Kino war nur der Anfang: 3D-Medien sollen schon bald auch Heimkino und Spielzimmer erobern. Die Technik entwickelt sich rasant und liefert beeindruckende Ergebnisse. Eines ist aber auch klar: Billig wird der Spaß nicht.

3D: Das ist jene beeindruckende Tricktechnik, die die meisten von uns tagtäglich erleben, wenn sie am Morgen die Augen aufmachen. HD-Auflösung, extrem breites Display und schier unendlich viele Frames per Second inklusive. Bloß: Die Handlung könnte besser sein. Dafür gibt es aber schließlich das Kino, das uns in Traumwelten oder auf fremde Planeten führt.

Die 3D-Revolution - Erst Kino, jetzt auch TV und Games: Alles wird 3D

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Avatar brachte die 3D-Revolution fürs Kino.
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Spätestens seit James Camerons „Avatar“ ist 3D-Kino das Thema des Jahres. Das Science-Fiction-Abenteuer zeigte uns in aufsehenerregender Weise das Potenzial der neuen, aber zugleich alten Technik des dreidimensionalen Sehens auf einer 2D-Leinwand. Stereoskopie wie es als Fachbegriff heißt, ist nämlich ein alter Hut. Bereits vor einem halben Jahrhundert setzten sich die Kinobesucher eine Brille auf die Nase, um den Effekt zu erleben.

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Klassiker des 3D-Kinos: Creature from the Black Lagoon.
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Bloß: Durchsetzen konnte sich das 3D-Kino damals nicht. Ein erheblicher Teil der Kinogeher klagte über Kopfschmerzen und Übelkeit. Grund dafür war analoge Projektionstechnik. Beim 3D-Kino bekommt jedes Auge einen leicht unterschiedlichen Blickwinkel serviert. Die Bilder müssen exakt aufeinander abgestimmt sein und das ist erst durch die neuen Digitalprojektoren möglich.

Der Rest ist inzwischen schon Filmgeschichte: Mit „Avatar“ feierte das 3D-Kino seinen endgültigen Durchbruch, die Begeisterung dafür hat alle Sparten der Unterhaltungselektronik erfasst, Fernseher sollen künftig 3D-fähig sein, ebenso Spiele.

Unterschiedliche Bildschirm-Techniken

Allerdings sollte man vorausschicken, dass sich die Techniken der 3D-Darstellung bei Kino und TV/Spielen voneinander unterscheiden – nicht im Grundprinzip, aber in der Umsetzung. Auf der großen Leinwand wird nämlich mit Polarisation gearbeitet: Die benötigten Teilbilder für jedes Auge werden dabei stets gleichzeitig projiziert, sie werden aber mittels Lichtdrehung quasi verschlüsselt. Eine Spezialbrille filtert dann für das rechte und das linke Auge das jeweils passende optische Signal.

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Shutter-Brillen sind für den 3D-Effekt zwingen erforderlich.
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Eine spezielle Brille ist zwar auch bei Heim-3D nötig, sie beruht allerdings auf einer anderen Technik, da Fernsehgeräte und Monitore keine Polarisierung zulassen. Eine „maßgeschneiderte“ Perspektive ist aber dennoch erforderlich. Die wird in schneller Folge abwechselnd eingeblendet und erfordert eine so genannte Shutter-Brille. Diese verdunkelt jeweils abwechselnd (durch Infrarot-Verbindung zum ausgestrahlten Signal passend) eine Seite nach dem LCD-Prinzip, sodass stets immer nur ein Auge tatsächlich etwas sieht. Das Gehirn verarbeitet das dann zu einem dreidimensionalen Gesamtbild.

Das Problem dabei: Mit herkömmlichen Fernsehern lässt sich der Effekt nicht einwandfrei darstellen, da die Bildwiederholfrequenz auf die Hälfte reduziert wird. Ein anstrengendes Flackern ist die Folge. Für eine optisch einwandfreie Darstellung sind aber (mindestens) 60 Hertz nötig, multipliziert mit zwei ergibt sich also eine benötigte Frequenz von 120 Hertz. Allerdings beherrschen das bisher nur die wenigsten Geräte, schon gar nicht der Durchschnitts-Flachmann, wie er derzeit im deutschen Wohnzimmer steht.

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Shutter Island

Der Einsatz der Shutter-Brillen funktioniert zweifellos. Ohne Probleme ist die Technik allerdings nicht: Die abwechselnde Verdunklung eines Auges hat zur Folge, dass die Gesamthelligkeit stark leidet – so als ob man durch eine Sonnenbrille fernsehen würde. Wie groß der Verlust der Lichtstärke bei 3D-Monitoren ist, hat gerade das Computermagazin c’t herausgefunden: Theoretisch könnte man annehmen, dass rund die Hälfte der Helligkeit insgesamt bei den Augen ankommt. In der Praxis ist der Verlust aber viel dramatischer, da die Licht-Ausbeute nur etwa zehn Prozent beträgt.

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Stereoskopie: Urvater der Shutter-Brille.
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Hinzu kommt, dass eine Shutter-Brille auf Dauer nicht gerade komfortabel ist: Akku und sonstige Elektronik sorgen für zusätzliches Gewicht, sie sind dadurch deutlich schwerer als Polarisationsbrillen, wie wir sie aus dem Kino kennen. Für die Dauer eines Spielfilms kann man sich an das Nasenzweitaktmoped wohl gewöhnen, bei längerem Zocken könnte es sich aber durchaus als störend erweisen – vor allem, wenn man zusätzlich eine optische Brille trägt.

Hardware hat Hunger

Zocken in 3D ist zweifellos ein Erlebnis. Das werden auch alle bestätigen, die es zuletzt auf der Cebit ausprobieren konnten. Ob es allerdings zu Hause so bald reproduzierbar sein wird, ist fraglich. Am PC zahlt man nämlich einen hohen Hardware-Preis für das räumliche Erlebnis, da im Wesentlichen die doppelte Framerate (bei vernünftig hoher Auflösung) benötigt wird. Für einen passenden Rechner muss man schon einige tausend Euro auf den Tisch legen, bereits besitzen wird ihn ohnehin kaum einer.

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Begeisterung: 3D-Wahn in der gamona-Redaktion.
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Die aktuellen Konsolen können wir aus der Rechnung wohl ebenfalls ausklammern. Die stoßen schon jetzt an ihre Leistungsgrenzen, an doppelte Framerate ist gar nicht zu denken, zumindest nicht, wenn man grafisch aufwändige Titel von heute als Maßstab nimmt. Anders gesagt: Ein „God of War 3“ in 3D wird es nicht geben.

Dennoch hat Sony für den Sommer mehrere Firmware-Updates angekündigt, die die PS3 3D-tauglich machen sollen – sowohl was Spiele betrifft als auch Blu-ray-Filme. Trotz gewisser Limitierungen, die sich durch den HDMI 1.3-Anschluss der PS3 ergeben (3D ist für den neuen 1.4-Standard ausgelegt), dürfte das zumindest bei Filmen klappen. Spiele sind ein anderes Thema, allerdings kann man zum jetzigen Zeitpunkt nur spekulieren, da Sony noch nichts Konkretes präsentiert hat. Wir tippen auf simple Arcade-Spielereien, die die Möglichkeiten aufzeigen, aber die Hardware nicht allzu sehr strapazieren.

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3D-TV: Für die dritte Dimension werden neue Geräte benötigt.
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Der angekündigte Zeitpunkt ist übrigens alles andere als zufällig: Die 3D-Updates sollen zur Markteinführung von Sonys passenden 3D-Fernsehern erfolgen. Ob das jetzt eine sinnvolle Verknüpfung der Geräte oder bloß ein Marketing-Schachzug ist, wird sich aber erst zeigen.

Auch die Xbox 360 wird über kurz oder lang ein 3D-Update bekommen. Wie gut die aktuelle Microsoft-Box das technisch verkraftet, ist ebenfalls fraglich. Im Auge sollte man den US-Konzern aber auf alle Fälle behalten: Die kommende Ganzkörper-Bewegungssteuerung Natal könnte im Zusammenhang mit räumlicher Darstellung interessante Möglichkeiten beim Gamedesign bieten.

Filme, Spiele, Fernsehen – die Inhalte

Technisch funktioniert 3D für Zuhause zweifellos. Über den Erfolg werden aber die Inhalte entscheiden. Filme wie „Avatar“ oder „Alice im Wunderland“ sind natürlich offensichtlich, die Anzahl der in 3D produzierten Filme wird auch sicher steigen.

Ob sie 2D-Filme so bald überholen, ist eine andere Frage. Deshalb arbeiten die Hersteller intensiv daran, das Material nachträglich 3D-tauglich zu machen. Das Prinzip ist mit dem sogenannten „Upscaling“ vergleichbar, also dem Hochrechnen von Videos in Standardauflösung auf HD. Nur simuliert der Computer hier nicht eine höhere Auflösung, sondern die Blickwinkel. Das ist zwar kein „echtes“ 3D, das Bild gewinnt aber mal mehr, mal weniger an Tiefeneffekt.

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Der Tod von der Leinwand: Auch Final Destination unterstützt 3D.
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Bei PC-Spielen funktioniert das bereits gut – sieht man von der Leistungsproblematik mal ab. Nvidias 3D Vision erlaubt es, etliche aktuelle Titel wie Crysis, Far Cry 2, Fallout 3 oder World of Warcraft inklusive eines räumlichen Effekts zu spielen – ohne dass die Spiele extra dafür programmiert worden sind.

Bis ausreichend natives Material zur Verfügung steht, ist es nur eine Frage der Zeit. Die Technik dafür ist ohnehin schon da, schließlich wollen auch die Kamerahersteller etwas vom 3D-Kuchen abhaben. Auch die Spielehersteller werden künftig verstärkt an den 3D-Optimierung achten. Aktuell zeichnet sich hier vor allem „Metro 2033“ aus, das im 3D-Modus besonders schick aussieht.

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Die Zukunft mit Brille: Metro 2033 - eines der ersten "echten" 3D-Spiele.
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Auch die Fernsehsender haben große Pläne für ihre Sportübertragungen: Abo-Sender Sky (vormals Premiere) präsentierte vor kurzem einem geladenen Publikum die 3D-Live-Übertragung eines Bundesliga-Fußballspiels. Die anwesende Fachpresse war angetan. Zwar bringt der Raumeffekt in der Totalen kaum etwas, von der Seitenlinie aber kommt der Raum-Effekt gut zur Geltung. Auch andere Sportarten könnten von 3D profitieren, etwa Formel 1, Tennis oder Boxen.

Eine Sache dürfte aber den Sky-Verantwortlichen durchaus Sorgen bereiten: Es sieht derzeit nicht danach aus, als ob in naher Zukunft viele Leute 3D-TV überhaupt empfangen werden können, da sich die HD-Übertragung in Deutschland nach wie vor nur sehr schleppend verbreitet.

Kaufen! Kaufen! Kaufen?

Die allgemeine Begeisterung für das Thema 3D ist sicherlich nicht unbegründet. Fast jeder, der diverse 3D-Medien schon selbst mal erlebt hat, berichtet von einem sehenswerten Mehrwert. Zumindest jene die optisch damit klarkommen, es gibt nämlich durchaus auch Nutzer, die im Zusammenhang mit Shutter-Brillen über Unwohlsein und Kopfschmerzen klagen. 3D zu verdammen und zu unterschätzen sollte man aber dennoch nicht, schließlich gab es auch vor „Avatar“ Kritiker, die 3D-Kino als bloßes Gimmick abtaten.

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Unser Tipp: Erstmal abwarten!
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Der Haken an der Sache ist hauptsächlich das Geld. Im Grunde muss man nämlich sein gesamtes PC- und Heimkino-Equipment austauschen, um 3D-fit zu werden. Nicht wenige von uns haben allerdings erst vor kurzem auf TFT oder Wohnzimmer-Flachmann umgestellt. Da stellt sich schon die Frage, wie schnell man bereit ist, das Konto erneut zu plündern.

Das pragmatische Vorgehen ist derzeit wahrscheinlich das beste: abwarten, wie schnell sich die Technik entwickelt, welche Kinderkrankheiten auftreten, und vor allem, bis sie billiger ist. Solange gehen wir halt weiter ins Kino. Auf der ganz großen Leinwand wirkt 3D ohnehin am besten.

"Echtes" 3D-Zocken mit Brille - interessant?

  • 36%Cool, aber ich warte bis es massentauglich ist
  • 25%Find ich gut, aber nur ohne Brille
  • 24%Gähn! Brauch ich nicht
  • 15%Super! Haben will!
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