Ein ehemaliger Mitarbeiter und Praktikant des Yantai-Werks von Foxconn hat sich zu Wort gemeldet und mitgeteilt, dass es keine Sabotage gab. Der wahre Grund für die Defekte bei einigen PS4-Exemplaren sei Überarbeitung gewesen.

PS4 - Nicht Sabotage, sondern Überarbeitung führte zu Ausfällen der Produktion

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Sony meldet eine Ausfallquote von 0.4 Prozent
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Kurz nach der Veröffentlichung der PS4 in Nordamerika machten zahlreiche Meldungen aufgebrachter und enttäuschter Fans sowohl in Foren als auch auf Amazon auf den sogenannten Blue Light of Death, kurz BLoD aufmerksam.

Von Problemen berichteten aber auch schon einzelne Journalisten und Gewinner einer PS4 noch bevor die PS4 offiziell im Handel war. Sonys President of Worldwide Studios Shuhei Yoshida teilte daraufhin über Twitter mit, dass Sony sich des Falles angenommen habe und man vermutet, dass es sich um isolierte Einzelfälle handeln müsste.

Dass dem nicht so ist, zeigten allein die unzähligen 1-Stern-Bewertungen auf Amazon. Dennoch entspricht die Anzahl der defekten Geräte noch immer der von Sony angegebenen 0,4-Prozent-Quote.

Was war also der Grund für die Ausfälle? Wenn man den Gerüchten Glauben schenken darf, dann waren unzufriedene Studenten für die defekten PS4 verantwortlich. So schrieb einer der Studenten des Xi'an Instituts für Technologie, die von Foxconn dazu gezwungen wurden, die PS4 zusammenzubauen: "Da Foxconn uns nicht gut behandelt, werden wir auch die PS4 nicht gut behandeln. Die PS4-Konsole, die wir zusammenbauen, wird sich im besten Fall einschalten lassen."

Nun meldete sich ein weiterer Student und ehemaliger Foxconn-Praktikant unter den Pseudonymen Are Sad und I Am Sad zu Wort, der einen plausibleren Grund liefert. Er habe zwischen insgesamt zwei Monate, von August bis September für Foxconn gearbeitet. Während seiner Zeit in den Werken, habe es keine bewusste Sabotage an der PS4-Fertigung gegeben. Grund für die defekten PS4 sei seiner Aussage nach auch vielmehr eine Überarbeitung der Belegschaft gewesen, die in Produktionsfehlern resultierte.

Er habe, wie viele andere Studenten auch, die Arbeit bei Foxconn angenommen, weil er Geld verdienen wollte. Die negativen Schlagzeilen über die Werke in Yantai seien ihm bewusst gewesen. Zu Beginn hätten sie trotz der harten Arbeitsbedingungen den nötigen Elan gezeigt. Doch die angeforderten Lieferungen seien von Tag zu Tag größer geworden und die Motivation sei dagegen immer mehr gesunken. Auch verfügten die Studenten aufgrund eines kurzen Trainings von gerade mal zwei Wochen, nicht über das nötige Wissen für alle Produktionsabläufe unde waren häufig überfordert.

Irgendwann habe keiner der Studenten noch die nötige Konzentration zeigen können. Ist das eine Festplatte oder ein Flash-Speicher? Ist das eine 360 oder eine Playstation? Besonders der September soll sehr anstrengend gewesen sein. Die Motivation der studentischen Arbeitskräfte war gleich Null, die Arbeit am Fließband wurde immer anstrengender und die Qualitätssicherung dementsprechend immer fahrlässiger, die Fehlerquote stieg an. Das war der Zeitpunkt, an dem er entschied, dass es an der Zeit wäre, Foxconn zu verlassen.

Das Xi'an Institut für Technologie sei auch nicht die einzige Universität oder Schule, die ihre Studenten zu Foxconn schicken. Das taiwanesische Unternehmen habe viele Kontakte zu umliegenden Hochschulen, die ihre Studenten als Praktikanten anbieten. Ob die Schulen dafür bezahlt werden und wenn ja, wieviel Geld sie erhalten, das weiß I Am Sad natürlich nicht.

Ein Abteilungsleiter bei Foxconn in Yantai bezichtigte die Lehrer der umliegenden Hochschulen jedoch, einen Teil der Studentenlöhne abzukassieren. Tatsächlich sollen die Hochschulen finanziell von der Partnerschaft mit Foxconn profitieren. So zahlt Foxconn eine Provision für die Überlassung von schlecht bezahlten oder gerüchteweise gar unbezahlten Studenten, die in den Werken zwar angeblich ein Praktikum machen sollen, meist wohl aber eher in Bereichen der Produktion eingesetzt werden, die mit ihrem eigentlichen Studienfeld so gar nichts zu tun haben. I Am Sad teilt aber auch mit, dass viele Studenten freiwillig in den Werken arbeiten würden, um Geld für Notebooks und Smartphones zu haben.

Solange die Welt noch immer eine Geiz-ist-Geil-Haltung an den Tag legt, wird sich an solchen Situationen auf der Welt so schnell wohl nichts ändern.