Wo Licht ist, ist auch Schatten. Diese Küchenphilosophie gilt natürlich auch für iPhone- und iPod-Touch-Apps. Im dritten Teil unserer Special-Reihe rund um das Taschentelefon- und Musikwunder aus Cupertino blicken wir explizit mal über den Tellerrand der Spiele hinaus in die Welt der abgründigen – vorzugsweise wohl für Männer gedachten – Applikationen.

Denn was neben sinnvollen Programmen und vielen interessanten Games an abseitigen Anwendungen seinen Weg in den Shop gefunden hat, spottet teilweise jeder Beschreibung. Wir haben uns in die Untiefen kranker Ideen begeben, um euch das zu präsentieren, was man dort findet, wo man normalerweise nicht sucht – am Darmausgang geistigen Durchfalls.

Wie immer erhebt unsere kleine Aufzählung keinerlei Anspruch auf Vollständigkeit, sondern ist rein subjektiv, intolerant und politisch nicht korrekt. Und es fehlen all jene "weiblichen" Programme, die uns ein schöneres Leben mit der richtigen Schminkberatung oder eine interaktive Regeltabelle versprechen. Da wir uns diesmal weniger einzelne Programme, sondern ganze Sparten herausgesucht haben, verzichten wir auch auf Namensnennungen. Interessenten werden im Zweifel im iTunes-Store schnell fündig.

Küss mich, Dummkopf!

Zocker sind Sozialamöben. Sie haben keinen Sex, zumindest nicht mit anderen Personen, sind kontaktgestört und leben nur in virtuellen Welten. Es scheint so, dass einige Entwickler von iPhone- und iPod-Touch-Apps der Meinung sind, diese Vorurteile träfen auch auf Nutzer der Apfelgeräte zu. Denn anders sind Mädchen-Simulationen wohl nicht zu erklären.

iPhone - Brüste, Bier und Bäuerchen – die schlimmsten Apps fürs iPhone

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Und schon wieder ein Fall von Pfusch bei Schönheitsoperationen.
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"Shake - Touch - Blow" heißt es da vollmundig (oh mein Gott, welch Wortspiel!) in der Unterzeile eines einschlägig vorbestraften Programms. Der verzweifelte Anwender darf ein dürftig dargestelltes weibliches Wesen auf Knopfdruck beispielsweise tanzen lassen, sie anstupsen oder sich an ihrer Reaktion erfreuen, wenn er sein iGerät schüttelt.

Bei soviel Innovation und Abwechslungsreichtum tut jeder einzelne Cent nachhaltig weh, den man in solchen Schwachsinn investiert. Inhaltlich nahezu gleichauf ist da wohl nur noch der Busenwackler angesiedelt, mit dessen Hilfe man auf Fotos von Frauen deren beste Stücke herumwabbeln lassen kann. Natürlich funktioniert die Wackelei auch mit Bildern von Vatis Doppelkinn oder Mamis Tanzversuchen von neulich, doch der hier nicht näher genannte Programmname lässt an Eindeutigkeit nichts zu wünschen übrig und zeigt klar, wes Geistes Kind hier am Werke war.

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Guten Tag, kennen wir uns nicht von irgendwo her?
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Wir hätten, zumindest in Bezug auf die beschriebene Mädelssimulation, noch ein paar Verbesserungsvorschläge. So sollte man in der nächsten Version seine digitale Freundin nicht nur anstupsen, sondern sie mit seinem flinken Flutschfinger auch noch abkitzeln können, was die Dame dann mit lautem Kieks-Gegacker quittieren würde. Und für echte Könner muss es natürlich einen Expertenmodus geben. In dem darf der iPhonist Zungenküsse verteilen. Als Belohnung für besonders effizienten Einsatz des glitschigen Kumpels brüllt einem die Dame dann einen Hörsturz ins Ohr.

Und natürlich darf auch die im Internet veröffentlichte Highscore-Liste nicht fehlen, frei nach dem Motto: Ich bin der beste Latin-iPhone-Lover. Anstatt die virtuelle Freundin auf dem iPhone oder iPod Touch zu beglücken, nehmen wir lieber den kleinen Wunderkasten aus Cupertino und streichen mit seiner Glasfront liebevoll über die Haut einer echten Frau. Das macht erheblich mehr Spaß. Und manche Damen mögen so was vielleicht auch.

Verdauen mit Frauen

Im Bereich "Unterhaltung" des App-Stores wimmelt es neben allerlei sinnlosen Spielereien auch von Rülpsautomaten und Furzmaschinen. Anscheinend erfreuen sich derlei Flatulenzprogramme einer hohen Beliebtheit, denn auch hierbei ist ein steter Anstieg neuer Produkte zu verzeichnen. Ganz großes Kino: die programmierbare Furzerei.

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Der neueste Schrei auf der Cebit: Darmentladungen jetzt digital.
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Dabei stellt man einen Timer ein, steckt das Gerät in die eigene Gesäßtasche oder die einer anderen Person und wartet ab. Zur festgelegten Zeit gibt es dann den heiß ersehnten, innovativen Verdauungslaut von sich. Was für ein Brüller! Angesichts eines solch originellen Scherzes hat man die Lacher ganz sicher auf seiner Seite. Zumindest, wenn es sich um Insassen einer Vorschulklasse handelt.

Wir haben uns, natürlich nur zu Anschauungszwecken, eine Furztastatur für das iPhone herunter geladen, die Zahleneingaben beim Wählen einer Telefonnummer mit entsprechenden Geräuschen unterlegt. Das ist nur mäßig witzig und stößt auch in der Damenwelt auf wenig Begeisterung. Wer seinen Apfelknochen also einsetzen möchte, um die holde Weiblichkeit zu beeindrucken, sollte von Programmen dieser Art besser die Finger lassen.

Außerdem werden für die Anwendungen je nach "Qualität" unterschiedliche Verkaufspreise eingefordert. Verdauungsgeräusche auf dem iPhone – sicherlich nur etwas für Männer mit Hang zu postpubertärem Zwangsvulgarismus und 13-Jährige jeder Altersklasse.

Das ist nicht mein Bier!

Kommen wir zu einem weiteren Vertreter der Rubrik "gänzlich überflüssig" – den Trinksimulationen. Bei denen darf der geneigte alkoholabhängige, dauergestresste Vollzeitredakteur beispielsweise sein eigenes Bier brauen. Nach getaner Arbeit kann man sein Gesöff natürlich auch konsumieren. Das iPhone – oder der iPod Touch – fungiert dann als Glas, in dem die Flüssigkeit hin und her schwappt und weniger wird, je weiter man das Gerät kippt.

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Die neueste Kampagne von "Don't drink and drive" trägt eigenartige Blüten.
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Natürlich darf auch der Schaum nicht fehlen. Wichtigster Punkt der feucht-fröhlichen Angelegenheit ist jedoch der zuschaltbare Rülpser, den man seinem Gerät nach dem Leeren des Glases entlockt. Ein Spaß für jeden Stammtisch!

In eine ähnliche Richtung, bloß ohne Bäuerchen, geht ein anderer Vertreter dieses verdienstvollen Genres, bei dem man sein volles Bierglas über einen mit Hindernissen gespickten Tresen zum Konsumenten balancieren muss. Gelingt dies, darf man sein Bierglas in einem Zug leeren und von vorne beginnen.

Echte Connaisseure der Materie werden den intellektuell-verspielten Hochgenuss solcher Programme wohl eher links liegen lassen und mit der Real-Life-Applikation "Bier saufen 2.0" kontern. Das bringt zwar auch nicht mehr Abwechslung, macht aber dafür viel Spaß und lässt, besonders in Gegenwart des Chefs, so manch offenes Wort in geselliger Runde fallen, das man sich ansonsten wohl eher verkneifen würde. Und für die Stellensuche am nächsten Tag kann man ja die verschiedenen Onlineportale mit seinem iPhone abklappern. Na dann Prost!

Putz dir die Nase

Frauen müssen putzen. So oder so. Und wenn nicht anders, dann wenigstens als fleißiges Saubermach-Bienchen auf Apples tragbaren Spaßgeräten. In diesem Falle kommt die Putzmarie mit hässlicher Latzhose, blondem Pagenschnitt und debilem Grinsen daher. Ihre einzige Tätigkeit besteht darin, auf einen kurzen Fingerdruck hin mit einem Gummiabstreifer die Innenseite des Touchscreens sauber zu wischen.

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Sauber macht die Frau, der Mann ist bereits blau.
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Das soll offenbar einsame Männerherzen höher schlagen lassen, die sich an weiblichen Verrenkungen während eintöniger Reinigungsarbeiten erfreuen können.
Anders als bei den vorhergehenden Produkten handelt es sich bei der virtuellen Jute-statt-Plastik-Reinemache-Triene um einen Einzelvertreter seiner Gattung. Zumindest ist uns bei unserer Recherche kein vergleichbares Programm über den Weg gelaufen.

Nicht, dass uns dies Leid tut – einen weiblichen Putzteufel mit großer Oberweite und nicht mehr als zwei Gehirnzellen braucht wohl niemand. Jedenfalls nicht in digitaler Form. Wenn die Dame den durch ständige Benutzung verdreckten Touchscreen tatsächlich reinigen könnte, hätte das Ganze wenigstens noch einen Sinn.

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Mit Essen spielt man doch nicht! Erst recht nicht, wenn es schon mal verdaut war.
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Apropos "Putzen": Wer schon immer der Ansicht war, dass Kotzen an sich eine ästhetische Angelegenheit ist, kann seiner fragwürdigen Neigung dank App-Store ebenfalls nachgehen. Und das geht ganz einfach: Man füttert ein Comic-Gesicht so lange mit Junkfood, bis sich der arme Kerl aus vollem Herzen geräuschvoll übergibt. Und wem das noch nicht genug Spaß ist, der wischt mit dem Finger – würg – kurzerhand den Bildschirm frei und beginnt das Spielchen von vorn. Von soviel Frohsinn wird uns bestenfalls im echten Leben schlecht!

Da bleiben wir doch lieber bei unserem geliebten Wochenendritual, das zum gleichen Ergebnis führt wie das beschriebene Programm. Nur haben wir vorher viel mehr Spaß mit geistigen Getränken!

Jetzt wird’s zappenduster

Eine Gattung darf abschließend in unserem kleinen Rundumschlag beim Thema "sinnfreie Anwendungen" auf keinen Fall fehlen: die zahlreichen Licht-Progrämmchen, die aus dem iGerät wahlweise eine Taschen-, Foto- oder Effektlampe machen. Der Nutzen reicht dabei von fragwürdig bis zu blankem Unsinn und reiner Effekthascherei – zumindest bei jenen Vertretern, die wir uns angesehen haben.

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Gut, eine Zigarette lässt sich damit nicht anzünden, ansonsten ist es aber fast wie echt...
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Ganz besonders erwähnenswert sind in diesem Zusammenhang auch die vielen Feuerzeug-Simulationen, garantiert für brandgefährliche Umgebungen geeignet. Man stelle sich vor, dass bei einem Herbert-Grönemeyer-Konzert plötzlich nicht mehr Feuerzeuge in die Luft schnellen, wenn der Mann seine "Flugzeuge im Bauch" bekommt, sondern Hunderte von iPhones und iPods mit künstlichen Flammen. Was wäre das für ein Bild?!

Nicht, dass wir so etwas nicht für möglich hielten. Immerhin dürfte es zwischen Herberts gut situierter Fangemeinde und Apple-Jüngern eine recht hohe Schnittmenge geben, wenn wir uns diese etwas spitze, klischeehafte Bemerkung erlauben dürfen. Aber allein der Gedanke daran, dass ein Highend-Device der mobilen Technik dazu benutzt wird, eine ordinäre Feuerzeugflamme zu simulieren, erfüllt uns mit einer gewissen Bitterkeit.

Sinnvoll wäre unseres Erachtens bestenfalls eine Lampensimulation, die diesen Namen auch verdient. Doch die von uns getesteten verschiedenfarbigen Funzeln taugen meist nicht einmal dazu, nächtens das Schloss seiner Wohnungstür zu finden. Bleibt also weiterhin nur der Griff zum echten Feuerzeug – oder der Beschwerdeanruf beim Hausmeister, weil das Treppenhauslicht schon wieder einmal kaputt ist. Und dafür ist das iPhone nun wirklich optimal geeignet.

Fazit:

"Applikationen, die die Welt nicht braucht" – so oder ähnlich könnte man wohl zusammenfassen, was uns im Bodensatz des App-Stores über den Weg gelaufen ist. Dabei braucht man gar nicht mal sonderlich viel Phantasie, um fündig zu werden. Wer im Suchfenster die richtigen Begriffe eingibt, erhält je nach Streuung garantiert einen oder mehrere Treffer.

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Wer braucht schon 'ne Freundin, wenn er solch ein Haustier haben kann?
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Wir haben uns vor allen Dingen gefragt, an was für ein Zielpublikum sich die Entwickler solcher Schwachsinnigkeiten wenden. In Deutschland zumindest sind Anschaffungs- und Unterhaltskosten für ein iPhone nach wie vor zu teuer, als dass man auf viele Zwölfjährige treffen dürfte, die mit pubertären "Ficken"-Phantasien nach virtuellen Girls und Furzmaschinen gieren. Verbreitung findet das teure Gerät wohl eher in Kreisen von Apple-Jüngern, Freiberuflern und Medienmenschen, die technisch hip sein wollen. Und die sollten mental und altersmäßig – hoffentlich – weit über der angestrebten Zielgruppe für digitales Rülpsen liegen.

Für den iPod-Touch dürfte es sich vermutlich ähnlich verhalten. Denn auch der reine Musikspieler aus Apfelland ist alles andere als billig und wohl eher selten in der Welt von Mini-Stepkes anzutreffen. Immerhin: Da die meisten der Sinnlos-Apps preislich etwa zwischen 0,79 Euro und 3,99 Euro liegen, könnten sich auch Rotzlöffel vom Taschengeld problemlos derlei Schwachsinn leisten, sofern ihnen die Eltern die notwendige Hardware geschenkt haben.

Bleibt die Frage, wie sich die Nonsensprogramme im Ausland verkaufen, denn der App-Store bietet die meisten Produkte über seinen Shop weltweit an. Doch letztlich ist alles Philosophieren über das "wer" und "warum" nur Makulatur. Die Programme wären schon längst aus dem Store verschwunden, wenn sie nicht ihre Abnehmer finden würden. Und es werden immer mehr. Traurig, aber wahr…