Autor: Lars Schwichtenberg (CHIP Online)

Apple stattet das iPhone 3G mit aktuellen Features wie HSDPA und GPS aus. Dazu kommen alte Stärken wie die geniale Touchscreen-Bedienung. Warum auch das neue Modell nicht zum Nonplusultra zählt, erfahrt ihr im Test.

Eines vorweg: Wir sind keine Apple-Hasser. Im Gegenteil, wir bewundern das iPhone-Konzept und den Vorbild-Charakter des Handys. Doch ein persönlicher Eindruck ist das eine, die beinharten Testkriterien sind das andere.

iPhone

- Apples Nachfolge-Modell 3G: Das Mega-Handy im knallharten Test.
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Apple iPhone 3G: Flotter Nachfolger.
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Unsere Testdatenbank, die jedes Handy durchlaufen muss, ist unbestechlich und deckt auch kleine Schwächen wie fehlende MMS-Funktionen und Mängel bei der Kamera schonungslos auf. Und diese summieren sich beim iPhone. So reicht es dem 3G-Modell wie dem Vorgänger nur zu einem Rang weit hinten in der CHIP-Bestenliste: Platz 57.

Trotzdem ist das neue iPhone ein Handy, das den Konkurrenten manches voraus hat, etwa die immer noch revolutionäre Bedienung. Dazu kommen jetzt eine im Test sehr flotte HSDPA-Verbindung und die GPS-Features, vor allem die rasante Standortbestimmung. Alles über Vor- und Nachteile des iPhone 3G erfahrt ihr auf den folgenden Seiten.

Ausstattung: Diesmal mit HSDPA und GPS

Das iPhone ist erwachsener geworden. Diesmal werkeln auch HSDPA und GPS unter dem neuen Plastik-Gewand. Allerdings hat die 3G-Version vom Vorgänger auch Schwächen geerbt.

Telefonfunktionen

Das neue iPhone unterstützt wie der Vorgänger vier GSM-Frequenzen und bringt mit Freisprecher, einer guten Kontaktdatenbank, Kalender und Favoritenfunktion eine solide Telefonausstattung mit.

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E-Mail: Mit Push-Unterstützung.
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Wer mehr will, kann sich beispielsweise Stimmrekorder, Spiele oder eine Vielzahl anderer Programme kostenlos und direkt über das iPhone aus dem neuen AppStore laden. Dort gibt es natürlich auch kostenpflichtige Tools, zum Start werden 500 Programme angeboten. Visual Voicemail, der eingebaute Anrufbeantworter, der Sprachnachrichten grafisch anzeigen und einzeln abspielen kann, ist ebenfalls wieder mit von der Partie. MMS-Funktionalität zählt dagegen nicht zur iPhone-Ausstattung. Für den Bildversand lässt sich jedoch die E-Mail-Funktion verwenden, die jetzt auch Push-Mail unterstützt.

Datenfunktionen

Hier hat Apple kräftig nachgebessert. Neben dem integrierten WLAN-Empfänger könnt ihr nun auch HSDPA in Phase III, also mit theoretisch 7,2 MBit/S, für die flotte Datenübermittlung nutzen. In der Praxis funktioniert das sehr gut. Für den Aufbau der kompletten Xonio-Homepage brauchte das Handy lediglich 12 Sekunden. Das alte iPhone benötigte mit EDGE im Test fast 20 Sekunden länger. Auch USB 2.0 und Bluetooth 2.0 mit EDR steht zur Verfügung. Das A2DP-Profil für Stereoübertragung von Musik mittels Bluetooth fehlt aber immer noch in der Feature-Liste.

Ab Werk stecken wahlweise 8 oder 16 GByte Speicher im Handy. Wir haben die Version mit 8 GByte getestet, bei der noch 7,2 GByte für eigene Inhalte zur Verfügung standen. Dann ist aber auch Schluss. Weiter aufrüsten kann man den Speicher mangels Speicher-Slot nicht. Das Handy kommt in Deutschland zwangsläufig mit einer neuen SIM-Karte zum Kunden. Kontakte können diesmal direkt per SIM aufs iPhone kopiert werden. Für die Übernahme der Kontakte könnt ihr die iPhone-SIM einfach in euer altes Handy stecken und die Kontakte auf die SIM kopieren. Wieder im iPhone sorgt die Funktion "SIM Kontakte kopieren" für die Übernahme der Einträge.

GPS, Internet und Multimedia

Neu im iPhone: der A-GPS-Empfänger. Er ermöglicht die satellitengestützte Navigation, derzeit könnt ihr aber nur die GPS-Daten für die Standortbestimmung innerhalb von Google-Maps und die zugehörige Routenplanung nutzen. Grund: Es ist noch keine Navigations-Software verfügbar. Dafür funktioniert die Standortbestimmung sehr flott. Etwa 10 Sekunden dauerte es im Test, bis das iPhone die aktuelle Position ermittelt hatte.

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GPS: Flotte Standortbestimmung.
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Für mobile Besuche im Internet ist das iPhone bestens gerüstet. Der Safari-Browser stellt Seiten komfortabel dar und macht die Navigation dank Multitouch-Display spielerisch einfach. Die Seite auf dem Bildschirm verschieben, Links anwählen oder blättern - alles klappt per Fingerstreich oder einem kurzen Antippen des Displays. Gezoomt wird durch das Auseinanderziehen zweier auf dem Display aufliegender Finger. Hier macht dem iPhone kein anderes Handy etwas vor.

Multimedia: iPod-Glanz und Kamera-Elend

Was die Kamera angeht, kann auch das iPhone 3G nicht mit der Konkurrenz mithalten. Als unschlagbar gut erweist sich dafür der vollwertige iPod im Apple-Handy.

Musik

Warum ändern, was funktioniert? Das dachte sich Apple wohl beim Musik-Player des aktuellen iPhones. Tatsächlich hat sich im Vergleich zum schon sehr guten Player des alten iPhone augenscheinlich nichts getan. Musik oder Videos lassen sich immer noch nur mit der Gratis-Software iTunes aufs Handy übertragen. Per Fingerstreich könnt ihr dann durch die Cover-Bilder eurer Musik-Sammlung scrollen. Ein kurzer Tipp auf das Cover öffnet die Songliste der daraus gespeicherten Musikstücke. Aktuell steht auch wieder der mobile iTunes-Dienst zur Verfügung, mit dem ihr Songs flott aufs Handy laden könnt, natürlich gegen Bezahlung.

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3,5 mm Klinke: Anschluss für alle Kopfhörer.
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Das Übertragen von Musik aufs Handy klappte im Test mit iTunes 7.7 sehr gut. Ein Song (3 MByte) landete in nur 2 Sekunden auf dem Handy. Ein ganzes Album (60 MByte, 10 MP3s) war in 13 Sekunden überspielt. Zudem klingt der Player ausgesprochen gut. Wer will, kann aus 22 möglichen Klangeinstellungen wählen, um den Sound an die eigenen Vorlieben anzupassen.

Pluspunkt gegenüber dem Vorgänger: Ans aktuelle iPhone passen alle Stecker mit 3,5 Millimeter Klinke, da die Buchse nicht mehr so weit ins Gehäuse eingelassen ist.

Starkes Display, schwache Kamera

Die Fotofunktion ist der Schwachpunkt des iPhones. Auch hier hat sich im Vergleich zum Vorgänger nichts getan. Die 2-Megapixel-Kamera macht zwar Fotos in ansehnlicher Qualität, allerdings fehlen wichtige Einstellungsfunktionen, Fotolicht oder wenigstens die Möglichkeit, MMS-Bilder zu knipsen. Video-Fans sollten ohnehin die Finger vom iPhone lassen: Es lassen sich keine Bewegtbilder oder gar vertonte Videos aufnehmen.

Praxis: Sieben Gramm abgespeckt

Im neuen iPhone steckt mehr drin, trotzdem hat das UMTS-Modell im Vergleich zum Vorgänger sieben Gramm abgespeckt.

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iPhone 3G: Größer, aber leichter.
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Eckdaten

Das iPhone fällt ein wenig größer aus als Version 1, doch davon merkt der Nutzer nichts. Tatsächlich hat es in der Breite und in der Tiefe rund einen Millimeter zugelegt. Dafür wiegt es jetzt weniger: Ganze sieben Gramm hat es abgespeckt im Vergleich zum in Metall gehüllten Vorgänger. Aktuell werden 115 x 62 x 12,5 Millimeter Umfang bei einem Gewicht von 137 Gramm gemessen. Beim Akkutest zeigte das Handy ordentlich Puste. Erst nach knapp 4 Stunden bei voller GSM-Sendeleistung war der fest verbaute Akku ausgepowert.

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Kamera: Schwachpunkt des Multimedia-Riesen.
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Verarbeitung und Handhabung

Trotz der Plastikhülle wirkt auch das neue iPhone sehr hochwertig und edel, wenn auch nicht mehr ganz so exklusiv wie sein Vorgänger. Dass das Gehäuse ähnlich kratzanfällig ist wie die von iPod, iMac & Co. steht zu befürchten. Sonst gibt es wenig zu meckern. Alles ist gut verarbeitet und sieht schick aus. Der eingebaute Beschleunigungssensor ändert die Darstellung auf das Display entsprechend der jeweiligen Ausrichtung des Gerätes.

Akustik / Display

Das Herz des Handys bildet das von Apple patentierte Multitouch-Display aus Glas. Darauf könnt ihr nicht nur tippen (Buchstaben oder Icons), sondern beispielsweise auch zoomen, indem ihr zwei Finger auseinander zieht, während ihr die Ecken des Bildes berührt oder per Fingerstreich durch Listen scrollt.

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Display: Scharf und hell.
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Die Darstellungsqualität ist sehr gut. Auf 50 x 75 Millimetern und mit 480 x 320 Bildpunkten werden alle Informationen sehr hell, scharf und kontraststark angezeigt. Auch Videos sehen auf der Anzeige gut aus. In unserem Akustiktest schlug sich das iPhone gut. Am Handy und am Festnetz klangen Stimmen recht natürlich. Der Freisprecher konnte mit hoher Lautstärke, gutem Gegensprechverhalten und einem natürlichen Klang punkten.

Fazit: Trendsetter mit Charme

Das iPhone 3G hat trotz der enttäuschenden Platzierung in der Handy-Bestenliste von CHIP das Zeug zum Kult-Handy. Es ist ein Trendsetter mit Charme, den viele kleine Mängel eine Top-10-Platzierung kosten.

Wie das erste iPhone ist auch die neue Version ein wirklich interessantes Handy mit hohem Spaßfaktor und jeder Menge Potenzial. Besonders die aktuell hinzu gekommenen Daten-Features wie HSDPA und die künftig mögliche Navigation per GPS eröffnen iPhone-Nutzern ganz neue Möglichkeiten.

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Apple iPhone: Streichelzartes Spielzeug.
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Mit seiner hochwertigen Verarbeitung, dem guten Musik-Player und der sehr guten Touchscreen-Steuerung wird das Handy viele Nutzer begeistern. Anders sieht es im knallharten Test aus: Hier enttäuscht das aktuelle iPhone ebenso wie der Vorgänger. Grund: Es fehlt zu viel.

So gibt es immer noch keine MMS-Funktion. Auch hat der Nutzer weiterhin keine Möglichkeit, Videos aufzunehmen oder Videotelefonate zu führen. Mit 8 GByte bzw. 16 GByte ist der Speicher zwar großzügig bemessen, jedoch lässt sich die Kapazität nicht weiter erhöhen. Dies sind alles Kriterien, die im Test wichtige Wertungspunkte kosten und in der Summe für einen schlechten Platz in der Bestenliste sorgen.

Trotzdem: Das iPhone ist eines der derzeit interessantesten Handys auf dem deutschen Markt und auf jeden Fall ein Kauftipp - erst recht, wenn ihr unterwegs viel im Internet surft und noch keinen iPod habt.