Sagen wir's einfach, direkt und geradeheraus, ohne viel Klimbim: Natürlich gab es das schon mal, ziemlich genau sogar, vor etwas mehr als drei Jahren. Strickzeug und ein knuddeliger Held waren ebenso dabei wie all die „Ooohh!“- und langgezogen „Wie niiieeedlich!“-Rufe, die irgendwann im ersten Halbjahr 2015 erneut aus etlichen Wohnzimmern dringen werden. Hoffentlich mischen sich diesmal auch ein paar verärgerte Flüche darunter.

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Klar ist das hier ein umgemodeltes „Kirby und das magische Garn“, wozu etwas anderes behaupten? Die Fäden von Yoshi's Woolly World orientieren sich nur allzu deutlich an denen seines pinken Kollegen, dessen Testballon 2011 auf der Wii wohl hoch genug schwebte, um es demnächst noch einmal zu probieren. Selbst bei Nintendo wird euch niemand eine andere Version der Geschichte erzählen oder versuchen, die Ähnlichkeiten weit herunterzuspielen.

Jetzt, wo dieser Brocken beiseite geschoben ist: Yoshi bleibt Yoshi bleibt ein guter Typ. Wenn das tapsige Kerlchen in ein paar Monaten Herzen zum Schmelzen bringt, schlägt in seiner grünen Brust noch das Herz von einst; bis auf die flotte Garderobe hat er sich kaum etwas von Kirby abgeschaut, was ihr nach Yoshi's New Island so oder so interpretieren könnt.

Yoshi's Woolly World - „Dasselbe in Grün“, würde Kirby sagen

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Jetzt tut nicht so, als würdet ihr bei diesem Anblick nicht auch dahinschmelzen.
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Durch das Wollkorsett allein bekommt Yoshi noch keine schlankere Taille – wer eine grundlegendere Neuausrichtung der auf dem Super Nintendo etablierten Marschroute erwartet hat, sollte dieses Kapitel besser überspringen, der Rest freut sich auf das Wiedersehen eines alten Freundes, der nur selten zu Besuch kommt.

Yoshi und das magische Garn

Ein paar neue Tricks hat er sich schon einfallen lassen. Durch das schicke Äußere eher optische als spielerische, ganz ohne neue Hüpfer und Eier im Repertoire lässt sich der Dinosaurier dann aber auch nicht blicken. Wolkengeschosse waren eine der ersten augenscheinlichen Neuzugänge, mit denen sich der Schütze gezielt in luftige Höhen schrauben kann. Etwas Präzision und akkurate Absprünge vorausgesetzt, lassen sich auf diese Weise neue Wolken schaffen, auf denen der Dino anschließend zu neuen Zielen entlangflaniert.

Yoshi's Woolly World - „Dasselbe in Grün“, würde Kirby sagen

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Ein paar dezente spielerische Neuerungen wird es geben, allzu viel müsst ihr aber nicht erwarten.
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Noch eine ganze Ecke weiterer Spielereien soll es später geben, hieß es vor Ort bei Nintendo in Frankfurt, ohne dass dabei viel näher ins Detail gegangen wurde. Auch nicht unbedingt nötig bei drei spielbaren Abschnitten, die sich zwar nur bedingt voneinander unterscheiden und trotzdem so viel der liebenswürdigen Kleinigkeiten zeigen, die aus Yoshi's Woolly World wohl kaum das beste Hüpfspiel des Jahres, sicher aber das hinreißendste machen werden.

Liebenswürdiger geht nicht, mutiger schon: Yoshis neue Kleider stehen ihm ganz ausgezeichnet, machen aus ihm aber noch lange keinen anderen. Müssen sie allerdings auch nicht.Ausblick lesen

Selbst wenn ihr genau hingeschaut, ist es schwer, diese gänzlich auf bewegten Bildern zu erkennen. Yoshis grobmaschiger Körper lässt sich noch erfassen, ein paar Feinheiten der drolligen Welt ebenso, und trotzdem ist die Erfahrung auf einem großen HD-Fernseher noch einmal eine völlig andere. Wie bei den meisten Events üblich, waren auch die aufgestellten Fernseher bei Nintendo nur bedingt das Maß aller Dinge, doch selbst diese Kisten waren mehr als ausreichend, um erkennen zu lassen, welchen Vorteil Woolly World gegenüber Kirbys magischem Garn aus der Leistung der Wii U zieht.

Wie bei dem von Oma gehäkelten Rollkragenpulli stehen überall haarfeine Fäden ab; statt gepunkteter Eier verschießt ihr kuschelige Wollknäuel, während Yoshi Teile seiner Umgebung wie eine lange Spaghetti aufsaugt und abwickelt. Es ist die Art der „Will ich anfassen“-Plastizität, auf der bisweilen auch der Erfolg der Sackboys fußt – und die nun auf eine neue Ebene gehievt wird. Trotz des Dampfes der PlayStation 4 wird es für die Jungs von Media Molecule nicht ganz einfach, LittleBigPlanet 3 auf Sonys Next-Gen-Kiste genauso oder gar noch griffiger aussehen zu lassen.

Ob euch das neben dem eher konservativen Spiel reicht, hängt grundlegend davon ab, ob eure Sympathie zur grünen Knollnase irgendwo zwischen „Das Süßeste, das ich je gesehen habe“ und „Wo um alles in der Welt ist der rechte Pantoffel meiner Yoshi-Hausschuhe?“ liegt. Spielerisch gibt es keinen zwingenden Grund, das hier spielen zu müssen, wenn ihr innerhalb der letzten 15 Jahre schon mal mit Yoshi unterwegs wart.

Yoshi's Woolly World - „Dasselbe in Grün“, würde Kirby sagen

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Doppelt hält besser: Zu zweit spiel sich Woollys World eine Ecke schneller und dynamischer.
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Kirby's Woolly World

„Doch, die Möglichkeit, jetzt auch zu zweit zu spielen!“, könnte ein eifriger PR-Mensch nun einwerfen und läge damit nicht einmal grundlegend falsch. Wie fast alles im Leben bereitet auch Woollys World mehr Freude, wenn es mit einer anderen Person geteilt wird; das gegenseitige Dazwischenfunken und Abschießen mit Eiern sollte als Unterhaltung für ein, zwei Abende prächtig funktionieren, ist aber nur leidlich das, was man einen Kaufgrund nennen könnte. Übermäßig viele neue spielerische Facetten braucht ihr nicht erwarten, was für das gesamte Spiel gilt und nicht so schlimm ist, wie es vielleicht klingt.

Funktioniert alleine genauso prächtig wie mit einem fröhlichen Glucksen auf dem Sessel nebenan, gut möglich, dass es ohne Mitspieler sogar eine Ecke unbeschwerter wird. Nichts, was Yoshi's Woolly World unbedingt nötig hätte: mit Ausnahme von Yoshi's Island auf dem Super Nintendo war spielerischer Anspruch nie eine Domäne des grünen Dinos, der kaum einen Game-Over-Bildschirm in seinen Abenteuern duldet.

Yoshi's Woolly World - „Dasselbe in Grün“, würde Kirby sagen

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Im Stillen wünsche ich mir ja eine Kuscheltierkollektion, wenn Yoshi's Wolly World erscheint.
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Niemand erwartet hier ein Super Meat Boy und zumindest dahingehend wird es auch keine Enttäuschungen geben. Es sind nicht die offensichtlichen optischen Überschneidungen zwischen Kirby und das magische Garn und Yoshis Version davon, sondern das dutzendfache Ausschütten von Extraleben, das In-Watte-Packen der Spieler, mit dem es Big N übertreiben könnte. Schon bei Kirby schlug das Pendel stärker Richtung Anspruchslosig- denn Anfängerfreundlichkeit aus und bislang scheint es, als könnte sich diese Geschichte im nächsten Jahr wiederholen.

Drei Level sind kein adäquater Querschnitt eines Spiels, das später locker mit dem Zehn-, Zwanzigfachen aufwartet, doch zumindest während dieser Zeit war geringe Lebensenergie nie mein Problem und ein Kreis voller Herzen um den drolligen Protagonisten legt nahe, dass sich daran auch später nicht viel ändern könnte.

„Wie süüüß!“-Rufe und weitere Liebesbekundungen wird es wieder zu Genüge geben. Ob sich zwischen diese auch ein gesundes Maß genervter Seufzer mischen wird, muss sich erst noch zeigen.