Shigeru Miyamoto ist gleich nach Mario wahrscheinlich das Berühmteste, was Nintendo zu bieten hat. Zumindest in der Gamingwelt weiß ein jeder sofort, wer dieser nette Herr ist, was man nicht von jedem, halbwegs bekannten Spieledesigner behaupten kann. Oder hättet Ihr gleich gewusst, wer Sonic erfunden hat? Nein? Naoto Ōshima. Und wenn Shigeru Miyamoto was sagt, hören alle zu, denn was er sagt, ist fast schon Gesetz bei Nintendo. Und nun hat er sich in einem Interview mit CVG zur Zukunft der Wii U, aber auch zu seiner eigenen geäußert.

Wii U - Shigeru Miyamoto im Interview

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So sei er sehr zufrieden mit der Wii U, denn oberstes Gebot sei es immer gewesen, eine Konsole zu entwickeln, die von der ganzen Familie genossen werden kann, da sie sich in der Regel im Wohnzimmer befände und mit dem heimischen Fernseher verbunden sei.

Auf die Frage, wie die Wii U denn die Zukunft im Bereich Gaming repräsentiere, bekräftigt Shigeru Miyamoto noch einmal, was Nintendo im allgemeinen immer wieder betont, dass es nicht nur auf grafische Steigerung ankäme, sondern, dass sich auch die Art der Handhabung, die Art, wie man das Spiel erlebt, mit jeder Generation ändern sollte, um wirklich von einer spielerischen Evolution sprechen zu können. So würden einige der Spiele in Nintendo Land die Art, wie man Spiele zukünftig spielen wird, andeuten. So zum Beispiel Mario Chase. Es sei nicht nur ein originelles Spiel, sondern würde durch Funktionen wie die gemeinsame Replay-Ansicht in die richtige Richtung deuten, in die sich Spiele entwickeln könnten (Anm: Die Replay-Funktion seht Ihr ab 3.54 Min, aber den Spass, den die Kerle haben, sollte man sich nicht entgehen lassen).

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Miyamoto ist auch bekannt für seine vielen Ideen, die Einzug in die heutige Spielewelt gefunden haben und ohne die ein Jump 'n' Run oder Action-Adventure sicher nicht ihre heutige Form besäßen. Mit Mario Kart erschuf er gar ein komplettes Genre. Doch Pikmin ist da ein ganz besonderer Fall.

"Nun es gibt eine Menge Wege für uns, Videospiele zu erschaffen. Manchmal hat ein Spieledesign schon ganz klare Strukturen und Ziele, auf die wir hinarbeiten. Manchmal aber haben wir Fälle, in denen wir kein genaues Bild davon besitzen, was für eine Art Spiel es werden wird und wir stattdessen nur eine vage Vorstellung davon haben, was wir gern realisieren würden," so Miyamoto. "Im Falle von Pikmin war es unsere ursprüngliche Idee, dass es toll wäre, eine Gruppe kleiner Gestalten dabei zu beobachten, wie sie etwas täten. Sowas wie ihr Dorf verteidigen, während sie zur selben Zeit versuchen, ihr Dorf weiter wachsen zu lassen."

Später hätten sie dann einen Charakter hinzugefügt, damit der Spieler direkt bei den Pikmin sein konnte. Dieses Feature hätten sie zu Beginn garnicht eingeplant, da es vorgesehen war, dass der Spieler direkt eingreift, weswegen die Pikmin wie Waffen benutzt werden können.

Was nun vor allem Besitzer der Wii U und 3DS interessieren dürfte, Shigeru Miyamoto findet die Idee einer direkten Verlinkung verschiedener Geräte noch immer verlockend. "Ich kann nicht genau sagen, welche Ideen ich zu der Zeit von Gamecube und Game Boy Advance hatte. Aber soweit ich mich erinnern kann, haben wir auf einer der E3-Shows eine Version von Pac-Man Versus präsentiert (Anm: Das war zur E3 2003), was ein sehr tolles Spiel war. Unglücklicherweise war es noch nicht besonders erschwinglich für die Leute, vier eigene Game Boy Advance-Handhelds zu besitzen. Aber zu der Zeit war die Idee auch weder leicht umzusetzen, noch besonders akzeptiert. Heute (mit der Wii U), versuchen nicht nur Nintendos interne Entwickler, sondern auch Third-Party-Entwickler Möglichkeiten zu finden, wie man Spielevisionen wahr werden lassen kann."

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Ein wichtiges Thema für die Current-Gen-Konsolen und daher auch für die Next-Generation ist Online-Gaming. Nintendo behandelte dieses Thema bislang recht stiefmütterlich, doch laut Shigeru Miyamoto hat sich das mit Einführung der Wii U geändert. Es sei die erste Konsole Nintendos, die permanent mit dem Internet verbunden sei. Doch für Miyamoto stellt die Möglichkeit, online mit oder gegen andere Spieler spielen zu können, in erster Linie die Erweiterung des Einzelspieler- und lokalen Multiplayermodus' dar. Egal wie verlockend es sei, den Onlinewettbewerb zu fördern, oberste Priorität für Miyamoto und seine Mitarbeiter muss es sein, das Vergnügen auch garantieren zu können, wenn man alleine spielt.

Natürlich interessiert es auch, wo sich Miyamoto in fünf Jahren sieht. Doch er findet es unmöglich, die Zukunft vorauszusagen. Denn großartige Ideen und Erfindungen würden die Spieleindustrie jedes mal so drastisch verändern, dass es unmöglich sei, langfristige Prognosen zu stellen. "Stattdessen ist es wichtiger, sich umzusehen und aufkommende Technologien zu begreifen und zu benutzen. Aber man darf auch nicht die Vergangenheit in Bezug auf die Erfahrungen, die man gemacht und das Wissen, welches man erworben hat, vergessen."

Auf seine Position innerhalb Nintendos angesprochen, sagt Miyamoto, dass es ihm wichtig wäre, wie er sich selber laufend entwickeln könne. Schließlich sei er bereits 60 Jahre alt. Es sei nicht mehr möglich für ihn, mit derselben Energie und derselben Hingabe an Projekten zu arbeiten, wie zu seinen jungen Jahren. Aber Fakt sei, dass er in der Position wäre, Aufgaben und Verantwortung an jüngere Mitarbeiter zu übergeben. Mitarbeitern in ihren 40ern.

So habe er viele der Aufgaben für das Launch-Line-Up an jüngere Enwickler vergeben, die diese Titel auch rechtzeitig abgeben konnten. "Jetzt wo ich immer weniger Verantwortung für die Spiele übernehmen muss, kann ich mich vollends darauf konzentrieren, etwas völlig Neues zu schaffen."

Und den Willen dazu hat er auch noch, denn für ihn sind Spiele etwas einzigartiges. Spiele sind eines der wenigen interaktiven Medien, das auf soviele Wege erlebt werden kann. Und Miyamoto glaubt, dass er einer der wenigen da draussen sei, die sich darüber im Klaren sind und daher auch immer wieder Möglichkeiten suchen, Spiele auf eine neue Weise zu erleben. Wann immer er etwas wirklich Tolles entdecke, hätte er den Drang, es sovielen Menschen wie möglich mitzuteilen. Dies sei auch die Sichtweise, die er vertrete, wenn er neue Spielemöglichkeiten für Nintendos Geräte erforsche.

Die abschließende Frage befasst sich mit der Inspiration Miyamotos, woher er sie bezöge. "Ich achte immer darauf, was um mich herum passiert, was auf der Welt geschieht und manchmal bemerke ich ganz einfache Dinge, Dinge die uns täglich umgeben und denke mir, wenn wir diese Sache mit einer interaktiven Natur versehen, mit einer spezifischen Technologie einfangen könnten, wäre das etwas Besonderes. Etwas, was die Menschen genießen könnten. Beispielsweise kann man den Nintendo DS einfach überallhin mitnehmen. Also habe ich mir Gedanken darüber gemacht, wie man es in einem Museum benutzen könnte. Und was die Wii angeht, die befindet sich normal ja in den Wohnzimmern der Besitzer und ich habe mich gefragt, wie die Konsole den Spass, den die ganze Familie hat, noch steigern könnte."

Wii U - Shigeru Miyamoto im Interview

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Wie wir berichteten, leitet Miyamoto ab 2013 eine neue, kleine Gruppe an jungen Entwicklern, deren Hauptaugenmerk auf der Entwicklung kleiner Spiele liegt. Das ideale Spielfeld für das 60jährige Kind Shigeru Miyamoto also, seine vielen Ideen auszuprobieren.