Wie Caschys Blog berichtet, sperrt Amazon offenbar vermehrt Konten von Kunden, die Produkte überdurchschnittlich häufig wieder zurückschicken. Dass das Ganze gar nicht mal so neu bei Amazon ist, offenbart ein Blick in diverse Kommentarbereiche des Unternehmens, Foren und Co.

amazon - Amazon sperrt Kundenkonten nach zu häufigen Rücksendungen

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Caschys Blog veröffentlichte Auszüge einer Usermail, betitelt dies aber nicht als Einzelfall. Stattdessen ist die Rede von einer größeren Anzahl von Nutzern, die betroffen sein sollen.

So schickte Amazon also einem der Betroffenen folgende Mail: "...wir haben bemerkt, dass Sie eine hohe Anzahl Ihrer kürzlich bestellten Artikel zurückgegeben haben. Natürlich kann es gelegentlich zu Situationen kommen, in denen man Produkte zurückgeben muss, allerdings ist die Häufigkeit Ihrer Rücksendungen außergewöhnlich hoch. Wir müssen Sie deshalb darauf hinweisen, dass wir aufgrund der Überschreitung der haushaltsüblichen Anzahl an Retouren in Ihrem Kundenkonto zukünftig leider keine weiteren Bestellungen entgegennehmen können und Ihr Amazon-Konto mit sofortiger Wirkung schließen."

Einige Zeit später, nach mehreren Kontaktaufnahmen, schob Amazon diesen Text hinterher: "Wir bitten um Verständnis, dass wir aufgrund der wiederholten Überschreitung der haushaltsüblichen Anzahl an Retouren in Ihrem Kundenkonto keine weiteren Bestellungen von Ihnen entgegennehmen können. Ich darf Ihnen versichern, dass wir eine Sperrung nicht ohne gründliche Prüfung des Gebrauchs der Rücksendemöglichkeit vornehmen. Unsere Entscheidung, Ihr Konto zu schließen, ist daher endgültig. Bitte öffnen Sie keine neuen Kundenkonten."

Man darf sich laut der Mail also kein neues Amazon-Konto anlegen. Das Problem an einem geschlossenen Konto ist natürlich, dass man nicht mehr auf die verschiedenen Dienste zugreifen kann, wie etwa den Kindle-Shop oder die Amazon Cloud.

Rechtsanwalt Christian Solmecke nahm zu dem Ganzen Stellung und erklärte, dass auch beim Online-Shopping der Grundsatz der Privatautonomie gelte. Damit dürfe Amazon selbst entscheiden, mit welchen Kunden man Verträge eingehe. Allerdings gelte auch der gesetzlich verankerte Verbraucherschutz bzw. das gesetzliche Widerrufsrecht.

Hier dürfen online gekaufte Artikel innerhalb von 14 Tagen nach Erhalt ohne Begründung zurückgegeben werden. Somit dürfe ein Konto nicht ohne weiteres gesperrt werden, selbst wenn die Häufigkeit der Retoure sehr hoch ausfalle. Denn das hätte eine sogenannte "Aushöhlung des gesetzlichen Widerrufsrechts zur Folge".

"So könnten Kunden aus Sorge vor Sperrung des Accounts von der Rücksendung von Artikeln abgehalten werden, obwohl ihnen dieses Recht gesetzlich zusteht. Eine solche Situation würde nicht dem Willen des Gesetzgebers entsprechen", heißt es.

Außerdem müsse man berücksichtigen, dass Amazon über das gesetzliche
Widerrufsrecht hinaus freiwillig ein weitergehendes Rückgaberecht
einräume. Dadurch dürfen die Produkte innerhalb von 30 Tagen zurückgeschickt werden, selbst eBooks.

Hier könne die rechtliche Bewertung anders ausfallen, da der Grundsatz der Privatautonomie überwiege. Daher dürfe Amazon selbst entscheiden, wem diese Rechte eingeräumt werden. Auch dürfe Amazon darüber richten, ob ein Konto nach übermäßigem Gebrauch von diesen Rechten gesperrt wird oder nicht.

Allerdings müsse eine solche Sperrung des Kontos für den Kunden vorhersehbar sein, was jedoch nicht der Fall ist. Die AGB von Amazon enthalten keine Regelungen, weshalb also eine Vorwarnung erfolgen müsse, um die Überschreitung der Grenze einsehen zu können.