Von W. Pauler und M. Steinheil

Hype oder Handy-Revolution? Das iPhone ist da, zumindest in den USA. Lohnt es sich, auf das Apple-Handy zu warten? Hier findet ihr eine erste Einschätzung unserer Experten sowie alle Details und Bilder.

Die hohe Kunst des Handy-Komforts

Mit dem tastenlosen iPhone will Apple vor allem die Bedienung von Handys revolutionieren. Den Touchscreen und zwei Finger - mehr soll der Nutzer nicht benötigen. Bei den Features fallen zunächst W-LAN, der integrierte iPod sowie die 4 bzw. 8 GByte Speicherplatz auf.

iPhone - Handy-Revolution oder bloß Hype? Apples iPhone ist da: eine erste Einschätzung

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Apple iPhone: Das Handy neu erfunden? Fast.
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Bei At&T respektive Cingular kostet das iPhone mit Vertrag und 4 GByte Speicher 499 Dollar, mit 8 GByte 599 Dollar. Das entspricht etwa 380 bzw. 460 Euro. In Europa sollen die iPhones im vierten Quartal 2007 auf den Markt kommen. Ob Apple wie in den USA auch hierzulande exklusiv mit nur einem Netzbetreiber kooperieren wird, ist noch nicht klar. Im Gespräch sind T-Mobile und Vodafone.

Hardware-Ausstattung: Smartphone (fast) deluxe

Apple hat an nichts gespart und dem iPhone eine Ausstattung mitgegeben, die über das Niveau eines durchschnittlichen Handys deutlich hinaus geht.

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12 Millimeter: Richtig, richtig flach.
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So soll es das iPhone zum Beispiel in zwei Varianten geben - einer mit 4 GByte und einer mit 8 GByte. Davon sind etwa 700 MByte vom Betriebssystem belegt. In den restlichen Speicher passen etwa 55 Stunden bei der kleinen Version und etwa 121 bei der großen Version (bei MP3-Codierung mit 128 kbit/s). Als Klingelton könnt ihr euer Lieblingslied jedoch nicht nutzen - unverständlich, denn das ist bei MP3-Handys einfach Standard.

Musik kaufen kann der Nutzer nur per PC-iTunes. Der Einkauf per Mobilfunk ist zunächst nicht vorgesehen und würde sich schwierig gestalten, denn der User muss - zumindest in den USA - auf UMTS verzichten. Ob das iPhone in Europa über UMTS verfügen wird, ist noch nicht bekannt. Immerhin gibt's Bluetooth und W-LAN für die drahtlose Datenübertragung. Stereo-Bluetooth-Kopfhörer lassen sich jedoch ersten Berichten zufolge nicht nutzen - der User ist auf ein Kabel-Headset beschränkt.

Software von anderen? Jein!

Im Interesse der Sicherheit und Stabilität des iPhone wird auf dem Gerät - anders als bei Palm-, Symbian- oder Windows-Smartphones - keine Software von Drittanbietern laufen dürfen. Weil Apple aber für diese restriktive Linie viel Kritik einstecken musste, hat sich das Unternehmen zu einem Kompromiss durchgerungen. Entwickler dürfen Web-Anwendungen schreiben, die wie iPhone-Programme aussehen, aber auf externen Servern laufen müssen.

Die Ausstattung laut Apple im Detail:

* 115 x 61 x 11,6 Millimeter, 135 Gramm
* Display mit 480 x 320 Pixel und knapp 9 Zentimeter Diagonale
* Digicam mit 2 Megapixel, aber ohne Hilfslicht und ohne Video-Aufnahme
* iPod-Connector
* Quad-Band GSM, EDGE, kein UMTS in den USA
* W-LAN (802.11b/g)
* Bluetooth 2.0 mit Enhanced Data Rates
* E-Mail-Client unterstützt SMTP, POP3 und IMAP, teilweise Exchange-Unterstützung, HTML-Mails
* Safari-Web-Browser, auf Webseiten dargestellte Telefonnummern können direkt angewählt werden, kein Flash
* Virtuelle Tastatur für Ziffern- und Buchstabeneingabe
* Laufzeiten: 8 Stunden Telefongespräche, 6 Stunden Internetbetrieb, 7 Stunden Video- oder 24 Stunden Audio-Wiedergabe, 250 Stunden Stand-by
* Kopfhörer-Buchse (3,5 mm)
* Synchronisiert Adressen und Kalender mit PCs/Macs

Komfort-Funktionen: Das Wende-Handy
Apple hat sich mal wieder was Neues ausgedacht: die Bedienung per MultiTouch.

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Drehding: Dank Bewegungssensoren dreht das iPhone das Bild automatisch in die richtige Position.
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Dahinter verbirgt sich eine Technik, die es dem User erlaubt, nicht nur auf dem Touscreen zu tippen (Buchstaben oder Icons), sondern das Gerät auch mit Gesten zu steuern. Zum Beispiel lässt sich in ein Bild zoomen, indem der Nutzer zwei Finger auseinander zieht. Schieberegler funktionieren auf dem Touchscreen so wie in der dreidimensionalen Welt.

Für die Texteingabe auf der virtuellen Tastatur hat sich Apple besonders viel Mühe gegeben. Das iPhone erkennt Tippfehler auf der Basis eines integrierten Wörterbuchs sowie der Namen in der Kontaktliste. Wenn der User den Cursor im Text verschieben will, erscheint eine Textlupe, die das deutlich erleichtert. Wenn das iPhone während des Tippens erkennt, welche Buchstaben als nächste kommen müssen (weil andere kein sinnvolles Wort ergeben), zeigt die Tastatur diese Buchstaben vergrößert an.

Listen anschieben

Der Nutzer kann durch Listen scrollen, indem er einfach übers Display streicht und damit die Liste zum Scrollen anschiebt. Im Gegensatz zu den meisten anderen Smartphones mit Touchscreen ist das iPhone auch tatsächlich für die Bedienung per Finger ausgelegt - einen Plastikstift braucht man dazu nicht.

Smartphone mit Mac OS

Laut Jobs läuft das iPhone unter Mac OS X und soll nur 11,6 Millimeter dick sein. Ein Annäherungssensor schaltet den Touchscreen ab, wenn der Nutzer das iPhone zum Telefonieren ans Ohr hält. Ein weiterer Sensor regelt die Display-Helligkeit abhängig vom Umgebungslicht.

Ein Beschleunigungssensor schließlich stellt fest, ob das Gerät vertikal oder horizontal gehalten wird und stellt die Darstellung auf dem Display entsprechend um. Dabei wechselt aber nicht nur die Display-Orientierung. Wenn der User das Gerät zum Beispiel im Musik-Modus kippt, schaltet die Darstellung automatisch auf den so genannten Cover-Flow um: Dabei zeigt der Player nicht mehr die Liste der Alben an, sondern die dreidimensional angeordneten Cover-Bilder, durch die der User mit dem Finger blättert wie früher durch einen Stapel Platten-Cover.

Wie die Bilder in unserer Fotostrecke zeigen, hat sich Apple auch bei den Internet- und Telefonfunktionen eine Menge Mühe gegeben: Übersichtliche Strukturen, vielseitige, gut integrierte PIM-Funktionen (Personal Information Management) und der laut Apple vollwertige Safari-Webbrowser versprechen hohen Telefon- und Internet-Komfort.

Telefon- und Web-Funktionen: Mailbox zum Spulen
Soweit sich aus den bisherigen Bildern und Daten schließen lässt, hat sich Apple auch bei den Internet- und Telefonfunktionen eine Menge Mühe gegeben: Übersichtliche Strukturen, vielseitige, gut integrierte PIM-Funktionen (Personal Information Management) und der laut Apple vollwertige Safari-Webbrowser versprechen hohen Telefon- und Internet-Komfort.

Bookmarks synchronisieren

Neben seinen Kontaktdaten kann der Nutzer zum Beispiel auch seine Internet-Bookmarks synchronisieren. Wie das ganze iPhone steuert der Nutzer auch den Safari-Browser nur mit den Fingern. Hinein- und herauszoomem, die Seite auf dem Bildschirm verschieben - alles per Fingerstrich. Google Maps ist ab Werk integriert - die aktuellen Verkehrsdaten holt sich das iPhone ebenso aus dem Netz wie die Satellitenbilder.

iPhone - Handy-Revolution oder bloß Hype? Apples iPhone ist da: eine erste Einschätzung

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Visual Voicemail: Nachrichten in der Liste.
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Apple hat sowohl eine iPhone-optimierte YouTube-Version installiert als auch zwei kleine Tools, die aus dem Internet aktuelle Börsenkurse und Wetterdaten laden können. Mit YouTube will Apple ein schwer wiegendes Manko des Browsers ausgleichen: Er unterstützt kein Flash. Drum kann der User zum Beispiel YouTube nicht einfach mit dem Browser ansurfen.

Word und Excel: ja - MMS: nein

Office-Dokumente (Word und Excel) kann das iPhone immerhin darstellen. Das Gerät verfügt sogar über eine echte Rechtschreibkorrektur, die Tippfehler eliminiert. Nett: SMS-Konversationen stellt das iPhone grafisch aufbereitet als Dialog dar. Nützlich: Hat der Nutzer zwei Gespräche in der Leitung, kann er sie mit einem Klick zu einer Konferenz zusammenschalten. Ein ganz böses Manko: MMS unterstützt das iPhone zumindest zu Beginn nicht - vielleicht rüstet Apple ja bis zum europäischen Marktstart nach.

Voice-Mail: In der Mailbox spulen

In den USA dürfte Voice-Mail ein wichtiges Verkaufsargument fürs iPhone sein. Ob dieses Feature auch in Deutschland zu haben sein wird, ist noch nicht bekannt, da es vom Mobilfunknetz unterstützt werden muss. Dabei werden Mailbox-Nachrichten auf dem iPhone selbst gespeichert und auf dem Display in einer Liste angezeigt, so dass Sie die Nachrichten in beliebiger Reihenfolge anhören und sogar in der Nachricht spulen können.

Fazit: Volltreffer
Seit Steve Jobs im Januar das iPhone aus dem Hut gezaubert hat, ist die Handy-Welt im Aufruhr. Jetzt muss sich zeigen, ob das iPhone halten kann, was Apple verspricht.

Keine Frage: Das iPhone ist ein wunderbares Spielzeug, mit dem sich die wesentlichen Funktionen eines Handys (telefonieren, simsen, surfen) leicht und hochintuitiv bedienen lassen dürften. Die konsequente und leicht erfassbare Touchscreen-Bedienung, gekoppelt mit Sensorautomatiken und guter Ausstattung inklusive 4 bis 8 GByte Speicher verspricht einen Bedienkomfort, den wir so wohl noch bei keinem Handy erlebt haben.

Allerdings hat Apple bei den Telefon- und Internetfunktionen im Detail geschlampt. Mit Verlaub: keine MMS, keine Video-Funktion in der Digicam - das geht einfach nicht. Und kein UMTS, keine Flash-Unterstützung im viel gepriesenen Safari-Browser - damit dürfte sich Apple zumindest auf dem europäischen Markt schwer tun. Zumal das iPhone in einer Preisklasse spielt, in der diese Features einfach zum Standard gehören.

Bis zum europäischen Marktstart ist ja noch ein bisschen Zeit - Zeit nachzubessern.