Am Abend äußerte Edward Snowden erneut Kritik am Überwachungssystem der US-Regierung, betonte dabei jedoch: "Nicht jede Form der Spionage ist schlecht."

Das größte Problem sei einfach die neue Technik der Massenüberwachung, bei der Regierungen milliardenfach die Kommunikation Unschuldiger anzapfen. Menschen verhalten sich laut des Whistleblowers anders, sobald sie erfahren, dass sie beobachtet werden. Man bewege sich unter Beobachtung einfach weniger frei und man sei am Ende auch weniger frei.

Aus Notwendigkeit entstanden seien die Spionage-Programme nicht, denn der Terrorismus töte jedes Jahr weniger Menschen als beispielsweise "Unfälle in der Badewanne". Die neuen Programme würden genutzt werden, da sie durch die neuen Technologien einfach und billig wurden.

Wenn man eine Nummer wähle, etwas kaufen möchte, eine SMS sende, eine E-Mail schreibe oder eine Webseite besuche, sollte man sich Snowden zufolge keine Gedanken darüber machen müssen, wie dadurch die eigene Akte aussehen wird.

Und wenn man schon durch die Technologien die Möglichkeit habe, etwa das Telefon von Angela Merkel zu überwachen, dann sollte man nicht seine Zeit damit verschwenden, Anruflisten von Großmüttern aus Missouri zu erstellen. Die USA müsse bei der Lösung des Problems vorangehen, ansonsten schaffe das Land einen Präzedenzfall für Diktatoren.

Er fordert etwa eine Verständigung auf eine internationale Norm zur Begrenzung von Spionage sowie ein länderübergreifendes Gesetz, das vor dem Knacken lebenskritischer Infrastrukturen wie Krankenhäuser und Kraftwerke schützt.

Er selbst würde wieder gerne in seine Heimat zurückkehren wollen und die US-Regierung zeige sich auch offen für Gespräche, schließe jedoch einen Gnadenerlass grundsätzlich aus. Die Gesetze zum Schutz von Whistleblowern könne er nicht in Anspruch nehmen, da er für eine Firma im Dienst der NSA gearbeitet habe. Also hofft er auf eine Reformierung der entsprechenden Gesetze.