Eigentlich bemühen sich mittlerweile auch die konservativen Unionsparteien darum, zumindest den Anschein zu erwecken, sie seien im 21. Jahrhundert angekommen. Die Kanzlerin lässt ihren eigenen Podcast produzieren, der parlamentarische Geschäftsführer Peter Altmaier twittert und diverse Abgeordnete nutzen die Bundestagsdebatten, um mit ihren iPads zu hantieren.

Doch in vielen netzpolitischen Fragen werden immer noch Einstellungen vertreten, die den Realitäten hinterherhinken. Und auch um das Netz-Verständnis des einzelnen Unions-Parlamentariers scheint es nicht immer zum Besten bestimmt zu sein - zumindest, wenn man einen Gastkommentar von Ansgar Heveling im Handelsblatt als Beleg herbeizieht.

Ansgar Heveling ist seit 2009 für die CDU im Bundestag und sitzt dort sogar in der Enquete-Kommission Internet und digitale Gesellschaft, dürfte bisher aber nur Parlaments-Insidern bekannt geworden sein. Zumindest im Netz hat er seinen Bekanntheitsgrad jetzt deutlich nach oben getrieben - wenn auch sicherlich nicht seinen Beliebtheitswert.

Sein Kommentar ist bereits mit der polemischen Ansage: "Netzgemeinde, ihr werdet den Kampf verlieren!". Diese Überschrift nimmt auch den Inhalt des zweiseitigen Artikels vorweg. Heveling sieht sich in einem Krieg mit den Internetnutzern und beschwört einen "Kampf zwischen der schönen neuen digitalen Welt und dem realen Leben". Er untermauert diese obskure Wahrnehmung mit einem befremdlich anmutenden, martialischen Vokabular und spricht von der "mediale Schlachtordnung", dem "Endkampf" und vom Vergießen digitalen Bluts. Ein besonders herausragendes Beispiel für seine Sprachvergewaltigung ist sicherlich der Satz:

"Wenn wir nicht wollen, dass sich nach dem Abzug der digitalen Horden und des Schlachtennebels nur noch die ruinenhaften Stümpfe unserer Gesellschaft in die Sonne recken und wir auf die verbrannte Erde unserer Kultur schauen müssen, dann heißt es, jetzt wachsam zu sein. Also, Bürger, auf zur Wacht!"

Bei so viel kriegerischem Pathos wird fast übertüncht, worin Heveling das eigentliche Problem zu sehen scheint: er sieht das geistige Eigentum im Netz gefährdet. An dieser Stelle böte sich ein längerer Exkurs zu den Promotionen diverser Unionspolitiker und den beschämenden Rechtfertigungen der darin (gerade auch dank der Netzgemeinde) festgestellten massiven Verletzungen geistigen Eigentums an. Das wäre zwar ergiebig, würde aber wohl zu weit vom eigentlichen Thema fortführen.

Stattdessen sei noch ausgeführt, dass Heveling offenbar verstimmt über die Proteste gegen Sopa und Pipa ist und meint, dass Google und Wikipedia verzichtbar wären. Dementsprechend ruft er auf: "Also, Bürger, geht auf die Barrikaden und zitiert Goethe, die Bibel oder auch Marx. Am besten aus einem gebundenen Buch!"

Woher kommt diese geradezu paranoid anmutende Wahrnehmung eines "Clash of Civilizations" zwischen Netzgemeinde und denen, die das Internet nicht oder nur mit Abneigung nutzen? Ist das Internet mit all seinen Möglichkeiten nicht einfach Teil unserer Gegenwart, der natürlich neben vielen Vorzügen auch seine Schattenseiten hat? Und wo gibt es in der Realität wirklich die beschworene Frontstellung zwischen Netznutzern und Netzverweigerern? Oder greift der Verfasser nur die Ängste diverser Lobbygruppen auf und macht sie zu seinen eigenen?

Es fällt schwer, den verquasten Text von Ansgar Heveling richtig einzuordnen. Leichter ist es, zu der Einsicht zu gelangen, dass ein solches analoges Alien wie Heveling in einer Enquete-Kommission Internet und digitale Gesellschaft eher schlecht aufgehoben ist - die Welt der Digital Natives scheint er schließlich nicht begreifen zu können.

Aus dem Netz wird der merkwürdigen "Kampfansage" des Unionspolitikers jedenfalls in angemessener Weise geantwortet - mit Hohn und Spott. Auf Twitter finden sich unter #hevelingfacts dann auch gleich eine ganze Reihe von gelungenen Bonmots: Fahrradfahrer, ihr werdet den Kampf gegen das Hochrad verlieren!

Flugzeuge werden niemals fliegen können, dazu müssten sie ja leichter als Luft sein. Ansgar Heveling warnt: Wer den Seeweg nach Indien sucht fällt nur über den Rand der Welt. Ansgar Heveling bittet #Hevelingfacts einzustellen. Dem Sekretariat ist das Papier zum ausdrucken ausgegangen. Herr Heveling ist definitiv kein Internetausdrucker. Er lässt sich interessierende Webseiten per Hand abschreiben.