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Für die Einen ist es die nächste Evolutionsstufe des Notebooks, für die Anderen der teuerste iPod der Welt. Nach einer langen Wartezeit ist es jetzt endlich auch in Deutschland erhältlich. Wir haben das iPad auf Herz und Nieren getestet und verraten, ob sich der Kauf wirklich lohnt.

Was macht die Faszination des iPad aus? Ist der gesamte Hype überhaupt gerechtfertigt? Wir haben diese neue Geräteklasse, eine Mischung aus Multimedia-Player und Netbook, durch einen ausführlichen Testparcours gejagt. Auf den folgenden Seiten zeigen wir euch nicht nur all diese Tests und ihre Ergebnisse, sondern verraten auch, für welche Anwendungen sich das iPad wirklich lohnt – und wann ihr lieber die Finger von ihm lassen solltet!

Das iPad als Multimedia-Multitalent

Musik und Videos abspielen - das sind Parade-Disziplinen für den iPod touch. Doch den kleinen Bruder sollte das iPad in Sachen Multimedia deutlich hinter sich lassen. Ist das neue Tablet einfach nur größer als der etablierte Media-Player oder auch tatsächlich besser?

Apple iPad - Das iPad im Härte-Test

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Vollbild-Video: Bei 16:9-Filmen mit Bild-Verlust verbunden.
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Das iPad bietet sich mit seinem üppigen 9,7-Zoll-Bildschirm natürlich als Video-Player an. Dank des hervorragenden Displays sehen die Clips brillant aus und über den iTunes Movie Store kommt neuer Entertainment-Nachschub zu fairen Preisen direkt aufs Tablet. Doch wo Licht ist, sind beim iPad-Display auch die Spiegelungen nicht weit: In dunklen Szenen sehen die Nutzer ihr Spiegelbild oft deutlicher als die Handlung im Film.

Suboptimal ist auch die Auflösung des iPad: 1024 mal 768 Pixel sind zwar eine Menge Bildpunkte, aber leider im Seitenverhältnis 4:3. Da heutzutage die meisten Filme und Serien im Widescreen-Format aufgenommen werden, seht ihr auf dem iPad die meiste Zeit oben und unten schwarze Balken. Wer die umgehen will, kann zwar das Video auf die volle Bildschirmgröße zoomen, verliert dadurch aber am rechten und linken Rand einige Bildinformationen. Weitaus positiver ist die Akku-Laufzeit: Bei voller Display-Helligkeit und aktiviertem WLAN konnten wir im Test volle 8:30 Stunden am Stück Filme anschauen, bevor dem iPad der Strom ausging.

Wer mit dem iPad Musik hören will, findet grundsätzlich dieselbe Funktionalität wie beim klassischen iPod. Die Unterschiede liegen im Detail, fallen aber nicht ernsthaft ins Gewicht. So ist es beispielsweise möglich, mit der Genius-Funktion Playlists generieren zu lassen, deren Songs einem bestimmten Genre angehören oder dem gerade abgespielten Titel ähneln. Apple wirbt zudem mit dem integrierten Lautsprecher. Der klingt zwar nicht ganz so schlimm wie die mancher Handys, dürfte aber trotzdem jeden Musik-Liebhaber schnell nach einem guten Kopfhörer suchen lassen.

Zwischen digitalem Bilderrahmen und mobiler Spiele-Konsole

Das Betrachten von Bildern unterscheidet sich am iPad zunächst einmal nicht sonderlich von anderen Touch-Geräten: Mit Wisch-Bewegungen blättert ihr zwischen den Fotos hin und her, mit der klassischen Zwei-Finger-Bewegung wird gezoomt. Sind die Bilder mit Geo-Tags versehen, gibt es jetzt auch die Option, sie nach Orten zu sortieren. Nutzer von Apples Mac-Software iPhoto können die Bilder zudem auch nach den Gesichtern der abgebildeten Personen sortieren lassen oder sich auf einer Karte den ganzen Urlaubs-Trip anzeigen lassen. Unabhängig von der verwendeten Foto-Software ist die Diashow-Funktion: Sie spielt gewünschte Foto-Alben mit kreativen Übergangseffekten und wahlweise Hintergrund-Musik ab. Im Diashow-Modus wird das iPad somit zu einem der schönsten derzeit erhältlichen digitalen Bilderrahmen.

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iPad als Spiele-Konsole: Auf Augenhöhe mit PSP und DSi.
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Als tragbare Spiele-Konsole setzt sich das iPad endgültig deutlich von iPod touch und iPhone ab. Auch PlayStation Portable und Nintendo DSi sehen in vielerlei Hinsicht im Vergleich mit Apples Tablet blass aus. Zwar bieten die etablierten Handhelds den klaren Vorteil mechanischer Tasten, etwa Steuerkreuz und Buttons. Doch wer meint, dass sich das iPad auf Grund der Limitierung auf die Eingabe-Möglichkeiten Touch und Neigung nicht sinnvoll als Spiele-Konsole eigne, der irrt sich gewaltig.

Zwar müssen die Game-Designer ihre Spiele der Touch-Bedienung anpassen, doch das bringt keinesfalls nur Nachteile mit sich. So lassen sich beispielsweise Spiele, die auf eine Maus-Eingabe setzen, am iPad weitaus besser als auf einer PSP bedienen. Dies betrifft zum Beispiel Strategie-Titel wie "Command & Conquer" oder das lustige Tower-Defense-Game "Pflanzen vs. Zombies". Aber auch Rennspiele oder gar Shooter lassen sich für das iPad hervorragend umsetzen.

Viele dieser Titel sind allerdings kostenpflichtig und schlagen mit 79 Cent bis 15 Euro zu Buche. Doch selbst die Spiele an der oberen Preisgrenze kosten nur die Hälfte eines PSP- oder DSi-Titels, obwohl sie in der Regel den klassischen Cartridges/UMDs in Sachen Umfang und Qualität nichts nachstehen. Da das iPad selbst bei grafisch sehr aufwändigen Spielen sechs Stunden Dauerbetrieb durchhält, steht einer ausgedehnten Spiele-Session also nichts im Weg.

Das iPad - ein hervorragender E-Book-Reader

Vom ersten Augenblick an wurde das iPad zum Kindle-Killer hochstilisiert, doch der E-Book-Reader von Amazon verkauft sich auch weiterhin hervorragend. War das Lob also zu voreilig oder steht die Blütezeit des iPad als Lesegerät erst noch bevor?

Obwohl die App "iBooks" von Apple selbst stammt und bei der Vorstellung des iPad massiv beworben wurde, ist sie nicht auf dem Tablet vorinstalliert, sondern muss erst über den App Store geladen werden. Was auf den ersten Blick unsinnig erscheint, offenbart sich bei genauerer Betrachtung als geschickte Verschleierungs-Taktik: In den USA verkauft Apple schon jede Menge Bücher für das iPad und auch das Angebot an kostenlosen Klassikern ist dank des verwendeten ePub-Formats gigantisch.

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iBooks: Die App bleibt deutschen Käufern bis auf weiteres vorenthalten.
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In Deutschland kann man inzwischen auch über die iBook-App auf den Buchladen zugreifen, an deutschsprachiger Literatur findet man allerdings bislang nur lizenzfreie Klassiker, ganz überwiegend aus dem "Projekt Gutenberg". Der Grund dafür sind noch nicht geklärte Lizenz-Fragen: Da Apple bislang mit deutschen Verlagen noch keine Einigung erzielen konnte, werden im deutschen iBook-Shop zunächst mal keine Bücher zu kaufen sein.

Das ist äußerst bedauerlich, da das iPad in dieser Disziplin richtig gut punkten kann. iBooks mit seinem virtuellen Bücherregal ist liebevoll gestaltet, und das sehr helle IPS-Panel kann das Lesen auf dem iPad zum Genuss machen. Das E-Ink-Display eines klassischen Readers ist zwar bei direkter Sonneneinstrahlung deutlich besser lesbar als das iPad und auch das Schriftbild etwas näher am gedruckten Original, dafür versagt das iPad aber auch nicht bei wenig Umgebungslicht und spielt in Sachen Bedienungs-Komfort in einer komplett anderen Liga.

Auch die Münchner Augenärztin Dr. Helga Linke bescheinigte dem iPad hervorragende Reader-Eigenschaften und sah keine Gefahr der Augen-Ermüdung. Allerdings bemägelte auch sie die starken Reflexionseigenschaften des Displays, zudem hätte sie sich statt des schwarzen einen helleren Rand rund um das Display gewünscht - neuere arbeitsergonomische Studien zeigten klar, dass ein schwarzer Displayrand Blendeffekte verstärken würde.

Zeitschriften und Zeitungen statt Bücher

Natürlich kann man davon ausgehen, dass der deutsche Buchhandel sich nicht dauerhaft dem iPad versperren wird. Doch wann es tatsächlich zu einer Einigung mit Apple kommt, steht bislang in den Sternen. Die Erfahrung mit dem Kindle lehrt zudem, dass in Deutschland die Buchpreisbindung rigoros auf elektronische Schmöker übertragen wird. Die Bücher werden also für das iPad höchstwahrscheinlich genauso viel kosten wie im örtlichen Buchhandel, obwohl Druckkosten und die gesamte Vertriebs-Infrastruktur eingespart werden.

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Comic-Reader: Die legendären Marvel-Helden kommen auf dem iPad besonders gut zur Geltung.
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Seine gesamten Stärken spielt das iPad allerdings sowieso nicht bei simplen Romanen, sondern vor allem bei Zeitungen und Zeitschriften aus. Diese greifen auf das komplette Repertoire des Tablets zurück und ergänzen ihre Texte um Multimedia-Inhalte. Sport-Berichte mit Videos der entscheidenden Spiel-Szenen, eine CD-Kritik mit Hörproben der einzelnen Songs oder Wirtschafts-Nachrichten mit den aktuellen Live-Kursen von den Börsen dieser Welt - all das ist mit dem iPad nicht nur theoretisch möglich, sondern wird in den USA bereits jetzt von einigen Publikationen umgesetzt - bislang allerdings eher mit mäßigem Nutzerzuspruch.

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Erfreulich für deutsche Nutzer dürfte dabei sein, dass derartige Angebote stets als eigene Apps umgesetzt werden, also unabhängig von iBooks sind. Egal, wie lang sich also die Verhandlungen zwischen Apple und dem Buchhandel hinziehen - mit den ersten multimedialen Magazinen fürs iPad dürfte also auch hierzulande schon bald zu rechnen sein.

Surfen, Mailen & Co. mit dem iPad

Mit dem iPad könnt ihr laut Apple genauso bequem wie am PC surfen und mailen. Kritiker hingegen meinen, dass das iPad mangels Flash-Support und instabilem WLAN-Modul als Internet-Tablet völlig ungeeignet sei. Die Wahrheit liegt, wie so oft, irgendwo dazwischen.

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Safari: Auch mehrere offene Fenster gleichzeitig sind für den iPad-Browser kein Problem.
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Wenn man den Safari-Browser des iPad das erste Mal öffnet, ist man sofort gewillt, Apples Werbe-Aussagen Glauben zu schenken. Websites werden schnell und akkurat gerendert, Scrollen per Touch und Zoomen per Finger-Spreizen sind so intuitiv, dass einem eine traditionelle Maus-Eingabe fast schon archaisch vorkommt. Neben Hochformat- und Querformat-Modus bietet das iPad eine komfortable Lesezeichen-Verwaltung, ordentliche Konfigurations-Möglichkeiten und vor allem vollständigen JavaScript-Support. Moderne Websites mit Ajax-Funktionen, bei denen Handy-Browser bislang häufig schlapp machen, sind für das iPad daher kein Problem.

Dennoch werdet ihr früher oder später auf Internet-Angebote stoßen, die auch das iPad an seine Grenzen führen. Egal ob Flash-Werbebanner, Flash-Game oder Flash-Video – das iPad verweigert sich jedes Mal, wenn Adobes Multimedia-Format ins Spiel kommt. Apple begründet den Verzicht auf Flash primär mit der Instabilität des Formates. Ein weiteres Argument, das Steve Jobs gerne ins Feld führt, ist HTML 5: Viele Funktionen von Flash lassen sich mit dem künftigen Web-Standard deutlich ressourcen-schonender realisieren.

Tatsächlich stellen bereits jetzt viele Anbieter von Video-Portalen ihre gesamte Bibliothek nicht zuletzt für das iPad auf HTML 5 um, so beispielsweise YouTube, Brightcove, ein US-Unternehmen, das für mehr als 1.300 Web-Dienste die Infrastruktur für Video-Auslieferung stellt, und demnächst wohl auch das legendäre TV-Portal Hulu. Aber selbst Unternehmen, die Flash treu bleiben, denken an das iPad. Nahezu jeder Web-Dienst liefert inzwischen zumindest alternative Grafiken aus, die zu sehen sind, wenn der Flash-Inhalt nicht dargestellt werden kann. Das vermeidet hässliche Lücken im Layout, kann aber den Mangel an Funktionalität nicht wirklich ausgleichen.

Ob Google Mail oder Exchange – das iPad kann es

Ein Punkt, bei dem man der Apple-PR keine Übertreibung vorwerfen kann, ist die E-Mail-Unterstützung am iPad. Das Programm "Mail" ist ähnlich komplex wie Thunderbird & Co. und bietet spezielle Darstellungs-Modi für hochformatige oder querformatige Anzeige des Postfachs. So habt ihr stets richtig viel Lesefläche und dennoch schnellen Zugriff auf Ordner oder andere Accounts. Ab Werk kennt das iPad die grundlegenden Einstellungen der populärsten E-Mail-Dienste bereits, das Einrichten eines Accounts geht in weniger als zwei Minuten von der Hand. Wer einen anderen Mail-Anbieter oder seinen eigenen Server nutzen will, muss die Daten händisch eintragen, gelangt aber ebenfalls schnell ans Ziel.

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Mail-Anbieter: Die bekanntesten sind vorinstalliert, eigene Server schnell eingerichtet.
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Vorbildlich ist der Exchange-Support des iPad, wodurch es auch für die Business-Nutzung geeignet ist. Die Einrichtung des Kontos erfolgt ähnlich schnell wie bei Freemailern. Neben den eigentlichen Nachrichten synchronisiert das Tablet auf Wunsch auch Termine und Kontakte. Die findet ihr dann in den entsprechenden Apps "Kontakte" und "Kalender" wieder. Für die professionelle Nutzung besonders hervorzuheben ist die korrekte Unterstützung der Exchange-Richtlinien. Schreibt beispielsweise der Exchange-Server eine Passwort-Pflicht vor, so muss der Nutzer nach der Einrichtung des Exchange-Accounts ein mindestens vierstelliges Passwort definieren, das künftig bei jedem Entsperren des iPad abgefragt wird.

Immer und überall online?

Schon kurz nach dem Verkaufsstart in den USA waren erste Stimmen zu hören, die sich über schwankenden WLAN-Empfang und somit instabile Internet-Verbindungen beim iPad beschwerten. In unseren Test konnten wir diese Kritik bedingt nachvollziehen. Auch bei uns war die Anzeige der Empfangs-Qualität als beinahe willkürlich zu beschreiben, die Verbindung blieb aber dennoch meist stabil.

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Online per 3G: Das iPad verlangt neue SIM-Karten.
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Insgesamt lässt sich sagen, dass ein Notebook sicherlich konstanter die Verbindung zum Router aufrecht erhält. In unserem Redaktionsgebäude konnten wir in einem Umkreis von knapp 30 Metern um den Router (AVM Fritz!Box) konstant die Verbindung aufrecht erhalten, lediglich Stockwerk-Wechsel erwiesen sich auf Grund der Bausubstanz (Stahlbeton) als KO-Kriterium.

Wer WLAN-Problemen aus dem Weg gehen will, kann auch zur 3G-Variante des iPad greifen. Die erlaubt auch unterwegs die komfortable Nutzung von Mail, Safari & Co. - im Gegensatz zum iPhone ganz ohne SIM-Lock! Dennoch hat Apple auch dieses Mal einen kleinen Stolperstrick für alle Kaufwilligen eingebaut: Das iPad akzeptiert nur Micro-SIM-Karten, die deutlich kleiner als Standard-SIMs sind. Zwar bieten bereits zahlreiche Provider spezielle iPad-Tarife mit Micro-SIM zu akzeptablen Konditionen an, doch wer beispielsweise bei O2 im Rahmen des sogenannten Multi-SIM-Programms zu seiner bestehenden Handy-Flatrate eine Micro-SIM beantragen will, hat schlechte Karten. Zumindest bislang sind die kleinen SIM-Karten immer nur separat erhältlich, nicht als Upgrade zu bestehenden Verträgen. Wagemutige können auch versuchen, eine normale SIM-Karte aufs Micro-Format zurechtzuschnippeln, im Netz kursieren hierzu bereits einige Anleitungen.

Wer sich für das iPad mit 3G entscheidet, bekommt nicht nur ein UMTS-Modem, sondern auch ein GPS-Modul. Während das WLAN-iPad die Position des Nutzers recht unpräzise über den verwendeten Access Point bestimmt, taugt das 3G-iPad beispielsweise als Fremdenführer mit genauer Ortsbestimmung. Die ersten Apps, die Restaurants oder Sehenswürdigkeiten in der Nähe des Nutzers anzeigen, existieren bereits und falls Navigon, Tomtom & Co. eines Tages ihre iPhone-Navigation für das iPad portieren, wird es über Nacht zum derzeit größten Navi-Gerät.

Zu limitiert für einen PC-Ersatz

Das iPad ist ein Multimedia-Talent, soviel steht fest. Doch wie schlägt es sich als Arbeits-Gerät? Wir haben den Test gemacht und stellten deutliche Differenzen zwischen PR-Aussagen und Praxis fest.

Der offensichtlichste Unterschied zwischen dem iPad und einem Netbook ist der Verzicht auf eine physikalische Tastatur. Stattdessen blendet das iPad im Hoch- oder Querformat jeweils eine Tastatur auf dem Touchscreen ein. Haltet ihr das iPad hochkant, ist sie gut mit zwei Daumen zu bedienen, strengt die haltenden Hände durch das hohe Gewicht des iPad aber ziemlich an und ist daher keinesfalls zum Schreiben längerer Texte geeignet. Legt ihr das iPad hingegen im Querformat nach oben geneigt auf einen Tisch, sieht es mit dem Tippen schon viel besser aus: Zum Einen erreicht die virtuelle Tastatur nahezu die Größe einer echten Tastatur, zum Anderen stehen euch beide Hände zum Tippen zur Verfügung. Diese Eingabe-Methode ist fast schon als komfortabel zu bezeichnen und Touch-Tastaturen auf Handys oder Media-Playern bei Weitem überlegen. Die Querformat-Tastatur lässt sich auch mit einer Hand bedienen, weshalb man iPad-Nutzer häufig dabei sieht, wie sie das Tablet mit einer Hand halten und mit der anderen tippen.

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iPad Dock: Trotz gutem Touchscreen lassen sich lange Texte ohne echte Tastatur kaum schreiben.
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Das im Vergleich zu Smartphones doch sehr hohe Gewicht des iPad kann auch bei anderen Anwendungen zu Problemen führen. Apple selbst empfiehlt bei den iTunes-Nutzungsbedingungen unter anderem: "Bitte [...] beenden Sie das Spiel und machen Sie eine längere Pause, wenn sich Ihre Augen, Hände, Handgelenke oder Arme müde oder überlastet anfühlen oder Sie sich anderweitig unwohl fühlen, um einer Überlastung der Muskeln, Gelenke und Augen vorzubeugen."

Das sehen Experten wie der Weidener Ergotherapeuth Armin Treitinger ganz ähnlich. Er bemängelt, dass das iPad im Gegensatz zu einem Notebook-Display keine Möglichkeit biete, den optimalen Betrachtungswinkel fest einzustellen, die ganze Haltearbeit müssten die Nutzer mit ihren Händen erbringen: "Die Reduzierung auf ein reines Tablet ist bei dem doch recht erheblichen Gewicht des iPads eher unpraktisch für die Handhabung. 700 Gramm sind nicht einfach auszugleichen. Es liegt die Vermutung nahe, dass die relative starre Haltearbeit der Hände und Arme beim Benutzen des iPads auf Dauer zu Verkrampfungen beziehungsweise Belastungsschmerzen im Bereich der Hand- und Schultergelenke führen kann."

Ein Blick in den Apple Store zeigt, dass sich Apple dieses Problems bewusst ist: Neben einer iPad-Hülle, die sich in eine Art Notebook-Ständer umklappen lässt, wird auch ein Dock mit integrierter Tastatur angeboten. In diesem Dock ist das iPad zwar seiner Mobilität beraubt, dank der Apple iWorks Apps aber durchaus als Arbeitsgerät zu gebrauchen. Die Erfahrung mit iPhone und iPod touch lehrt zudem, dass es sicherlich nicht lange dauern wird, bis zahlreiche Drittanbieter nahezu jedes erdenkliche weitere Zubehör für das iPad anbieten werden.

Peripherie: Eigene Tastatur als Höchstes der Gefühle

Doch alles Zubehör wird nicht über die Tatsache hinwegtäuschen können, dass das iPad ein in sich geschlossenes System ohne nennenswerte Erweiterbarkeit ist. Wer beispielsweise die Speicherkapazität erhöhen möchte und dabei an SD-Karten, USB-Sticks oder externe Festplatten gedacht hat, wird enttäuscht werden. In diesem Fall bleibt höchstens der Griff zu einem völlig neuen Gerät mit mehr Flash-Speicher. Auch eine Webcam für Video-Chats sucht man vergebens.

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Camera Connection Kit: Wer statt dem Foto-Apparat eine Tastatur anschließt, spart Geld.
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Wer hingegen nur eine Tastatur zum iPad-Glück benötigt, muss nicht komplett auf Apple-Zubehör zurückgreifen, sondern kann sich mit einem kleinen Trick behelfen: Mittels des offiziellen USB-Kamera-Adapters, der eigentlich für das Transferieren von Fotos auf das iPad gedacht ist, lässt sich jede beliebige USB-Tastatur an das Tablet anschließen. Diese Methode mag zwar nicht die eleganteste sein, ist aber immerhin 40 Euro günstiger als der Griff zum offiziellen Keyboard-Dock.

Das größte Hindernis für einen sinnvollen Business-Einsatz des iPad ist jedoch die Bindung an iTunes: Wer Dateien vom iPad auf den PC oder umgekehrt übertragen möchte, muss sie entweder aufwändig per E-Mail verschicken oder eine Kabel-Verbindung zwischen Tablet und Rechner herstellen. Besonders ärgerlich ist dabei, dass das iPad an einem normalen USB-Anschluss noch nicht einmal den Akku auflädt. Deutlich bessere Karten haben iPad-Nutzer, die konsequent auf Cloud-Dienste wie Google Docs setzen und daher nur selten bis gar nicht Dateien zwischen Endgeräten transferieren müssen. Gerade im Business-Umfeld wird diese Vorgehensweise auf Grund von Sicherheits-Bedenken bislang allerdings noch sehr kritisch beäugt.

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Ein weiteres großes Manko des iPad könnte glücklicherweise schon bald der Vergangenheit angehören: Apple-Chef Steve Jobs deutete an, dass ein künftiges Firmware-Update wohl Drucker-Support bringen wird. Dann könnten am iPad erstellte Dokumente oder Tabellen-Kalkulationen wenigstens in gedruckter Form ohne zusätzliche Kabel-Verbindungen das Tablet verlassen - vermutlich aber nur, wenn die Nutzer sich einen netzwerkfähigen Drucker anschaffen.

Fazit: Einfach anders

Wie schon seit der Ankündigung durch Steve Jobs Ende Januar vermutet, hinterlässt das iPad im Test einen sehr gemischten Eindruck. Großartige Features wechseln sich ständig mit ärgerlichen Limitierungen ab.

Apple bewirbt das iPad als "ein magisches und revolutionäres Gerät". Dieser Aussage wird das Produkt nur bedingt gerecht. Das iPad ist insofern zwar zweifellos innovativ, dass es einem neuen Formfaktor und einer neue Geräteklasse zum Durchbruch verholfen hat, technisch stellt es aber allenfalls eine Evolution dar. Und auch wenn der Tablet-Computer in vielen Disziplinen glänzt, ist die von Apple angesprochene Magie eigentlich schon seit der Präsentation des ursprünglichen iPhone verflogen. Auch hier stellt das iPad wieder eine sinnvolle Evolution, aber keinesfalls eine Revolution dar.

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Werbung vs. Realität: Magie und Revolution sucht man beim iPad oft vergebens.
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Hinzu kommt, dass das iPad für den mobilen Einsatz einige Leidens-Bereitschaft voraussetzt: Das brillante Display spiegelt im Sonnenlicht so stark, dass das Gerät nahezu unbenutzbar wird und auch in Sachen Hitze-Entwicklung könnte sich die Sonne zum Spielverderber entwickeln. Zwar werden die 50 Grad Umgebungstemperatur aus unserem Dampfgarer-Test im realen Umfeld wohl so gut wie nie erreicht, doch unser Biergarten-Einsatz zeigt, dass direkte Sonneneinstrahlung auch schon bei frühlingshaften 20 Grad zu einem plötzlichen - und ärgerlichen - Abkühlungsbedürfnis des iPad führen kann.

Aufgrund seiner Maße passt das iPad zudem nicht in Hemd- oder Hosentaschen und erfordert daher stets einen Rucksack oder eine Handtasche als Transportmittel. Sind all diese Hindernisse aus dem Weg geräumt, sollte man zudem die 3G-Version des iPad dabei haben, da offene WLAN-Netzwerke verhältnismäßig selten sind und dem iPad ohne Internet-Verbindung ein Großteil seiner Nützlichkeit fehlt. Wer das Gerät hingegen nur in den heimischen vier Wänden einsetzen will, braucht sich um all diese Probleme keine Gedanken zu machen.

Abschließend lässt sich sagen, dass das iPad definitiv kein Laptop- oder gar PC-Ersatz ist. Das kleine Tablet stellt jedoch einen schicken und leistungsfähigen Dritt-Rechner für die Immer-Online-Generation dar. Ohne lästiges Hochfahren oder Wartezeiten bietet Apples Tablet sofortigen Zugriff auf Internet, Multimedia, Spiele, Bücher und rudimentäre Office-Funktionalität. Wer genau ein solches Gerät sucht, findet derzeit keine bessere Alternative. Alle, die aber nur ein oder zwei der Kernfunktionen des iPad benötigen, sollten sich hingegen fragen, ob das Gerät für sie wirklich die einzige Option ist. Der aktuelle iPod touch 32 GB bietet beispielsweise trotz deutlich kleinerem Display eine sehr ähnliche Funktionalität wie das WLAN-iPad mit gleich viel Speicher, kostet aber weniger als die Hälfte.

Es gibt allerdings auch noch eine weitere Zielgruppe für das iPad: In unserem Test konnten ungeübte Kinder und Senioren ohne große Einweisung mit der intuitiven Bedienung des Tablet umgehen und fanden so einen Zugang zu Technologie, die ihnen, beispielsweise in Form eines vergleichsweise kompliziert zu bedienenden PCs, bislang verschlossen blieb. Das iPad kommt somit also auch sehr gut als "betreuter Einstiegs-Rechner" in Frage.

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Das Apple iPad ist da - genial oder überflüssig?

  • 63%Bleibt mir weg mit dem Mist!
  • 14%Ich warte noch, bis die Technik ausgereift ist
  • 10%Genial! Brauche ich!
  • 7%Nicht schlecht, aber ich überlege mir den Kauf noch
  • 7%Finde ich cool, aber kaufe mir anderes Tablet
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