Arbeitslos aber Online. Wie das Wall Street Journal berichtete, scheint dies in den Tagen allgemeiner Konjunkturschwäche das Motto vieler Jobsuchender zu sein. Neben der schon seit längerem bemerkten, vermehrten Nutzung von Jobportalen, Businessnetzwerken und Stellenbörsen können auch die Betreiber von Blogs, sozialen Netzwerken und Onlinegames nun erhöhte Zugriffszahlen verzeichnen.

Gründe dafür sind meist psychologischen Ursprungs. Angesichts von Druck und Stress, der durch Arbeitslosigkeit entsteht, suchen die Betroffenen verstärkt ihr Heil in der Flucht in die virtuellen Angebote. Ablenkung und Frustabbau begründen dabei den Drang zum Online-Eskapismus.


"Es gibt Belege dafür, dass diese Ablenkungen einen psychologischen Nutzen haben, weil sie der Abwärtsspirale des ständigen Nachgrübelns entgegenwirken.", ließ Robert Kraut, Professor für Sozialpsychologie an der Carnegie Mellon University vernehmen. Des Weiteren werden Vergleiche zur großen Wirtschaftskrise am Anfang des 20. Jahrhunderts gezogen, in der die Menschen vermehrt in die Kinos strömten, um sich mit Charlie Chaplin und der Wochenschau von den trostlosen wirtschaftlichen Aussichten abzulenken.

Christian Hallerberg, Pressesprecher des Branchenverbandes BITKOM, meinte dazu: "Wir können bisher keinen direkten Zusammenhang zwischen Internetnutzung und Arbeitslosigkeit messen. Sehr wahrscheinlich ist aber, dass arbeitssuchende Menschen mehr Zeit im Internet verbringen. Wir gehen davon aus, dass Arbeitssuchende mit Internetanschluss einen Großteil ihrer hinzugewonnenen freien Zeit damit verbringen, einen neuen Job zu suchen."

Im Übrigen räumte Hallerberg aber ein, dass Medien generell auch einer Realitätsflucht dienlich seien: "Das gilt zum Beispiel für Jugendbücher, Fernsehsendungen, Kinofilme und daher in logischer Konsequenz auch für das Internet."

Deutlich stärkere Zuwächse als in Deutschland verzeichnen Internetanbieter in den USA. Dies mag teilweise auf die Präsidentschaftswahlen und das damit verbundene Informationsbedürfnis der US-Bürger zurückzuführen sein, andererseits zeigen sich die Auswirkungen der Wirtschaftskrise am nordamerikanischen Arbeitsmarkt auch deutlich stärker. Hallerberg gab zu bedenken:

"Die Arbeitslosenzahlen schnellen in den USA viel stärker nach oben als in Deutschland. Hier sorgen Kurzarbeit, Arbeitszeitkonten und Ähnliches dafür, dass Unternehmen ihre Stammbelegschaft nicht so stark reduzieren."