Der Jugendmediendienstestaatsvertrags (JMStV) wird voraussichtlich Mitte Dezember auch die letzte Hürde nehmen. Dann werden alle Länderparlamente ihre Zustimmung gegeben haben und das Gesetzt kann zum 1. Januar 2011 in Kraft treten. Dies hat weitreichende Konsequenzen: Jeder Anbieter einer Web-Seite - und damit auch wir - müssen die Inhalte klassifizieren und Maßnahmen zum Schutz der Jugend ergreifen.

Jugendschutz - Neues Gesetz: Internet bekommt Altersfreigaben - gamona bald ab 18?

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WTF?! gamona bald ab 18?
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Die Klassifizierung erfolgt über Altersfreigaben (ab 0, 6, 12, 16 und 18 Jahren), wie sie aus der Filmbranche schon seit Längerem und bei Spielen seit einiger Zeit bekannt sind. Für bestimmte Seiten mit Video- und Ton-Inhalten kommen auch Sendezeitbeschränkung in Frage. Wer sich nicht daran hält, für den sieht der MStV Bußgelder vor. Doch viel entscheidender ist eine zu erwartende Abmahnwelle, denn wer ab Januar 2011 nicht kennzeichnet oder den Zugang beschränkt, kann von der Konkurrenz eine Abmahnung wegen unlauteren Wettbewerbs erhalten, verschafft er sich schließlich einen Vorteil durch die fehlende Beschränkung.

Was würde das für gamona bedeuten? Auch wir müssen die im JMStV vorgesehene Kennzeichnung einführen. Eine Kontrolle aller zig Millionen Foren-Beiträge und Kommentare und aller News und Artikel - auch rückwirkend - ist im Grunde nicht möglich. Täglich kommen Tausende Beiträge hinzu, die allesamt von den Moderatoren geprüft und entsprechend klassifiziert werden müssten.

Die Alternative wäre eine Altersfreigabe für den kompletten Inhalt einzuführen. Da wir aber regelmäßig über Spiele mit Altersfreigaben von 16 und 18 Jahren berichten, liefe das darauf hinaus, dass nur noch volljährige Leser gamona ansurfen dürften. Der Altersnachweis müsste zudem über ein Perso/PostID-Verfahren erbracht werden - ein Aufwand, den wir euch kaum zumuten wollen. Zumal das User, die nur mal gelegentlich auf gamona surfen und sich dafür nicht extra anmelden wollen, von vornherein ausschließen würde.

Der Berliner IT-Experte Kristian Köhntopp äußerte sich in seinem Blog sehr passend zur derzeitigen Situation rund um die Kontrolle des Internets und dessen Inhalten: "Meine bisherigen Inhalte nehme ich morgen offline, und falls ich noch einmal irgendwas mache, dann für ein Land, das Zukunft hat. Nicht Deutschland." Zahlreiche Blogs und Internet-Seiten haben bereits angekündigt, ihr Angebot zum heutigen Tage oder aber 1. Januar 2011 einzustellen.

Update

Die freiwillige Selbstkontrolle Multimedia-Diensteanbieter spricht im Zusammenhang von "user generated content" zwar davon, dass Inhalte klassifiziert werden können, aber nicht müssen."Voran zu stellen ist hierbei, dass Plattformanbieter nicht für Drittinhalte haften, solange sie keine Kenntnis davon haben. Plattformanbieter sind also ganz allgemein hinsichtlich unbekanntem Inhalt von Dritten (Foreneinträge, Kommentare etc.) jugendmedienschutzrechtlich nicht in der Pflicht, solange keine Kenntnis besteht. Auch eine Überwachungspflicht besteht nicht."

Die Passagen "solange sie keine Kenntnis davon haben" und "solange keine Kenntnis besteht" lassen diese Formulierungen allerdings schon wieder schwammig werden.