Manchmal ist die einfachste Beschreibung die beste, so trivial sie klingen mag: Nintendos DSi XL ist ein DSi, aber eben in Groß. Das betrifft nicht nur die Bildschirmdiagonale, sondern auch die Gesamtgröße. Wir fragen uns aber vor allem: Wäre es nicht langsam an der Zeit für einen echten Nachfolger, Nintendo?

Neulich beim Nintendo-Klassentreffen: Der alte DS steht ein wenig verlegen in der Ecke rum, keiner will sich so recht für ihn interessieren. Sein kleinerer Bruder DS Lite stiehlt ihm aufgrund seiner kompakten Größe ohnehin schon lange die Show. Jungspund DSi hat sich herausgeputzt und lehnt lässig an der Bar, als draußen schwere Schritte zu hören sind und dann der DSi XL den Raum betritt. „Boa, ist der dick, Mann“, murmelt der Lite zu seinen Kollegen.

Nintendo DSi XL - Nintendos großer DSi auf dem Prüfstand

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Im Vergleich zu den Vorgängern, legt der XL wieder an Größe zu.
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Kontinuität sieht anders aus: Der ursprüngliche Nintendo DS aus dem Jahr 2005 hatte eine Display-Diagonale von 3 Zoll (7,6 Zentimeter). Der DS Lite von 2006 änderte daran nichts, er war aber rund 30 Prozent kleiner. Vor knapp einem Jahr folgte dann das nächste Update, der DSi schraubte den Bildschirm dezent auf 3,25 Zoll (rund 8,3 Zentimeter) hoch. Seit dem 5. März ist nun der neueste Streich von Big N erhältlich, der XL.

Der DSi XL (der in Japan als DSi LL verkauft wird) hat ein deutlich aufgeblasenes Display. Es misst 4,2 Zoll, das sind durchaus stolze 10,7 Zentimeter. Das hat aber seinen „Preis“, nämlich bei Größe und Gewicht: DSi und DSi XL sind zugeklappt zwar annähernd gleich dick (DSi: 1,89 cm, DSi XL: 2,12 cm), bei Breite und Tiefe sind die Unterschiede aber klar zu erkennen: Der neueste Handheld misst 16,1 x 9,14 Zentimeter, der herkömmliche DSi dagegen 13,7 x 7,5 Zentimeter.

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Zu groß für die Hosentasche: Den DSi XL bekommt man nicht so ohne Weiteres in die Jeans gestopft.
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Mit 314 Gramm ist der DSi XL außerdem um etwa 100 Gramm schwerer als sein kleineres Schwesternmodell. Es fällt demnach schwer, die XL-Variante noch als Taschenkonsole zu bezeichnen. Ein durchschnittlicher Erwachsener bekommt das Gerät gerade noch in eine Hosentasche, kleine und dünne Menschen werden dagegen andere Transportwege finden müssen. Generell ist der XL kein Gerät für Kids: Durch seine erhebliche Größe ist es für Kinder fast unmöglich, bequem alle Tasten zu greifen.

Bordeauxrot und Dunkelbraun

Rein oberflächlich unterscheidet sich der XL ebenfalls vom Vorgänger. Statt Kunststoff im Look von aufgerautem Aluminium ist der Deckel nun in Klavierlack-Optik gefasst. Das sieht zwar edler aus, ist aber auch anfälliger für Fingerabdrücke.

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Die Farbvarianten sind Geschmackssache. Ein neutrales weiß (wie bei bisherigen Versionen) gibt es dieses Mal nicht.
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Geschmackssache sind die zunächst erhältlichen Farben: Nintendo bezeichnet sie als Bordeauxrot und Dunkelbraun. Im Klartext: Weinrot und Kackbraun. Nun ja, wir hätten uns zumindest eine neutrale Farbgebung in klassischem Weiß (in Japan auch erhältlich) oder Schwarz gewünscht.

Bei einem Handheld sieht man naturgemäß am meisten auf den Schirm. Der wurde nicht nur vergrößert, sondern auch verbessert: So ist der Blickwinkel nun weiter, womit ein Freund von der Seite nun besser sehen kann, was auf dem Display neben ihm passiert. Außerdem verbraucht der XL weniger Strom, der Akku hält etwa eine Stunde länger als beim DSi.

Ein Wermutstropfen bleibt aber: Der Schirm mag zwar größer und besser sein, mehr Bildpunkte bietet er nicht. Die Auflösung ist mit 256 x 192 Pixel unverändert, auch das restliche technische Innenleben gleicht dem DSi. Damit erreicht man zwar vollständige Kompatibilität, aber keine Verbesserung der Bildqualität.

Vorinstallierte Zielgruppe

Drei Anwendungen liefert Nintendo gleich mit: den DSi-Browser, „Dr. Kawashimas Gehirn-Jogging für zwischendurch: Wortspiele“ und „Wörterbuch 6 in 1 mit Kamera-Funktion“. Die letzteren beiden wollen natürlich eine möglichst breite Alters-Zielgruppe ansprechen. Es ist auch kein Zufall, dass Nintendo zeitgleich zum XL-Start das (deutschsprachige) Modul „Bibliothek der klassischen Bücher“ veröffentlicht hat: Der große DSi soll damit vor allem Erwachsene ansprechen, die das Gerät als E-Book-Reader nutzen.

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Wer bisher Probleme mit dem Bildschirm hatte, greift zu. Der Rest wohl eher nicht.
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Wer braucht’s also? Zocker können seelenruhig bei ihrem kleineren DSi bleiben, interessant ist der XL für ältere User mit (westlich-)großen Händen. Gerade beim letzten Punkt fällt übrigens ein Paradoxon auf: Obwohl Japaner sicherlich keine Bärenpranken haben, hat sich der DSi XL dort bestens verkauft. Allerdings würden die Töchter und Söhne Nippons wohl auch mit Nintendo beschriftete Ziegelsteine zum Verkaufsschlager machen.

Aus den Socken reißt der XL uns Hardcore-Zocker also nicht. Vielmehr warten wir alle auf ein Nachfolgemodell, schließlich ist der DS letztlich bereits fünf Jahre alt. Nintendo gibt sich allerdings mehr als schweigsam. Anfang des Jahres sorgte ein Interview von Nintendo-Präsident Satoru Iwata für Aufsehen: Gegenüber einer japanischen Zeitung soll er gemeint haben, dass ein neuer Handheld bessere Grafik und einen Bewegungssensor hätte.

Wie genau es zu dieser Aussage kam, ist allerdings umstritten: Nintendo behauptet, dass Iwata diese Aussage mehr oder weniger in den Mund gelegt worden sei. Er habe die Punkte nur indirekt bestätigt, indem er meinte, dass „diese Dinge natürlich benötigt werden“. Allerdings soll Iwata den Journalisten zusätzlich gefragt haben, ob der glaubte, dass das genügen würde, damit sich das Gerät verkauft.

Nicht wenige haben eine Ankündigung auf der derzeit laufenden Game Developers Conference erwartet. Zum aktuellen Zeitpunkt (die GDC läuft gerade) sieht es aber nicht danach aus. Der nächste logische Termin für eine Präsentation wäre dann Mitte Juni, da findet die E3 in Los Angeles statt. Sollte schon vorher etwas durchsickern, erfährt ihr das aber natürlich sofort in unserem News-Bereich.