Für 150 Euro erwartet man von Intels neuem Schnäppchenprozessor Core2 Duo E4300 keine Leistungswunder. Doch mit einigen einfachen Methoden könnt ihr auf das wahre Potential des "Kleinen" zugreifen. Wir führen euch Schritt für Schritt zum erfolgreichen Overclocking.

Ähnlich wie beim bisher günstigsten Core2 Duo E6300 kann mit wenigen Handgriffen die Taktrate des Core 2 Duo E4300 leicht um bis zu 50 Prozent erhöhet werden. Die Erfolgswahrscheinlichkeit liegt dabei sogar noch wesentlich höher als beim E6300, weil der Kleine über den FSB-Takt künstlich ausgebremst wird - ähnlich wie der Pentium D805. So getunt, bringt der E4300 sogar hoch gezüchtete Artgenossen wie den Athlon 64 X2 6000+ oder teuere Prozessoren aus dem eigenen Hause in Bedrängnis. Wagemutige können mit der modularen Overclocking-Anleitung auch noch die letzten Reserven freilegen. Auf den nächsten Seiten stellen wir ausführlich die erforderliche Ausrüstung vor und führen euch schrittweise zum gewünschten Ergebnis.

Wichtig: Das Übertakten geschieht auf eigenes Risiko, wir geben keinerlei Garantie, dass das hier beschriebene Vorgehen mit eurem System zum Erfolg führt. Zudem kann Übertakten die Lebenszeit der Hardware verkürzen. Es besteht kein Anspruch auf Garantie, wenn eure Hardware durch unsachgemäße Handhabung beschädigt wird.

Ausstattung: Basis des Overclocking-Erfolges
Mit einem Core2 Duo E4300 schafft ihr die optimale Voraussetzung zum Übertakten: Als kleinster Sprössling innerhalb der Prozessorfamilie bietet er ausreichend verstecktes Leistungspotential und ist unschlagbar in seinem Anschaffungspreis.

Intel Core2 Duo E4300 - CPU für 150 Euro schlägt X2 6000+ und Core2 Extreme Edition - So gehts!

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Core2 Duo E4300: Im Wesentlichen gleicht diese CPU den anderen Core2-Duo-Prozessoren.
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Möglich wird das ganze Vorhaben nur durch das zwangsweise Ausbremsen des Core2 Duo E4300: Während die restlichen Core2-Duo-Prozessoren mit einem FSB1066 (266 MHz "quadpumped") operieren, muss sich der kleinste unter ihnen mit FSB800 (200 MHz) begnügen. Somit stehen dem E4300 nur 6,25 Gigabyte pro Sekunde an Bandbreite zur Chipsatz-Northbridge zur Verfügung; alle anderen Core 2 Duos erreichen hier maximal 8,33 GByte/s.

Da weiterhin alle Core2 Duos aus der gleichen Fertigung stammen, gibt es keine technische Begründung für diese Beschränkung: Sie kann bei jedem einzelnen Prozessor mit hoher Wahrscheinlichkeit umgangen werden. Ein weiterer Unterschied zu den restlichen Core-CPUs ist die fehlende Virtualisierungstechnologie Vanderpool. Die in Hardware gegossene Unterstützung für virtuelle Maschinen wird im Moment noch von keiner Endkunden-Software genutzt. Wer also nicht vorhat, seinen Core2 Duo in einem professionellen Server-Umfeld einzusetzen, der kann mit dieser Einschränkung gut leben.

Die optimale Core-2-Duo-Plattform

Zum erfolgreichen Übertakten benötigen Sie vor allem ein passendes Mainboard, das vielseitige Overclocking-Optionen anbietet. In unseren Testreihen entschieden wir uns aus diesem Grund für das Asus P5B-E Plus, das zudem preiswert angeboten wird.

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Asus P5B-E Plus: Stabile und günstige Plattform für Overclocking-Experimente mit dem Core 2 Duo E4300.
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Weiterhin sollten Sie für ausreichende Kühlung sorgen: Vor allem die gute Lüftung von Gehäuse und Prozessor ist entscheidend. Wir setzen den schon beim E6300 bewährten Arctic Cooling Freezer 7 Pro ein. Einen weiteren wichtigen Punkt stellt der Arbeitsspeicher dar, denn dieser muss trotz Übertaktung innerhalb seiner Spezifikationen laufen. Begnügt man sich beim Übertakten des E4300 allerdings mit FSB1066, so kann man sogar preiswerten DDR2-667- oder -533-Speicher einsetzen.

Wichtig ist außerdem ein Überwachungstool für Spannungen und Temperaturen, beim Asus in Form des "PC Probe II". Mit diesem überwachen Sie bei den abschließenden Stabilitätstests die wichtigsten Systemparameter.

Die Testplattform für diesen Artikel besteht aus folgenden Hardwarekomponenten:

  • Prozessor: Intel Core 2 Duo E4300 (Allendale, 2 MByte L2-Cache)
  • Mainboard: Asus P5B-E Plus (i965P-Chipsatz)
  • Arbeitsspeicher: Corsair TWIN2X1024-6400C4 (DDR2-800, CL4)
  • CPU-Lüfter: Arctic Cooling Freezer 7 Pro
  • Grafikkarte: MSI Radeon X1900XTX-VT2D512E (für die CPU-Übertaktung unerheblich)

Folgende Software ist für die Diagnose des Systems und für Stabilitätstests sehr nützlich:

  • Prime95: Gut geeignet für Stabilitätstests
  • 3DMark06: Grafikbenchmark und Stabilitätsprüfung
  • PCMark05: Anwendungsbenchmark und Stabilitätsprüfung
  • CPU-Z: Diagnose des Prozessortaktes und Analyse des Arbeitsspeichers
  • PC Probe II: Zum Überwachen der Prozessorspannung und -temperatur

Grundlegende Schritte: 2,4 GHz sind erst der Anfang
Der Core2 Duo E4300 eignet sich ausgezeichnet für Tuningexperimente: Als erste Maßnahme korrigieren wir den FSB-Takt auf 266 MHz - so läuft der Prozessor nach der FSB1066-Spezifikation. Dies entspricht bereits einer Steigerung von 33 Prozent, doch mit Geschick und etwas Glück sind auch 50 Prozent machbar.

Der Prozessortakt ergibt sich aus dem FSB-Takt (Front Side Bus), der beim Core2 Duo E4300 eben 200 MHz (Quad Data Rate, QDR, deshalb FSB800) beträgt. Multipliziert mit dem festen Taktmultiplikator des Prozessors ergeben diese 200 MHz den CPU-Takt. Der Core 2 Duo E4300 arbeitet mit einem Multiplikator von 9, also mit 1,8 GHz. In diesem Zustand solltet ihr die Grundinstallation des Systems erledigen, also Betriebssystem, Treiber und Updates.

Schritt 1: Um unsere Anleitung Schritt für Schritt nachvollziehen zu können, solltet ihr zunächst das BIOS-Update der Version 0504 einspielen. Ihr könnt die neue BIOS-Datei entweder mit dem "Asus Update V7.09.02" direkt aus dem Betriebssystem aufspielen oder per "Asus EZ Flash 2"-Funktion im Menüpunkt "Tools" direkt aus dem BIOS. Um in das BIOS zu gelangen, drückt gleich beim Systemstart die "Entf"-Taste auf der Tastatur.

Schritt 2: Betätigt danach unbedingt im BIOS direkt die "Load Setup Defaults" im Menü unter "Exit", um die Einstellungen zurückzusetzen.

Schritt 3: Gehen nun unter "Advanced" in "JumperFree Configuration" und stellt "AI Tuning" auf "Manual". Daraufhin wählt ihr hier als "CPU Frequency" den Wert 266 aus.

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BIOS-Screenshot: Die Parameter des BIOS sollten bei eurem System wie beschrieben aussehen.
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Schritt 4: Bei "DRAM Frequency" setzt ihr den Wert auf "DDR2-800 MHz", oder maximal die Einstellung, auf die euer Arbeitsspeicher spezifiziert ist. Die restlichen Punkte wählt ihr wie im BIOS-Screenshot angezeigt.

Schritt 5: Beendet das BIOS-Setup und speichert die Änderungen unter "Exit", indem ihr den Punkt "Exit & Save Changes" bestätigt. Wenn euer System jetzt bootet und 2,4 GHz im BIOS anzeigt, habt ihr gewonnen. Falls es nicht startet - keine Angst: Schaltet die Stromzufuhr des Rechners am Netzteil für einige Sekunden ab und versuchen Sie erneut, das System zu starten.

Schritt 6: Bootet Windows. Zur Verifizierung der aktuellen Taktraten greift ihr jetzt am besten auf die aktuelle Version des Tools CPU-Z zurück.

Schritt 7: Nun solltet ihr das System auf Stabilität und Performancegewinn prüfen; es sollte die Default-Runs des PCMark05 und 3DMark06 problemlos ausführen und höhere Ergebnisse als vorher erzielen. Auf der mitgelieferten Support-CD zum Mainboard befindet sich das Tool "PC Probe II" zur Temperaturüberwachung und zum Ablesen der Prozessorspannung. Lasst einen oder mehrere Benchmarks (siehe Bildergalerie) gleichzeitig laufen und überprüft, ob sich das System und der Prozessor unter Last zu stark, also über 70 Grad Celsius, aufheizen.

Da geht noch was: Übertakten auf 3.0 GHz
Doch ihr müsst euch keineswegs mit 2,4 GHz zufrieden geben: Mit unserem Testsystem erreichten wir spielend 2,7 GHz, selbst 3,0 GHz waren absolut stabil. Im Falle der 3,0 GHz bedarf es jedoch einiges an Feingefühl hinsichtlich der Prozessorspannung und der sich ergebenden CPU-Temperatur.

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Am Ziel: CPU-Z gibt die neue CPU-Taktung mit 2,7 GHz an.
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Um die erwähnten 50 Prozent an Performancezuwachs zu erreichen, sind lediglich zwei veränderte Schritte nötig: Tippt im 3. Schritt unter "CPU Frequency" den Wert 300 ein, und bestätigt im 4.Schritt die "DRAM Frequency" mit "DDR2-750 MHz". Nun wiederholt ihr alle nachfolgenden Schritte. Fährt das System mit den resultierenden 2,7 GHz hoch, schlagt ihr selbst den Athlon 64 X2 6000+. Bleibt Windows beim Booten hängen, stellt einfach die Takt-Werte im BIOS einfach wieder auf funktionierende Werte zurück.

Für Enthusiasten noch kein Ende in Sicht

Unser E4300-Sample lief mit Anhebung der Versorgungsspannung der CPU - bei Luftkühlung - auch mit 3,0 GHz noch stabil (333 MHz FSB). Mit dieser Taktrate musste sich sogar der Core2 Extreme X6800EE in fast allen Benchmarks geschlagen geben. Dazu ist in Schritt 3 die "CPU Frequency" auf den Wert 333 zu setzen, die "DRAM Frequency" ist mit "DDR2-667 MHz" zu bestätigen. Nun müssen allerdings härtere Methoden greifen: Für den stabilen Betrieb war bei unserem Testmuster ein Erhöhen der "CPU VCore Voltage" auf 1,57375 Volt nötig.

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Zur Orientierung: Mit den jeweiligen Einstellungen messen wir angeführte CPU-Temperaturen mit Hilfe des Tools "PC Probe II".
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Solltet ihr eurem Prozessor wirklich derartige Taktraten zumuten, ist ein Überwachen der CPU-Temperatur dringend erforderlich. Weiterhin solltet ihr durch vorsichtiges Ausprobieren in Einzelschritten die optimale CPU-Spannung eures eigenen Modells herausfinden. Achtet darauf, dass die Temperatur in PC Probe II nicht auf mehr als 70 Grad ansteigt.

Erfahrungen aus dem Testlabor

  • Weicht von den vorgegebenen Speichertimings nur ab, falls es unbedingt notwendig ist. Falsche Speichertimings tragen nicht zur Systemstabilität bei. Der erzielbare Leistungszuwachs über veränderte Speichereinstellungen hält sich mit durchschnittlich einem Prozent in Grenzen.
  • Falls der Prozessor sich nicht bereits vorher deaktiviert, beginnt er ab 80 Grad, selbständig seinen Takt zu senken. In diesem Fall benötigt ihr unbedingt eine bessere Kühlung - oder ihr senkt die Taktrate.
  • Eine zu hohe CPU-Temperatur - hier dauerhaft über 70 Grad - verkürzt auf jeden Fall die Lebensdauer des Prozessors.
  • Die Core2-Duo-Prozessoren arbeiten innerhalb eines Spannungsbereichs, die jeder Prozessor dem BIOS übermittelt. Auf dem getesteten Mainboard mit der BIOS-Version 0504 war die Eingabe einer zu hohen oder zu niedrigen Spannung nicht möglich: Falsche Spannungswerte quittiert das System mit einem Fehler-Piepsen und stellt sich auf Standard-Werte zurück.
  • Auf Mainboards mit Intel-Chipsatz stehen der FSB-Takt und der Speichertakt in einem festen Verhältnis zueinander. Langsamer Speicher (z.B. DDR2-533) kann deshalb beim Übertakten über FSB1066 hinaus zum beschränkenden Faktor werden.
  • Bei unserer Test-CPU versuchten wir exemplarisch, einen wahnwitzigen FSB von 500 MHz einzustellen. Das Board verweigert mit dieser Einstellung das Booten und stellt sich auf die Standard-Werte zurück. Dieser Versuch soll nicht zur Nachahmung ermutigen - er beweist aber, dass die Sicherungs-Funktionen von Prozessor und BIOS greifen.

Fazit: Der "Kleine" ganz groß
Unser Testsystem verkraftet das Anheben des Prozessortaktes auf 2,7 GHz mit Luftkühlung ohne Spannungserhöhung und ohne Probleme. Mit dieser 50-prozentigen Übertaktung kann der Core 2 Duo E4300 sogar gegen die ganz Großen antreten.

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Cinebench 95: Am Anfang ist der E4300 noch der langsamste, doch dann holt er sie alle ein.
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Damit steht der neue Übertaktungskönig fest: Der Core2 Duo E4300 lässt sich um einiges leichter übertakten als der ähnlich gestrickte Core2 Duo E6300. Zwei Details sind dafür verantwortlich: Erstens wird der Board-Chipsatz mit dem Frontsidebus-Takt von 300 MHz (FSB1200) und sogar mit 333 MHz nur moderat übertaktet und arbeitet damit noch stabiler als ein E6300-System mit 400 MHz FSB-Takt. Zweitens erzielen wir dadurch eine bessere Kompatibilität zu vielen preiswerteren Speichermodulen.

Benchmarkergebnisse aus dem Testlabor

Stellvertretend für nahezu alle Benchmarks zeigt die CPU-Wertung des Cinebench 95, wie stark sich der übertaktete E4300 in Szene setzen kann. Ein auf 2,7 GHz übertakteter E4300 distanziert mühelos den Athlon 64 X2 6000+, mit 3,0 GHz können wir sogar Intels Highend-CPU, den Core2 Extreme X6800EE, in vielen Messungen distanzieren. Eine detaillierte Auflistung der Benchmark-Ergebnisse findet ihr auf dem Screenshot links.

Für ungefähr 150 Euro bietet der Core2 Duo E4300 bereits eine ordentliche Leistung. Doch mit einfachsten Mitteln lassen sich die meisten Modelle dauerhaft auf 2,4 GHz übertakten. Selbst mit dem mitgelieferten Boxed-Lüfter und erst recht mit dem effizienten und leisen Arctic-Cooling-Lüfter waren bei unserer Test-CPU sogar 2,7 GHz kein Problem. Wagemutige können mit 3,0 GHz in einigen Disziplinen sogar die schnellsten Serien-Prozessoren abhängen. Alles in allem ist der E4300 damit die erste Wahl für Tuningfans.