Bemerkenswerter als die abstrusen Ideen, mit denen der US-Fernsehsender Syfy oder das Produktionsunternehmen The Asylum ihre auf Trash-Rezeption abzielenden Monsterfilme vermarkten, sind jene früheren Helden- und Nichthelden des Kinos, die sie dafür aus der Vergessenheit holen. So geht es in „Lavalantula – Angriff der Feuerspinnen“ zwar um riesige Arachniden aus Lava, was natürlich ein großer Blödsinn ist und auch unbedingt als solcher wahrgenommen werden möchte. Das tatsächliche Kuriosum des Films dürfte aber die Reunion der einst sehr populären „Police Academy“ sein.

Was macht eigentlich…?

Eine Bühne verblassten Ruhmes bietet „Lavalantula“ dabei insbesondere Steve Guttenberg, der seine internationale Kinokarriere 1984 als unbelehrbarer Officer Mahoney startete. Es folgten mehrere Sequels zu „Police Academy“ und beachtliche Hits wie „Cocoon“ oder das „Drei Männer und ein Baby“-Remake, Mitte der 90er-Jahre ließen die Erfolge dann allmählich nach. Heute ist Guttenberg ein Name, mit dem sich zumindest im B-Filmsektor und Fernsehen noch arbeiten lässt. Schauspieler wie er scheinen geradezu prädestiniert für die als Gegenentwurf zum Qualitäts-Mainstream produzierten Schrottbuster von Syfy und Co.

Passenderweise spielt Steve Guttenberg in „Lavalantula“ einen abgehalfterten Filmstar, dessen (fiktive) Publikumslieblinge „Red Rocket“ oder – nun ja – „Clown Cops“ lange zurück liegen. Leicht aufgedunsen und mit sichtlich gefärbtem Haupthaar muss er seinen Lebensunterhalt jetzt in Produktionen für den Videomarkt verdienen, privat lief es mit Ehefrau (Nia Peeples) und Sohnemann (Noah Hunt) auch schon mal besser. Guttenberg hat Spaß an dieser Rolle, das merkt man. Und ob man sie gnadenlos unwürdig oder angemessen selbstironisch findet, ist allein eine Frage des Blickwinkels.

Lavalantula - Angriff der Feuerspinnen - Eine „Police Academy“-Reunion… mit Spinnen

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Cross-Promotion: Steve Guttenberg und Ian Ziering aus „Sharknado“.
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Nachdem sie ihren Agenten bittet, er möge ihr nicht länger drittklassige Monsterfilme vermitteln („No more bug movies!), wird Guttenbergs Figur auf eine noch härtere Probe gestellt. Aus unerfindlichen Gründen beginnt in Los Angeles der Erdboden zu erodieren und nebst Lava vor allem Feuer speiende Riesenspinnen auszuspucken. Weil es aber in allen Katastrophenfilmen – aus ebenso unerfindlichen Gründen – nicht nur darum gehen muss, die Welt zu retten, sondern auch zerrüttelte Familienverhältnisse wieder ins Lot zu bringen, ist der ausgebüchste Sohn eine mindestens so große Herausforderung wie die gemeinen Krabbelviecher.

Ansatzweise charmant

Das nervt natürlich kolossal, gehört aber wohl dazu. Erstaunlich ist nicht zuletzt, wie gleichförmig, also unakzentuiert „Lavalantula“ und andere vergleichbare Billigspektakel ihre Attraktionen zum Einsatz bringen. Wie gewohnt halten sich die Produzenten nicht mit irrelevanten dramaturgischen Prinzipien auf, sondern pixeln ihre Monster bereits nach fünf Minuten großflächig ins Bild. Den Verzicht auf Exposition oder Figurenentwicklung muss man vielleicht als eine Art Zugeständnis ans offenbar ungeduldige Syfy-Publikum verstehen. Es will zügig sehen, wofür es eingeschaltet hat – bekanntlich ist das auch die Logik des industriellen Pornos.

Lavalantula - Angriff der Feuerspinnen - Eine „Police Academy“-Reunion… mit Spinnen

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Leslie Easterbrook, die man noch aus „Police Academy“ (er-)kennen kann, wenn auch mit einiger Mühe.
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So richtig pornös geht es in „Lavalantula“ trotzdem nicht zu. Die Feuerspinnen krabbeln scharenweise, bekommen allerdings nicht viel zu tun. Freilich auch sind sie ausgesprochen billig getrickst, weil sie gar nichts anderes als billig getrickst sein dürfen. Das serbische Effektunternehmen Dreamdust VFX und die in Pakistan ansässige Firma ICE Animations haben hier mit hoher Wahrscheinlichkeit jene Templates wieder verwendet, die letztere schon für „Big Ass Spider!“ (2013) entwickelte. Regie führte dort ebenfalls Mike Mendez, der sich von anderen Syfy-Erfüllungsgehilfen immerhin durch einen ansatzweise charmanten Humor absetzt.

Nichts Neues aus Syfy-Hausen, aber allemal besser als „Sharknado“ und Konsorten.Fazit lesen

Bleibt also nur die unerwartete Zusammenführung gleich vier ehemaliger „Police Academy“-Stars, die zwar nicht sonderlich rührig, aber für Fans der sentimental aufgeladenen Filmserie wohl dennoch eine hübsche Angelegenheit ist: Klangimitator Michael Winslow darf in einer Nebenrolle wieder lustige Geräusche machen, die einst mit piepsiger Stimme bekannt gewordene Marion Ramsey sogar zahlreiche Spinnen ausmerzen. Und eine nach heftigen Schönheitsoperationen kaum erkennbare Leslie Easterbrook scheint sich im Syfy-Universum auch gut aufgehoben zu fühlen. Tragisch? Wie man’s nimmt.