Die gute, alte Zeit: Vor über 30 Jahren machten zwei Spiele mächtig Furore, namentlich Pac-Man und Space Invaders. Auf unzähligen Spielautomaten wurden die Zeit- und Geldfresser gezockt, bis der letzte Highscore geknackt war und sich die stetig wachsende Spielerschaft moderneren Ideen zuwandte.

Zeit² - Launch Trailer

Dennoch gab es über die Jahre hinweg immer wieder Nachahmer, die das Erfolgsrezept meist eins zu eins kopierten. Insbesondere Space Invaders hatte viele Erben, auch wenn sie in den letzten Jahren immer seltener und qualitativ schwächer wurden. Um diesem Umstand Einhalt zu gebieten und dem Genre frisches Blut in die Venen zu pumpen, entstand im Jahre 2008 ein Studentenprojekt an der Technischen Universität Berlin. Anfangs nur als Semesterarbeit gedacht, konnte das kleine Studententeam den Publisher Ubisoft für sich gewinnen, um dem Programm die finalen Codezeilen einzuschärfen und es zu veröffentlichen.

Zeitgleich

Die gute, alte Zeit: Mit dem x-ten Space-Invaders-Klon lockt man aber keinen namhaften Produzenten aus der Luxusvilla, also ist Ideenreichtum gefragt.

Zeit² - Braid trifft R-Type: Ein wahrhaft "zeitloses" Spielprinzip

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Im Arcade-Modus wartet am Ende jedes Levels ein Bosskampf.
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Doch zunächst für alle, die mit dem Spielprinzip nicht vertraut sind: Ihr steuert ein Raumschiff, das automatisch von links nach rechts über den Bildschirm saust. Besagter Bildschirm wird konstant von der rechten Seite mit Gegnern befüllt, die - für eine optimale Punktzahl - ausnahmslos abgeschossen werden müssen. Das klingt einfacher, als es ist, und macht extrem süchtig - doch es wird, in langen Dosen verabreicht, auch recht schnell eintönig.

Um dem Abhilfe zu verschaffen, könnt ihr in Zeit² - wie der Name schon vermuten lässt - an der Uhr drehen, um euch die Aufgabe zu erleichtern (was auch bitter nötig ist). Im Angesicht aktueller Titel ist das an sich keine neue Idee, man denke an Braid, Prince of Persia, The Misadventures of P.B. Winterbottom, doch die Umsetzung ist wunderbar gelungen. Per Tastendruck spult man bis zu 4,2 Sekunden zurück, jedoch nicht nur, um sich aus einer brenzligen Situation zu retten.

Packshot zu Zeit²Zeit²Erschienen für Xbox 360 kaufen: Jetzt kaufen:

Sobald man die Taste loslässt, wiederholt ein Schattenraumschiff alle zuvor ausgeführten Aktionen (schießen, Upgrades sammeln, sterben), während man sich anderen Gegnern zuwenden kann. Durch geschickten Einsatz dieser Funktion kann man sich auch aus aussichtslos wirkenden Situationen retten, zumal man durch Beschießen des eigenen Schattens zusätzliche Zerstörung erzeugen kann.

Brightside Games entführt uns in die Ära der Spielautomaten. Im Gepäck: moderne Grafik und frische Ideen. Für Langeweile ist keine Zeit - sofern wir ab und zu pausieren.Fazit lesen

Das Zeitliche segnen

Apropos Zerstörung: Im Arcade-Modus, in dem man sich durch fünf Sektoren à vier Level inklusive Endboss schießt, spielt man nach und nach Spezialwaffen und einen besseren Standardlaser frei. Sowohl der große Laserstrahl als auch das Rundherum-Blitz-Gebrutzel brauchen einige Zeit zum Aufladen, sind aber auch entsprechend stark. Trotz der vielen Tricks sieht man in den späteren Levels oft den Game-over-Screen, denn Zeit² hat eine steile Lernkurve.

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In Kombination mit dem Zeit-Geist machen die Spezialattacken noch mehr Wumms.
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Neben der erwähnten Zeitmanipulation gibt es noch eine weitere Innovation: Die Lebensenergie des Raumschiffs (maximal 200%) sinkt bei Benutzung der Waffen kontinuierlich ab. Dadurch wird stupides Dauerfeuer zu einem gewissen Risiko. Sterben wird man aber dennoch meist auf andere Weise: Fliegen Gegner am Raumschiff vorbei aus dem Bildschirm oder treffen einen zu viele feindliche Projektile, gibt man schneller den Löffel ab, als man sich mithilfe von Treffern heilen könnte. In vielen Fällen kann man sich aber durch Heilcontainer retten, die fair verteilt in den Levels herumliegen. Die Menge an Power-ups ist aber sehr überschaubar, denn ansonsten gibt es nur noch Smart-Bomben (macht alles auf dem Bildschirm platt) und Punkte.

Zeit für was anderes

Hat man sich eingespielt und den Arcade-Modus beendet (Spielhallenveteranen dürften nur wenige Stunden beschäftigt sein), lockt Zeit² mit sechs weiteren Modi. Ganz altmodisch geht es letztendlich jedoch immer um die höchste Punktzahl, die man - dank XBox Live - weltweit vergleichen kann. Neben klassischen Variationen wie Rekordjagd, Zeitlimit und Überleben hat sich das Studententeam noch ein wenig mehr einfallen lassen.

Zeit² - Braid trifft R-Type: Ein wahrhaft "zeitloses" Spielprinzip

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Klassisch: der Zeitlimit-Modus.
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Im Wellenmodus muss der Spieler immer zahlreichere Gegner abwehren, ohne auch nur einen einzigen an sich vorbeiziehen zu lassen. Je weiter der Feind im Moment des Ablebens vom Raumschiff entfernt ist, desto mehr Punkte.

Im Herausforderungsmodus generiert das Spiel eine zufällige Aufgabe, die im Folgenden gelöst werden muss (zum Beispiel 200 Gegner hintereinander abschießen, eine bestimmte Menge an Feinden auf einmal erledigen…).

Am einfallsreichsten ist jedoch der Taktikmodus: Hier sind die Level extrem kurz (eine oder zwei Wellen an Feinden) und einige Gegner verändern sich, sobald sie einmal über den Bildschirm geflogen sind. Es gilt, die Viecher in der richtigen Reihenfolge abzuschießen, um die maximale Punktzahl zu erreichen.

Übrigens: Spult man die Zeit zurück und befindet sich am Ende wieder an seiner Ausgangsposition, hagelt es Extrapunkte. Außerdem lässt sich die Zeit auch vorspulen, wodurch ebenfalls zusätzliche Zähler aufs Konto flutschen. Diese Funktion habe ich aber selten benutzt, da die Level auch so schon knackig genug sind.

Zeitschleife

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Bei vielen Feinden hilft eine große Explosion.
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Womit wir zu den Gegnertypen kommen: Das Feindmaterial ist leider sehr beschränkt und die Unterschiede sind minimal. Wirklich interessant sind nur zwei Typen, die ausschließlich während einer Zeitreise getroffen werden können, und die stationären Geschütztürme, denen man ausweichen sollte. Auch sonst ist Zeit² minimalistisch: Es gibt nur zwei Hintergründe (blau und rot), die sich in erster Linie durch Leere auszeichnen und außer Standard-Lasergeräuschen gibt der Sound nichts her. Die grafischen Effekte sind nett, und es leuchtet und blitzt immer hübsch auf dem Monitor, doch nach einiger Zeit (oder Zeit²) wird sich so mancher Spieler vielleicht gelangweilt abwenden.