Die Lust- und Lasterhallen der diesjährigen E3 quollen nicht gerade über vor neuen Marken. Zwischen Prequels, Sequels, Remakes, Fuchtelspielchen und technischen Errungenschaften – unglaublich, was man heutzutage alles mit Mobilgeräten und Konsolen machen kann, hust! – finden sich kaum neue Freudenspender. Kein Wunder also, dass die angereisten Journalisten nur im nüchtern-enttäuschten Unterton von den großen Pressekonferenzen berichteten.

Abgesehen von einer Handvoll Marken, lediglich Naughty Dogs „The Last of Us“ und der Open-World-Titel „Watch Dogs“ ließen unsere verfetteten Herzen höher schlagen, wurde auf dem PR-Marktschreierwettkampf der E3 nur wenig frische Ware feilgeboten.

Doch zum Glück gibt es auch noch Spiele, die erst im Laufe des Messemarathons zu „Muss ich im Auge behalten“-Kandidaten mutieren. Spiele, wie das Survival-Horror-Abenteuer „ZombiU“, das Nintendo zum Launch der WiiU unters Volk bringen will. Nun mag der Mainstream-Hater natürlich einwenden: „Nintendo versucht die Coregamer mit einem Zombiespiel zu beeindrucken? Was soll daran interessant sein?“

Nun, mein nörgelnder Freund: zum Beispiel der Werdegang des Spiels. Ursprünglich hieß „ZombiU“ nämlich „Killer Freaks from Outer Space“ und war als klassischer Egoshooter mit angeschraubtem XP-System geplant. Von stinkenden Untoten war bei der Präsentation besagten „Urspiels“ auf der letztjährigen E3 nichts zu sehen. Anstelle der charmanten Gammler machten damals noch schleimige Mini-Aliens den Schauplatz London unsicher. Nicht gerade der ideale Gegnertyp, um ein erwachsenes Publikum an den Bildschirm zu locken.

Wie gut, dass ein Zombieszenario im Handumdrehen entworfen ist: Einfach eine Seuche durch die britische Hauptstadt schicken und die Außerirdischen durch die derzeitigen Horror-Popstars ersetzen – fertig. Erfreulicherweise haben die Entwickler von Ubisoft Montpellier („Ghost Recon: Advanced Warfighter“ und „Beyond Good & Evil“) es nicht nur bei den äußerlichen Veränderungen belassen, sondern noch ein interessantes Survival-Konzept in der virtuellen Reinkarnation namens „ZombiU“ untergebracht.

ZombiU - Endlich wieder schlurfende Zombies der alten Schule

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28 Tage später: London wird mal wieder von Zombies heimgesucht.
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Nur ein Leben?

Die Quintessenz dieses Ansatzes lautet: Stirbt dein Charakter, ist er für immer weg und ein neuer tritt an seine Stelle. Der „Neue“ muss ohne die ergatterten Items und erworbenen Fähigkeiten seines Vorgängers auskommen. Und da „ZombiU“ keine klassischen Checkpoints besitzt und nur zwischen den Levels speichert, dürft ihr nach dem Ableben jede Mission von vorne beginnen.

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Dank dieser knackigen Survival-Zutaten - die extrem knapp bemessene Munition trägt hier sicherlich auch ihren Teil bei - weckt „ZombiU“ Erinnerungen an anspruchsvollere Zeiten des Genres. An Zeiten, in denen schon die geringste Form der Bleiverschwendung den in blutigen Buchstaben präsentierten „Game Over“-Bildschirm nach sich zogen. Als schon die kleinsten Fehleinschätzungen und um Millisekunden verpasste Chancen den Tod eures Helden bedeuteten.

Dass die Uhren in „ZombiU“ so anders ticken als bei vielen von Checkpoints und Munitionsvorräten gespickten modernen Genrevertretern, wird mir bereits beim ersten Ausflug durch das heruntergekommene London deutlich. Die Mission verschlägt mich in den verregneten Vorhof des Buckingham Palace, wo sich ein chaotisches Szenario vor mir auftut: Flugzeugwrackteile, Leichen, Container und Rettungsfahrzeuge säumen die Straßen.

Nacht der lebenden Toten

Bevor ich mich ins gammelige Getümmel stürze, steht allerdings Leichenfledderei auf dem Programm. Über den Touchscreen des WiiU-Controllers wähle ich die Items aus, die einen Ehrenplatz in meinem knapp bemessenen Rucksack (gerade einmal acht Gegenstände passen rein) verdienen. Anschließend nehme ich die Beine in die Hand, denn aus der Ferne dringen unverwechselbare Stöhn- und Schmatzgeräusche an meine Ohren. Es dauert nicht lange, und die Quellen dieser markerschütternden Klangkulisse schlürfen mir entgegen.

Ein atmosphärischer Überlebenskampf mit wohlplatzierten Schockmomenten und schlurfenden Zombies der alten Schule.Ausblick lesen

Ich begrüße die ersten Infizierten mit präzisen Kopfschüssen und befreie sie somit von ihrem Leid. Madige Schädel platzen und Gliedmaßen fliegen vor dem wolkenverhangenen Himmel an meinem Auge vorüber. Jeden niedergestreckten Feind untersuche ich. Mein Munitionsvorrat neigt sich langsam dem Ende zu und ich muss alles mitnehmen, was meine Überlebenschancen erhöht.

Nach drei Minuten habe ich das Ziel meiner Mission erreicht: einen Kindergarten, in dem ich Medikamente auftreiben soll. Hier ist nicht mehr viel von den glücklichen Tagen vergangener Zeiten zu spüren. Spielzeug und Möbel liegen quer verteilt am Boden. Kleine, blutige Handabdrücke an den Wänden künden von grausamen Ereignissen, die sich hier abgespielt haben müssen.

Ich spaziere weiter durch den Kindergarten und gelange durch einen Lüftungsschacht ins Domizil des Hausmeisters, dessen Leiche blutüberströmt in einer Ecke kauert. Tastenden Schrittes nähere ich mich dem toten Mann, als plötzlich der Schrank hinter mir mit einem lauten RUMMS aufklappt und ein Zombie an meine Gurgel springt. Drei gezielte Schüsse später klappt der halbverweste Gammler physikalisch korrekt vor meinen Füßen zusammen.

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Der WiiU-Controller dient unter anderem als Radar.
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Die nächste brenzlige Situation bringt mich mehr ins Schwitzen. Als ich versuche, eine Tür per Mini-Game auf dem Touchscreen zu öffnen, springt die Kamera in eine extreme Unterperspektive, die den halb verwesten Hausmeister zeigt, der direkt neben der Tür kauert. Mit Schweiß auf der Stirn wandern meine Blicke kontinuierlich zwischen dem Touchscreen des WiiU-Controllers und dem Fernsehbild hin und her. Jeden Moment rechne ich damit, dass der Infizierte sich stöhnend erhebt.

Geh nicht in den Keller!

Doch zu meiner Erleichterung läuft die Türknackerei problemlos über die Bühne. Genauso wie mein anschließender Gang zum Medizinschrank, an dem ich mich mit Antibiotika eindecke. Die nebligen Gassen Londons werde ich trotzdem nicht mehr als lebendiges Wesen erleben. Denn auf dem Rückweg durch den Kindergarten bricht plötzlich der morsche Holzboden unter meinen Füßen zusammen.

Dunkelheit umgibt mich. Ich schalte die Taschenlampe ein, die flackernd nur einen Bruchteil des Kellers offenbart. Und dann dringt plötzlich schrilles Kreischen an meine Ohren. Ich saue meine Calvin-Klein-Unterhose endgültig mit körpereigenen Bricketts ein und ziele mit der Pistole auf die infizierte Kindergärtnerin vor mir: Klick, Klick, Klick. Panisch greife ich in meinen Rucksack/WiiU-Controller und fingere die Armbrust heraus. Das verdammte Ding ist nicht geladen. Bevor ich die Waffe heben und mir mit Befreiungsschlägen Luft verschaffen kann, hat die zeternde Pädagogin schon ihre Zähne in meinem Hals versenkt.

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Unsere Mission beginnt am Buckingham Palace..
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Mein Charakter ist für immer tot. Weder Continues noch Checkpoints können ihn und seinen Spielfortschritt zurück ins Leben holen. Was bleibt, ist ein Rucksack mit acht Items, den der Verstorbene für den nächsten Helden zurücklässt. Ich muss die Mission also von Neuem beginnen, im Leib eines anderen Charakters. Ich muss mich wieder durch den Vorhof des Buckingham Palace und die „Krippe des Grauens“ kämpfen, um am Ende der Kindergärtnerin und meinem infiziertem Alter Ego samt Halswunde gegenüber zu stehen. Aber das ist eine andere Geschichte.