Es ist schön, eine Ausrede zu haben. Besonders, wenn diese Ausrede nicht zu überprüfen ist. Das dachten sich wohl auch die Japaner, und so beschuldigen sie einfach seit Jahrhunderten für Missgeschicke verschiedene Geister. Du stolperst und landest auf der Nase? Ein Geist hat dir ein Bein gestellt! Du verpasst den Bus? Ein Geist war Schuld! Dein Butterbrot fällt runter und landet auf der bestrichenen Seite? Natürlich, ein Geist erlaubte sich einen Schabernack mit dir. Das Entwicklerteam Level 5 hat sich dazu entschlossen, aus diesem Aberglauben ein ganzes Spiele-Franchise zu entwickeln. Yo-Kai Watch heißt die 3DS-Reihe, die sogar ihren eigenen Anime bekommen hat. Der zweite Teil kommt auch bald hierzulande raus - ob er sich lohnen wird, erfahrt ihr in unserer Vorschau.

Aber moment mal, Level 5? Das sind doch die Entwickler von Professor Layton, Ni No Kuni und Inazuma Eleven? Korrekt. Das Studio, welches schon so einige beliebte Franchises aus dem Boden gestampft hat, besitzt ordentlich Erfahrung, was die Produktion von japanischen Rollenspielen angeht. Ein besonderes Merkmal des Studios: in fast allen Titeln kann man unzählige Monster oder Charaktere sammeln, die einem beim Weiterkommen helfen sollen. Das ist auch bei Yo-Kai Watch 2 nicht anders, statt Monster sammelt man hier allerdings die vorher beschriebenen Gespenster. Selbige werden auch nicht in Pokébällen, sondern in Spielchips eurer Armbanduhr versiegelt. Diese wurde allerdings von fiesen Hexen geklaut, was tun? Natürlich in die Zeit zurückreisen um den Großvater des Charakters zu treffen, der gerade die allererste Yo-Kai Watch baut.

Wer Yo-Kai Watch noch nicht kennt, hier ein kleiner Erklär-Trailer:

Yo-Kai Watch - Einführungs-TrailerEin weiteres Video

Zeitreisen inklusive

Aufgrund dieser Story-Idee bietet Yo-Kai Watch 2 ein sehr interessantes Feature: Stets wechselt ihr zwischen dem aktuellen Japan und dem von vor 60 Jahren hin und her, erledigt dort Haupt- und Nebenquests. So müsst ihr in einer Quest beispielsweise einem Witwer ein Foto seiner Frau von vor 60 Jahren besorgen - Marty McFly lässt grüßen. Dass auch ernste Themen, wie etwa der Tod älterer Menschen oder die Scheidung der Eltern, in Yo-Kai Watch 2 kindgerecht angesprochen werden, ist ebenfalls ein großer Pluspunkt.

Soviel zur Story und zum zentralen Gameplay-Element. Allerdings entschied sich Yo-Kai Watch 2, mit dem Kampfsystem einige Regeln zu brechen. So entscheidet nicht ihr, mit welchen Attacken euer Yo-Kai angreift, sondern das übernehmen die Yo-Kai selbst. Zwar könnt ihr ein Ziel diktieren, insgesamt wirkt das Kampfsystem aber doch etwas ungewohnt und visuell überfüllt. Für Spezialattacken müssen Minispiele absolviert werden, was anfangs noch Spaß macht, sich vermutlich aber auch schnell abnutzt. Gerade jüngeren Spielern könnte dieses System zwar gefallen, das Kampfsystem von Yo-Kai Watch 2 erscheint aber im Vergleich zu anderen Genre-Vertretern ein bisschen abgemagert.

Yo-Kai Watch 2 - Viel mehr als ein Pokémon-Klon

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Spezialattacken werden mithilfe von Minispielen ausgelöst
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Charmant wie George Clooney

Der größte Pluspunkt des Spiels ist aber definitiv sein Charme. Egal, ob ihr euch im Japan der Neuzeit oder dem von vor 60 Jahren bewegt, die Welt ist detailreich gestaltet und weiß gerade Nippon-Fans zu begeistern. Kleine Kniffe geben dem Spiel eine besondere Note: So muss man anfangs die U-Bahn oder den Bus nehmen, um von A nach B zu kommen - inklusive Wartezeit und dem Bezahlen eines Tickets. Auch über eine rote Ampel zu laufen kann schwere Folgen haben, wie beispielsweise einen Bosskampf. Der Humor ist herrlich schräg, wenn auch teils etwas kindisch. Wer allerdings bei Anime wie One Piece oder Dr Slump ebenfalls schmunzeln muss, für den ist diese Art von Humor genau das richtige! Auch die Yo-Kai selbst sind kreativ designt, viele von ihnen basieren auf japanischen Sagen und Legenden wie beispielsweise einem Kappa.