Autor: Jörg Pitschmann

Big N hat wieder einmal den Vogel abgeschossen. Auf der GC präsentierten die freundlichen Mitarbeiter der umtriebigen japanischen Hardwaretüftler ihre neueste Spielkonsole Wii in Deutschland der Öffentlichkeit - wenn auch unter strengster Bewachung und mit wenigen neuen konkreten Fakten. Wir haben die Gelegenheit beim Schopf gepackt und das Teil angezockt, was das Zeug hielt. Dabei haben wir festgestellt, daß es Dinge zwischen Grafikhimmel und Sounderde gibt, die auch ohne beeindruckendes Tamtam für Begeisterung sorgen können. Oder anders ausgedrückt: es müssen nicht immer endgeile Grafik und cooler Soundteppich sein, um für ordentlich Stimmung und gute Laune zu sorgen.

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Wii - Der/Die/Das Wii in den Krallen der gamona-Redakteure. Unser Kampf gegen die Speckpolster.

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Schick: Wii und Wii-Remote sind absolut Wohnzimmer-tauglich.
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Mit der richtigen Idee kann ein Spiel selbst dann gewaltigen Spaß machen, wenn es technisch eher an N64-Zeiten als an die schöne neue Welt der Next-Gen-Konsolen erinnert. In diesem Falle heißt die Idee Wii-Remote.

Mittendrin statt nur dabei
Das seit Jahren bewährte Fernsehmotto läßt sich genauso gut auf den Wii (oder heißt es DIE Wii?) übertragen, denn hier ist die Mitarbeit des ganzen Zockers gefordert. Vorbei sind die Zeiten, in denen sich pubertierende Rotzlöffel auf der elterlichen Wohnzimmercouch fläzen und beim Zocken mit Tiefkühlpizza um sich werfen konnten.

Denn der neue, zweiteilige Wii-Controller läßt sich - zumindest in den von uns angespielten Titeln - bevorzugt im Stehen und unter Einsatz des gesamten Körpers bedienen. Egal, ob man Tennis spielt, mit Schwertern herumsäbelt oder merkwürdige kleine Energiewesen einfängt - in jedem Falle ist räumliches Denken und Handeln notwendig.

Für die meisten auf der GC gezeigten Spiele ist der Einsatz beider Steuerknüppel notwendig. Der kleinere, Nunchuk genannte Controller dient dabei mit seinem analogen Stick zumeist als Richtungsgeber, in die man sich im Spiel bewegt.

Mit der Remote-Einheit läßt man den Blick in alle Richtungen schweifen und schießt, gibt Gas, zieht einen Hebel oder vollführt sonstige beliebige Mätzchen. Der positive Nebeneffekt bei soviel Interaktivität: man wird fit. Oder zumindest nicht noch dicker, je nachdem. Denn was da an körperlicher Betätigung mit Nintendos neuem Baby auf uns zukommt, sucht - zumindest bislang - im Bereich der virtuellen Zeitverschwendung seinesgleichen.

Steuervorteile
Dank der enormen Vielseitigkeit des Remote-Teils lassen sich jedoch auch jede Menge Steuerkonzepte verwirklichen, die ohne den über ein Kabel angeschlossenen Nunchuk funktionieren.

Mit am spaßigsten dürfte dabei der neue Tony Hawk abschneiden, bei dem man seinen Skaterliebling nunmehr ausschließlich mit dem quer von beiden Händen umfaßten Steuerstab bewegt.

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Spaßig: In Downhill Jam steuert ihr die Spilfigur durch Neigen des Controllers.
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Korrektes Grinden, kunstvolle Flips und elegante Stürze werden ausschließlich über punktgenaues Neigen des Controllers in Verbindung mit dem digitalen Steuerkreuz ermöglicht. Klingt gewöhnungs-bedürftig und ist es auch, macht aber mächtig Laune. Ob die virtuelle Skaterszene das Teil allerdings goutieren wird, bleibt abzuwarten.

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So will Nintendo den Wii sehen: Spieler betätigen sich in lockerer Runde und Lounge-Atmosphäre gemeinsam vor der Konsole.
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Ebenfalls schick: Fechten und Hauen mit dem Remote. Das konnten wir bei Red Steel ausprobieren, einem Shooter für die/den/das Wii, der sich die innovativen Möglichkeiten des Freudenstabs ebenfalls zunutze macht.

Im Spiel wird nicht nur geballert, bis der Arzt kommt, sondern Fieslinge werden wahlweise auch mit scharfen Samuraiklingen filetiert oder krass korrekten Schwingern bearbeitet.

Allerdings bleibt das Vergnügen ein wenig schaumgebremst, denn für derlei aparte Aktionen werden beide Teile des Controllers benötigt. Das wäre an sich nicht weiter schlimm, wenn die Verbindungsschnur zwischen den Teilen nicht ein wenig kurz geraten wäre und man deshalb bei heftigen Ausholern einen Kabel(Ab-)bruch riskiert. Mal sehen, wann Dritthersteller die ersten Kabelverlängerungen für den Nunchuk anbieten…

Weitaus effizienter, weil ausschließlich mit dem Remoteteil steuerbar ist dagegen Wii Sports. Hierbei gilt es, unter vollem Körpereinsatz zum Tennis-, Baseball oder Golf-Erfolg zu gelangen. Zwar bewegt man seine Figur mit dem Steuerkreuz, zum Schlagen muß man jedoch möglichst genau ausholen. Die Bewegung mit dem Controller entscheidet über Geschwindigkeit und Winkel, in dem man den jeweiligen Ball trifft - und natürlich auch mögliche Einrichtungs-gegenstände, die im Aktionsbereich der eigenen Arme liegen.

Das eröffnet ganz neue Perspektiven für originelle Sportverletzungen. Eine vergleichbare Spielsteuerung bietet bislang wohl nur der Gametrak für die PS2, doch funktioniert die Sache hier ungleich besser, weil die Eingaben erheblich genauer im Spiel umgesetzt werden.

Abgesehen von kleineren technischen Ärgerlichkeiten wie der zu kurz geratenen Verbindungsschnur zwischen den beiden Controllereinheiten bietet Nintendos neue Spaßkonsole jede Menge Fun und verspricht originelle Spielideen jenseits der ausgetretenen Pfade. Die in den Remoteteil integrierten Bewegungssensoren arbeiten durchweg sehr exakt und reagieren selbst auf feinste Richtungs-änderungen, wie wir besonders beim virtuellen Skaten ein ums andere Mal schmerzhaft erfahren mussten.

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Auch das geht: Shooter auf dem Wii versprechen ein bislang unbekanntes Spielgefühl.
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Wer gar nicht mit den neuen Steuermöglichkeiten klar kommt, greift zu den alten, hinlänglich bewährten Controllern des guten alten Gamecubes. Dafür haben die Erbauer nämlich auf der Oberseite extra vier Steckplätze spendiert, die sich normalerweise hinter einer schicken weißen Klappe verbergen.

Ob sie allerdings häufig gebraucht werden, dürfte fraglich sein. Denn wer sich den/die/das Wii kauft, tut dies vermutlich in erster Linie wegen der innovativen neuen Spielkonzepte. Und die erfordern nun einmal den Remote-Controller.

Coming out
Die spannende Frage, wann Nintendos neues Wunderkind in Deutschland erscheinen wird, konnte oder wollte unsere charmante Lieblings-PR-Mitarbeiterin allerdings nicht beantworten (Update: Mittlerweile ist der 8. Dezember als Launchtermin bestätigt). Stattdessen gab es nur ein nebulöses "Noch in diesem Jahr" aus dem berufenen Mund der Dame zu hören. Warum Nintendo einen solchen Geheimhaltungswirbel um den Wii macht, hat sich uns in keiner Weise erschlossen. Auch der Umstand, daß wir die Konsole zwar von vorne, nicht aber von hinten in Augenschein nehmen durften, erfüllte uns mit gepflegter Skepsis.

Handelte es sich bei den gezeigten weißen Kästen womöglich doch um Dummies? Oder steckt eine Verschwörung der CIA dahinter? Wir wissen es nicht, aber wir sind trotzdem zuversichtlich, daß Wii noch vor Weihnachten den Weg in unser Testlabor schaffen wird.