Ein Jahr lang ohne Internet leben? Was für viele unvorstellbar ist, musste Jake Davis alias Topiary knallhart durchziehen. Der Hacker gilt als einer der führenden Köpfe hinter der Hackergruppierung LulzSec und bekam von einem britischen Gericht nicht nur eine elektronische Fußfessel verpasst, sondern muss auch ohne Internet auskommen.

In einem Gastbeitrag der britischen Tageszeitung The Guardian schrieb er über seine Erfahrungen, die er ohne Internet machte. Das letzte Mal im Internet sei er tatsächlich an jenem Tag gewesen, an dem er von der Polizei verhaftet wurde.

Laut Davis sei das Leben ohne Internet ruhig und es erscheine seltsam, dass sich die Menschen über tausende von Jahren entwickelt und angepasst haben, in der heutigen Gesellschaft es aber ein Problem darstelle, sich eine Existenz ohne Internet überhaupt vorstellen bzw. begreifen zu können.

Im Alltag vermisst er kaum das Internet: er liest normale Tageszeitungen, geht mit echtem Geld (statt Paypal und Co.) in echten Geschäften (statt Amazon und Co.) einkaufen. Einzig die Langeweile treibe ihn manchmal dazu, seine Sehnsucht nach dem Internet auszupacken. Denn vor allem vermisst er das schnelle Kennenlernen von Leuten übers Internet oder auch einfach nur normale Unterhaltungen in Chats.

Letztendlich aber genieße er das Leben ohne Internet. Er könne seine Augen schließen, ohne von den Medien regelrecht bombardiert zu werden. Die Paranoia sei verschwunden und Bücher erscheinen plötzlich viel interessanter.

Die Offline-Zeit habe bisher dazu beigetragen, dass er ein deutlich erfüllteres Leben habe. Zudem erscheinen ihn viele seiner Aktionen der Vergangenheit, vor allem als LulzSec-Mitglied, völlig unwichtig. Er habe damals einfach vergessen, wie einfach es sei, den Laptop-Deckel zu schließen und am realen Leben teilzunehmen. Das sind Wörter, von denen er bis vor kurzem noch nicht glaubte, sie jemals überhaupt aussprechen zu können.