Autor: Florian Holzbauer

Es bewegt sich etwas im Grafikkarten-Markt – und zwar ziemlich heftig. Schlag auf Schlag präsentieren die beiden großen Hersteller Nvidia und ATI neue Karten-Generationen. Derzeit aktuell sind: Geforce GTX 2x0 und Radeon HD 48x0.

Die Halbwertszeit von aktuellen Grafikkarten fällt zusehends kürzer aus. Grund ist die schnelle Entwicklung innerhalb des Marktes und der erbitterte Kampf zwischen den beiden Rivalen Nvidia und ATI. Was heute noch taufrisch ist, kann morgen schon überholte Technologie sein. Wir stellen euch die aktuelle Generation der Grafikkarten vor und liefern einen Überblick über die aktuell verfügbaren Modelle.

Next Generation

Auch wenn noch kaum konkrete Informationen zu den Einsteiger- und Mittelklasse-Karten der nächsten Generation vorliegen: Die Erkenntnisse aus der Vergangenheit erlauben durchaus einige Rückschlüsse auf die künftige Entwicklung. Deshalb verraten wir schon mal vorab, was wir für die nächsten Monate erwarten.

Nvidia: Geforce-GTX-200

Nach der Geforce-9000-Serie, einem Refresh der beliebten 8000er Modelle, hat Nvidia nun eine stark überarbeitete Generation auf dem Markt. Der Weg führt zurück in teure Gefilde – das Topmodell hat zum Start über 500 Euro gekostet.

Bisher hat Nvidia zwei Modelle der neuen Serie veröffentlicht: die Geforce GTX 280 und 260. Beide Karten richten sich vorwiegend an Spieler und Grafik-Enthusiasten mit dickem Geldbeutel. Logisch nur, dass die Leistung der neuen Karten alle Rekorde sprengt. Noch nicht dazu geäußert hat sich Nvidia hingegen, welche Karten für das preiswerte Mittelklasse-Segment kommen sollen – wir erwarten jedoch einen Nachfolger der populären Geforce 8800 GT, die hohe Leistung mit günstigem Preis kombiniert hat.

Grafikkarten - Generationswechsel: Neues von ATI und Nvidia

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Geforce GTX 280: High-End für den dicken Geldbeutel.
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Das Flaggschiff: Geforce GTX 280

Wie sich in unserem Einzeltest der EVGA Geforce GTX 280 SSC gezeigt hat, schlägt die Karte die Konkurrenz um Längen – zumindest dann, wenn man das reine Leistungsargument heranzieht. Die Geforce GTX 280 ist eine Lösung mit einer GPU (GT-200), die über 1 GByte GDDR3-Speicher verfügt. Somit macht sich besonders in Spielen mit hoher Auflösung und gestochen scharfen Texturen ein Schub bemerkbar. Auch dieses Mal verzichtet Nvidia auf die vollständige Implementierung von DirectX 10.1. Stattdessen werden nur einige Befehlssätze übernommen und andere ignoriert.

Fazit: Diese Karte solltet ihr euch nur dann kaufen, wenn ihr maximale Leistung benötigt. Denkt auch daran, dass die Karte nur in Kombination mit einem schnellen Prozessor und einem guten Mainboard die volle Leistung entfalten kann. Alle anderen sollten die Finger davon lassen und entweder zur GTX 260 oder einer Radeon greifen.

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Geforce GTX 260: Günstiger und fast genauso schnell.
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Der Verfolger: Geforce GTX 260

Rund 20 Prozent langsamer, aber deutlich günstiger platziert sich die Geforce GTX 260 im Markt. Technisch handelt es sich um eine abgespeckte Version der GTX 280. Mit 192 Shader-Prozessoren und 448 Bit breiter Speicheranbindung liegt sie hinter dem Flagschiff. Auch beim Grafikspeicher spart der Hersteller. Statt 1 GByte befinden sich 896 MByte GDDR3-Grafik-RAM an Bord. Diese Einschnitte machen sich auch bei der maximalen Leistungsaufnahme bemerkbar. Statt den rund 230 Watt der GTX 280 gibt sich die GTX 260 schon mit maximal rund 180 Watt zufrieden. Von der Softwareseite bleibt alles gleich: Die komplette DirectX-10.1-Unterstützung fehlt auch hier.

Fazit: Bei der Geforce GTX 260 findet ihr ein wesentlich besseres Preis-Leistungsverhältnis. Gerade dann, wenn ihr die Power der großen Schwester nicht nutzen könnt, ist dieses Modell eine sinnvolle Alternative.

AMD: Radeon-HD-4000

ATIs Radeon HD 3870 und 3850 haben viele Freunde in Gamer-Kreisen gefunden. Durch die Kombination aus flotter GPU und ansprechendem Preis konnten selbst sparsame Spieler jederzeit zugreifen. Gut, dass AMD diese Tradition mit der neuen Generation fortsetzt.

AMDs PC-Plattform Spider hat vieles versprochen: Schnelle Vierkerner, einen guten Chipsatz und flotte Grafikkarten. Zumindest letzteres konnte AMD anstandslos erfüllen. Die Radeon HD 3870 war eine klasse Grafikkarte. Nun hat das Unternehmen den Nachfolger veröffentlicht – und vorerst zwei Karten in die Regale stellen lassen: Die Radeon HD 4850 und 4870. Beide Karten eignen sich vor allem für Spieler – und ambitionierte Nutzer, die sich eine sehr gute Grafikkarte wünschen und dabei nicht das Sparkonto plündern wollen.

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Radeon HD 4870: AMDs neues Flagschiff unter den Grafikkarten.
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Das Flagschiff: Radeon HD 4870

Das derzeit schnellste Modell der aktuellen ATI-Generation kostet sogar weniger als Nvidias GTX 260. Ein deutliches Anzeichen dafür, dass AMD erneut auf günstige Highend-Karten setzt. Der Erfolg des Vorgängers und auch der Geforce 8800 GT gibt dieser Taktik recht. Basis der Grafikkarte ist die RV770-GPU, die im modernen 55-nm-Verfahren hergestellt und mit einer Taktfrequenz von 750 MHz betrieben wird. AMD verbaut 160 Shader-Einheiten mit 750 MHz Takt. 512 MByte GDDR5-Speicher bieten genug Platz für große Texturen und ist über ein 256 Bit breites Interface angebunden. Wie schon beim Vorgänger setzt AMD voll auf DirectX 10.1 und somit auch das Shader-Modell 4.1.

Fazit: Leistungsmäßig liegt die Radeon HD 4870 fast auf Augenhöhe mit der Geforce GTX 260 und hinterlässt einen sehr guten Eindruck. Gerade in hohen Auflösungen liegt die AMD-Karte sehr gut im Rennen und überholt die Konkurrenz in vielen Bereichen. Daher eignet sich die rund 200 Euro günstige Grafikkarte für alle Spieler, die überzeugende Werte preiswert erstehen wollen.

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Radeon HD 4850: Sehr preiswerte Spieler-Grafikkarte.
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Der Verfolger: Radeon HD 4850

Bereits für deutlich unter 150 Euro bekommt ihr die kleine Schwester: Die Radeon HD 4850. In unserem Einzeltest konnten wir bereits zeigen, dass sich die Karte leistungsmäßig über dem Niveau der Geforce 8800 GT bewegt. Statt GDDR5 verwendet AMD hier den üblichen GDDR3-Grafikspeicher. Das tut dem sehr guten Eindruck keinen Abbruch – die Radeon HD 4850 ist auch derzeit unsere absolute Kaufempfehlung, wenn Geld eine Rolle spielt. Kurz zusammengefasst basiert dieses Modell auf der RV770-GPU und bietet 512 MByte Speicher. Natürlich profitiert ihr auch bei dieser Grafikkarte von der Unterstützung von DirectX 10.1.

Fazit: Viel Power für wenig Knete: Die Radeon HD 4850 ist unser Kauftipp für alle, die eine spieletaugliche Karte für möglichst wenig Geld wollen. AMD hat hier hervorragende Arbeit abgeliefert.

Blick in die Zukunft von Nvidia und AMD

Bislang haben beide Unternehmen nur die Highend-Modelle der neuen Generation veröffentlicht. Über Einsteiger- und Mittelklasse-Karten ist hingegen derzeit noch wenig bekannt. Bei AMD sind jedoch bereits erste Informationen durchgesickert.

Business as usual: Wenn Grafikkarten-Hersteller eine neue GPU-Serie veröffentlichen, kommen stets die hochpreisigen Versionen zuerst. Einsteiger können ja noch zum Vorgänger greifen, der bei dieser Gelegenheit meist deutlich im Preis sinkt. Erst nach und nach wird die aktuelle Technologie auch bei günstigen Grafikkarten eingebaut – meist dann, wenn eine alte Serie komplett ausläuft.

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AMD: Mehrkern-Karten sind weiter im Trend.
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AMD: Zwei-GPU-Karte und Mittelklasse-Reihe

AMD hat bereits erste Informationen zu neuen Karten geliefert. In einem Praxis-Test konnten wir uns schon von den Fähigkeiten der Radeon HD 4870 X2 überzeugen. Diese Karte verfügt über zwei GPUs, die – onboard – per Crossfire verbunden sind. Ausgestattet mit 2 GByte Arbeitsspeicher (1.024 MByte für jeden Chip) wird die Karte etwa Mitte August auf den Markt kommen.

Zudem gibt es bereits Informationen zum Mainstream-Chip RV730. Dieser wird – aller Voraussicht nach – als Radeon HD 4670 und 4650 auf den Markt kommen und Modelle beinhalten, die weniger als 100 Euro kosten und dabei spezielle Features wie HDMI-Ausgang oder komplett passive Kühlung bieten. Von der Leistung her sollten die Mittelklasse-Karten auf dem Niveau der Radeon-HD-38x0-Generation liegen.

Konsequenterweise soll die Budget-Serie mit den Namen Radeon HD 4470 und 4450 bedacht werden und auf dem RV710-Kern basieren. Voraussichtlich werden diese Karten mit einem großen Grafikspeicher ausgestattet, um einen bestimmten Preispunkt zu erreichen und attraktiver zu wirken. Von der Leistung richten sich diese Karten wohl an Einsteiger, denen das Argument „separate Karte“ wichtig ist, die aber wenig Interesse an Spielen haben.

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Nvidia: Erstmal die günstige Mittelklasse bedienen.
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Nvidia: Bisher kaum verwertbare Infos

Derzeit sind keine Grafikkarten bekannt, die die neue Namensgebung übernehmen. Dafür peppt Nvidia gerade seine Geforce-9000-Reihe auf. Als Neuzugang will sich die Geforce 9500 GT etablieren. Mit nur 75 Watt Leistungsaufnahme benötigt diese Karte keinen separaten Stromanschluss. Die Energie zieht das Modell über den PCI-Express-Slot.

Nvidia setzt hier offenbar auf zukünftige Technologien: Die Karte besitzt neben den obligatorischen DVI-Anschlüssen einen DisplayPort und HDMI-Ausgang und eignet sich daher zur Darstellung von HD-Content. Außerdem sollen die Schnittstellen CUDA und PhysX voll unterstützt werden. Preislich liegt die Karte bei deutlich unter 100 Euro.

Mehr Infos gibt's noch nicht. Ob und wie Nvidia die Namensgebung Geforce GT(X) in andere Karten übernehmen wird, hat das Unternehmen bisher nicht bekannt gegeben.