • 40 GByte HD
  • Grafikkarte egal

Notebook

  • Pentium III / Athlon 1 GHz
  • 512 MByte RAM
  • 40 GByte HD
  • Grafikkarte egal

Normale Konfiguration
Aero ist aktiv, CPU und Speicher erlauben flüssiges Arbeiten.
Performance-Test: Vista-Benchmark: ca. 3,0 / 3DMark05: ca. 500 3DMarks.

Desktop

  • Pentium 4, 2,6 GHz / Athlon XP 2800+ / Athlon 64
  • 1.024 MByte RAM
  • schnelle S-ATA-Platte, 160 GByte
  • ATI Radeon 9500 / ATI Xpress 200 / Nvidia GeForce 5200 / Nvidia nForce 430 + 6100 / Intel 945G / VIA xxxM890

Notebook

  • Pentium 4M, 2,4 GHz / Athlon XP M 2800+ / Pentium M 1,1 GHz
  • 1.024 MByte RAM
  • schnelle 60-GByte-Platte
  • ATI Radeon Xpress 200M / Intel 945GM / Nvidia nForce Go + GF6100

Optimale Konfiguration
Leistung für die nächsten zwei Jahre. Nur Spieler brauchen mehr.
Performance-Test: Vista-Benchmark: ca. 5,0 / 3DMark05: ca. 1.800 3DMarks.

Desktop

  • Athlon 64 X2 4600+ / Intel Core 2 Duo E6400
  • 2.048 MByte
  • S-ATA-Platte mit NCQ-Unterstützung, 300 GByte
  • ATI Radeon X1600
  • Nvidia GeForce 7600

Notebook

  • Intel Core Duo / AMD Turion X2
  • 2.048 MByte DDR2-667
  • schnelle 120 GB-Platte, möglichst S-ATA mit NCQ
  • ATI Mobility Radeon X1600 / Nvidia GeForce Go 7600