PC-Start in einer Sekunde, nie mehr auf Windows warten, 100 Prozent mehr Leistung: Mit solchen Versprechen locken Hersteller von Tuning-Tools. Dabei hat Windows bereits alles an Bord, um die optimale Leistung aus euerem System zu kitzeln. Wir zeigen wie's geht.

Was euer System schneller macht

Die Basis unseres Tuning-Tests bildet ein durchschnittlicher PC mit frisch installiertem Windows Vista (Core2Due E4400, 1GB RAM, Intels GSA 950). Die Standardinstallation ergänzen wir um die wichtigsten Downloads. Mit dabei sind aktuelle Versionen des Adobe Readers, Browser Firefox, der Gratis-Virenschutz von Avira, das OpenOffice-Büropaket, die Bildbearbeitung Gimp, Google Earth, iTunes und QuickTime, der VLC Media Player, DivX 7 und die Nero-Brennsoftware.

PC-Tuning - Schnelleres Windows: Unsere Tipps lösen die Handbremse

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Unser Tuning-Opfer: Bunt aber leistungsschwach. Das wollen wir ändern.
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Da die fein säuberlich nacheinander aufgespielte Software unsere Testergebnisse verfälschen würde, haben wir die Festplatte so lange bearbeitet, bis eine Fragmentierung von etwa 20 Prozent erreicht war. Die Desktop-Erweiterungen ObjectDock und Yodm 3D installieren wir zusätzlich, um die Auswirkung von Desktop-Modding abzubilden.

Das Ergebnis: Obwohl wir mit Ausnahme der Desktop-Effekte nur verbreitete Software installiert haben, fallen die Leistungsdaten des Systems bereits schlecht aus. Der Bootvorgang dauert bis zu zwei Minuten, Anwendungen starten schleppend und der Prozessor werkelt zeitweise unter Volllast. Höchste Zeit, das System wieder flott zu machen.

Leistungsdaten unserer Ausgangskonfiguration:

3DMark03: 1323 Punkte
3DMark06: 221 Punkte
PCMark Vantage: 2211 Punkte
Bootzeit in Sekunden: 64 (min), 84 (durchschnitt), 119 (max)

Optisches De-Tuning: Weg mit dem Schnickschnack

Polierte Oberflächen und rotierende 3D-Elemente sehen schick aus, belasten aber besonders schwächere Prozessoren und Grafikkarten enorm. Wer auf einige Spielereien verzichtet, erhält ein schnelleres System.

Die meisten Desktop-Effekte sorgen zwar für staunende Gesichter, beschleunigen die Arbeit mit dem PC aber nur sehr selten. Insbesondere Transformationspacks, die zahlreiche neue Dienste und Programme mitbringen, zwingen Rechner mit wenig Speicher und flachbrüstigen Rechenkernen bei Prozessor und Grafik in die Knie. Kein Wunder: Grafische Effekte verbrauchen, ähnlich einem Computerspiel, reichlich Rechenleistung. Außerdem verlängern die automatisch startenden Programme den Bootvorgang.

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Schick aber langsam: Unsere Ausgangskonfiguration samt ObjectDock und Yodm 3D.
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Nach der Deinstallation unserer Testkandidaten ObjectDock und Yodm 3D sank die durchschnittliche Bootzeit von 84 Sekunden auf 63,7 Sekunden. Die Gaming-Benchmarks 3DMark03 und 3DMark06 sind von der Deinstallation zwar unbeeindruckt, die durchschnittliche Prozessor- und Speicherbelastung sinkt bei der Desktop-Arbeit aber spürbar und sorgt dadurch mit seltener anspringenden Lüftern für weniger Lärm.

Leistungsdaten ohne Desktop-Effekt-Software:

3DMark03: 1334 Punkte
3DMark06: 221 Punkte
PCMark Vantage: 2220 Punkte
Bootzeit in Sekunden: 57 (min), 63,7 (durchschnitt), 69 (max)

Radikal: Weg mit Aero und Sidebar

Noch mehr Leistung erhaltet ihr durch den Verzicht auf Vistas Aero-Oberfläche und die bunte Sidebar. Dieses Mehr an Leistung erkauft ihr allerdings mit dem Verlust nützlicher Funktionen. Nach dem Abwürgen aller visuellen Effekte zeigt Vista beispielsweise keine Vorschaubilder von Dateien mehr. Ohne Autostart der Sidebar bootet das System zwar flinker, für einen Blick auf wichtige Gadgets benötigt ihr aber jetzt einen zusätzlichen Mausklick. Diese radikale Maßnahme lohnt sich daher nur auf wirklich schwachen Rechnern, die jede freie Ressource benötigen.

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Visuelle Effekte anpassen: Über die Systemsteuerung schaufelt ihr Ressourcen fürs System frei.
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Gleiches gilt für den Verzicht auf große Desktop-Hintergrundbilder. Die wenigen Megabytes mehr Speicher bemerken Systeme mit 2 GByte RAM wohl kaum. Wer maximale Performance erwartet, sollte sich in Ruhe durch den Leistungs-Dialog arbeiten und nach und nach nicht benötigte Effekte abschalten. In unserem Test können wir den Bootvorgang weiter beschleunigen und das Ergebnis des System-Benchmarks PCMark Vantage um 250 Punke steigern.

Leistungsdaten ohne Aero und Sidebar und Hintergrundbild:

3DMark03: 1343 Punkte
3DMark06: 221 Punkte
PCMark Vantage: 2475 Punkte
Bootzeit in Sekunden: 44 (min), 53,2 (durchschnitt), 63 (max)

Klassisches Tuning: Autostart und Dienste

Fernab vom Registry-Voodoo haben sich zwei Maßnahmen als echte Tuning-Empfehlungen etabliert. Wenn ihr den Start nicht benötigter Programme und Dienste verhindert, ist Windows deutlich flotter einsatzbereit.

Vergleichsweise einfach gelingt die Kontrolle der Autostart-Programme. Nutzt hierzu das Bordmittel msconfig, dass ihr bequem über den Ausführen-Dialog (+) startet. Im Reiter "Systemstart" listet das Tool zusammen mit Windows startende Programme auf. Bevor ihr einen Haken vor einem Programm entfernt, solltet ihr darauf achten, nicht etwa den Virenwächter auszuknipsen. Häufig hilft eine schnelle Google-Suche nach dem Programmnamen. Im Zweifelsfall besser den Haken gesetzt lassen.

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Autostart-Kontrolle: Automatisch startende Virenwächter und Update-Dienste solltet ihr gewähren lassen.
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Im benachbarten Reiter Dienste, steuert ihr das Startverhalten der systemnahen Mini-Programme. Hier solltet ihr euch zunächst um Dienste von Drittanbietern kümmern, indem ihr die Option "Alle Microsoft-Dienste ausblenden" anhakt. Wiederum gilt: Vorsicht vor unbekannten Diensten, da auch Security-Tools und Backup-Programme häufig auf eigene Dienste angewiesen sind. Noch komplizierter wird die Entscheidung bei Microsofts eigenen Diensten. Durch kryptische Namen und unzureichende Dokumentation ist nicht immer klar, was ein Dienst genau macht. Der Vista Security Ratgeber unserer Kollegen von CHIP Online erläutert die wichtigsten Dienste.

Leistungsdaten nach Autostart- und Dienst-Kontrolle:

3DMark03: 1352 Punkte
3DMark06: 219 Punkte
PCMark Vantage: 2571 Punkte
Bootzeit in Sekunden: 34 (min), 42,6 (durchschnitt), 49 (max)

Defragmentieren der Festplatte

Eine weitere Tuning-Maßnahme, die nicht aus dem Reich der Mythen stammt, ist die Defragmentierung der Festplatte. Durch das Anlegen und Löschen temporärer Daten oder die Installation und Deinstallation von Programmen entstehen immer wieder freie Bereiche auf der Festplatte, die später wieder mit Anwendungen oder Teilen von Anwendungen (Fragmenten) aufgefüllt werden. Die Folge: Die zu einer Anwendung gehörenden Daten können über die ganze Festplatte verstreut sein und der Lesekopf der Platte muss weite Wege zurücklegen.

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PCMark Vantage: Nach Defragmentierung erreicht der Festplatten-Test bessere Noten, was 2654 Gesamtpunkte bringt.
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Um dies zu vermeiden solltet ihr eure Festplatte in regelmäßigen Abständen defragmentieren. Durch die Defragmentierung unserer Festplatte konnten wir den Bootvorgang erneut um wenige Sekunden beschleunigen und erreichen sogar 32 Sekunden als Spitzenwert. Außerdem kann der Festplatten-Test von PCMark Vantage zulegen, wodurch die Gesamtbeurteilung der Systemleistung auf 2654 Punkte wächst.

Leistungsdaten nach Defragmentierung der Festplatte:

3DMark03: 1348 Punkte
3DMark06: 225 Punkte
PCMark Vantage: 2654 Punkte
Bootzeit in Sekunden: 32 (min), 39,5 (durchschnitt), 51 (max)

Weitere Maßnahmen: BIOS und Aufrüsten

Wer plant, sein System neu zu installieren, sollte seine BIOS-Einstellungen überprüfen. Ist euch das System nach sämtlichen Maßnahmen immer noch zu langsam, hilft sinnvolles Aufrüsten.

Nahezu alle modernen BIOS-Versionen beherrschen die Auswahl des Boot-Mediums beim Systemstart über ein so genanntes BBS-Popup. Wer sein System hauptsächlich von der Festplatte bootet, sollte die Systemfestplatte daher im BIOS als erstes Bootmedium vorgeben. Dadurch schenkt sich das BIOS beim Start die Suche nach Bootmedien und ihr spart einige Sekunden Wartezeit. Wolltn ihr dann doch einmal vom USB-Stick oder einer CD booten, nutzt einfach das BBS-Popup mit dem passenden Tastendruck beim Rechnerstart.

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Boot Device Priority: Richtige BIOS-Einstellungen beschleunigen den Rechnerstart.
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Plant ihr zudem euer System neu zu installieren, solltet ihr zuvor überprüfen, ob eure SATA-Konfiguration im BIOS auf AHCI eingestellt ist. Festplatten, die das Native Command Queuing (NCQ) unterstützen, können ihre Vorzüge erst in Verbindung mit dem Advanced Host Controller Interface ausspielen. Wenn Ihr BIOS AHCI unterstützt und die Festplatte NCQ beherrscht, werden anstehende Festplatten-Aufträge so sortiert, dass die Festplatte einen möglichst hohen Datendurchsatz erreichen kann.

Sinnvolles Aufrüsten

Wie unsere Tests zeigen, können einige Maßnahmen zwar die Bootzeit des Systems verkürzen und die Reaktionsgeschwindigkeit des Rechners insgesamt verbessern, Wunder bewirken die Maßnahmen auf halbwegs vernünftig eingerichteten Systemen aber nicht. Hier bleibt nur Aufrüsten als letzter Ausweg: Grundsätzlich müsst ihr dann zwischen einem teuren Umstieg auf ein komplett neues System oder dem günstigeren gezielten Nachrüsten an wenigen Stellen (Prozessor, Speicher, Grafik) entscheiden. Wer mehrere Festplatten besitzt oder weitere Festplatten anschaffen möchte, kann zudem über den Einsatz eines RAID-Verbunds nachdenken.