Autoren: Marco Rinne und Christian Lanzerath

Der Internet Explorer 8 kommt. Eine erste Beta-Version zeigt die neuen Funktionen für Anwender. Web-Entwicklern verspricht Microsoft bessere Einhaltung von Web-Standards. Wir werfen einen Blick auf die Vorabversion.

Activities: Weniger Klicks im Web

Activities sollen den Anwender vor unnötigen Klicks bewahren, indem sie häufig verwendete Web-Dienste in den Internet Explorer 8 (IE8) integrieren. Eine eigene Activities-Webseite kennt derzeit zwölf Dienste aus den Kategorien Bloggen, Finden, Nachschlagen, Landkarten, Senden, Teilen und Übersetzen. Wer die Adresse eines Restaurants mit Windows Live Maps nachschlagen wollte, musste diese in der Seite markieren, kopieren und anschließend dem Dienst übergeben.

Internet Explorer 8 - Firefox-Killer auf dem Prüfstand

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Activities: Verknüpfung mit häufigen Web-Diensten.
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IE 8 kann passendes Kartenmaterial direkt und interaktiv in die Webseite einblenden, ohne eine neue Seite oder einen Tab dafür zu öffnen. Ebenso übersetzt ihr markierte Textpassagen, schlagt einen Begriff bei einem Nachrichtendienst nach oder bloggt den markierten Bereich der angezeigten Seite. Optisch wenig Neues: Nur durch die neue Favoriten-Leiste und Icons für IE7-Modus und Developer-Tools hebt sich der Internet Explorer 8 vom Vorgänger ab.

WebSlices und Favoriten-Leiste

WebSlices erleichtern den Umgang mit dynamischen Inhalten einer Webseite - ähnlich den RSS-Feeds. In der neuen Favoriten-Leiste (Favorites Bar) legt ihr verfügbare WebSlices ab. Sobald ihr mit der Maus darüber fahrt, blendet das WebSlice etwa den aktuellen Stand einer ebay-Auktion oder Wetterinformationen ein. Einen zusätzlichen Nutzen der Leiste konnten wir nicht entdecken. Zwar lassen sich Bookmarks über das Favoriten-Symbol hier platzieren. Bislang erlaubt es der IE8 aber nicht, einen geöffneten Tab bequem per Drag&Drop in der Leiste abzulegen.

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WebSlices: Dynamische Inhalte in der neuen Favoriten-Leiste.
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Microsoft erhöht die Sicherheit des IE. Schon bei der Installation überprüft eine Routine den Rechner auf schadhafte Software. Der Phishing-Schutz des Browsers bekommt Unterstützung vom Safety-Filter. Der soll Webseiten mit Malware abwehren. Der Browser erkennt gefährliche Seiten anhand einer Blacklist und warnt mit einem Pop-Up. Außerdem kann der User verdächtige Seiten manuell prüfen oder an Microsoft melden. Das neue Domain-Highlighting soll für zusätzliche Sicherheit sorgen: Im Linkfeld stellt IE8 die Top Level Domain jetzt in schwarzer Schrift dar.

Der Rest - also Subdomains und Unterordner - zeigt er nur ausgegraut. Dadurch sollen Anwender besser erkennen, ob sie auf der gewünschten Website surfen – ein hundertprozentiger Schutz ist das aber nicht. Von der Konkurrenz hat sich Microsoft die Funktion Automatic Crash Recovery (ACR) abgeschaut: Stürzen Browser oder Windows ab, fragt der Internet Explorer beim nächsten Start, ob er die alte Session samt geöffneter Tabs wiederherstellen soll. Der User arbeitet anschließend dort weiter, wo er vor dem Absturz aufgehört hat – Firefox-Nutzer kennen diese Funktion schon seit Version 2.0.

Besonders Web-Entwickler sehen den Internet Explorer kritisch. Bislang verhindere der Browser standardkonforme Internetseiten - so die Kritik. Standards wie CSS 2.1, teilweise CSS 3.0, HTML und AJAX soll der IE8 jetzt besser unterstützen. Das bestätigt auch unser Acid-2-Test, den der Internet Explorer 8 besteht – ein Novum für einen Webbrowser von Microsoft. Für Seiten, die trotzdem oder gerade deswegen nicht korrekt angezeigt werden, kann der User einen IE7-Modus aktivieren.

Fazit: Evolution statt Revolution

Wenig Neues aus Redmond: Zwar kommen die neuen Funktionen des IE8 in gewohnt schicker Microsoft-Optik. Die neuen Features entlocken Firefox-Anhängern aber höchstens ein müdes Lächeln. Die Activities holen kaum auf, was der Firefox mit seinen Erweiterungen längst beherrscht. Die WebSlices erinnern irgendwie an Mozillas Live-Bookmarks und die hierfür notwendige Favorites Bar ist inkonsequent umgesetzt. Zudem erweitert sie die betont schlanke Optik des IE um eine weitere Menü-Leiste.

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Auf den ersten Blick fallen die neue Favorites Bar und der IE7-Emulator ins Auge.
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Selbst wenn die Revolution ausbleibt, ist die Weiterentwicklung begrüßenswert. Mit CSS 2.1, Ansätzen von HTML5 und den durchaus brauchbaren Developer-Tools nimmt sich Microsoft endlich entnervten Web-Entwicklern an. Bleibt abzuwarten, ob der Browser in Sachen Web-Standards halten kann, was das IE-Team verspricht.