In Zeiten des Web 2.0 bleibt kaum etwas verborgen. Eine Erfahrung, die Samsung nicht nur bei zahlreichen vor Verkaufsstart gesichteten Modellen, sondern auch in einem neuen, allerdings viel brisanteren Fall, gemacht hat. Wie der Blog The Next Web berichtet, kam es auf der IFA zu unschönen Vorkommnissen gegenüber indischen Bloggern.

Konkret begann alles mit einer Einladung seitens Samsung an indische Blogger. Sie hatten die Chance auf Samsungs Kosten über das Samsung Mob!ler Programm zur IFA nach Berlin zu fliegen, um noch vor dem Verkaufsstart einen Blick auf das Galaxy Note II zu erhalten.

Clinton Jeff von Unleash the Phones sowie ein weiterer Blogger, der nicht erkannt werden möchte, waren unter denjenigen, die an einem Wettbewerb teilgenommen und einen Trip nach Berlin gewonnen hatten. Für die Blogger war es eine einmalige Chance aus erster Hand von der Messe zu berichten und ihren Lesern einen Blick auf noch nicht erhältliche Produkte zu verschaffen - eine Chance, die in Indien kaum einer bekommt.

Die Blogger stellten bereits im Voraus klar, dass sie in erster Linie unabhängig wären, um zu vermeiden, dass Samsung sie zu Präsentanten des Konzerns auf der Messe umfunktionierte. Samsung akzeptierte diese Voraussetzungen und lud beide zum Unpacked Event auf der IFA 2012 ein. Auch das Hotel stellten die Koreaner.

In der Einladungs-E-Mail war bereits die erste Merkwürdigkeit sichtbar: Dort wurde gefragt, ob sie als Reporter oder Promoter auf der Messe auftreten würden. Nochmals stellte Jeff klar, dass er ausschließlich aus unabhängiger Reporter nach Berlin reisen würde. Diese Geschäftsgebaren sind nicht unüblich in der Branche und dienen den Firmen vorallem zu PR-Zwecken.

Man bindet so unabhängige Blogger aus Ländern, die nicht zu den ersten gehören, die in den Genuss neuer Produkte kommen an die eigene Marke. Der nächste Schritt Samsungs folgte noch vor der Abreise. So fragte Samsung Indien nach der Kleidergröße der Blogger, um ihnen passende Uniformen für ein nichtöffentliches Event zu stellen.

Er sendete dennoch die Daten und wunderte sich weiter, was vorlag. Weitere Hinweise, dass etwas nicht wie geplant ablaufen würde waren, dass Samsung verlangte, dass die Blogger sich tanzend vor berühmten Sehenswürdigkeiten Berlins filmten und Gastgeschenke aus ihrer Heimatregion mitbringen. Jeff vermutete lediglich eines der typischen Kennenlern-Events, wurde jedoch bei der Ankunft am Hotel nicht gerade positiv überrascht.

“Die Blogger sollten weiterhin um 8 Uhr des nächsten Morgens am Messegelände sein, um ein NDA zu unterzeichnen. Soweit ist ein NDA nichts unübliches, obwohl es natürlich die Blogger einschränkte. Außerdem erläuterte Samsung, dass sie jeden Tag in ihrer Uniform am Samsung-Stand zu erscheinen hätten, um die neuen Geräte der Presse zu präsentieren.

Die indischen Blogger um Jeff verweigerten sich dessen, da sie bereits vor dem Abflug klar gestellt hatten, dass sie unabhängige Reporter wären und nicht bereit waren als Samsungs Repräsentanten aufzutreten. Samsung selbst gab ihnen für einige Zeit frei während man an einer Lösung arbeitete. Die Lösung gestaltete sich allerdings nicht, wie die Blogger sich das gewünscht hätten.

Ein Samsung-Mitarbeiter stellte in einem Anruf klar, dass sie entweder in Samsung-Uniform am Stand des Unternehmens auftauchten oder andernfalls ihre Flugtickets und Hotelzimmer storniert würden. Einige Minuten später rief erneut ein Vertreter des Konzerns an und bestätigte, dass die Flüge für den 6. September storniert seien. Stattdessen würden Rückflüge für den 1. September gebucht, allerdings nur für den Fall, dass sie sich mit einem Samsung-T-Shirt beim Unpacked Event einfänden und nichts über den Vorfall veröffentlichten.

Damit hielt Samsung die Blogger im Grunde als Geiseln in Berlin, da diese keinerlei Chance hätten sich selbst Flugtickets zu kaufen. Jeff nennt als Gründe dafür vorallem hohe Mieten in Delhi sowie die schwache indische Währung. Sie entschieden sich also diese Bedingung zu akzeptieren, aber nicht am Stand aufzutreten, um der Presse die Geräte vorzuführen.

Samsung wollte die Blogger wohl so schnell wie möglich aus Berlin nach Hause fliegen. Sie hatten zu keinem Zeitpunkt Zugriff auf Tickets oder Hotelbuchungen. Samsung hatte alles organisiert, ihnen jedoch nie die Dokumente überreicht. The Next Web fragte später bei Samsung Indien an und erhielt als Antwort, dass es sich wohl um ein Missverständnis zwischen den Bloggern und Samsung-Offiziellen gehandelt habe und dass man die Ereignisse bedauere.