Die neuen Konsolen von Sony und Microsoft stehen vor der Tür. Viele Fans erhoffen sich durch die Next Generation einen Grafik-Boost, der sie umhaut und ihnen gänzlich neue Qualitäten präsentiert. Und vor allen Dingen hoffen sie darauf, dass die Konsolen dem PC wieder überlegen sein werden. Doch NVIDIAs Senior Vice President of Content and Technology Tony Tamasi glaubt nicht daran, wie er in einem Interview mit PC Powerplay zugab.

Aktuelles - Nvidia: Warum Konsolen dem PC nicht mehr überlegen sein werden

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Nvidia setzt auf den PC
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Den meisten wird es bereits aufgefallen sein. Noch vor einigen Jahren war das Erscheinen einer neuen Konsole prägend für die gesamte Spieleindustrie, PC mit eingeschlossen. Konsolen wie die Playstation 1 und Playstation 2 dominierten jahrelang auch den PC. Dort begann das Zeitalter der 3D-Grafiken erst 1996, dank des ehemaligen Chipsatz-Herstellers 3dfx mit seinem legendären Voodoo Graphics, einem reinen 3D-Grafikbeschleuniger, der noch eine separate 2D-Grafikkarte im System verlangte.

Doch die Situation hat sich verändert. Mittlerweile glauben viele, dass der lange Konsolenzyklus der Current-Gen auch die Entwicklung der PC-Spiele beeinträchtigt hat. Selbst auf den kommenden Next-Gen-Konsolen müssen bereits Kompromisse gegenüber der PC-Version des gleichen Spiels gemacht werden.

Auch Tony Tamasi glaubt, dass Konsolen ihre Dominanz mittlerweile verspielt haben. "Es ist nicht mehr länger möglich für eine Konsole, eine bessere oder fähigere Grafik-Plattform als der PC zu sein. Ich sag dir warum. In der Vergangenheit gab es zumindest in der Ära der ersten Playstation und der Playstation 2 einfach keine guten Grafiken auf dem PC. Erst zur Zeit der Playstation 2 begann sich 3D wirklich auf dem PC zu etablieren, aber davor war 3D die Domäne von Silicon Graphics und anderen 3D Workstations. Sony, Sega oder Nintendo konnten es sich leisten, in 3D-Grafiken zu investieren, um sie auf eine Konsumenten-Plattform zu bringen. Tatsächlich war die Playstation 2 sogar schneller als ein (damaliger) PC."

Doch bereits zur Zeit der Xbox 360 und der PS3 waren sie nur noch auf gleicher Höhe mit einem PC. "Wenn man in die Kisten geblickt hat, wurden sie beide durch Grafik-Technologien von AMD und NVIDIA angetrieben, weil zu der Zeit alle Grafik-Innovationen von PC-Grafik-Unternehmen gemacht wurden."

So gebe NVIDIA jährlich einen Betrag von 1,5 Milliarden Dollar für Forschung und Entwicklung im Grafikbereich aus. Im Laufe eines Konsolenzyklus' seien das gar 10 Milliarden Dollar, die in die Forschung fließen würden. Tamasis Meinung nach könnten sich weder Sony noch Microsoft leisten, so eine gewaltige Menge allein in die Grafik-Forschung zu investieren. Derartiges könne sich NVIDIA auch nur leisten, weil sie Jahr für Jahr mehrere hundert Millionen Chips verkaufen würden.

Auch von Bedeutung sei der Umstand, dass die Stromversorgung heutzutage einen limitierenden Faktor darstelle. Für mehr Leistung brauche man ein effizienteres Design. Und die effizientesten Designs kämen nun mal von NVIDIA und AMD.

"Die Konsolen haben eine Leistung von gerade mal 200, 300 Watt, wodurch man sie in den Wohnzimmer stellen kann, kleinere Lüfter für die Kühlung verwenden kann und sie dennoch ruhig und kühl laufen. Und das wird immer schwächer als ein PC sein, wo bereits die PGU rund 250 Watt benötigt. Es ist unmöglich, dass eine 200-Watt-Xbox einen 1000-Watt-PC schlägt."

Auf die Frage, warum sich die Current-Gen bei ihrer Veröffentlichung auf gleicher Höhe mit dem PC befand, teilt Tamasi mit, dass die Grafikindustrie im PC-Bereich zu der Zeit nicht bis ans äußerste Limit ging.

"Wenn man die Uhr zurückdreht, liefen die High-End-Grafikkarten zu der Zeit bei einer maximalen Leistung von 75 - 100 Watt. Wir bauten keine Chips im modernsten Halbleiterprozess und die bestanden noch nicht aus Milliarden von Transistoren. Jetzt bauen wir GPUs an der Grenze des Möglichen von Fabrikationsmethoden. Niemand kann zur Zeit etwas Größeres oder Leistungsfähigeres als das bauen, was sich momentan im PC befindet. Es ist einfach nicht möglich, aber das war bei der letzten Konsolengeneration nicht der Fall."

Die Kosten für Forschung und Entwicklung, die nötig wären, um einen Grafikstandard ähnlich dem des PCs zu erlangen, seien so enorm, dass sich das nur noch wenige Unternehmen überhaupt leisten könnten. Das Beste, was ein Konsolenhersteller tun könne, wäre es, eine Konsole zu entwickeln, die dem PC ebenbürtig ist. Doch schon ein Jahr später wäre sie wieder langsamer. Daher glaube Tamasi nicht mehr daran, dass eine Konsole den PC jemals wieder in Sachen Leistung übertreffen werde.

Einige Entwickler sehen in der fixen Hardware-Konstellation einer Konsole auch einen Vorteil. Und zwar darin, dass sie genau wüssten, mit was für einer Hardware sie es zu tun hätten, und dass sie auf Basis dessen im besten Falle mehr als dreimal soviel Leistung aus der Hardware pressen könnten.

"Ich denke, eine Konsole kann bis zu einer gewissen Grenze auch mehr Leistung aufbringen, als erwartet. Aber nicht um den Faktor Drei. Ich würde nicht an einen Faktor Zwei glauben", so Tamasi. "Die Dinge haben sich geändert. Direct X ist viel, viel besser geworden im Vergleich zu damals."

Tamasi sehe sogar einen Vorteil für den PC, da PS4 und Xbox One bekanntlich auf der x86-Architektur basieren - quasi ein Heimvorteil. Wenn die Entwickler also ihre Spiele für die PS4 und die Xbox One optimieren, profitiere gleichzeitig auch die PC-Version davon. Die Sieger seien in jedem Fall die Spieler.

Sehr direkte Worte vom Senior Vice President of Content and Technology NVIDIAs. Doch gleichzeitig muss man sich dessen gewahr werden, dass sich NVIDIAs einzige Konkurrenz AMD für die Kern-Hardware der Next-Gen-Konsolen PS4 und Xbox One auszeichnet. Der Verweis auf den PC als neuen, alten König der Hardware-Dominanz dürfte also auch eine Frage der Ehre darstellen.