Schon gewusst? Heute ist der Welttag gegen Internetzensur. Anlässlich dieses Ereignisses zog die Menschenrechtsorganisation "Reporter ohne Grenzen" eine erschreckende Bilanz. Weltweit befinden sich mindestens 70 Menschen als Cyberdissident/innen in Haft, weil sie von ihrem Recht auf freie Meinungsäußerung im Netz Gebrauch machten.

In einem von der Organisation veröffentlichten, 32-seitigen Bericht wurden mindestens 22 Staaten umfassend auf ihre Kontrolle, Überwachung und Zensur des Internets sowie die Verfolgung von so genannten Internetstraftätern untersucht.


Auf Basis dieser Erhebungen wurde eine Liste erstellt, die die zwölf internetfeindlichsten Länder der Welt aufzählt. China führt dabei die Liste mit dem traurigen Rekord von 50 Inhaftierten "Internetdissidenten" an, gefolgt von Vietnam mit sieben und dem Iran mit vier Inhaftierten. Die komplette Liste umfasst Birma, China, Kuba, Ägypten, Iran, Nordkorea, Saudi Arabien, Syrien, Tunesien, Turkmenistan, Usbekistan und Vietnam. Diese Länder haben laut "Reporter ohne Grenzen" ihr Internet zu einem Intranet gemacht.

"Unter dem Vorwand, moralische Normen, die nationale Sicherheit, Religion oder die Rechte ethnischer Minderheiten oder gar das ‚spirituell-kulturelle' und wissenschaftliche Potential eines Landes zu beschützen, wird in vielen Ländern Internetzensur betrieben", so ROG.

Auch in augenscheinlich demokratisch regierten Ländern wie Australien oder Südkorea werden Probleme offenbar. So ist die australische Telekommunikations-Regulierungsbehörde ACMA befugt, Webseiten zu sperren, über die sich Bürger beschwert haben. In Südkorea beschäftigen sich seit dem Oktober 2008 ca. 1000 Polizeibeamte mit der Überwachung von Chatrooms, Blogs und Foren. Dort wurde ein Blogger festgenommen, weil seine Online-Artikel angeblich "den wirtschaftlichen Austausch der Märkte" sowie die "Glaubwürdigkeit der Nation" beeinträchtigt haben.

Des Weiteren wurde auf eine Form der "partizipativen Zensur" eingegangen, bei der von Regierungsstellen Einträge in Foren, sozialen Netzwerken (Twitter, Facebook) oder anderen Webseiten mit Kommentarfunktion gemacht werden. Dieser Form der Meinungslenkung müsse durch erhöhte Medienaufklärung bereits in der Schule Einhalt geboten werden.