Ring frei zur nächsten Runde: Mit dem DSi hat Nintendo jetzt den Nachfolger seiner beliebten Klappkonsole DS vorgestellt. Dass sich die Unterschiede zwischen den beiden Modellen nicht nur auf das kleine i am Ende des Namens beschränken, dürfte nicht weiter überraschen. Wir haben uns den jüngsten Spross der Taschenkonsolen-Familie exklusiv angesehen und ihm intensiv auf den Zahn gefühlt.

Autoren: Jörg Pitschmann, Ana Ciriacidou

Fakten, Fakten, Fakten

Betrachtet man die Konsole für sich genommen, fallen einige Unterschiede zum Vorgänger sofort ins Auge. Beide Bildschirme wurden sichtbar vergrößert, Sound- und Grafikqualität verbessert. Außerdem wurden dem stylischen Puderdöschen zwei Kameras spendiert. Bei genauerem Hinsehen fallen weitere Neuerungen auf. So verfügt der DSi gegenüber seinem älteren Bruder über echte Internetfähigkeiten und ein WLAN-Modul. Um den knappen internen Speicher von nur 256 MB Größe zu erweitern, haben die Entwickler dem Gerät einen Slot für SD-Karten spendiert.

Nintendo DSi - Der DS-Nachfolger unter der Lupe

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Nintendo DSi: jetzt mit Kamera und Internet.
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Der Powerknopf wurde wie beim Ur-DS wieder auf der Innenseite der Konsole platziert. Das ist besonders für Grobmotoriker erfreulich, denn das Netzknöpfchen war beim Vorgänger seitlich angebracht, so dass man bei heftigen Zockerexzessen gelegentlich der Konsole den Saft abgedreht hat. Das kann nun nicht mehr versehentlich passieren.

Daneben wurde dem Netzschalter eine Zusatzfunktion anerzogen. Ein kurzer Druck auf den Button ermöglicht eine Rückkehr ins Hauptmenü. Das klingt trivial, kann aber sehr nützlich sein, wenn man mal eben ein paar Einstellungen ändern möchte, ohne die Konsole auszuschalten. Einzig beim Zocken bringt die Zusatzfunktion keinen Vorteil, denn das laufende Spiel wird beim Unterbrechen beendet und nicht gespeichert.

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Einziger Nachteil: Der GBA-Slot musste weichen.
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Leider gibt es auch eine traurige Nachricht zu verkünden: der GBA-Slot fiel der Runderneuerung zum Opfer. Das dürfte all jene DS-Zocker betrüben, die mit dem Vorgänger in einem Anfall von Nostalgie gerne mal alte GBA-Titel gedaddelt haben. Für sie gilt ab sofort der beliebte Hinweistext an zahlreichen Ladentüren: "Wir müssen leider draußen bleiben." Das trifft leider auch für Fans der beliebten DS-Guitar-Hero-Umsetzung zu. Das Gitarrenmodul wird nämlich in den GBA-Erweiterungsschacht gesteckt. Musikbegeisterte Handheldzocker müssen also weiterhin zum alten DS-Modell greifen.

Ansonsten gibt es in Sachen Games keine weiteren Hiobsbotschaften zu verkünden. Alle bislang erschienenen DS-Spiele funktionieren auch auf dem Nachfolger problemlos.

Irgendwie anders und doch gleich

Nach dem Einschalten fällt sofort das runderneuerte Menü ins Auge. So wird man von chilliger Dudelmucke à la Nintendo begrüßt und findet sich im übersichtlichen Hauptmenü wieder, das zahlreiche Einstellungen ermöglicht. Wii-Besitzer werden sich hier sofort heimisch fühlen, denn die Menüstruktur mit ihrem channelartigen Aufbau erinnert frappierend an den großen Bruder des DSi. Ein genauerer Blick auf die einzelnen Punkte lohnt sich, denn die kleine Klappkonsole bietet diverse Möglichkeiten des virtuellen Zeitvertreibs - und das ganz ohne Spielmodul.

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Mit dem DSi könnt ihr nun auch Fotos machen - und bearbeiten.
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Wie schon erwähnt, verfügt Nintendos Neue über zwei eingebaute Kameras. Die dienen nicht nur zur Spielsteuerung, sondern ermöglichen auch diversen Unfug. So kann man sich selbst oder andere fotografieren und die entstandenen Bilder im Nachhinein editieren. Natürlich sind der Fantasie beim Nachbearbeiten Grenzen gesetzt, denn ähnlich wie bei Handys verfügt die Software nur über vorgegebene Schablonen und Filterungen. Insgesamt elf verschiedene Verfremdungen sind derzeit möglich, weitere könnten natürlich über den Onlineshop später hinzukommen.

Ob Erweiterungen dieser Art geplant sind, ist derzeit noch nicht bekannt. Doch auch so kann man sich besonders bei langweiligen Partys oder in geselliger Runde eine ganze Weile mit den verspielten Fototools beschäftigen.

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Der DSi kann jetzt auch Musik spielen.
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Eine ähnliche Beschäftigungstherapie bieten die Audiofunktionen des DSi. Wer will, zeichnet die sonore Stimme seines Gegenübers auf und erhält nach wenigen Klicks eine Spreche, die eher an die Chipmunks erinnert als an ein wohltemperiertes Timbre. Noch ein paar Samplings später wird der neue, hysterische Klingelton für Papis Handy daraus. Denn natürlich lassen sich Bilder und Töne auf den heimischen PC übertragen und weiter bearbeiten – ebenfalls eine Neuerung.

Leider birgt der multimediale Freudenspender einen Nachteil. Denn die Akkuleistung hat gegenüber dem Vorgänger in Sachen Durchhaltevermögen ziemlich gelitten. Wer die Funktionen des DSi ausgiebig nutzt, nebenbei womöglich Musik hört oder mit der Kamera lustige Fotos macht, muss das Gerät bereits nach etwa drei Stunden an eine Steckdose anschließen, ansonsten wird der Bildschirm dunkel. Nintendo selbst gibt, wie nicht anders zu erwarten, eine positivere Prognose. Wer den kleinen Racker weniger stark beansprucht und sich auf das reine Zocken beschränkt, wird sicherlich länger etwas von seinem Begleiter haben.

Hier spielt die Musik

Offenbar ist es heutzutage nicht mehr möglich, irgendein mobiles Endgerät auf den Markt zu bringen, das nicht als Musikplayer fungieren kann. Das gilt auch für den neuen DSi. Über den SD-Slot bringt man seine Lieblingsmucke auf die Taschenkonsole und verwandelt sie so in ein ganz normales Abspielgerät - mit einer Einschränkung freilich. Denn laut wird’s auf dem DSi nur, wenn die Musikdateien im AAC-Format vorliegen, bei MP3 schweigen die Lautsprecher. Warum Nintendo hier einen Sonderweg beschreitet, ist nicht nachvollziehbar. Zwar ist AAC kein Exot, doch gilt das mp3-Format nach wie vor als Standard für Musikdateien. Wer also seine Handheldkonsole gern als Musicplayer nutzen möchte, kommt um eine lustige Konvertierorgie nicht herum.

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Spiele zum Mitwippen.
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Immerhin wurden auch die Klangeigenschaften des kleinen Klappwunders deutlich gepimpt. Neigte beim Vorgänger besonders die Sprachausgabe gelegentlich zu Hans-Moser-Genuschel, so verwöhnt der DSi besonders mit angeschlossenen Kopfhörern die Ohren mit sauberer Tontrennung und deutlichem Klangspektrum. Auch Musikhören wird auf diese Weise zum echten Genuss. Leider wurde dem Gerät kein Software-Equalizer spendiert, so dass individualisierte Einstellungen in Sachen Musik und Lärm nicht möglich sind.

Dafür ist die Lautstärke im Vergleich zum Vorgänger deutlich präziser einstellbar. Das ist besonders bei den ebenfalls integrierten Soundspielereien nützlich. Denn wer mischt sich schon gerne seine Soundeffekte zusammen, wenn ihm dafür nur wenige Lautstärkestufen zur Verfügung stehen?

Unterwegs auf der Datenautobahn

Wichtigstes Feature dürfte die deutlich ausgebaute Onlinefähigkeit von Nintendos neuem Baby sein. Zeitgleich zum Verkaufsstart wird nicht nur der Onlineshop seine Pforten öffnen, sondern es wird auch eine spezielle Version des Opera-Browsers zum kostenlosen Download zur Verfügung stehen. Mit ihm soll man künftig bequem durchs weltweite Web surfen können. Ob das drahtlose Internetbrowsen in Sachen Komfort und Handling tatsächlich Spaß machen wird, lässt sich derzeit noch nicht sagen, da der Shop bis zum Releasedatum des DSi nicht zur Verfügung steht.

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Per Opera geht es ins Internet.
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In jedem Falle plant Nintendo mit seinem virtuellen Bauchladen großes. So sind nicht nur diverse Spiele angekündigt, sondern der Shop wird künftig wohl auch weitere Applikationen für den kleinen Handschmeichler anbieten. Was im Einzelnen für die Zukunft geplant ist, steht derzeit noch in den Sternen, denn die Japaner hüllen sich darüber in Schweigen.

Das Konzept des Online-Verkaufs dürfte sich dabei an den großen Konsolen orientieren. Man surft durch das Angebot und bezahlt den Titel seiner Wahl mit Nintendo-Points, die man zuvor in einem Geschäft erworben hat. Auch wenn das System identisch mit jenem des Wii-Onlineshops ist, so gibt es doch einen Unterschied: Das Guthaben einer Points-Card gilt nämlich nicht für beide Angebote, da die Shops getrennt wurden. Man muss sich also nach dem Kauf der Karte entscheiden, ob man sie auf der einen oder der anderen Konsole einlösen will. Warum Big N diese an sich unnötige Trennung vorgenommen hat, ist nicht nachvollziehbar.

Davon abgesehen klingen die Ankündigungen bezüglich des Angebots an Spielen und Zusatzprogrammen viel versprechend. Was davon im Endeffekt pures Marketing ist und was die Onlinefunktionen des DSi tatsächlich leisten, wird sich ab dem 3. April zeigen. Dann wird Nintendos neuer Freudenspender bei uns offiziell das Licht der Welt erblicken. Wir freuen uns drauf.

Fazit: mehr Funktionen, mehr Spaß

Mit dem DSi betritt Nintendo neue Pfade in Sachen Handheld-Konsolen. So wurde gegenüber dem Vorgänger nicht nur die Technik deutlich aufgepimpt, sondern die Japaner haben ihrem Baby auch erheblich mehr Funktionen spendiert. Die Menüführung erinnert dabei nicht von ungefähr an die Wii, und die mitgelieferten Gadgets wie eingebaute Kameras und Soundspielereien versprechen Spaß auch abseits von Spielen.

Besonders die kräftig erweiterten Onlinefunktionen lassen die Erwartungen an den DS-Nachfolger steigen. Angekündigt ist nicht nur ein eigenständiger Webbrowser, sondern auch ein umfassender Onlineshop sowie mögliche Betriebssystemerweiterungen. Die kinderleichte Zugänglichkeit des Gerätes ist trotz all der Erneuerungen Nintendo-typisch erhalten geblieben – auch wenn das mitgelieferte Manual in seiner Umfänglichkeit schon fast an das Telefonbuch von Olpe-Süd erinnert.

Fans des Vorgängers, die mit dem Verlust des GBA-Erweiterungsschachts leben können, sollten sich den DSi unbedingt ansehen, denn er ist mehr als nur ein technisches Update seines älteren Bruders.