Mit der „Zurück in die Zukunft“-Trilogie schufen Drehbuchautor Bob Gale und Regisseur Robert Zemeckis in den 80ern ein wahrlich magisches Meisterwerk. Urplötzlich schienen Zeitreisen möglich. Die Menschen begannen von selbstschnürenden Schuhen und Hoverboards zu träumen. Und manch ein eingefleischter Fan wird sich bei der Wahl seines Neuwagens mit Sicherheit für einen DeLorean entschieden haben.

Doch wer glaubt, die Abenteuer von Doc und Marty seien mit der Zerstörung der Zeitmaschine zu Ende, irrt gewaltig. Denn Telltale Games will dem Franchise neues Leben einhauchen und schickt die beiden Protagonisten erneut zurück in die Zukunft. Verstärkung holte man sich praktisch direkt vom Originalset. Mit Bob Gale und Christopher Lloyd soll sichergestellt werden, dass Fans der Serie erneut den Charme und Magie der Serie spüren dürfen. In kleinen Häppchen serviert natürlich.

Zurück in die Zukunft - Episode 5: Outatime3 weitere Videos

Auf in die Vergangenheit

Wir schreiben das Jahr 1985. Rund sechs Monate sind vergangen, seit Marty McFly das letzte Mal mit einem DeLorean durch die Zeit reisen durfte. Sechs Monate, seit er zusammen mit Doc Brown den Wilden Westen aufmischte und einen Riss im Raum-Zeit-Kontinuum verhinderte.

Zurück in die Zukunft - It's About Time: Telltale schickt euch auf Zeitreise

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Die Episode beginnt dort, wo bereits Teil eins der Trilogie begann. Auf dem Parkplatz vor der Twin Pines Mall.
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Doch es sind auch sechs Monate, in denen es vom Doc kein Lebenszeichen mehr gab. Selbst die Stadt Hill Valley scheint nicht an die Rückkehr ihres bedeutendsten Wissenschaftlers zu glauben. So gleicht das Anwesen der Browns einem Flohmarkt. Erfindungen, Instrumente, persönliche Gegenstände - alles wird für einen Spottpreis verhökert.

Mit Wehmut blickt unser junger Held noch einmal auf das Modell des Stadtkerns von Hill Valley, mit dem er und Doc einst seine Rückkehr in das Jahr 1985 planten. Noch ein letztes Blättern im Notizbuch des alten Freundes. Plötzlich ein Leuchten auf dem Vorhof der Werkstatt. Blitze. Ein lauter Knall und der DeLorean ist zurück, unversehrt.

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Rock n‘ Roll! Auch Biff Tannen hat einen Gastauftritt in dieser Episode.
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Doch von Doc keine Spur. Stattdessen an Bord: Einstein und ein Tonbandgerät mit einer Nachricht für Marty. Beim Abspielen wird klar, dass der Doc in Schwierigkeiten steckt. Marty muss zurück in die Vergangenheit, in das Jahr 1931, um seinem Freund das Leben zu retten.

So weit die Kurzsynopsis. In Wahrheit ist das Unterfangen aber weitaus komplizierter. Im Jahr 1931 angekommen muss Marty feststellen, dass der Doc im Gefängnis eingesperrt ist. Es bleiben ihm nur 24 Stunden, um seinem Freund beim Ausbruch zu helfen, bevor Doc von Gangstern kaltblütig auf den Stufen des Polizeireviers erschossen wird. Einzige Hoffnung ist der Raketenbohrer des jungen Emmett Brown. Den gilt es aber erst mal zu überzeugen - und zwar ohne ein Zeit-Paradoxon zu erschaffen.

Zurück in die Zukunft 3.5

Schon von Beginn an wirkt die Geschichte der ersten Episode sehr durchdacht und glänzt durch zahlreiche Parallelen zu den Originalwerken. Bereits die einleitende Sequenz ist an der des ersten Teils angelehnt: Nach seinem Zeitsprung versteckt Marty den DeLorean in gewohnter Manier hinter einer Werbebande und macht sich zu Fuß auf den Weg nach Hill Valley.

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Der Humor der Trilogie ist auch in der ersten Episode erhalten geblieben. Marty parkt den DeLorean vor der passenden Werbetafel.
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Hier trifft Marty auf bekannte Gesichter. Arthur McFly, Martys Großvater, sitzt in der hiesigen Suppenküche, als Kid Tannen, Biffs Vater, die Türe hineinstürmt. Es fallen Sätze wie „Was glotzt du so, Milchgesicht?“ und „Denk nach, McFly!“. Dabei ähneln sich Marty und sein Großvater in Mimik und Gestik.

Nicht die einzige Szene die eindeutig die Handschrift von Bob Gale trägt. Dank ihm schafften es die Entwickler zudem jedwede Anspielung so subtil zu verpacken, dass sie niemals stören oder gar als müder Abklatsch gelten können. Nur selten zeigt sich Telltales Hang zu Übertreibungen und Inkonsequenz.

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Marty sucht in der Vergangenheit Hilfe beim jungen Emmett Brown. Er soll ihm einen Raketenbohrer bauen.
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So wäre die Flucht aus dem Gefängnis mithilfe eines Raketenbohrers oder die Verfolgung eines Transporters mithilfe eines rosa Raketenfahrrads im Jahr 1931 in den Filmen niemals umgesetzt worden. Es hätte nicht dem Stil der Filme entsprochen. Zu plump, einfalls- und niveaulos.

Dies sei nur am Rande angemerkt. Auffälliger sind da schon die Ungereimtheiten, wenn man versucht, Filme und Spiel in Zusammenhang zu bringen. Wie bereits bemerkt, in sich wirkt das Spiel äußerst durchdacht. Jedoch ignoriert die erste Episode schlichtweg Schlüsselereignisse wie die Zerstörung des DeLoreans und Docs Frau und seine beiden Kinder. Nichts davon findet bis dato Erwähnung.

Bühne frei für Emmett Brown

Doch vielleicht gibt Telltale in den kommenden Episoden Aufschluss darüber. Es wäre den Entwicklern zumindest zu raten, um den eingefleischten Fan nicht zu verärgern (oder wirklich ein Zeit-Paradoxon zu erzeugen!).

Für Fans der Trilogie eine Offenbarung, für Fans von Adventures eher Magerkost.Fazit lesen

Denn ansonsten leistet der Entwickler inhaltlich hervorragende Arbeit. Und nicht nur das. Man schuf mit dem jungen Emmett Brown sogar selbst einen neuen Charakter und arbeitete ihn überragend aus.

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Der junge Emmett Brown ist der wahre Star dieser Episode. Mit seiner besonderen Art sorgt er für den einen oder anderen Lacher.
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Einerseits leichtgläubig, devot und pflichtbewusst, andererseits heldenhaft, mutig und voller Ehrgeiz stielt er Marty in einigen Szenen durchaus die Schau. Wunderbar sind die Gespräche zwischen Marty und ihm, wenn es um das Verhältnis zwischen Emmett und seinen Pflichten geht. Kein Wunder, dass die Entwickler den Höhepunkt der Episode in einem herrlich humorvollen Streitgespräch zwischen Emmett und seinem alten Herrn eingebaut haben.

Es ist genau diese Art von Humor, die in den Fans Erinnerungen weckt. Auch hier und da, wenn sich Marty als ein gewisser Michael Corleone ausgibt oder das Patent von Emmetts Raketenbohrer an Doctor McCoy vergeben möchte. Doch glänzt der Humor auch im Kleinen. So trägt das Schild einer Rechtsanwaltskanzlei den Namen Gale, Zemeckis & Fine in liebevoller Anspielung auf die Schöpfer der Trilogie.

Für Adventurefans nur Magerkost

Blickt man durch die Augen eines Adventurefans, zieht man ein etwas anderes Resümee. Spielerisch bietet Telltale Genreliebhabern nämlich nur Magerkost. Durch das Episodenformat wird man erneut in Sachen begehbarer Orte, nutzbare Gegenstände und gesprächsbereite Charaktere stark eingeschränkt.

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Marty macht sich mit dem Raketenbohrer auf den Weg, um Doc aus dem Gefängnis zu befreien.
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Das Resultat sind zu einfache Rätsel und eine mit zwei bis drei Stunden zu geringe Spielzeit. Die Gespräche sind meist sinnlos, haben gar den Hang die Spielzeit künstlich zu verlängern. So ist das Gesagte ist meist wertlos für die Fortgang der Geschichte und bieten kaum Inhalt. Letztlich bleibt dem Spieler sowieso nur noch die richtige Option um einen Trigger auszulösen.

Gegenstände sind zudem rar gesät. Allein die Tatsache, dass man das Tonbandgerät dreimal einsetzen und Einstein zweimal um Hilfe bitten muss, offenbart die Einfachheit der Rätsel.

Bei dieser fast schon künstlichen Linearität blutet das Herz des Genreliebhabers. Es zerplatzt jedoch sprichwörtlich beim kurzen Blick auf das Hilfesystem. Dieses ist so eindeutig, dass wir uns fragen, warum Telltale nicht gleich die Lösung mitgeliefert hat.

Unterm Strich verlangt der Titel spielerisch von einem Profi nicht mehr Interaktion und Gehirnschmalz als das Zappen beim Fernsehen mithilfe der Fernbedienung.

Die Brille des Liebhabers – und alles ist gut

Als Filmliebhaber hatte man sicherlich Zweifel im Hinblick auf die grafische Umsetzung. Doc Brown und Marty comicähnlich auf den Bildschirm gebannt? Kann so der Charme der Filme überhaupt wirken?

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Ein rosa Raketenfahrrad? Zuweilen neigt Telltale zu Übertreibungen.
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Er kann! Der Comiclook tut dem überhaupt keinen Abbruch. Ganz im Gegenteil. Es gelingt den Entwicklern gerade dadurch die Leichtigkeit der Filme und die Unbekümmertheit der Charaktere so einzufangen und wiederzugeben, als wäre die Trilogie erst letzte Woche in den hiesigen Kinos angelaufen. Es ist die Liebe zum Detail, die auch in diesem Bereich immer wieder Emotionen und Erinnerungen bei den Fans weckt.

Der Prolog auf dem Parkplatz der Mall, Docs Werkstatt mit all den Uhren an der Wand, darunter die Futtermaschine von Einstein und der übergroße Verstärker. Aber auch die detailgetreue Umsetzung des DeLoreans: Fluxkompensator, Zeitleitung und Mr. Fusion auf dem Dach. Man merkt einfach, dass hier Liebhaber am Werk waren.

Die Entwickler verzichteten dadurch bewusst auf überzeichnete und viel zu runde Hintergründe. Die Figuren haben auch kein karikiertes Erscheinungsbild. Jede einzelne Umsetzung hält sich so dicht an der Vorlage wie möglich.

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Eindeutig die Handschrift von Bob Gale! Großvater und Enkel mit der gleichen Geste zur selben Zeit.
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Dies macht auch Telltales Bemühen, die Rechte für das Aussehen von Michael J. Fox und Christopher Lloyd für das Projekt zu ergattern, deutlich. Man wollte hier keinen Klassiker kommerziell ausschlachten, sondern vielmehr eine Hommage, eine glaubwürdige Fortsetzung, schaffen.

Ein Beispiel gefällig? Der Tacho des DeLoreans nähert sich langsam den 88 Meilen pro Stunde, ein nahezu perfektes Michael-J.-Fox-Double drückt in gewohnter Manier das Gaspedal durch, der Fluxkompensator leuchtet und plötzlich setzt die heroische Titelmelodie ein. Gänsehautatmosphäre pur!

Technische Mängel

Doch es ist nicht alles Gold was glänzt. Denn an manchen Stellen stört wieder einmal die altbackene Telltale-Engine. Gerade bei Kanten verschiedener Gebäude und Figuren fallen technische Makel auf. Detailgrad, Schatten und auch Effekte lassen sehr zu wünschen übrig.

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Das viel zu einfache Hilfesystem vernichtet auch das letzte bisschen Anspruch.
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Die große Freude im Vorfeld, Telltale denke endlich auch an deutsche Spieler und spendiert ihnen gleich zu Beginn eine komplett deutsche Lokalisation, erweist sich als Schuss in den Ofen: Die Sprachausgabe ist grottenschlecht. Die Sprecher verfügen über wenig Talent. Betonung und Emotion kennen sie anscheinend nicht. Dazu kommt noch die schlechte Übersetzung des englischen Originals.

„Great Scott!“ Da empfehlen wir lieber die englische Sprachausgabe. Hier wartet Telltale zumindest mit Originalsprecher Christopher Lloyd als Doc Brown auf. Und auch A.J. Locascio in der Rolle des Marty McFly wirkt äußerst authentisch.

Schließlich muss man sich wiederholt über die schlechte Bedienung ärgern. Mit Tastatur ist der Titel kaum spielbar, da bei schnellen Kameraschwenks die Übersicht flöten geht. Hier wird rechts plötzlich zu links und oben zu unten. Die Maussteuerung spielt sich da schon einen Tick angenehmer. Sie wirkt für den Point n‘ Click-Kenner aber immer noch befremdlich.