Mehr Privatsphäre, intelligente Funktionen, schicke Optik: die neue Generation der Browser glänzt mit vielen Verbesserungen. Wir zeigen, was sie bringen und welchem Browser ihr bedenkenlos euer Vertrauen schenken können.

Dieser Artikel wurde zur Verfügung gestellt von CHIP Online

chip.de Fotostrecke: Browserpaket - Sicherer surfen

Als Microsoft die neue Version 8 des Internet Explorers auf den Markt brachte, überzeugte der Vista-Browser sofort mit sinnvollen Neuerungen. Diese sollten User, die den Firefox zumindest in Deutschland zur Nummer 1 machten, zurückgewinnen und ihn fit machen für den Browserkampf – denn auch die Konkurrenz schläft nicht. Zudem drängt die EU auf eine Browserauswahl in Windows 7.

Firefox, IE & Co. - Der große Browser-Vergleichstest: Sicher ist nur einer

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Sicherheit, Geschwindigkeit, Funktionalität: Welcher Browser macht das Rennen?
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Doch welcher soll es denn nun sein? Unser großer Browsertest gibt die Antwort. Wir haben die neuesten Versionen von Internet Explorer (IE), Firefox, Opera, Chrome und Safari im Browsertriathlon auf Sicherheit, Schnelligkeit und Funktionalität getestet. In der Fotostrecke finden Sie das Browserpaket zwei der Testkandidaten sowie viele praktische Erweiterungen.

Sicherheit: Browser unter Beschuss

Der beliebteste Weg für Malware, sich auf dem Rechner breit zu machen, ist der über den Browser. Dessen Sicherheitslücken machen es Hackern einfach.

Wer mit einer veralteten Version surft, ist ein leichtes Opfer. Grundsätzlich gilt: Je beliebter der Browser, desto mehr Hackerangriffe erfolgen. Beim IE8 scheint sich daher der Trend der Vorgängerversionen fortzusetzen. Laut Sicherheitsexperten von Secunia hat er schon wieder zwei ungepatchte Sicherheitslücken. Im Firefox klafft eine offene Lücke, und bei beiden gab es weitere, nun bereits gepachte Schwachstellen.

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Firefox: Überzeugt beim Datenschutz und blockiert gefährliche Phishing-Sites recht zuverlässig.
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Für die neuen Versionen von Opera und Chrome waren zum Testzeitpunkt noch keine Lücken bekannt – weil sie erst seit kurzer Zeit verfügbar waren. Doch da sich an der Sicherheitsarchitektur nichts Revolutionäres getan hat, werden Angreifer wohl auch hier bald Lücken finden.

Ein weiteres Sicherheitsrisiko sind Browser-Plug-ins wie Flash, QuickTime oder der Adobe Reader. Zum Schutz bietet Firefox ab der Version 3.5.3 einen viel versprechenden Ansatz: Während eines Browserupdates überprüft er die Flashversion. Ist die veraltet, kann der User über einen Link auf der standardmäßig nach Updates eingeblendeten „What’s New“-Seite die aktuelle Variante installieren. Das Feature ist so erfolgreich – allein in der ersten Woche haben rund zehn Millionen User damit ihre Flashversion aktualisiert, sodass Mozilla plant, diesen Service auch auf andere Plug-ins auszuweiten.

Ähnlich wie Flash erweitert JavaScript – im IE auch ActiveX – die Möglichkeiten von Websites, ist aber nicht ungefährlich. Den Umgang mit solchen aktiven Elementen kann man in allen Browsern festlegen – außer in Chrome. Das kostet ihn genauso Punkte wie die Tatsache, dass er als Einziger über das Website-Icon in der URL-Zeile keine Infos über die Identität besuchter Seiten anbietet.

Privatsphäre: Teils löchriger Schutz

Standard ist inzwischen bei allen Browsern ein Schutzmechanismus, der Phishing-Seiten erkennt – leider in unterschiedlicher Qualität.

Die Filter identifizieren vor allem aktuelle Sites nicht immer sofort. Besonders IE und Chrome haben Nachholbedarf, damit sie Seiten, die zum Beispiel Log-in-Daten für Bankaccounts abgreifen wollen, gar nicht erst anzeigen. Dafür schützt der IE als einziger Browser von Haus aus vor Cross-Site-Scripting (XSS). Sein XSS-Filter entdeckt gefährliche Scripte, die von einer anderen Seite nachgeladen werden, und blockiert ihre Ausführung. Angreifer könnten damit etwa Cookies klauen oder Tastatureingaben mitschneiden. Firefox lässt sich immerhin per Add-on mit diesem Schutz nachrüsten.

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Firefox: Chronik löschen lässt sich auf Stunden genau festlegen.
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Für die Privatsphäre im Web ist auch die Kontrolle über die eigenen Surfspuren wie Cookies, Sucheingaben oder besuchte Seiten wichtig. Hier überzeugt vor allem Firefox, der viele Optionen bietet, den Umgang mit diesen Surfspuren zu definieren. Neu ist dabei, die Daten der letzten 1, 2, oder 4 Stunden zu löschen oder in der Chronik einzelne Seiten zu „vergessen“, das heißt, sie inklusive aller Unterseiten gesondert zu entfernen.

Firefox hat zudem den ausgereiftesten Privacy-Modus, in dem der Browser keine Surfspuren speichert. Bis auf Opera bieten nun alle Browser solch einen Surfmodus. Der IE erweitert den Datenschutz noch mit der optionalen, frei konfigurierbaren InPrivate-Filterung. Die verhindert, dass Daten zum Surfverhalten oder zur Systemkonfiguration an Google, Amazon und Co. gelangen.

Darstellung: Das Auge surft mit

Damit auch die Optik beim sicheren und anonymen Surfen nicht zu kurz kommt, haben die Browser ihre Grafik-Engines und zum Teil auch ihr Interface aufgebohrt.

Beim Acid3-Test, der die Darstellung verschiedener Webstandards überprüft, erreichen Opera, Safari und Chrome nun die volle Punktzahl. Der IE8 dagegen schert sich immer noch wenig um diese Standards, was nach wie vor zu fehlerhaft angezeigten Webseiten führt. Plug-ins wie Flash, Shockwave oder Silverlight, die zwar unsicher sind, aber nötig, um Videos und Animationen abzuspielen, könnten bald der Vergangenheit angehören.

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Safari: Präsentiert die meistbesuchten Seiten in einer edlen Übersicht.
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Möglich machen soll das HTML 5, die Weiterentwicklung der bisherigen HTML-Sprache. Firefox und Chrome sind hier am weitesten und unterstützen unter anderem schon die Videofunktion von HTML 5. Safari und Opera können das noch nicht, haben aber bereits Elemente wie die Canvas-Funktion implementiert, die Vektorgrafiken direkt im Browser dynamisch rendern kann. Der IE8 versteht bei HTML 5 im Moment als einziger Browser nur Bahnhof.

Bei Opera hat sich auch auf der Oberfläche einiges getan: Die Tableiste im neuen Design kann jetzt aufgezogen werden, sodass man die offenen Seiten in einer übersichtlichen Mini-Ansicht sieht. Links neben dem ersten Tab findet ihr zudem eine Schaltfläche, die im Browser Paneele öffnet. Sie erlauben schnellen Zugriff auf Favoriten, Widgets, Notizen, Downloads, Verlauf und bei Bedarf noch weitere Funktionen.

Wenn ihr einen neuen Tab öffnet, präsentiert Opera genau wie Chrome und Safari die meistbesuchten Seiten. Doch während diese Übersicht in Opera und Chrome eher funktional gestaltet ist, punktet Safari mit einem schicken Showroom, der die Seiten automatisch neu lädt und so einen schnellen Überblick davon gibt, was sich auf den Lieblingsseiten tut. Auch sonst setzt Safari – typisch für Apple – auf edle Optik: Die Favoriten und den Verlauf etwa blättert ihr im Coverflow durch. Das ist zudem praktisch, denn man findet viele Seiten leichter, wenn man sie sieht, und nicht nur ihre Namen liest.

Komfort: Intelligente Funktionen

Die neue Browsergeneration sieht aber nicht nur besser aus, sie macht das Reisen im Web auch komfortabler. Den größten Funktionsumfang bietet nach wie vor Opera: Mausgestensteuerung, Passwortmanager, integrierter Mailclient (der jetzt auch HTML-Mails unterstützt) – da kann die Konkurrenz nicht mithalten.

Für User mit langsamer Internetverbindung dürfte zudem Opera Turbo interessant sein. Hier bezieht der Browser die Daten über einen Proxy-Server, der aufwendige Elemente wie Bilder stark komprimiert und so schnelleres Surfen ermöglicht.

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Internet Explorer: Schnellinfos machen das Surfen komfortabler.
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Doch auch der IE überzeugte im Test mit neuen Features. Seine Webslices und Schnellinfos gehören noch bei keinem anderen Browser zur Grundausstattung. Webslices legt ihr wie Bookmarks in der Favoritenleiste ab. Dort aktualisieren sie sich wie RSS-Feeds automatisch und zeigen die neuen Inhalte der abonnierten Website nach einem Klick im Vorschaufenster an. Auf die Schnellinfos kann man über ein blaues Icon zugreifen, das erscheint, sobald man einen Begriff auf der Seite markiert. Über dieses Kontextmenü sucht ihr den Begriff etwa bei Google, bei Wikipedia oder übersetzt ihn – das spart Klicks und Zeit. Weitere Schnellinfos lassen sich per Add-on bequem nachrüsten.

Chrome setzt nach wie vor eher auf Schlankheit. Zwar hat der Browser die meisten Basisfunktionen integriert, bietet sonst aber wenig Luxus. Immerhin könnt ihr den Browser nun mit Themes nach Geschmack verschönern. Unter der Haube haben die Chrome-Entwickler am Prefetching geschraubt, das die IP-Adressen von Weblinks auf einer Seite schon einliest, bevor der User einen Link anklickt. Mit diesem Feature, das auch Firefox ab Version 3.5 nutzt, laden verlinkte Seiten etwas schneller.

Opera und IE kann man um Funktionen erweitern, allerdings ist die Auswahl nicht sehr umfangreich. Hier bietet Firefox, der nach wie vor stark auf die Karte Add-ons setzt, die größte Vielfalt. Eine besonders sichere Version – speziell für das Online-Banking – gibt es ebenfalls.

Speed: Spürbare Unterschiede

Die neuen Rendering-Engines der Browser sorgen nicht nur für eine verbesserte Darstellung, sie versprechen auch schnelleres Surfen. In unseren Performance-Tests haben wir aufs Gaspedal gedrückt und die Browser ausgereizt.

Der Benchmark Peacekeeper testet verschiedene JavaScript-Funktionen: Er rendert typische HTML-Elemente, lädt, sortiert, sucht in Datenbanken, generiert dynamische Websites, filtert und ersetzt Zeichenketten. Der SunSpider-Test misst, wie schnell die Browser JavaScript-Objekte laden, der CSS-Test misst speziell das Laden von Stylesheets.

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IE: Lädt vor allem aufwendige Webinhalte wie Karten deutlich langsamer als die Konkurrenz.
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Das Gesamtbild dieser Tests ist eindeutig: Safari und Chrome – beide Browser setzen auf die WebKit-Engine – sind nach wie vor die Schnellsten. Sie erreichen bei allen Tests klar bessere Ergebnisse als die Konkurrenz, wobei Safari insgesamt sogar noch einen Tick vor Chrome landet. Vor allem bei Webanwendungen wie Google Maps sind die Unterschiede deutlich: Safari und Chrome laden Kartenausschnitte flüssig nach, während der IE vor sich hin ruckelt. Damit sind Safari und Chrome gerade für interaktive Web-2.0-Anwendungen besser gerüstet.

Auch Firefox ist deutlich schneller geworden, vor allem dank der neuen JavaScript-Engine TraceMonkey. Diese übersetzt Skriptsprache in Maschinencode und verarbeitet sie so schneller. Der Benchmark SunSpider bestätigt das: Im Vergleich zum Vorgänger braucht die aktuelle Version nur rund ein Drittel der Zeit, der Wert beim CSS-Test ist etwa gleich geblieben. Der IE8 ist zwar deutlich flotter als sein Vorgänger, trägt als Schlusslicht aber die Rote Laterne. Immerhin: Bei der Messung des RAM-Verbrauchs direkt nach dem Browserstart (mit der Startseite Google.de) kam der IE8 mit nur 11,7 MByte aus – Bestwert.

HTML 5: Neue Webtechniken

Die aktuelle HTML-Version 4.01 ist schon rund zehn Jahre alt – kein Wunder, dass sie den Anforderungen des Web 2.0 nur mit Hilfen wie Flash-Plug-ins gerecht wird.

In der kommenden Version HTML 5 dagegen können Webdesigner Audio- und Videodateien direkt in eine Website einbinden. Flashcontainer, wie sie heute üblich sind, um Filme im Web wiederzugeben, werden damit überflüssig. Chrome und Firefox unterstützen diese Audio- und Videotags schon heute. Dafür haben sie entsprechende Codecs für die Wiedergabe an Bord (beide nutzen Ogg Theora und Ogg Vorbis, Chrome zusätzlich noch H.264).

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HTML5: Neue Mediamöglichkeiten ohne Plugins.
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HTML 5 bietet darüber hinaus noch weitere Neuerungen, die JavaScript-Funktionen ersetzen und den Browser damit schneller machen. Unklar ist allerdings noch, ob und wann der Standard von Entwicklern und Browserherstellern vollständig umgesetzt wird. Vorerst bleibt es bei Demos, wie zum Beispiel der flashfreien.

Fazit: Fotofinish für den Firefox

Der Test endet mit einem hauchdünnen Vorsprung für den Firefox, knapp vor Opera und Safari.

Firefox ist nach wie vor der ausgewogenste Browser, ein echter Allrounder, dessen Funktionen ihr mit Add-ons beliebig erweitern könnt. Der innovativste Browser bleibt Opera, doch der fehlende Privacy-Modus ist ein Manko. Safari ist zwar schnell und sieht edel aus, kann aber bei Sicherheit und Funktionsumfang nicht mithalten. Mit deutlichem Abstand trudeln Chrome, der außer flottem Surfen wenig bietet, und der IE8 ins Ziel. Dieser ist zwar um Längen besser als sein Vorgänger, doch das reicht nicht aus, um aus dem Windschatten an den Konkurrenten vorbeizuziehen.