Auf der Slush Business Conference in Helsinki sprach Ninja Theorys Design Chief Tameem Antoniades über den derzeitigen Stand der Spieleindustrie. Dabei kam es auch zu einem Missverständnis seitens Edge-Online, doch dazu später mehr.

Ninja Theory - Tameem Antoniades: Xbox One ist der falsche Weg, die Zukunft gehört mobilen Geräten

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Ninja Theory ist für Spiele wie Enslaved bekannt
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Ninja Theory, ein britisches Entwickler-Studio aus Cambridge, das ursprünglich Just Add Monsters hieß, wurde im März 2000 gegründet und machte sich einen Namen mit Titeln wie Heavenly Sword Und Enslaved: Odyssey to the West. Zwar wurden die Spiele allesamt gut bewertet, floppten allerdings im Verkauf. Bei DmC: Devil May Cry kamen noch beinharte Fans hinzu, die der neuen Figur des Dante nichts abgewinnen konnten.

Derzeit arbeitet das Studio an Fightback, einem Fighting-Side-Scroller für iOS und Android. Und im Geschäft mit mobilen Geräten sieht Ninja Theorys Design Chief Tameem Antoniades auch die Zukunft - nur nicht ausschließlich. Dennoch sei das Konsolengeschäft ein schweres Feld.

"Das Geschäft mit dem AAA-Spielekonsolen-Modell ist etwas ramponiert. Für uns bedeutet Erfolg die Fähigkeit zum Überleben. Aber immer wieder schaut man sich auf einer Konferenz um und erkennt, dass niemand mehr übrig ist. Das liegt an den Hürden für den Einstieg in das 60-Dollar-Modell. Die Konsolenhersteller kontrollieren den Bereich und den Vertrieb, die Publisher das Marketing und die Finanzierung", so Antoniades.

Ein wichtiger Faktor sei die Bequemlichkeit. Da sei es dann auch egal, um was für eine Plattform es sich handelt. Einfach zu Bedienen, immer verfügbar, günstig oder noch besser, kostenlos, das seien die Faktoren die zählen. Das sei aber nicht nur in der Spieleindustrie der Fall. Briefe wurden durch Emails ersetzt und CDs durch Streaming-Dienste wie Spotifiy. Für Antoniades werde sich das zwangsläufig auch in der Spieleindustrie komplett durchsetzen.

Interessant, denn Electronic Arts Chief Financial Officer Blake Jorgensen scheint da anderer Meinung zu sein. So teilte er auf der UBS Global Technology Conference in Sausalito mit, dass die Spieleindustrie auch in naher Zukunft noch mit einem physischen Handel rechnen dürfe, einfach weil die Bandbreite fehle.

Auf welchen Plattformen das Geschäft allerdings auch schon heute komplett digital abläuft, sind Smartphones und Tablets. "Wer hätte vor fünf Jahren gedacht, dass Tablets PCs ersetzen würden? Wir hören von Entwicklern immer, dass der Input bei mobilen Geräten schlecht sein soll, dass sie schwachbrüstig wären, dass die Akku-Laufzeit nicht ausreichen würde. Das ist einfach eine Mischung aus Missinformation und Problemen, die noch gelöst werden. Smartphones und Tablets nähern sich bereits den Current-Gen-Spielen."

Es sei zwar durchaus wahr, dass der Touchscreen solcher Geräte den Spieler in manchen Dingen einschränken würde, aber das sei nun mal von Genre zu Genre anders zu beurteilen. Während Point and Click Adventures auf mobilen Geräten ein Comeback feiern, gebe es auch Genres, die völlig ausgestorben sind.

Im Zuge dessen sei es auch an der Zeit, mit alten Regeln der Spieleindustrie zu brechen. Es mache einfach keinen Sinn, einen AAA-Titel mit 15 Stunden an Spielzeit zu entwickeln. Antoniades würde nur allzu gerne einen AAA-Titel mit lediglich zwei Stunden an Spielzeit veröffentlichen, das dafür dann auch nur ein paar Dollars kosten dürfe.

Was für ihn auch keinen Sinn mehr mache, seien Konsolen wie die Xbox One und die PS4. "Habt ihr die Xbox-Ankündigung gehört? TV, TV, TV. Das könnte nicht weiter von der Realität entfernt sein, es ist die komplett falsche Richtung. Es scheint, als hätten Microsoft, Sony und Nintendo, trotz ihrer besten Absichten, einfach zuviel Gewicht mit sich herumzuschleppen."

Doch Valves Steam-Machines finde er gut, da sie eine offene Plattform sei, die all die Flexibilität und Vorteile von Steam in sich vereine. So schätzt Antoniades, dass die Steam-Machines noch vor den Smartphones und Tablets für Furore sorgen könnten. Bei den mobilen Geräten seien die technischen Beschränkungen noch zu groß. "Nach ein paar Jahren erwarte ich, dass mobile Geräte die dominante Plattform sein werden."

Dennoch werde es keine düstere Zukunft für Konsolen geben, wenn sie einige neue Ideen übernehmen. Antoniades schätzt, dass sie zumindest noch die nächsten fünf bis zehn Jahre als Plattform für Spiele dienen werden. Und deshalb wird Ninja Theory auch weiterhin für Konsolen entwickeln.

Edge-Online nahm im originalen Artikel an, dass sich Ninja Theory aus dem Konsolengeschäft zurückziehen und sich voll und ganz auf das Mobilgeschäft konzentrieren wolle. Dem ist nicht so.

"Heute wurde berichtet, dass sich Ninja Theory in Zukunft exklusiv um die Entwicklung von Spielen für Smartphones und Tablets kümmern wolle, es ist jedoch wichtig festzuhalten, dass die Berichte so nicht richtig sind", so ein Statement des Studios. "Auch wenn wir von den Möglichkeiten im mobilen Bereich begeistert sind, und uns auch über die Veröffentlichung unseres ersten Titels Fightback freuen, werden wir nicht dazu übergehen, ausschließlich Mobile-Titel zu entwickeln. Wir entwickeln derzeit für beide Plattformen, Konsolen wie Mobiles, und wir planen, auch in naher Zukunft so zu verfahren."

Was Ninja Theory glaube, sei eine rein digitale Zukunft, sowohl für Konsolen als auch für mobile Plattformen und genau das war auch die Botschaft, die Antoniades vermitteln wollte.