Die Geschichte der Eingabegeräte ist lang. 3-Tasten-Mäuse, 2-Tasten-Mäuse, Tastatur, zahllose Gamepads, Pistolen, Musikinstrumente, Balanceboards, Tanzmatten und Powerhandschuhe säumten unseren Weg. Die amerikanische Firma Neurosky entwickelt unter der kalifornischen Sonne ein weiteres neues Eingabegerät, welches im Gegensatz zu vielen anderen Geräten aber nicht per Hand bedient wird.

Die Rede ist vom so genannten Mindset, ein Kopfhörer, der in der Lage ist die Gehirnwellen zu messen und in Befehle umzuwandeln. Nun sind derartige Geräte nichts Neues. Fast jeder kennt die riesigen Apparate, die mit tausenden Stöpseln und einer Badekappe am Kopf befestigt werden, um feinste Gehirnaktivitäten messen zu können. Leider sind diese Apparate nicht für den Hausgebrauch ausgelegt und obendrein recht groß, sperrig und sauteuer.

Das Mindset schließt diese Lücke, wenngleich der Kopfhörer nicht all die Funktionen hat wie ein millionenschweres Messgerät aus der Medizin. Trotzdem, Neurosky macht die Technologie bezahlbar und zeigt schon heute, wo die Reise im Controllerbereich hingehen könnte...

Alphawellen Protocol

Eigentlich hat sich die amerikanische Firma auf die Herstellung und Vermarktung von Biosensoren spezialisiert und bereits in der Medizin in der Alzheimerforschung, sowie im Sport in Sachen Konzentrations- und Ruhetraining Erfolge gefeiert. So schwören professionelle Bogenschützen auf die Technologie der Sensoren, um die eigene mentale Stärke zu trainieren.

Das „Mindset“ schlägt nun die Brücke zur digitalen Unterhaltungsbranche. Mit dem Gerät möchte das Unternehmen seine Technologien auch den Entwicklern von Videospielen schmackhaft machen.

NeuroSky - So funktioniert der GehirncontrollerEin weiteres Video

Der Kopfhörer ist in der Lage die Gehirnaktivitäten des Trägers auf dem Bildschirm anzuzeigen. Dazu benutzt das Gerät kleine Biosensoren, die zum einen in der linken Hörmuschel, zum anderen an einer Art „Antenne“ angebracht sind, welche die Stirn berühren muss. Die mitgelieferte Software ist nun in der Lage allerlei Informationen über das Gehirn anzuzeigen. Das Mindset erkennt anhand der Wellenstärke und Wellenkonstellation wie konzentriert und/oder entspannt der Träger gerade ist. Ein hoher Alpha-Wellen-Ausschlag spricht für eine große innere Ruhe, ein hoher Beta-Wellen-Ausschlag für eine sehr gute und fokussierte Konzentration. Wenn kein Wellenausschlag zu erkennen ist, ist man tot. Ebenfalls nett: Wenn man nebenher Musik laufen lässt, schlagen die Gehirnwellen im Takt der Musik aus.

Spielen per Gehirn

Diese ganzen Informationen über Alpha-, Beta-, Gamma-, Delta- und Theta-Wellen öffnen nun Tür und Tor für die ein oder andere Spielerei. Beim mitgelieferten Spiel „The Adventures of Neuro-Boy“ kann man mit seiner Entspannung Objekte anheben oder mit der Konzentration Objekte heranziehen oder wegschieben. Man kann Kugeln fliegen, Fässer zerbersten und Autos explodieren lassen, ohne auch nur einen Finger zu bewegen. All das hört sich jetzt schon atemberaubend an, trotzdem darf man nicht vergessen, dass sich diese Technologie noch in den Kinderschuhen befindet, auch wenn die Zukunftsaussichten von David Westenheimer von Neurosky schon jetzt Lust auf mehr machen:

„Unser Gehirn ist ein kleines Elektrizitätswerk. Jede Muskelbewegung, jedes Augenzucken, jede Ent- und Anspannung setzt kleine elektrische Impulse frei, die die Biosensoren von Neurosky messen können Mit unserer Technologie ist es möglich Gehirnaktivitäten zu erkennen, einzuordnen, digital anzuzeigen und in Befehle umzuwandeln. Jedes Gefühl, jede Gemütslage hat ihre eigene Gehirnwellen-Signatur. Wenn diese alle entschlüsselt sind eröffnet es uns eine Menge Möglichkeiten, die derzeit noch lange nicht ausgeschöpft sind.“

Bevor sich jedoch zahllose Gamer beim ersten großen „Star Wars“-Gedanken-MMO mit unbegrenzter Macht die Felsbrocken um die Ohren pfeffern, wird noch viel Wasser die Spree hinunterfließen. Großsithmeister Darth Kevin muss sich also noch gedulden. Nichtsdestotrotz lädt die Technologie zum Träumen ein. Interaktive Sportspiele z.B., wo die Konzentration und die geistige Fitness des Spielers von großer Bedeutung sind, revolutionieren das ganze Genre. Ein Hochsprungweltrekord um drei Uhr nachts nach einer feuchtfröhlichen Party ist damit Geschichte. In diesem Gaga-Zustand macht euer Pixelsportler höchstens die Stange kaputt, falls er sich nicht schon beim Anlaufen verletzt. Statt Medaillen gibt’s Gelächter, statt Frauen, Geld und Ruhm Straftraining, Butterbrot und schlechte Laune.

Andersrum kann eure mentale Stärke natürlich auch euer bester Freund werden. Der Spieler, der mit Seelenruhe jedes Schlachtfeld rockt, keine Aufregung kennt und deswegen klarer sieht als seine Gegner, der mit dem Puls eines Faultiers einen Kontrahenten nach dem anderen wegknallt, ist in jedem Clan begehrter als eine Minderjährige bei der französischen Fußballnationalmannschaft. Die Möglichkeiten sind grenzenlos.

Kein Science-Fiction mehr: der Jedi-Gedankentrick

Wer jetzt schon ganz wild auf Mindcontrol-Spiele geworden ist, bekommt von Neurosky weitere Spiele im klassischen Spielesektor geboten. So gibt es den Star Wars Force Trainer für angehende Sithlords und Jedimeister, bei dem man eine Kugel mit Gedankenkraft steigen und fallen lassen kann. Die Kugel wird dabei von einem Luftstoß in einer Röhre zum Schweben oder Sinken gebracht – je nachdem, ob ihr gerade entspannt oder konzentriert seid. So cool das Spielzeug sein mag, so langweilig wird es nach ein paar Versuchen bereits wieder.

NeuroSky - Werdet zum echten Jedi! Mit dem Star Wars Force TrainerEin weiteres Video

Besser ist da schon der „Mindflex“, der in Zusammenarbeit mit Matell entwickelt wurde. In diesem Spiel steuert man mittels seiner Gehirnaktivitäten ein kleines Gebläse, das einen kleinen Schaumstoffball durch einen Hindernisparcour steuern muss. Je nachdem, ob man sich mehr konzentriert oder entspannt, nimmt der Luftstrom zu oder ab. Das Spiel ist seit dem Verkaufsstart im Dezember 2009 zum absoluten Hit in den Vereinigten Staaten geworden, was eine „Toy of the Year“-Auszeichnung zur Folge hatte. Bei uns in Europa ist der „Mindflex“ ab August 2010 erhältlich.

Das Mindset ist hingegen jetzt schon zu haben. Für den absolut erschwinglichen Preis von 149 € gibt es das neuartige Gerät mit Bluetooth-Kopfhörern für drahtloses Musikvergnügen, einem Bluetooth-Headset, um drahtlos kommunizieren zu können, dem Neuroscanner, der die Gehirnströme misst. Im Paket zusätzlich enthalten ist die Installationssoftware, das Spiel Neuroboy, ein Bluetooth-Dongle, der Brainwave Visualizer und ein USB-Kabel. Derzeit ist das Mindset kompatibel mit einem Windows-PC, einem Apple-Computer und Smartphones, für welche es gesonderte Apps im Markt von Neurosky geben wird.