Hochauflösendes Fernsehen für alle: Zur Leichtathletik-WM im August startet Deutschland endgültig ins HDTV-Zeitalter. Wir beantworten alle Fragen, die es zu HDTV, der Hardware und dem Empfang gibt.

Steht auch in deinem Wohnzimmer schon ein schicker, neuer Flachbildfernseher mit „HD ready“-Logo? Und trotzdem sieht die Bildqualität des TV-Programms schlecht aus? Das liegt ganz einfach daran, dass hierzulande immer noch fast ausschließlich im über vier Jahrzehnte alten PAL-Standard (maximal 720 x 576 Pixel) gesendet wird.

Schon seit Jahren verspricht man uns hochauflösendes Fernsehen, aber abgesehen von einigen Probesendungen, Spartenkanälen und teurem Pay-TV muss der deutsche Zuschauer noch immer auf eine zeitgemäße TV-Qualität warten. Anders als etwa in Japan oder den USA, wo es schon massenhaft HDTV-Angebote gibt. Selbst Österreich und die Schweiz sind weiter.

HD ready: ARD und ZDF starten im August

Endlich kommt auch in Deutschland Bewegung ins HDTV-Angebot: Die öffentlich-rechtlichen Sender ARD und ZDF starten im August anlässlich der Leichtathletik-WM in Berlin ihren ersten breit angelegten HDTV-Probelauf; der HD-„Regelbetrieb“ soll dann zu den Olympischen Spielen in Vancouver ab Februar 2010 folgen.

RTL hat ebenfalls für den Herbst 2009 ein HDTV-Angebot angekündigt. Und das Pay-TV-Unternehmen sky Deutschland (ehemals Premiere) bietet ab sofort sechs Sat-HD-Kanäle.

HDTV - Hochauflösendes Fernsehen für alle: Startschuss für HDTV

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HDTV macht per Satellit am meisten Spaß.
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Der große Haken: Mit der von den Sendern bislang sehr eigenbrötlerisch vorangetriebenen Einführung von HDTV wird die ohnehin komplizierte TV-Landschaft in Deutschland noch unübersichtlicher. Dafür sorgen schon die unterschiedlichen Übertragungswege: Neben der HD-Ausstrahlung über Satellit (nach dem DVB-S2-Standard), per Kabel (DVB-C) oder theoretisch per Antenne (DVB-T2) steht heute in vielen Haushalten auch das Internet (IPTV) zur Verfügung. Der HD-Fernseher mutiert schon fast zum reinen Monitor, während das HDTV-Programm aus den verschiedensten Set-Top-Boxen kommt.

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Gigabyte MD-300: Eine der ersten Set-Top-Boxen mit Intels CE3100-Prozessor spielt Blu-ray-Discs ab und erlaubt HD-Streaming aus dem Internet.
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Obendrein setzen die Sender teils auf spezielle Verschlüsselungssysteme, die ebenso spezielle Empfänger verlangen – und oft nicht kompatibel sind. Die Verwirrung wird dadurch komplettiert, dass die neuen HDTV-Angebote in verschiedenen HD-Formaten ausgestrahlt werden: ARD und ZDF etwa haben sich für 720p entschieden (also 720 Zeilen bei 50 Vollbildern pro Sekunde), RTL dagegen will das 1.080i-Format einsetzen, das zwar 1.080 Zeilen liefert, aber nur mit Halbbildern arbeitet. Das für HDTV optimale Format 1.080p (1.080 Zeilen mit Vollbildern) hat aus Kostengründen noch kein einziger Sender auf der Agenda.

DVB-S2: Der Königsweg für HDTV

Am besten dran sind alle, die ihr Fernsehprogramm per Satellitenschüssel empfangen. Diese muss für den HDTV-Empfang in der Regel nicht erneuert werden, wenn sie nicht älter als zehn Jahre ist.

Falls der HDTV-fähige Sat-Receiver nur wenige HD-Sender findet, hilft meist der Austausch des Signalumsetzers (LNB), der im Zentrum der Schüssel sitzt. Derzeit sind über Satellit gratis die hochauflösenden Sender Arte HD und Anixe HD empfangbar, in Österreich und der Schweiz bekommt man auch HD-Programme von ORF und SRG.

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HDTV aufzeichnen: Der iCord von Humax (ca. 400 Euro) ist derzeit der einzige Satellitenreceiver, der sky-zertifiziert ist und HDTV-Programme auch aufzeichnen kann.
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Bei den heutigen Preisen für Sat-Receiver ist es kein finanzieller Kraftakt mehr, sich ein Gerät mit HD-Fähigkeit zuzulegen: Schon für rund 200 Euro sind Markengeräte erhältlich, die per HDMI-Ausgang mit dem Fernseher verbunden werden. Darüber kommen HD-Bild sowie -Ton in bester Qualität und ohne verschlechternde Analogwandlung dazwischen.

Allerdings kann es sich lohnen, noch bis zum Herbst zu warten, denn dann wird es wohl ein neues Logo geben: Im „HD+“-Angebot des Satellitenbetreibers Astra wollen mehrere große TV-Sender ihre HD-Programme zusammenfassen. Als Erster hat sich die RTL-Gruppe Anfang Juni zur Plattform HD+ bekannt, wahrscheinlich kommt auch die ProSiebenSat.1-Gruppe hinzu. Details darüber, wie das neue Angebot verschlüsselt sein wird – und vor allem, wie viel es kosten soll – stehen noch nicht fest.

Ebenfalls muss man sich vor dem Receiverkauf entscheiden, ob man auch das Bezahlangebot von sky Deutschland empfangen möchte. Der Pay-TV-Sender lockt inzwischen mit sechs HDTV-Kanälen. Um die empfangen zu können, ist ein HDTV-fähiger DVB-S2-Receiver erforderlich, der das Logo „Geeignet für sky” trägt – momentan gibt es aber noch nicht allzu viele davon. Will man einen Receiver mit eingebauter Festplatte, schrumpft die „Auswahl“ auf genau ein Gerät, nämlich den Humax iCord HD.

Daneben gibt es die Möglichkeit, sky HD – wie andere verschlüsselte Programme auch – über ein sogenanntes Common-Interface-Modul (CI) zu empfangen. Dieses Modul nimmt die Karte des Senders auf und wird in den CI-Schacht gesteckt, den viele externe und interne HDTV-fähige Sat-Receiver ohne sky-Zertifikat aufweisen. Dieser Weg ist von sky nicht offiziell freigegeben, wird aber toleriert – man muss sich allerdings darüber klar sein, dass der Empfang von sky (HD) so nicht garantiert ist: sky kann jederzeit beschließen, den Einsatz von CI-Modulen zu blockieren.

Wagt man den Schritt trotzdem, hat man eine relativ große Auswahl an HDTV-Set-Top-Boxen – auch solchen mit eingebauter Festplatte oder USB-Buchse für den Anschluss eines externen Speichers. Wer am PC fit ist, kann sich von den Aufnahmen HD-Kopien auf Blu-ray-Discs anlegen. Auch das entspricht nicht den Nutzungsbedingungen von sky, ist aber rechtlich unproblematisch, solange man die Aufzeichnungen nur für sich selbst nutzt.

DVB-C: HDTV mit Handbremse

Wer sein TV-Programm über Kabel ins Haus bekommt, für den ist HDTV echte Mangelware: Meist sind nur zwei sky-HD-Kanäle abonnierbar, das war’s. Besonders ärgerlich ist, dass in vielen Kabelnetzen das Decodieren nur speziell zugelassenen Boxen erlaubt wird. Unverschlüsselt sind im digitalen Kabelfernsehen oft nur die öffentlich-rechtlichen Sender zu sehen.

Vorbildlich verhält sich unter den Kabelbetreibern nur KabelBW in Baden-Württemberg: Mit fünf freien HDTV-Angeboten (Anixe HD, Deluxe Lounge HD, Luxe HD, Euro1080/HD1 und Campus TV) kann sich KabelBW in Sachen HD derzeit sogar mit dem Empfang per Astra-Satellit messen, weil gegen Bezahlung noch zwei hochauflösende sky-Programme dazukommen.

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Hoffnungslos: Die HDTV-Situation in den Versorgungsgebieten von Kabel Deutschland.
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Die HDTV-Situation in den Versorgungsgebieten von Kabel Deutschland war bislang eher hoffnungslos, aber immerhin sollen die Leichtathletik-WM-Übertragungen von ARD und ZDF in HDTV unverschlüsselt eingespeist werden, sodass sie mit einem – noch eher seltenen – HD-tauglichen DVB-C-Receiver auch ohne SmartCard empfangen werden können.

Hinzu kommen die sky-Sender sky Discovery HD und sky Sport HD. Bei Unitymedia, das Kabelnetze in Hessen und Nordrhein-Westfalen betreibt, soll es ab Herbst neben den sky-HD-Programmen ein eigenes HDTV-Paket geben. Noch stecken alle Kabelanbieter in Verhandlungen, die Details werden ab Herbst bekannt sein.

IPTV: HD-Fernsehen per Internet

Im Rahmen der „Entertain“-Angebote von T-Home fungiert der HD-fähige Festplatten-Rekorder X301T mit integrierter 160-GByte-Festplatte als IPTV-Set-Top-Box. Anixe HD lässt sich frei empfangen; ansonsten ist das Angebot – wenn man es nur wegen des HDTV-Empfangs bestellt – recht teuer: Wer etwa die Bundesliga-Saison 2009/10 in HD sehen will, muss für das Angebot „Liga total“ knapp 20 Euro im Monat auf die minimal rund 50 Euro für das „Entertain“-Angebot draufsatteln – macht fast 70 Euro pro Monat, zuzüglich Einrichtungsgebühren und Anschaffungskosten beziehungsweise Miete für den IPTV-Receiver.

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HDTV per Internet: Via VDSL kann HDTV auch per IPTV empfangen werden (T-Home Entertain).
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Immerhin sind Telefon- und DSL-Anschluss mit drin. Und: Die Telekom speist gegen Aufpreis auch alle sky-HD-Sender (bis auf sky Sport HD) mit ein; außerdem gibt es im Video-on-Demand-Dienst Videoload zahlreiche HD-Filme als Pay-per-View-Angebot.

YouTube & Co.: HDTV im Browser

Für viele Computernutzer tut sich allerdings noch eine ganz andere Quelle für HD-Material auf: das klassische Internet. Auch wenn bislang die wenigsten TV-Streaming-Angebote „live“ in HD im Webbrowser eurer Wahl zu sehen sind – HD-Material ist in immer größerer Stückzahl und Vielfalt vorhanden. Die P2P-Tauschbörsen bersten geradezu vor Material, dessen File-Namen das Kürzel „1.080p“ oder „720p“ enthalten – das meiste stammt freilich aus illegalen Quellen.

Daneben eröffnen mehr und mehr Websites auch legale Streaming-Angebote in HD-Qualität: So gibt es unter anderem schon seit Jahren bei Apple die neuesten Kinotrailer in 1.080p-Qualität zu sehen, und Musiksender wie MTV oder Geffen bieten ihre Musikclips gerne auch mal in HD-Qualität an. Fast unbemerkt hat sogar der Internetriese Google inzwischen seine HD-Schleusen geöffnet: Wer auf YouTube nach „1.080p“ oder „720p“ sucht, wird schnell auf Material stoßen, dessen Bildqualität sich mit dem „HD“-Button rechts unten ganz erheblich hochschrauben lässt. Bestes Beispiel ist etwa die in HD-Qualität verfügbare BBC-Dokumentation „Earth“ oder der neue Umwelt-Kinofilm „Home“, der weltweit gleichzeitig in den Kinos und auf YouTube angelaufen ist – in erstaunlich guter Bildqualität.

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YouTube im HD-Modus: Auf dem Videoportal gibt es HD-Material, das man per HD-Button aktiviert. Für eine ruckelfreie Wiedergabe braucht es aber eine starke CPU und Breitbandinternet.
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Das Problem ist das Abspielgerät: Für HD-Inhalte per Internetbrowser braucht es bislang noch einen starken Rechner, also ist ein meist teurer und nicht gerade stromsparender Media-Center-PC im Wohnzimmer Pflicht – für Fans in Ordnung, für den Massenmarkt nicht.

Das könnte sich jedoch bald ändern: Mit dem HD-tauglichen Intel-Prozessor CE 3100 startet schon zur IFA Anfang September ein stromsparender „System-on-a-Chip“-Prozessor seinen Weg in die HDTV-Fernseher, Blu-ray-Player und Set-Top-Boxen dieser Welt. Er funktioniert wie ein kleiner PC, ist voll HDTV-tauglich – und soll obendrein recht preiswert sein: Wenn sich die klassischen TV-Betreiber also nicht schnellstens einig werden, könnte es durchaus passieren, dass mittelfristig das Breitbandinternet zum vorherrschenden HDTV-Kanal wird – Google würde sich freuen.

HDTV: Der Zeitplan der Fernsehsender

Bereits auf Sendung sind die Sat-Kanäle Arte HD und Anixe HD (Astra). Der Pay-TV-Sender sky Deutschland (ehemals Premiere) strahlt sechs Sat-HD-Kanäle über die Astra-Satelliten aus, im Kabel sind meist zwei sky-HD-Kanäle zu sehen.

15. bis 23. August: ARD und ZDF bringen HD-Übertragungen von der Leichtathletik-WM in Berlin (Astra-Transponder 11, 11.362 MHz horizontal)

Ab 24. August: HDTV-Trailer auf dem oben genannten ARD-HD-Kanal

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Das HD-Angebot bleibt überschaubar.
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4. bis 9. September: HDTV-Übertragungen zur IFA in Berlin (ARD, ZDF, EinsFestival), danach Trailer auf ARD HD

Herbst 2009: RTL beginnt mit der Ausstrahlung von HD-Sendungen per Satellit (als „HD+“-Angebot)

19. bis 28. Dezember: Showcase zu Weihnachten (ARD, ZDF, EinsFestival)

12. Februar 2010: Beginn des Regelbetriebs von Das Erste HD, ZDF HD und EinsFestival HD zu den Olympischen Winterspielen in Vancouver

Spätestens ab 2010 wollen auch die Kabelbetreiber weitere HDTV-Sender einspeisen; zudem sollen über die ZDF-Mediathek im Internet HD-Sendungen abrufbar sein. Als erstes drittes Programm wird 2010 wahrscheinlich der WDR HDTV-Sendungen ausstrahlen