Autor: Jörg Pitschmann

Der Countdown läuft: Am 8. Dezember läutet Nintendo sein neues Spielezeitalter ein, denn dann erscheint die Wii (oder der Wii, je nachdem). Aus diesem Grund haben sich die netten PR-Mitarbeiter der Mario-Erfinder kurz vor dem Big Bang noch einmal auf Tour quer durch Deutschland begeben und dabei auch in Berlin halt gemacht.

Wir konnten uns im gepflegten Ambiente eines luxuriösen Dachgeschoss-Appartments hoch über den Dächern der Hauptstadt selbst ein Bild machen und einen letzten Blick auf die nunmehr nahezu verkaufsfertige Version der Konsole und einiger Starttitel werfen.

Wii - Big Booty zockt9 weitere Videos

Hier fliegt die Kuh
Besonders angetan haben es uns dabei die funsportorientierten Titel »Wii Sports«, der mit der Konsole zusammen ausgeliefert wird, sowie das brüllkomische »Rayman Raving Rabbids« aus dem Hause Ubisoft, denn diese beiden Titel zeigen klar die Richtung auf, in die sich Nintendo mit der Wii bewegt. Nicht die Technik ist das entscheidende Kriterium, sondern Spielspaß pur - zumindest, wenn man Gleichgesinnte um sich geschart hat. Wer als einsamer Couch-Potatoe nach neuen Möglichkeiten der Selbstunterhaltung sucht, ist hier ganz klar außen vor. Die meisten Spielkonzepte der Wii leben ausschließlich vom Mehrspielerfaktor. Und von viel Platz im heimischen Wohnzimmer.

Wii - Nintendos Wii weckt den Zappelphilipp ins uns: Wir haben probegezappelt!

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Bring die Kuh zum Fliegen: "Rayman Raving Rabbids".
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Dass Nintendos neues Baby von seinen technischen Leistungsdaten her nicht gerade in neue, nie zuvor gekannte Gebiete vordringen würde, war schon seit langem klar. Die meisten gezeigten Titel präsentierten sich denn auch eher in einem spartanisch gehaltenen, sehr flächigen Comicstil. Der Vorteil: Da die Konsole permanent auf Bewegungen des Spielers reagieren muss, wird die Grafikabteilung zugunsten einer möglichst verzögerungsfreien Umsetzung entlastet. Die Minispiele in »Rayman Raving Rabbids« etwa setzen auf möglichst präzise Armbewegungen in kurzer Zeit.

So gilt es beispielsweise, beim Kuh-Weitwurf die armen Milcherzeuger möglichst exakt in einer bestimmten Flugbahn von sich zu schleudern. Die angeleinte Kuh wird dazu im Kreis herumgeschleudert, bis sie abhebt und schließlich genügend Schwung für einen rekordverdächtigen Weitwurf hat. Dazu lässt man den Controller - ohne dessen Copiloten, den Nunchuk - wie ein Lasso schnell über dem Kopf kreisen und löst im richtigen Moment die Wurftaste aus, so dass die Milka-Vertreterin geradeaus wegfliegt. Wirft man zu spät, fliegt die Ärmste nach hinten oder zur Seite und prallt gegen Felsen oder Zuschauer. Das tut weh und bringt keine Punkte, sieht aber saukomisch aus.

Oder die Sache mit dem Kaninchenchor: Dabei handelt es sich um eine Gruppe von frechen Langohren, die Beethovens »Ode an die Freude« intonieren, wobei immer einer von ihnen falsch singt. Den gilt es möglichst schleunigst herauszufinden und ihm eine Ohrfeige zu verpassen, um ihn so wieder in die Spur zu bringen. Dann fängt auch schon der nächste an, aus der Reihe zu tanzen, was man wiederum mit einer Klatsche quittiert.

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Einmal falscher Hase, bitte!
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Der Clou hierbei liegt neben einem guten Gehör vor allen Dingen in einer schnellen Reaktion. Man drückt eine Taste und zoomt das im Fadenkreuz befindliche Sangeskarnickel heran, um zu hören, ob es der falsche Hase ist. Ist der Missetäter entlarvt, genügt ein kurzer Schwinger mit dem Controller, um ihm die verdiente Gesichtsmassage zu verpassen. Irrt man, ist das Geschrei groß und das Spiel leider aus.

Es ist serviert
Ein dritter Vertreter der Marke "Völlig-durchgeknallt-aber-spaßig" ist das Kaninchen-Fütterspiel. Dabei muss man mit dem Controller die Form eines Nahrungsmittels nachzeichnen, um den leeren Teller eines sehr hungrigen und übellaunigen Karnickels zu füllen. Ist man einigermaßen erfolgreich, schlingt der Gierschlund das Essen in sich hinein, und das nächste Stück Nahrung wird eingeblendet. Je geschickter man sich beim Freihandzeichnen anstellt, desto höher fällt die Punktzahl aus. Nach einer Minute ist alles vorbei, Freund Langohr rülpst laut und vernehmlich und fällt vom Stuhl.

Minispielchen dieser Art machen gewaltig Laune, zumindest in der Gruppe. Allein werden sie allerdings schnell öde, weil das einfache Prinzip nicht lange zu fesseln vermag. Das erinnert nicht von ungefähr an die erfolgreiche Mario-Party-Reihe. Nur geht es hier eben immer um Bewegung und sportliche Betätigung. Deshalb benötigt man sehr viel Platz. Spätestens, wenn man beim Versuch zu bowlen mit vollem Schwung die halbe Schrankwand oder den elterlichen Wohnzimmertisch abräumt, weiß man, dass es Zeit für eine größere Wohnung ist. Und natürlich für neues Mobiliar, je nachdem. Das gilt im übrigen auch für die weiteren Titel von »Wii Sports«: Egal ob man sich auf Boris Beckers Spuren begibt oder dem Baseball frönt, in jedem Fall ist Action pur angesagt. Die Regeln sind dabei in etwa so komplex wie das Schälen einer Banane, denn es geht ausschließlich um die richtige Bewegung zur richtigen Zeit.

Shoot me I'm the Cook
Auch Shooterfans gehen nicht leer aus, denn mit »Red Steel« aus dem Hause Ubisoft steht ein veritabler Totschießer auf dem Programm, dessen Handhabung freilich einiges an Fingerspitzengefühl erfordert - und das ist durchaus wörtlich gemeint. Denn anders als in den Funsport- und Spaßtiteln, die praktisch keine Einarbeitungszeit erfordern und überdies simpel zu bedienen sind, sollte man sich hier auf einige Frustmomente gefasst machen. Während man mit dem Controller zielt und schießt beziehungsweise fechtet, bewegt man sich mit dem Nunchuk vor und zurück, duckt sich oder springt.

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Auf die Klinge kommt es an: "Red Steel".
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Zwar ist das Bedienkonzept recht ausgeklügelt, doch leider hinkt die Steuerung besonders in hektischen Momenten und Massengefechten immer wieder hinterher. Außerdem ergeben sich durch die etwas zu kurz geratene Kabelverbindung zwischen dem Controller und dem Nunchuk immer wieder Situationen, in denen man infolge der eingeschränkten Bewegungsfreiheit herumeiert. Inwiefern die geneigte Zockerschar das neue Steuerkonzept akzeptieren wird, werden die Verkaufszahlen des Titels zeigen.

Besser funktioniert die kombinierte Steuerung beim neuen, heiß erwarteten »Zelda«-Teil. Zumindest gelang es uns beim Anzocken problemlos, ein gegnerverseuchtes Areal innerhalb kurzer Zeit leer zu putzen. Fans der Reihe dürfen sich auf ein optisches Schmankerl freuen, denn mit »The Legend of Zelda: Twilight Princess« steht wohl der derzeit technisch aufwendigste Wii-Titel in den Startlöchern. Der Controller dient dabei zum Beispiel als Angel, Schwert oder Bogen, mit dem Nunchuk bewegt man Link. Insgesamt machte die Story einen sehr interessanten und spannenden Eindruck, allerdings waren die gespielten Szenen zu kurz für ein erstes Fazit. Selbstverständlich liefern wir euch einen ausgiebigen Test nach, sobald uns eine finale Testversion erreicht hat.

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Zwei Controller, Millionen Möglichkeiten: Remote und Nunchuk.
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Insgesamt hat die Wii in ihrem jetzigen, beinahe finalen Entwicklungsstand bei unserem Besuch in der Nintendo-Lounge einen sehr guten Eindruck hinterlassen. Die beiden Controllereinheiten wirken stabil und liegen auch nach längerer Benutzung noch gut in der Hand. Von kleineren Unregelmäßigkeiten bei Actiontiteln abgesehen werden sowohl die Beschleunigung einer Bewegung als auch deren Richtung sowie die Entfernung des Controllers zum Gerät korrekt erkannt und entsprechend im Spiel umgesetzt.

Auch die Sensorleiste, die an der Glotze befestigt wird und die Daten des Controllers empfängt und umsetzt, scheint ihren Job gut zu erledigen. Ärgerlich ist nur die Tatsache, dass für die Leiste keine adäquate Befestigung mitgeliefert, sondern der Verpackung vermutlich nur ein Klebebandstreifen beiliegen wird. Hier wäre fraglos ein wenig mehr Kreativität wünschenswert gewesen.

Ausblick
Mit der Wii hat Nintendo einen echten Knaller im Ärmel, der den umtriebigen Japanern besonders die Weihnachtszeit versüßen dürfte. Denn das sich die smarte Funsport-Box verkaufen wird wie geschnitten Brot, sollte angesichts der originellen Ideen, mit denen die Konsole auftrumpft, kein Problem sein. Es bleibt allerdings die Frage, inwiefern sich echte Actiontitel auf dem kleinen Weißen durchsetzen werden, denn die Handhabung der beiden Controllereinheiten erweist sich zumindest bei den gesehenen Titeln als knifflig. Auch die genaue Umsetzung der Bewegungen des Spielers lassen noch ein wenig zu wünschen übrig. Das sollte allerdings echte Fans nicht davon abhalten, sich das gute Stück möglichst schnell ins traute Heim zu holen.