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Mit der scheinbar aus dem Nichts gekommenen Ankündigung des SmartPad gelang 1&1 zweifellos ein großartiger PR-Coup. Wenige Tage nach den ersten Gerüchten wurde das Tablet offiziell vorgestellt und noch am selben Tag landete es in unserer Redaktion. Doch auf die erste Euphorie folgte sehr schnell tiefe Ernüchterung.

Wer in der Pappschachtel von 1&1 einen iPad-Konkurrenten erwartet hat, dürfte schon beim Auspacken merken, dass diese Hoffnung wohl enttäuscht wird. Das durchgehend aus Plastik gefertigte Gehäuse wirkt nicht nur deutlich billiger, sondern ist mit 22 Millimetern Höhe auch noch überraschend dick. Immerhin fällt beim Display die erste Gemeinsamkeit mit dem iPad sofort ins Auge: Bei den derzeitigen sonnigen Lichtverhältnissen spiegelt es genauso stark wie das des Apple Tablets.

Tablet-PC - 1&1 SmartPad: Der deutsche iPad-Konkurrent

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SmartPad: 1&1-iPad mit Android.
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Wenn man das SmartPad einschaltet, wird man zunächst von einem kurzen Setup-Assistenten begrüßt, anschließend erwartet einen der "Desktop" im 1&1 Design. Trotz des Brandings dürfte dieser für Besitzer eines Android-Handys recht vertraut sein. Allerdings läuft auf dem SmartPad Android 1.6, während auf aktuellen Handys die Versionen 2.1 oder gar 2.2 zum Einsatz kommen.

Berühr mich! Fester!

Das Herzstück eines jeden Tablets ist natürlich der Bildschirm, und auch beim 1&1-Exemplar bedeckt dieser den größten Teil der Vorderseite. Anders als bei nahezu allen Handys seit den letzten Smartphones mit Stylus kommt auf dem SmartPad allerdings kein kapazitives, sondern ein resistives Display zum Einsatz. Wer also gewohnt ist, den Bildschirm einfach nur sanft zu berühren oder mit einem Wisch des Fingers durch seine Galerie zu blättern, der wird sich erst Mal umgewöhnen müssen: Der Touchscreen des SmartPad erfordert einen deutlichen Druck, um überhaupt anzusprechen.

Tablet-PC - 1&1 SmartPad: Der deutsche iPad-Konkurrent

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Schöner als die Realität: So kräftige Farben sieht man nur auf dem Werbefoto.
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Besonders ärgerlich ist dies beim Betrachten von Websites: Um zu Scrollen muss man mit dem Finger aufs Display drücken, dann den Druck aufrechterhalten und den Finger in die gewünschte Richtung ziehen. Die dabei entstehenden Fingerabdrücke sind unübersehbar und ziemlich hartnäckig.

Auch in den weiteren Disziplinen kann das Display nicht punkten. Zwar sollte die Auflösung von 800 mal 480 Pixeln einigermaßen zur Bildschirm-Diagonale von sieben Zoll passen, doch in der Praxis wirken Websites und Fotos sehr grobkörnig. Auch bei Helligkeit und Kontrast enttäuscht das Gerät auf ganzer Linie.

Richtig frustrierend wird es schließlich, wenn man am SmartPad etwas schreiben möchte. Die Bildschirm-Tastatur ist zwar angenehm groß bemessen und lässt bei beidhändiger Haltung die Daumen bequem alle Tasten erreichen, reagiert aber erschreckend träge auf Eingaben. Wer nicht zwischen zwei Buchstaben eine Wartezeit von einer halben bis ganzen Sekunde einkalkuliert, wird oft merken, dass das SmartPad manche Buchstaben einfach "verschluckt" hat.

Rudimentär multimedial

Neben der Internet-Nutzung sieht 1&1 die Medien-Wiedergabe als Haupt-Einsatzgebiet des SmartPad. Videos, Musik und Bilder lassen sich theoretisch entweder über eine SD-Karte (2 GByte werden mitgeliefert) oder als Streams über das WLAN mit den Standards b, g und n auf das SmartPad befördern. Während dies bei der SD-Karte in unserem Test auch tadellos funktionierte, mussten wir bei der Netzwerk-Option eine schwerwiegende Unzulänglichkeit feststellen: Nachdem unser Windows Home Server zunächst einwandfrei erkannt wurde, war eine Auflistung der darauf gelagerten Verzeichnisse oder gar Dateien unmöglich. Jeder Versuch, die Verzeichnisstruktur einzulesen, führte zu endlosen Lade-Schleifen.

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Multimedia mit Hindernissen: Die Mediathek des Heimservers sollte besser nicht allzu groß sein.
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Eine weitere Windows-Media-Connect-Freigabe mit nur einer Handvoll Dateien auf einem Windows-7-Rechner wurde hingegen problemlos erkannt und alle Daten flüssig gestreamt. Uns drängt sich daher der Verdacht auf, dass das SmartPad mit der komplexen Ordnerstruktur einer ordentlich gepflegten, relativ großen Musik- und Video-Bibliothek schlicht überfordert war. Dies ist insbesondere deshalb bedenklich, weil ein ebenfalls auf Android (allerdings Version 2.1) basierendes Samsung Galaxy S Handy über die dort vorinstallierte App AllShare problemlos sämtliche Songs und Videos vom Media Server streamen konnte.

Großer Ständer, wenig Apps

Egal ob übers Netz oder von SD-Karte, egal ob Foto oder Video: Das SmartPad leidet immer wieder unter seinem bestenfalls mittelmäßigen Display. Der ausklappbare Ständer ist zwar äußert praktisch, da er das Betrachten von Videos sehr bequem gestaltet oder aus dem Tablet einen vollwertigen Bilderrahmen macht, doch die gravierenden Mängel bei Helligkeit und Kontrast lassen trotzdem keinen richtigen Spaß aufkommen.

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Aldiko: Die E-Book-Reader-App gehört zur Grundausstattung.
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Auch bei der Erweiterbarkeit stößt das SmartPad schnell an seine Grenzen. Während man eigentlich mit Android zehntausende Apps für nahezu jeglichen Anwendungsbereich verbindet, bietet das 1&1-Tablet kaum mehr Erweiterungs-Programme, als man an einer Hand abzählen kann. Da das Gerät keine offizielle Google-Zertifizierung hat, kann es nicht auf den Android Market zugreifen und ist stattdessen auf den eigenen 1&1 App Store angewiesen.

Fazit: Keine Konkurrenz fürs iPad

Anders als in diesem Text geschehen, vergleicht 1&1 das SmartPad in seiner offiziellen Kommunikation nie mit dem iPad. Das hat seinen guten Grund: Trotz aller offensichtlicher Schwächen ist das kalifornische Apple-Tablet dem Pad aus dem deutschen Westerwald in jeder Hinsicht gnadenlos überlegen. Nun ließe sich natürlich argumentieren, dass das SmartPad gar nicht als iPad-Konkurrent positioniert sei, doch wenn man sich mal den bislang sehr kleinen Markt der in Deutschland erhältlichen Tablets ansieht, gibt es derzeit kein anderes Vergleichsobjekt.

Aber auch wenn man das iPad außen vor lässt, macht das SmartPad keine gute Figur. Das Gerät ist erschreckend langsam, der Touchscreen träge und blass und der Akku mit rund vier Stunden Laufzeit im WLAN-Betrieb (ohne Medien-Wiedergabe) auch nicht gerade ein Leistungswunder. So bliebe als Haupt-Argument für das SmartPad am Ende noch der Preis. 1&1-Neukunden bekommen das Tablet im Juli bei Abschluss eines DSL- und Telefon-Vertrags vermeintlich umsonst, erkaufen es sich de facto aber mit einem Verzicht auf ein Startguthaben in Höhe von 150 Euro.

Während schon dieser Preis hart an der Grenze des Vertretbaren ist, wird es für Bestandskunden richtig bitter: Während vor einigen Tagen noch Fabelpreise von wenigen Euro die Runde machten, steht jetzt fest, dass jeder, der sich zu seinem bestehenden 1&1-Vertrag ein SmartPad hinzukaufen möchte, dafür knapp 300 Euro zahlen darf.

Wir können daher nur vom SmartPad abraten. Wer unbedingt auf den aktuellen Hype aufspringen und sich ein Tablet kaufen will, legt lieber 200 Euro mehr auf den Tisch und holt sich ein iPad. Das ist zwar alles andere als billig, qualitativ aber dafür auch in einer völlig anderen Liga. Oder ihr wartet einfach noch ein paar Monate, bis die zahlreichen anderen für dieses Jahr angekündigten Pads auf dem Markt sind. Wer sich bis zum Herbst gedulden kann, wird die freie Auswahl zwischen Samsung und HP oder JooJoo und WeTab haben.