Seit etwa einer Woche rangiert ein Hit aus Kindheitstagen in den Top 10 der mobilen Download-Charts, zwischenzeitlich sogar auf dem ersten Platz! Die Rede ist allerdings nicht von Pokémon, sondern von Yu-Gi-Oh! Duel Links, ein Smartphone-Ableger des erfolgreichsten Sammelkartenspiels der Welt.

Yu-Gi-Oh! Duel Links - Trailer

Doch Yu-Gi-Oh! ist nicht nur verdammt populär, ich persönlich halte das Yu-Gi-Oh! Kartenspiel sogar für das beste Sammelkartenspiel überhaupt. Da, ich hab’s gesagt. Aber bevor jetzt eine Horde wütender Magic-Spieler verbal auf mich eindrischt, möchte ich betonen, dass Yu-Gi-Oh! nun einmal ein Teil meiner Kindheit ist. Mit fünf Jahren spielte ich Yu-Gi-Oh! Dark Duel Stories auf meinem Gameboy Color, heute spiele ich Yu-Gi-Oh! Duel Links auf meinem Smartphone. Doch besonders glücklich bin ich nicht, denn genauso wie ein Törichtes Begräbnis in Yu-Gi-Oh! ein Monster auf den Friedhof schickt, beerdigt Konami dieses altehrwürdige Franchise mit einem lieblosen Abklatsch.

Anfangs ist Yu-Gi-Oh! Duel Links, ähnlich wie Pokémon Go, ein Nostalgie-Trip allererster Güte: Ihr trefft altbekannte Charaktere wie Yami Yugi, Seto Kaiba, Joey Wheeler und Tea Gardner, spielt mit klassischen Vanilla-Karten wie dem Dunklen Magier oder dem Blauäugigen Weißen Drachen. Visuell gesehen stimmt die Gestaltung absolut, der Zeichenstil wirkt frisch und modern, obwohl er sich am über 20 Jahre alten Manga orientiert. Auch die Vertonung kann sich hören lassen, da mit den Original-Sprechern der Anime-Serie aus den USA immerhin waschechte Profis hinter den Mikrofonen standen.

Yu-Gi-Oh! Duel Links - Ein Törichtes Begräbnis für das beliebte Franchise

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Freut euch auf ein Wiedersehen mit bekannten Charakteren aus der Serie
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So werden Yu-Gi-Oh!-Fans zumindest die ersten Stunden lang gut unterhalten, dann bricht der Spielspaß von Yu-Gi-Oh! Duel Links allerdings massiv ein. Der Grund? Das Gameplay. Eigentlich sollte eine Umsetzung gar nicht so viel falsch machen können. Eigentlich. Yu-Gi-Oh! Duel Links entschied sich allerdings, die Regeln von Yu-Gi-Oh! grundsätzlich zu verändern: So habt ihr nicht, wie im Kartenspiel, jeweils fünf Zonen für Monster- sowie Zauber- und Fallenkarten, sondern lediglich drei. Auch beginnt das Spiel mit gerade einmal 4000, statt 8000 (Zukünftig 12000) Lebenspunkten, euer Deck besteht aus 20-30 Karten, statt 40-60 und eure Starthand beschränkt sich auf vier, statt fünf beziehungsweise sechs Karten. Außerdem wurden wichtige Elemente des modernen Kartenspiels, wie Synchro- oder XYZ-Monster, komplett vergessen.

Diese Yu-Gi-Oh!-Variante wirkt also wie eine sehr grobschlächtige, längst vergessene Version des beliebten Kartenspiels. Und das ist sie leider auch. Da gerade einmal 700 der mehr als 7000 verschiedenen Yu-Gi-Oh!-Karten im Spiel enthalten sind und selbige scheinbar völlig zufällig ausgewählt wurden, werden eure Decks und die Decks eurer Gegner immer nach dem gleichen Schema aufgebaut: Anstatt eine komplizierte Taktik zu verfolgen, schmeißt ihr einfach nur die stärksten Monster eurer Sammlung in euer Deck und hofft kein Pech beim Ziehen der Karten zu haben.

Im Ernst, hier ein idiotensicherer Guide um in Yu-Gi-Oh! Duel Links stets zu gewinnen:

Yu-Gi-Oh! Duel Links kleidet sich in einem wunderschönen Gewand, bietet allerdings den spielerischen Tiefgang eines aufblasbaren Planschbeckens.Fazit lesen

1) Ein Monster mit einem sehr hohen ATK-Wert beschwören und damit (Wenn möglich) angreifen.
2) Weitere Monster mit hohem ATK-Wert ziehen, beschwören und mit selbigen angreifen.
3) Schritte 1 & 2 wiederholen, bis entweder ihr oder euer Gegner keine Lebenspunkte mehr haben.

Klingt langweilig? Ist es auf Dauer leider auch. Yu-Gi-Oh! Duel Links ist Vanilla-Yu-Gi-Oh! in Reinform. Dass diese Variante allerdings fast 20 Jahre nach Release des Kartenspiels und zahlreichen, wichtigen Regeländerungen keinen Spieler mehr dauerhaft bei der Stange halten kann, sollte den meisten Fans und vor allen Dingen Konami bewusst sein. Wenigstens muss sich Yu-Gi-Oh! Duel Links nicht gefallen lassen, ein reines Pay-To-Win-Spiel zu sein: Im Verlauf des Abenteuers erhaltet ihr einige nützliche Karten und Packs. Die Option sich mithilfe von monetären Transfers einen Vorteil zu verschaffen besteht trotzdem, denn die stärkste Karte von allen, ist eben doch nicht der Blauäugige Weiße Drache, sondern die Kreditkarte. Yu-Gi-Oh! Duel Links bleibt dennoch ohne das Nutzen von Echtgeld spielbar, falls man es denn überhaupt noch spielen möchte.