Als Apple 2010 das iPhone 4 vorstellte, wurde viel über die Einführung des micro-SIM-Standards in Cupertinos damals neuestem Smartphone gesprochen. Micro-SIM-Karten sind deutlich kleiner als die seit mehr als 20 Jahren genutzten SIM-Karten.

Dabei verzichtet der Standard vor allem auf den Chip umgebendes Plastik und spart so Platz im Gerät. Noch konnte sich die Idee kaum durchsetzen, nur wenige Smartphones auf dem Markt nutzen die Karten. Mit Apple und Nokia sind zwar namhafte Hersteller auf den Zug aufgesprungen, doch ist deren Marktmacht nicht groß genug, um micro-SIMs zum neuen Standard werden zu lassen.

Um der Sackgasse micro-SIM zu entgehen, schlugen die Erfinder der ursprünglichen SIM-Karte, Giesecke & Devrient, einen neuen Standard vor: nano-SIM. Nano-SIMs sind nochmals 30 Prozent kleiner als micro-SIMs. Um Inkompatibilitäten mit älteren Geräten zu vermeiden, sind Adapter angedacht, mit denen die volle Funktionalität hergestellt werden soll. Apple beantragte in Folge eine offizielle Anerkennung als Standard beim European Telecommunications Standards Institute (ETSI).

Gleichzeitig machte Nokia, unterstützt von Motorola und RIM, einen Gegenvorschlag zu Apples Konzept, das laut Insider-Quellen große technische Vorteile gegenüber Apples Lösung aufweist. Cupertinos Lösung entspricht im Grunde der von Giesecke & Devrient und setzt auf einen dem iPhone 4/4S ähnlichen Einschub der SIM mit einem kleinen Auszug.

Soweit bekannt ist, würde Apple sein Design an alle interessierten Firmen kostenfrei lizensieren, wobei es Sorge um eine Kontrolle des neuen SIM-Standards durch Apple gibt, die durch Patente sichergestellt wird. Außerdem wurde bekannt, dass "die meisten" europäischen Mobilfunkbetreiber Cupertinos Lösung favorisieren und sie unterstützen wollen.

Die Abstimmung über den neuen Standard wird unterdessen immer mehr zum politischen Tauziehen. So soll Apple seine Stimmgewalt durch das Einbringen von sechs verschiedenen Tochterunternehmen in das Wahlgremium verstärken, die ihrerseits bis zu 45 Stimmen haben. Derzeit scheint Nokia mit 92 Stimmen noch vorn zu liegen, doch die derzeitige Überlegenheit der Finnen könnte sich schnell wenden.

Eine Entscheidung über den nano-SIM-Standard soll noch diese Woche fallen. Noch ist ungewiss, welches Konzept schlussendlich als Gewinner hervorgeht. Es scheint jedoch klar zu sein, dass micro-SIMs ohne jemals flächendeckend auf dem Markt angekommen zu sein, wieder verschwinden werden.