Autor: Florian Holzbauer

In einer Zukunft – gar nicht so weit weg – bekriegen sich das Intel-Imperium und die AMD-Rebellen. Leistungsmäßig unterlegen will AMD dem großen Konkurrenten ein Schnippchen schlagen. Aber das Imperium schlägt zurück.

Nehalem, Larrabee, Fusion, Deneb – kennt sich noch jemand aus? Die großen Prozessor-Hersteller haben einiges im Angebot und mindestens genauso viel in der Pipeline. Im Wirrwarr der Codenamen-Galaxie blicken selbst erfahrene Hardware-Jäger kaum mehr durch. Wir erklären, was Intel und AMD derzeit im Handel haben und in ihren Docks produzieren.

Dabei wird deutlich: Im Krieg der Kerne steht schon bald die nächste Schlacht an. Über die kommenden Flaggschiffe ist bereits einiges bekannt. Aber was steckt hinter Intels Larrabee-Technologie? Was ist Nehalem? Kann AMD mit den Deneb-CPUs wieder Boden gut machen? Wir stellen die wichtigsten Entwicklungen vor.

Intel: Top-CPUs schon jetzt und in Zukunft

Wie es sich für ein großes Imperium gehört, hat Intel einen Vorsprung bei Leistung und Verbreitung. Mit Schwadronen an verschiedenen Modellen wird der Konkurrent AMD in Schach und auf Distanz gehalten.

Mit den Core 2 Extreme Prozessoren hat Intel mächtige Waffen im Angebot. Diese CPUs bieten viel Power und vor allem die Möglichkeit zu übertakten, was die Kühlung hergibt. Dafür müsst ihr allerdings tief in die Tasche greifen: So viel wie ein Raumgleiter kostet der Prozessor zwar nicht, für das Geld bekommt ihr aber bereits einen kompletten PC. Wir stellen euch das aktuelle Flaggschiff der Extreme-Flotte vor und werfen einen Blick auf das zukünftige Intel-Arsenal.

CPU-Showdown - Krieg der Kerne: Die Zukunft von Intel und AMD

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QX9770: Aktuelles Top-Modell der Extreme-Serie.
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Der Luxus-Liner: Intel Core 2 Extreme QX9770

Der QX9770 für den Sockel 775 ist der derzeit schnellste Consumer-Prozessor, den man auf dem Markt finden kann. Angetrieben wird er mit 3,2 GHz und zweimal 6 MByte Level-2-Cache. Er ist im modernen 45-nm-Verfahren gefertigt und unterstützt den schnellen Front Side Bus (FSB) von 400 MHz (quadpumped auf 1.6 GHz). Die maximale Verlustleistung liegt bei 136 Watt. Im 3DMark05 erreichte der Prozessor einen sehr guten Wert von 10.307 Punkten; der CineBench schnitt mit 14,6 Sekunden ab – beides Top-Werte.

Wenn ihr den 1.200-Euro-Prozessor euer Eigen nennt, solltet ihr auf hervorragende Kühlung achten. Selbst mit modernster Luftkühlung empfehlen wir lediglich vorsichtiges Übertakten und ausreichend lange Testläufe. Besser funktioniert hier ein ausgeklügeltes Wasserkühlsystem.

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Nehalem: Löst zukünftig die Core-Architektur ab.
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Noch mehr Power: Intel Nehalem

Der Nachfolger der Core-Architektur nennt sich Nehalem. Noch hat Intel nicht alle Spezifikationen der Technologie veröffentlicht – als sicher gilt jedoch bereits das 45-nm-Verfahren, das zur Fertigung der Prozessorkerne verwendet wird. Der erste Kern trägt den Namen „Bloomfield“. Mit Nehalem wird Intel den Speichercontroller direkt in die CPU verbauen – der Umweg über den Chipsatz, der vom FSB limitiert ist, fällt demnach weg. Außerdem sollen hochpreisige Modelle erneut Hyper-Threading beinhalten. Diese Technologie ermöglicht die parallele Bearbeitung mehrerer Datenströme durch die Simulation mehrerer Prozessoren.

Auf in den Grafikkarten-Kampf: Intel Larrabee

Ein komplett neues Feld geht Intel mit Larrabee an. Während sich das Unternehmen in der Vergangenheit vor allem auf Chipsätze und Prozessoren spezialisiert hat, werden mit dieser Technologie diskrete Grafikkarten ermöglicht. Bisher hat Intel kaum Informationen zu Larrabee veröffentlicht – klar scheint jedoch, dass sich die erste Generation gegen Nvidias Geforce-GTX-200-Serie positionieren wird.

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Larrabee: Intel will auch bei den Grafikkarten mitmischen.
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Prinzipiell sollen die Karten auf dieser Basis für PCI-Express 2.0 optimiert werden und zwischen 1 und 2 GByte Grafikspeicher besitzen. Außerdem sollen mindestens 16 Kerne zum Einsatz kommen, von denen jeder 4-faches Multithreading unterstützt. Ersten Informationen zufolge werden spätestens Anfang 2010 die ersten Modelle den Massenmarkt erreichen; Software-Entwickler bekommen bereits Anfang 2009 Samples der Karte.

AMD: Phenom und Fusion, wohin das Auge reicht

Die Rebellion auf Seiten von AMD versucht, über den Plattform-Gedanken zu punkten. „Spider“ heißt das Zauberwort, das Chipsatz, Prozessor und Grafikkarte vereint, sich jedoch nicht durchsetzen will. Dennoch: Am Horizont tauchen bereits erste Pläne zum großen Schlag gegen das Imperium auf.

AMD hat große Pläne: Während die aktuelle Phenom-Serie nur bedingt Anklang findet, punktet Intels Gegenspieler vor allem bei den Grafikkarten. Trotzdem hat AMD einige interessante Produkte im Portfolio, die vor allem beim Preis überzeugen wollen. Wir stellen euch das derzeitige Top-Modell vor und sprechen über die geheimen Pläne der Rebellen.

Günstiger Abfangjäger: Phenom X4 9950 Black Edition

Der Phenom X4 9950 in der Black Edition ist derzeit das Top-Modell unter AMDs Vierkern-Prozessoren und kostet rund 200 Euro. Ausgestattet mit 2,6 GHz Taktfrequenz, 512 Kilobyte Level-2-Cache je Kern und einem 2 MByte großen Third-Level-Cache richtet sich die CPU vor allem an High-End-Anwender wie Spieler.

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Phenom X4 9950 BE: Sehr schneller Prozessor für wenig Geld.
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Im Gegensatz zu Intel fertigt AMD die X4-Riege im angestaubten 65-nm-Verfahren, was negativen Einfluss auf die Hitzeentwicklung hat. Die TDP (maximale Verlustleistung) liegt mit 140 Watt höher als bei der stärksten Extreme-CPU von Intel.

Merkmal der „Black Edition“ ist ein veränderbarer Multiplikator. Das bedeutet: Ihr könnt die CPU nicht nur über den Front Side Bus übertakten, sondern auch über den Multiplikator und somit höhere Werte erreichen, wenn die Kühlung es zulässt. Der Prozessor funktioniert auf Mainboards mit Sockel AM2 und AM2+.

GPU und CPU vereint: AMD Fusion

Das wohl ehrgeizigste Projekt von AMD nennt sich Fusion. Ziel ist es, CPU und GPU in einem Chip zu vereinen. Derzeit plant das Unternehmen verschiedene Modelle für Notebooks und Desktop-Rechner. Die erste Serie soll in beiden Fällen den Codenamen „Swift“ tragen.

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AMD Fusion: Soll zuerst für Notebooks kommen.
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Während die ersten Notebook-Fusions schon bald erscheinen sollen, lässt sich AMD auf dem PC-Markt Zeit. Frühestens 2010 könnt ihr euren Rechner mit einem solchen Modell bestücken. Der CPU-Anteil basiert auf der aktuellen Phenom-Architektur. Wie der GPU-Teil aussehen wird, ist bislang nicht bekannt. Ebenso gibt es keine Details zu Taktfrequenzen und der Leistungsfähigkeit der Fusion-Prozessoren. Sicher scheint dagegen zu sein, dass AMD die Unterstützung für DDR3-Speicher implementiert.

Kleiner ist besser: AMD Deneb, Propus und Heka

Während sich Intel längst in 45-nm-Sphären bewegt, zieht AMD mit „Deneb“ nach. Deneb ist der Codename eines für Ende 2008 angekündigten Prozessorkerns, der DDR3-Speicher unterstützt. Dieser Kern wird vor allem in den hoch getakteten Modellen zu finden sein und über einen shared Level-3-Cache verfügen. 2009 sollen dann die ersten Prozessoren auf Basis des Deneb FX – der Highend-Klasse - erscheinen.

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AMD Deneb: Künftiger Vierkerner in 45-nm-Fertigung.
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Für Einsteiger eignen sich die kommenden Phenom-CPUs auf Basis des Propus-Kerns wohl besser. Zum einen wird AMD in der ersten Generation den günstigeren DDR2-Speicher unterstützen, zum anderen verzichtet der Hersteller auf den Third-Level-Cache. Somit werden stromsparenden Prozessoren (TDP: 65 Watt) mit ausreichender Leistung produziert.

Auch erwähnenswert: Heka. Dieser Kern soll in den neuen Triple-Core-CPUs zum Einsatz kommen. Bereits jetzt hat AMD einige Modelle auf Basis des Toliman-Kerns auf dem Markt. Die Dreikerner können durch einen ansprechenden Preis punkten. Gerade in Multimedia- oder Wohnzimmer-PCs reicht die Leistung vollkommen aus; auch für Spiele-PCs machen die CPUs ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis.