Deutsche sind Filesharer. Etwa jeder vierte beteiligt sich am Datentausch - meistens illegal. Die Industrie will dies stoppen und leitete im letzten Jahr 200.000 Verfahren gegen deutsche Tauschbörsennutzer ein. Damit ihr kein Schreiben vom Anwalt bekommt, klären wir, was ihr noch dürft und was ihr besser sein lasst.

Seit dem 1. Januar 2008 gilt eine neue Fassung des Urheberrechtsgesetzes. Statt für mehr Klarheit sorgt die Novellierung vor allem für gesteigerte Unsicherheit beim Anwender. "Jetzt kommen Filesharer in den Knast", lauten auch prompt die Schlagzeilen in Magazinen und im Internet. Tatsächlich fallen die Änderungen für den privaten Nutzer gering aus.

Urheberrecht - Was man noch darf im Internet

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Das absolut illegale Tool AnyDVD knackt den Kopierschutz von DVDs.
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Sie betreffen in erster Linie die Privatkopie, deren Vorlage seit Jahresbeginn eindeutig nicht aus einer offensichtlich rechtswidrigen öffentlich zugänglich gemachten Quelle stammen darf (§53 UrhG) - also auch nicht aus dem Internet beziehungsweise von einer Tauschbörse. Was darüber hinaus verboten bleibt und wie ihr trotzdem ganz legal an Filme, Musik und Software kommt, zeigen wir euch auf den nächsten Seiten.

Ein beängstigender, aber glücklicherweise falscher Slogan: Bisher landete noch kein Raubkopierer im Knast. Auch das neue Urheberrecht sieht zwar mindestens eine Geld-, jedoch keine Gefängnisstrafen für Filesharer vor. Dennoch lasst ihr besser die Finger von Tauschbörsen, One-Click Hostern und Usenet.

Filesharing: Bittorrent, Emule & Co

Die Lage ist eindeutig: Wer illegale Daten über das Bittorrent-Protokoll oder die Peer-2-Peer-Clients Emule & Co bezieht, handelt in der Regel illegal. Und das nicht erst seit der Gesetzesnovelle. Gängige Tauschbörsen-Programme veröffentlichen ohne zusätzliche Schutzmaßnahmen bereitwillig eure IP-Adresse, die Hausnummer eure Computers, und erlauben Einblick auf freigegebene Bereiche eurer Festplatte. Fahnder haben dann leichtes Spiel.

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Illegal! SpyAgent: Überwacht alle Benutzereingaben und Vorgänge auf Ihrem PC.
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Dennoch sind weder die Nutzung einer Tauschbörse noch das komplette Tauschbörsen-Angebot grundsätzlich illegal. Die Juristen formulieren schwammig: Wenn ihr etwas herunterladet, das "offensichtlich rechtswidrig" angeboten wird, macht ihr euch strafbar. Werden aktuelle Kino-Filme oder die Top-100- Singlecharts angeboten, könnt ihr die Rechtswidrigkeit mit dem sprichwörtlich "gesunden Menschenverstand" erkennen. So einfach ist es nicht bei jedem Download.

Wer nicht mit Sicherheit sagen kann, dass ein Download legal ist, lässt daher besser die Finger von den mittlerweile flächendeckend überwachten Tauschbörsen. Webspace-Anbieter wie Rapidshare oder Megaupload werden gerne als neue Stars der Untergrund-Szene gefeiert. Nutzer laden Illegales auf einen Computer, der vorzugsweise im Ausland steht und verbreiten anschließend Downloadlinks über Webseiten, Foren und Newsgroups.

Usenet: Musik, Filme, Pornos gratis?

Führen die Server-Betreiber keine Logfiles, die Zugriffe auf die Downloads verzeichnen, haben es Fahnder schwer. Legal ist ein Download von Rapidshare & Co damit aber nicht. Im Zweifelsfall geht es auch bei One-Click Hostern darum, ob der Downloader von einem offensichtlich rechtswidrigen Angebot hätte ausgehen können. Bislang mussten nur die Dienst-Anbieter mit erheblichen Strafen rechnen - wie etwa im Fall gegen die Betreiber der Warez-Site Bockwurst geschehen.

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Legal! Miro: Ein Player für Video-Sites wie YouTube.
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Geht es nach der Industrie, machen sich auch Downloader strafbar. Wer Rapidshare & Co meidet, bleibt auf der legalen Seite. Das Usenet stellt eine Besonderheit beim Datentausch dar. Eine beispiellos aggressive Werbekampagne zieht sich durchs Web und verspricht 100-prozentig anonyme Downloads von Filmen, Musik und erotischen Inhalten - gegen Gebühr. Die Anbieter haben aber keinesfalls Lizenz-Vereinbarungen mit den Urhebern getroffen.

Dennoch ersteht beim Nutzer der Eindruck, Kino-Hits und sexy Streifen gäbe es rechtmäßig und völlig kostenlos zum Download. Anbieter von Usenet-Zugängen mögen sich um Anonymität sorgen, können euch aber keine legalen Downloads versprechen. Hier werdet ihr nicht nur zur Kasse gebeten, sondern macht euch zudem strafbar. Macht daher einen weiten Bogen um diese vermeintlich attraktiven Offerten.

Die Privatkopie

Wer auf der sicheren Seite bleiben will, kann seine DSL-Leitung trotzdem zum Glühen bringen. Denn: Das Web bietet mehr Legales, als jemals auf eure Festplatte passt. Wir klären, was erlaubt ist und wo ihr es findet. Das Anlegen einer Privatkopie von rechtmäßig erworbenen Inhalten bleibt legal. Wer aus gekauften Original-CDs sein eigenes "Best Of"-Album schneidert, handelt rechtmäßig. Die neue Scheibe dürfet ihr sogar mit der Familie und Freunden gemeinsam nutzen.

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Legal! PPMate: Legal: Empfängt asiatische Live-Streams. So schaut ihr kostenlos Bundesliga.
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Anderes sieht es aus, wenn ihr die Quelle nicht rechtmäßig erworben habt - etwa beim Kauf einer Raubkopie vom Flohmarkt. Eine Kopie davon stellt in keinem Fall eine legale Privatkopie dar. Ebenso dürfet ihr keine Kopie von wirksam kopiergeschützten Medien anlegen. Die "analoge Lücke" bleibt davon aber unberührt: Wenn ihr ein DRM-geschütztes Lied mit einer Software wie Tunebite kopiert, umgeht ihr keinen wirksamen Kopierschutz. Die Kopie ist rechtmäßig.

Das Mitschneiden von Online-Angeboten wie Web-Radio, Internet-Fernsehen, YouTube & Co. ist erlaubt. Es existieren zahlreiche Kauf- und Freeware-Programme, die eure Festplatte Gigabyte-weise mit legalen MP3s füllen. Einige Tools besorgen sogar Album-Cover und Titel-Informationen (MP3-Tags) aus dem Web.

Es kann irritierend sein, was eine Video-Suche bei YouTube zu Tage fördert. Dennoch dürft ihr als Anwender davon ausgehen, dass sich Betreiber Google um die erforderlichen Rechte kümmert. Mit Firefox-Plugins oder ähnlicher Software dürft ihr hier bedenkenlos herunterladen. Das Gleiche gilt für Online-Rekorder-Dienste wie Save.tv. Selbst wenn sich der Anbieter schuldig macht, bleibt der Anwender in jedem Fall auf der sicheren Seite.

Erlaubt: Downloads und Filesharing

Verboten ist es dagegen, wenn ihr euch eigenständig auf die Suche nach TV- oder Radio-Mitschnitten im Netz begebt. Ein häufiger Irrtum liegt darin zu glauben, man hätte mit der GEZ-Gebühr bereits für eine Sendung gezahlt. In Wahrheit bezahlt ihr ausschließlich für den Empfang von Rundfunksignalen. Wer eine Folge seiner Lieblingssendung verpasst, darf diese nicht später aus einer Tauschbörse saugen.

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Legal! Wlandscape: Zeigt WLANs in einer Straßenkarte an.
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Dennoch bleibt die Nutzung von Filesharing-Software völlig legal. Zumindest solange der damit unternommene Download legal ist. Das Musterbeispiel wäre der Bittorrent-Download einer Linux-Distribution. Darüber hinaus gibt es viele Künstler und Netz-Label, die ihre Werke frei und völlig rechtmäßig im Netz anbieten.